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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Jaime und Susana
Eingestellt am 28. 08. 2009 07:34


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Retep
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Aus meinem Tagebuch

Jaime und Susana

In jenen Zeiten, das ist schon l├Ąnger her, war es nicht schwierig, Geld aus dem Ausland zu erhalten.
Besonders leicht war es, wenn Einzelnen geholfen werden sollte. Europ├Ąer, besonders Deutsche, waren bereit und willig zu helfen, wenn man nur an ihr Mitleid appellierte. F├╝r gro├čartige Ideen, es gab kaum welche, war es schwierig, Hilfe zu bekommen.

F├╝r einen neuen Bootsmotor war Geld gekommen. Der Fischer hatte aber schon einen, woher auch immer, wahrscheinlich hatte er ihn irgendwo gestohlen. Er war auch danach gleich mit seinem Boot und Motor verschwunden.
Er arbeite jetzt irgendwo im S├╝den, erz├Ąhlte seine Frau allen. Es ging aber das Ger├╝cht um, dass er mit einem M├Ądchen unterwegs war und dass er wahrscheinlich nie wieder zur├╝ckkommen w├╝rde.

F├╝r die Operation des Blinden war also Geld da.

Jaime war als Kind irgendwie erblindet. Einige sagten, er sei krank gewesen, andere, er habe zu viel onaniert.
Es hie├č immer, man k├Ânne ihn operieren, wenn nur ausreichend Geld da w├Ąre.
Er fand sich gut zurecht, seine H├╝tte war klein, alles musste immer am gleichen Ort stehen. Das war nicht schwer, stand da doch fast nichts in der H├╝tte.
Er fiel auch im Ort nicht besonders auf, h├Âchstens seine gro├če Sonnenbrille. Er sa├č wie die anderen M├Ąnner herum, trank mit ihnen, wenn Geld da war, Bier oder Wein.
Manchmal zu viel.
Wenn er ein Klavier h├Ątte, w├Ąre er sicherlich ein ber├╝hmter Pianist, sagte er immer wieder. Meistens, wenn er zu viel getrunken hatte.
Er hatte von einem ber├╝hmten blinden Pianisten geh├Ârt.
Gute Freunde von ihm hatten einmal versucht, ein Klavier f├╝r ihn zu erwerben. Sie waren irgendwo eingebrochen, hatten einen Fl├╝gel aus einem Haus geholt. Die Hausbesitzer waren gerade irgendwo in Europa. Der Transport bereitete gr├Â├čere Schwierigkeiten. Es gelang ihnen, einen Lastwagen zu besorgen.
Der Fl├╝gel passte aber dann nicht durch die T├╝r von Jaimes H├╝tte. Als sie die vordere Hauswand einrei├čen wollten, war Jaimes Frau Susana dagegen, das Piano habe auch in der H├╝tte keinen Platz, sagte sie.
Es stand dann l├Ąngere Zeit bei Regen und Sonnenschein auf der Stra├če, Kinder sprangen auf ihm herum.
Eines Tages nach viel Wein versuchte Jaime ein Konzert unter freiem Himmel zu geben. Als er merkte, dass seine Musik keine Musik war, meinte er, man k├Ânne eben nur unter D├Ąchern spielen.
Alle ber├╝hmten Leute h├Ątten stets unter einem Dach ihre Konzerte gegeben.
Irgendwann wurde aus dem Fl├╝gel dann Feuerholz gemacht. Mit dem Draht der Saiten konnte man D├Ącher fester anbinden und W├Ąsche aufh├Ąngen.

Fast alle Frauen arbeiteten irgendwo.
Susana machte bei reichen Leute die H├Ąuser sauber. Sie fand immer leicht eine Stelle, jede Hausfrau stellte sie sofort ein, war sie doch keine Gefahr f├╝r deren Ehemann.
Susana hatte einen sch├Ânen K├Ârper, war ├╝berall gepolstert, wo es sein sollte, hatte gute Beine, lange schwarze Haare, war nicht zu gro├č und nicht zu klein.
Im Bett brauchte man ihr kein Kissen unter den Hintern zu legen, wie man es hier ausdr├╝ckte. Und eine Stimme hatte sie, weich und verf├╝hrerisch.
Aber ihr Gesicht war kaum zu beschreiben, sah es doch aus wie Frankensteins Gesicht nach mehreren missgl├╝ckten Operationen.
Die Eheleute liebten sich sehr, gingen z├Ąrtlich miteinander um.

Ich fuhr in die Hauptstadt, sprach mit verschiedenen ├ärzten. Jaime wurde untersucht. Ja, man k├Ânne ihn operieren, wahrscheinlich k├Ânne er dann normal sehen.

Susana brachte ihn ins Krankenhaus, sie war begeistert, Jaime auch.
Ein neues Leben w├╝rde f├╝r sie beginnen, vielleicht w├╝rde Jaime sogar Konzertpianist. Sie w├╝rden dann zusammen bis ans Ende aller Tage in einem sch├Ânen Haus wohnen, mit einem gro├čen Garten, vielleicht auch mit Schwimmbad.
Susana hatte solche H├Ąuser bei ihrer Arbeit kennen gelernt.

Eine Woche nach der Operation ging ich ins Krankenhaus.
Jaime lag strahlend im Bett. Er konnte jetzt sehen.
Er m├╝sse mir etwas sagen, erkl├Ąrte Jaime.
Nein, er brauche sich nicht gro├čartig zu bedanken,
das sei unn├Âtig, meinte ich.
Es gehe um etwas anderes, sagte Jaime:
ÔÇ×Don Pedro,ich habe mich von Susana getrennt!"

__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann bei├čen sie hinein und sagen: ÔÇ×Schmeckt gar nicht wie Birne.ÔÇť< (Max Frisch)

Version vom 28. 08. 2009 07:34
Version vom 28. 08. 2009 13:20

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suzah
Guest
Registriert: Not Yet

hallo retep,
gern gelesen, die geschichte ist gut geschrieben und absolut nachvollziehbar,
ausgenommen der erste absatz ├╝ber die arbeiterklasse, der mir so nicht ganz gef├Ąllt.

"Jaime st├Ârte das wenig." kann wohl entfallen, man wei├č ja, er ist blind und sieht es nicht.

3 tage nach der OP, kommt mir etwas kurz vor, aber ich bin kein augenarzt und kann es nicht beurteilen.

kleiner fehler: am schlu├č schreibst du "susanne" statt susana.

liebe gr├╝├če suzah

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Gernot Jennerwein
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hallo retep

die geschichte gef├Ąllt mir gut.

tip:

quote:
Es ging aber das Ger├╝cht herum,
quote:
Es stand dann l├Ąngere Zeit bei Regen und Sonnenschein auf der Stra├če herum, Kinder sprangen auf ihm herum.
quote:
Als er merkte, dass das nicht funktionierte seine Musik keine Musik war, meinte er, man k├Ânne eben nur unter D├Ąchern spielen.

liebe gr├╝├če
gernot

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