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Leselupe.de > Ungereimtes
Jahrgedächtnis
Eingestellt am 30. 09. 2003 21:57


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blaustrumpf
???
Registriert: Mar 2003

Werke: 20
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Jahrgedächtnis


Weiße Haare
an ihrem Kinn.
Dicke Brillengläser,
die Augen dahinter
unterschiedlich groß.
Aus den Taschen des Kittels zupften
ihre unruhigen Finger Flusen.
Den Kittel und anderes
holte die Caritas,
das Blindenwerk
nahm die Brille mit Dank.
Die Pinzette liegt noch dort drüben.
Wo ist Oma






__________________
Dafür bin ich nicht aus dem Schrank gekommen, um mich in eine Schublade stecken zu lassen.

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El Gazzo
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2003

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Meine Mutter ist vor 3 Monaten gestorben, dein Gedicht hat mir wieder Tränen in die Augen getrieben...

Gazzo

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
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Spannung

Liebe Blaustrumpf,

was Deiner Protagonistin so einfällt, wenn sie an die Oma denkt, lässt die Oma lebendig werden. großartig finde ich diese Spannung: Wie und wohin ihre Utensilien verschwunden sind, weiß man - wo sie selbst ist, weiß man nicht.

Liebe Grüsse Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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mako
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Blaustrümpfin,

ich habe Dein Gedicht schon vor ein paar Tagen gelesen und nun wieder. Ich finde es wunderbar einfühlsam. Es hat mich sehr bewegt, insbesondere die Art wie Du Deine Oma beschreibst, mit so wenigen Details und doch so liebevoll.

Die Leere, die zurückblieb, ist für mich deutlich mit dem Bild des übriggebliebenen scheinbar unbedeutsamen Gegenstandes "Pinzette" fühlbar.

Bei diesem persönlichen Text, den ich auch noch als sehr gut empfinde, fällt es mir allerdings schwer "herumzukritisieren". Deswegen habe ich es mit Abstand noch einmal gelesen und schreibe nun doch.

Auf mich würde der Text noch intensiver wirken, wenn der letzte Vers "Wo ist Oma" nicht wäre. Er sagt zwar etwas zur Person, die Du beschreibst, doch ich bräuchte den letzten Vers nicht, um als Leser ein Bild vor Augen zu haben. Das Bild nicht nur dieses von Dir so geliebten Menschen, sondern auch das meiner eigenen Großmutter. Daher stört es den Eindruck der vorherigen Bilder.

Ist aber nur mein Empfinden.

Mit nächtlichem Gruß
Mako

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Torquato
Häufig gelesener Autor
Registriert: Sep 2000

Werke: 30
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ein Blaustrumpf der zaubert

dein Gedicht hat den Titel "Jahrgedächtnis",
ich stelle mir vor, dass lyrische Ich erinnert sich,
vielleicht ist es grad ein Jahr her, dass die Oma
noch da war, mit ihren weiße Haaren am Kinn.
Ihre Augen, unterschiedlich groß, hatten starke Gläser nötig.
Was blieb? Nicht die Flusen, die Oma aus den Taschen
des Kittels zog, nicht der Kettel selbst,
alles holte die Caritas, das Blindenwerk bekam die Brille.
.
"eigentlich" darf man dein Gedicht gar nicht zerstückeln,
ich tat es nur, um mich zu vergewissern, was dieser zarte und enorm starke Text alles transportiert, besonders
eine Stimmung baut sich auf, Abschied, Ende, und hinter
allem ein lebender warmherziger Mensch, der den letzten Weg gehen mußte.
.
wäre ich Lyriklehrer, sagte ich zu dir, Blaustrumpf,
- "perfekt"!
Besuchst du mal meine HP Hier klicken (Lyrik)
Gruss in deine Werkstatt!

__________________
Der Mensch ist verloren, der keinen Zielhafen hat (aber viele sind auch schon im Hafen umgekommen)

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
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Liebe blaustrumpf,

eine Frage: Ist es Absicht oder ein Versehen, daß nach der letzten Zeile kein Schlußzeichen folgt?

Die Frage nach der Oma hängt gleichsam in der Luft.

Ich würde die Zeile übrigens lassen; vorher ist es eine zwar geliebte und vermißte, aber namenlose Person - erst in dieser Zeile wird es "die Oma". Was da alles mitschwingt in diesem Wort.

Liebe Grüße,
Zefira (fragt auch manchmal nach ihrer Mama)
__________________
schmollfisch

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