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Leselupe.de > Kindergeschichten
Jan, der in den Abfluss springt
Eingestellt am 15. 05. 2003 23:08


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Flitzi
Routinierter Autor
Registriert: May 2001

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Jan, der in den Abfluss springt!

Plitsch-Platsch! Mit einer riesigen Welle taucht Jans Kopf aus dem Wasser auf. Er hat die Stimme seiner Mutter gehört, aber nicht genau verstanden, was sie gesagt hat.
„Jan, komm endlich aus der Wanne heraus!“. Ihre Stimme klingt ein wenig verärgert. Das liegt daran, dass sie nun schon zum dritten Mal ins Badezimmer gekommen ist, um Jan aus der Wanne zu holen.
„Ich kann nicht raus, Mama!“, sagt Jan und grinst, „Ich bin noch gar nicht richtig sauber!“.
„Wie lange brauchst Du denn noch? Du sitzt jetzt schon eine halbe Stunde in der Wanne. Soll ich Dich erst nächste Woche herausholen, wenn Dir schon Schwimmflossen gewachsen sind?“
„Das wäre nett! Bis nächste Woche!“, antwortet Jan und taucht unter. Er will nicht aus der Wanne. Auf gar keinen Fall. Wenn er heraus steigt, dann muss er sofort ins Bett und darauf hat er überhaupt keine Lust. Er muss doch noch soviel entdecken und erforschen und spielen, da hat er einfach keine Zeit zum Schlafen. Während er ein paar Schwimmbewegungen im Badewasser macht, tippt ihm seine Mutter auf die Schulter. Jan taucht erneut auf.
Seine Mutter guckt ihn böse an. Dann zieht sie den Stöpsel aus der Badewanne und sagt: „In fünf Minuten stehst Du mit Schlafanzug im Wohnzimmer und sagst Gute-Nacht!“. Sie dreht sich um und geht.
Jan guckt jetzt auch böse. Er findet es richtig doof, dass das Wasser nun langsam aus der Wanne läuft. Mit seinem roten Lieblingswaschlappen versucht er das Wasser am Entrinnen zu hindern. Der Waschlappen, den er von seiner Tante bekommen hat, sieht aus wie ein rotes Krokodil mit großen Augen und einem riesigen Maul. Zusammen versuchen sie mit schnellen Ruderbewegungen das Wasser in der Wanne zu halten, aber es klappt nicht. Jan guckt traurig. Das meiste Wasser ist schon den Abfluss herunter geflossen, als ihm plötzlich eine Idee kommt. Wieso soll er eigentlich aus der Wanne heraus steigen? Er könnte doch mit dem Wasser den Abfluss hinunter schwimmen! Er wollte immer schon wissen, wohin sein Badewasser fließt. Ohne lange zu überlegen, nimmt er seinen Waschlappen und springt in den Abfluss. Es wird stockdunkel und Jan rutscht das Rohr entlang, ohne etwas sehen zu können. Ein bisschen unheimlich findet er das schon. Doch langsam wird es heller und Jan erkennt, dass er auf einer gigantischen Wasserrutsche bergab rutscht. Mit Riesengeschwindigkeit saust er durch eine scharfe Kurve weiter hinunter. „Hui! Das ist ja super!“, quietscht er vergnügt. So eine tolle Wasserrutsche hat er hoch nie gesehen. Plötzlich hört er auch andere Stimmen im Rohr, lachende, quiekende Kinderstimmen. Jan horcht auf und bemerkt, dass überall auf der Rutsche, vor ihm und hinter ihm, noch andere Kinder sein müssen. „Haaaaalloooo!“, schreit er so laut, dass es widerhallt, aber niemand antwortet ihm. Und er kann auch niemanden sehen. Er rutscht weiter. Auf einmal nähert sich von hinten ein Mädchen in Badeanzug. „Platz da! Hier komme ich!“, ruft sie und deutet mit ihren wedelnden Armen an, dass Jan aus dem Weg gehen soll.
„Ich beeile mich ja schon!“, ruft er und versucht mit den Händen am Rand mehr Schwung zu bekommen, aber das Mädchen holt ihn ein.
„Wo führt die Rutsche denn hin?“, möchte Jan neugierig wissen, als sie sich an ihm vorbeidrängt.
„Ins Kinderland! Du warst wohl noch nie unten, oder? Es wird Dir gefallen!“, sagt das Mädchen und verschwindet lachend in der nächsten Kurve. Jan ist neugierig, krallt sich an seinem Zauberwachlappen fest und legt sich hin. So kann er schneller rutschen. Nach einigen weiteren Kurven sieht Jan einen Lichtschein. Der Ausgang nähert sich. Die letzten Meter wird Jan immer schneller und schneller, bis er mit einem mächtigen Sprung in ein riesiges Schwimmbecken eintaucht. Er kommt wieder an die Wasseroberfläche und schaut sich um. Ein Haufen von Kindern planscht und tobt herum. Sie haben einen Riesenspaß und weit und breit ist kein Erwachsener zu sehen. Ein paar Kinder springen vom Beckenrand ins Wasser, einige drehen gefährliche Saltos vom Sprungturm, und niemand meckert. Andere Kinder bleiben länger als 5 Minuten unter Wasser, spielen und unterhalten sich dort. Jan staunt. Plötzlich taucht vor ihm das Mädchen aus der Rutsche wieder auf.
„Du bist wohl neu hier?“, fragt sie. „Komm doch mit unter Wasser, da können wir auch spielen.“
„Aber ich kann doch gar nicht so lange die Luft anhalten.“ Jan wundert sich, dass die anderen Kinder kein Problem damit haben.
„Das brauchst Du gar nicht. Du kannst unter Wasser atmen. Hier kannst Du alles machen, was Du möchtest und sonst nicht darfst. Hier ist das Kinderland, hier ist alles möglich. Komm mit!“
Sie nimmt Jan an die Hand und zieht ihn unter Wasser. Jan kann es kaum glauben, aber es funktioniert. Er kann atmen, spielen und sogar reden. Jedes Kind kann tun was es will, weil nirgendwo ein Erwachsener ist. Niemand der sagt, dass man aufpassen oder ins Bett gehen muss, nicht zu laut sein oder keine Süßigkeiten essen darf. Das Mädchen zeigt Jan einen Wasserspielplatz, auf dem es Unterwasser-Rutschen und sogar Schaukeln gibt. Selbst ein kleiner Eisladen, in dem man soviel Eis essen kann, bis einem schlecht wird, gibt es dort. Jan kriegt vor lauter Staunen den Mund nicht mehr zu. Wie gut, dass er nicht freiwillig aus der Wanne geklettert ist. Hier ist es ja soooo schön. Als ihm das Mädchen eine Eiswaffel in die Hand drückt, merkt Jan jedoch, dass sein roter Krokodil-Waschlappen verschwunden ist. Erschrocken fängt er an zu suchen.
„Wohin schwimmst Du?“ Das kleine Mädchen folgt ihm neugierig.
„Ich habe etwas verloren!“ Jan blickt suchend umher.
„Was denn? Man kann doch sowieso nichts aus der Erwachsenen-Welt mit hier hin bringen.“ Jan schaut sie verwundert an.
„Wieso nicht?“
„Hier unten ist alles aus der Erwachsenen-Welt verboten.“
„Aber ich habe mein Krokodil-Waschlappen verloren. Das ist doch mein Freund. Der kann doch nicht verboten sein.“
„Doch! Ein Waschlappen ist ein Werkzeug der Erwachsenen und deshalb nicht erlaubt. Alles was nicht erlaubt ist und doch hier hin gelangt, verwandelt sich in Süßigkeiten.“
„Oh nein!!! Dann ist mein Waschlappen jetzt eine Zuckerwatte oder eine Eiskugel und wird vielleicht gerade von einem anderen Kind verspeist?“ Jan ist entsetzt und Tränen steigen in seine Augen. Das Mädchen blickt ihn verständnislos an und fragt ihn: „Was willst Du denn? Sei doch froh, dass der blöde Waschlappen verschwunden ist!“. Dann geht sie.
Jan, der inzwischen nicht nur traurig, sondern auch wĂĽtend geworden ist, schreit mit aller Kraft aus sich heraus:
„Ich möchte sofort mein Krokodil wiederhaben! Sooofoooort! Ich will nicht in Eurem Kinderland sein, wenn mein Freund sich hier in eine Zuckerwatte verwandelt! Das finde ich blöd!“
Das Mädchen dreht sich verärgert um. Im selben Augenblick schießt ein riesiger Wasserstrahl aus dem Boden heraus und schiebt Jan mit Riesengeschwindigkeit nach oben.
„Das hast Du nun von Deiner Meckerei! Wer mault, fliegt sofort aus dem Kinderland heraus!“, ruft sie trotzig hinter ihm her. Jan kann kaum glauben, wie schnell ihn die Wasserfontäne durch ein anderes Rohr nach oben drückt und er plötzlich wieder in seiner Badewanne sitzt. Im selben Augenblick öffnet sich die Badezimmertür und Jans Mutter blickt wütend um die Ecke.
„Jetzt aber raus! Sofort“, ruft sie und schließt die Tür wieder. Jan guckt verwirrt in das Abflussrohr. War er wirklich gerade dort unten oder hat er das nur geträumt? Er schüttelt den Kopf und möchte aus der Badewanne aussteigen, als er merkt, dass er in der linken Hand seinen Waschlappen hält. Er grinst und sieht, dass er in der anderen Hand eine Eiswaffel hält.






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kaffeehausintellektuelle
Guest
Registriert: Not Yet

liebe/r flitzi

sehr sehr sehr gut hat mir die geschichte gefallen. ausgezeichnet sogar. die idee fand ich witzig und sprachlich schön umgesetzt.
das mit den sich verwandelnden freunden wĂĽrde ich als kind im kinderland voll fies finden und auch, dass man da unten nicht motzen darf. weil das darf man ja zuhause auch nicht.
aber damit hast du auch gut ein bisschen leid uns spannung eingebaut.

eine winzige winzigkeit hat mich gestört.
ich würd am schluss nicht erklären, dass es nur ein traum ist. das tut eigentlich nichts zur sache.
oder seine mama könnte sagen: jan! wo hast du das eis her?

oder es ohne eis und nur mit krokodil in der hand enden lassen.

aber das tut dem lesegenuss keinen abbruch, waren nur so ein paar kleine ideen.

liebe grĂĽĂźe

die k.

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