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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Jean Ducarre
Eingestellt am 23. 05. 2015 12:49


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CPMan
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2014

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Jean Ducarre

„Oui, j’arrive!“, rief Mathieu laut in sein Zimmer hinein.
Einen Moment lang starrte er vor sich hin und wartete auf eine Reaktion seiner Mutter. Als diese ausblieb, richtete er sich auf, schob die Bettdecke weg und drehte sich zur Seite. Mit den nackten Füßen tastete er den Boden unter seinem Bett nach seiner Jeans ab, schob sie mit den Zehen nach vorne und ergriff sie dann mit den Händen. Schnell streifte er sich die Hose über, zog seine Socken an und schlüpfte anschließend in die Sneakers. Das T-Shirt, das er in der Nacht getragen hatte, ließ er an. Fertig.
Er stand auf, schob die Gardine zurück, schaute in den feuchttrüben Septembermorgen und erkannte im Halbdunkel die vom Morgentau benetzte Wäschespinne, die seit diesem Sommer in ihrem Garten stand. Auf Mathieu machte sie jetzt einen gespenstischen Eindruck, aber er konnte nicht sagen, warum.
Er ging in die KĂĽche, wo seine Mutter schon am Herd stand und das FrĂĽhstĂĽck vorbereitete. Die Hundeleine lag schon auf dem KĂĽchentisch bereit, aber Filou lag noch zusammengekauert in seinem Korb. Offensichtlich hatte er auch keine Lust auf den morgendlichen Spaziergang.
Mathieu küsste seine Mutter wortlos auf die Wange, nahm die Hundeleine und pfiff Filou herbei, der sich langsam vom Korb erhob und gemächlich zu Mathieu trottete. Altersmüde wie Filou war, ließ er sich problemlos anleinen.
Im Flur warf Mathieu seinen Kapuzenpulli und die grüne Wachsjacke über, öffnete die Tür und trat hinaus ins Freie. Es war Viertel nach Sieben.


Liebe Mutter, lieber Vater,
dies ist mein letzter Brief an euch. Ich schreibe euch aus der Scheune eines Bauernhofes bei Vanémont in den Vogesen. Es sind fünf weitere Kameraden mit mir hier. Einer von ihnen, Benoît, hilft mir beim Schreiben. Draußen stehen einige Soldaten Wache. Wir sind vor knapp zwei Stunden von einem provisorischem Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden. Ich muss gestehen, es hatte etwas Entwürdigendes, wie diese drei Offiziere uns alle innerhalb einer halben Stunde in der Wohnstube des Bauernhofes zum Tode verurteilten. Keiner von uns wurde angehört, stattdessen wurde von Schmauchspuren an meiner verletzten Hand gefaselt und von unserer schädlichen Wirkung auf den Korpsgeist.
Es spielt jetzt keine Rolle mehr. Wir werden die Nacht hier verbringen, und morgen frĂĽh, bei Sonnenaufgang werden sie uns auf die nahe gelegene Wiese fĂĽhren und uns standrechtlich erschieĂźen.



Mathieu holte, kaum, dass er das Haus verlassen hatte, die Ohrstöpsel seines Smartphones aus der Jackentasche, und drückte sie in die Gehörgänge. Die Musik machte da weiter wo sie abends zuvor beim Spaziergang mit Filou aufgehört hatte: Pearl Jam, I’m still alive. Mathieu mochte den Grunge der 90er.
Er lief auf der Route de Bruyères am Wald entlang, bog in den Chemin devant le Bois ab und gelangte dann auf den Waldweg, der in den Forêt communale de Saint-Léonard führte. Da so früh am Morgen niemand sonst unterwegs war, ließ er Filou beim Erreichen des Waldstücks von der Leine. Filou trottete müde weiter und schien sich seiner neu gewonnenen Freiheit nicht einmal bewusst.
Tannen, Bergulmen, Fichten und Kiefern säumten den schmalen Waldweg. Alles lag noch im dunkelgrauen Nass eines trüben Morgens. Mathieu blieb irgendwann unvermittelt stehen, nahm seine Ohrstöpsel raus, schaltete das Smartphone aus und lauschte in den Wald hinein. Es war still. Mathieu fühlte die Kieselsteine unter seinen Sneakers, sein Atem und Filous Schnaufen wechselten sich ab. Einen Moment stand er so da, dann ging er weiter.
Auf den Waldabschnitt folgte ein Gelände mit freien Feldern, abgetrennt durch Stacheldraht, der sich um nachlässig in den Boden geschlagene Holzpfähle wand und so wenig Spannung besaß, dass er das nasse Gras berührte. Etwas weiter weg befanden sich ein paar Hecken, vereinzelt sah man auch Bäume. Letzte Nebelschwaden hingen noch über dem Areal.
Als Mathieu seinen Blick ĂĽber die angrenzenden Felder schweifen lieĂź, nahm er am nahen Horizont eine Gestalt war. Er blinzelte kurz, machte zwei, drei Schritte nach vorne und erkannte schlieĂźlich, dass es eine dunkel gekleidete Frau war. Vor ihr befand sich ein dreibeiniges Stativ, auf dem eine klobig wirkende Kamera aufmontiert war.
Mathieu zögerte kurz, dann lief er querfeldein auf die Frau zu.


Ich habe Hunger und Durst. Aber ich kann nichts essen, selbst wenn man mir etwas gibt. Seit Tagen habe ich nichts mehr in den Magen bekommen, meine Schmerzen zermartern mir den Kopf. Ich versuche, einen klaren Kopf zu behalten, aber es will mir nicht so recht gelingen. Einer der Kameraden, der mit uns hier gefangen gehalten wird, bricht ständig in ein irres Kichern aus. Er macht mir Angst, obwohl es jetzt doch keinen Sinn mehr macht, Angst zu fühlen.


„Bonjour, ça va?“, fragte Mathieu die nett lächelnde Frau, die sich kurz zuvor zu ihm umgedreht hatte. Sie trug einen schwarzen Wintermantel, war ziemlich groß und hatte lange rote Haare.
„Ca va, et toi?“, sagte sie mit englischem Akzent.
Mathieu errötete leicht. Gerne hätte er ihr auf Englisch geantwortet, aber er und die Sprachen, ça faisait deux, wie man im Französischen sagte. Da sie ihm in seiner Muttersprache geantwortet hatte, wechselte er nicht ins Englische.
„Qu’est-ce que vous faîtes là?“, erkundigte er sich nach ihrem Tun.
Sie lächelte erneut und verwies mit leicht spöttischem Blick auf die Kamera.
„I’m taking pictures!“, erwiderte sie.
Erleichtert stellte Mathieu fest, dass es um ihr Französisch offensichtlich auch nicht allzu gut stand.
Sie machte also Fotos. Mathieu schaute kurz in die Richtung, in die das Objektiv der Kamera zeigte. Er sah ein paar morsche Holzpfähle, ein Feld, weiter hinten eine Hecke mit ein paar Bäumen und noch weiter weg, am Horizont, ein Waldstück. Mit anderen Worten: er sah nichts. Nichts, das erklärte, warum eine Engländerin in diese Gegend der Vogesen reiste, um mitten in einem Feld ein Foto zu machen. Mais il n’y a rien, dachte er.
„But there is nothing!“, sagte Mathieu auf Englisch mit französischem Akzent.
Die Engländerin nickte. Offenbar hatte sie sein Englisch verstanden und konnte auch seinen Einwand gut nachvollziehen.
„You’re right. There is nothing here now. But something happened here.“
Etwas war passiert. Das hatte Mathieu verstanden. Er überlegte, aber ihm fiel nichts ein. Wenn hier etwas passiert wäre, hätte er doch davon gehört. Vanémont war ein kleiner Ort, Dinge sprachen sich schnell herum. Und auch wenn es viel Klatsch und einige Geschichten zu erzählen gab, reichte es immer noch nicht, um eine englische Fotografin anzulocken.
„When?“, wollte Mathieu jetzt wissen.
Wieder nickte die Engländerin verständnisvoll.
„A hundred years ago“, sagte die Engländerin, schaute auf die Uhr und wandte sich dann wieder ihrer Kamera zu.
"Almost exactly", warf sie hinterher.


Ich habe das nicht gewollt. Bitte, glaubt mir, ich habe das nicht gewollt. Ich habe versucht tapfer zu sein, wie alle hier. Aber das ständige Artilleriefeuer, dieses Ausharren in den Stellungen, dieses nervöse Zittern, die Willkür, mit der Tod den einen trifft und den anderen verschont, das hat mich verrückt gemacht. Ich hatte viele schwache Momente und ich habe der Schwäche vielfach widerstanden. Aber irgendwann brachte der Gedanke an euch, der Gedanke an meine Rückkehr zu euch mich um, und ich habe meine Pistole genommen und mir selbst ein Loch in die Hand geschossen. Und dann bin ich weggelaufen, so weit und so schnell ich konnte. Ich habe mich in einen Trichter geworfen und versucht, mich mit meinem Körper in den Boden zu graben um nie wieder an die Oberfläche zu müssen.
Aber sie haben mich gefunden und geholt. Und sie haben mich verurteilt.




So standen sie eine Weile da, ohne ein Wort zu sagen. Die Fotografin schien auf einen bestimmten Moment zu warten. Unablässig guckte sie auf ihre Uhr, hantierte an ihrer Kamera herum oder schaute auf ihren Belichtungsmesser. Mathieu, dessen Onkel gerne und gut fotografierte, besaß auch so ein Teil.
Mathieu war sich unschlĂĽssig darĂĽber, ob er warten oder einfach weitergehen sollte. Obwohl nicht wirklich etwas passierte, war er doch sehr gespannt.
„How old are you?“, fragte die Fotografin unvermittelt.
Dix-huit ans.
„Eighteen“, antwortete er.
Ihr Blick ging kurz nach oben.
„He was twenty-two. So only four years older!“
„Who?“
„Jean Ducarre, the French soldier who was executed here.“.
Jetzt fiel es Mathieu wieder ein. Natürlich, der erste Weltkrieg. Hier war auch gekämpft worden. Die Deutschen, les Boches, hatten auch hier ihr Unwesen getrieben.
„He was shot here. He was killed for cowardice!“
Was sagte sie? Warum war er exekutiert worden? Das Wort kannte er nicht. Verständnislos schaute Mathieu die Fotografin an.
„No courage!“, sagte sie nach kurzer Überlegung.
Keine Courage? Er war exekutiert worden, weil er keinen Mut hatte? Von den Deutschen? Nein, das machte keinen Sinn. Einen Moment lang stand Mathieu nur sinnierend da. Er wollte die nächste Frage im Kopf vorformulieren, als er plötzlich verstand, was hier passiert war. Feigheit vor dem Feind.


Ich schäme mich, so viel Schande über euch zu bringen. Ich weiß doch selbst, wie wir Kameraden einst von den Feiglingen gesprochen haben. Und nun bin ich selber einer. Ich weiß, dass ihr mit dieser Schande werdet leben müssen. Schwerer noch als der eigene Tod wiegen die Demütigungen, die ihr nun wegen mir erleiden müsst. Verzeiht mir.
Ich muss jetzt schließen. Ich hoffe, dass dieser Brief euch erreicht, und es nicht eine Finte ist, um uns ruhig zu stellen und zu beschäftigen.
Ich finde keine passenden letzten Worte. Ich weiĂź nicht mehr, wie man GefĂĽhlen Ausdruck verleiht, vielleicht, weil ich schon gar nichts mehr fĂĽhle.
Lebt wohl,
euer Sohn Jean



Jetzt war die Fotografin ganz angespannt. Sie warf ein letztes Mal einen Blick auf die Uhr, dann schaute sie mit dem Auge durch den Sucher. Mathieu hörte auf zu atmen, selbst Filou schien sich bewusst zu sein, dass es jetzt besser war, stillzuhalten.

Kurz darauf machte es ‚Klick’, dann war alles vorbei.

Es war Viertel vor Acht.


Diese Kurzgeschichte entstand in Anlehnung an eine Fotoausstellung der Fotografin Chloe Dewe Mathews. Das Foto, das mich zu dieser Kurzgeschichte inspiriert hat, findet ihr auf folgender Webseite.

Hier klicken

Es ist Bild Nr. 2 (auf Seite 3).







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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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Hallo CPMan,

Du hast hier einige sehr gute Geschichten veröffentlicht – diese verdient meiner Meinung nach das Prädikat „sehr gut“ nicht. Ich will Dir erklären, warum sie bei mir nicht funktioniert.

Der Autor wird durch eine Ausstellung zu einer Geschichte inspiriert. Die Idee ist sicher nicht schlecht, aber ich kann mich hier des Eindrucks nicht erwehren, dass die Idee ein wenig zu schnell in die Tat umgesetzt wurde.

Was mich sofort gestört hat, ist die Dreisprachigkeit. Dass Du diese Sprachen beherrscht, steht außer Frage. Die Handlung spielt offensichtlich in Frankreich, also finde ich es unnötig, die Personen in Französisch reden zu lassen, sonst hätte ja die gesamte Geschichte, vor allem die Briefauszüge, in Französisch geschrieben werden müssen. Das Englisch der Fotografin ist dagegen durchaus in Ordnung.

Bei den Briefen bin ich ein wenig hin- und hergerissen.

quote:
Ich muss gestehen, es hatte etwas EntwĂĽrdigendes, wie diese drei Offiziere uns alle innerhalb einer halben Stunde in der Wohnstube des Bauernhofes zum Tode verurteilten.
Schreibt ein dem Tode Geweihter in Gefangenschaft so geschliffene Sätze?

Einige Wortwiederholungen sind mir noch aufgefallen:
quote:
Die Hundeleine lag schon auf dem KĂĽchentisch bereit, aber Filou lag noch zusammengekauert
quote:
Jetzt war die Fotografin ganz angespannt. Sie warf ein letztes Mal einen Blick auf die Uhr, dann schaute sie mit dem Auge durch den Sucher. Mathieu hörte auf zu atmen, selbst Filou schien sich bewusst zu sein, dass es jetzt besser war, stillzuhalten.
Kurz darauf machte es ‚Klick’, dann war alles vorbei.
Es war Viertel vor Acht.
Ach ja, den Anfang finde ich ein wenig zu langatmig. Der Einschub des Briefes kommt danach fĂĽr den Leser zu abrupt.
Mag sein, dass ich in mancher Hinsicht zu kritisch bin – aber ich denke, Du bist für Kritik immer offen.
Ich sehe hier auch eher eine Erzählung als eine Kurzgeschichte, aber letztlich ist es mir egal, in welcher Rubrik jemand (gut) schreibt.

GruĂź Ciconia

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Marder Marten
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2015

Werke: 1
Kommentare: 3
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Hallo CPMan (bin mir gerade unschlĂĽssig was ich hier anhaken soll)

Das Thema der Geschichte gefällt mir gut.
Der Anfang ist etwas holprig und ich musste den zweimal lesen. Hatte die Hundeleine das erste mal ĂĽberlesen und war verwirrt, wer denn dieser Filou ist. Ansich finde ich den Anfang zu lang.
Meiner Meinung würde es reichen wenn du beschreiben würdest das der Junge mit seinem Hund im Wald ist und bissle due Eindrücke (eventuell auch bereits ein bisschen das Wetter deprissiv gestallten wegen der Frau). Aber das ist ein subjektiver Eindruck. Andere finden die Länge und den Start, sicher genauso gut wie er nun ist.

Was mein Vorposter auch schon gesagt hat, so sind die französischen Worte teilweise verwirrend. Ich habe nie französisch gelernt, verstehe sie also nicht und kann sie auch nur schwer lesen (erinnert mich an meine eigene Unvollkommenheit was für einen Leser nicht so schön ist ;-) ). Gerade beim lesen, hemmt es doch die flüßigkeit des Textes.
Ich wĂĽrde die passagen rausnehmen und lieber in der Einleitung klar sagen wo die Geschichte spielt. Ich denke damit wĂĽrdest du mehr Leser erreichen.
Auch ich finde das englische passend. (Villeicht sollte, wegen dem Englischem, Mathieu noch ein alter bekommen.)

Die Briefe / RĂĽckblendungen und deren schreibweise sind der absolute Hammer! Starke Idee!!! (Bring mir das mal bei )

Ich glaube ich muss mir von dir noch mehr anschauen :-)

LG und frohe Pfingsttage
Marten

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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
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Die Idee, Generationen sich begegnen zu lassen und von der Belanglosigkeit eines Morgenspazierganges in die buchstäblich letzten Dinge zu gelangen, ist nicht schlecht und auch nicht schlecht ausgeführt. Ob zu viel Firlefanz dabei ist oder nicht, bleibt Geschmackssache; mir scheint es gut, dass manches "doppelt" gesagt wird - es wird eindrückllicher und der Leser gewinnt Zeit, sich in die Situation zu finden.

So weit, so gut.

Nicht so gut ist die Form der Rückblende, die "Stimmme aus dem Off". Sie kommt aus dem Nichts zu dem Hunderl-Ausführer, hängt quasi an den berühmten "Siemens-Lufthaken". Das ist schade. Man hätte damit beginnen und den Jungen und sein Hunderl hineinlaufen lassen können, das wäre logischer gewesen und hätte dennoch der Szene nicht das "Geheimnis" genommen. Hätte sie "aus der Landschaft" kommen lassen sollen, statt den Lautsprecher, wie geschehen, schon zwischen Tür und Angel anzuknipsen.

Und jetzt zur Hauptkritik: Der Inhalt und die Diktion der RĂĽckblende.

Wer sich auf eine künstlerische Vorgabe, wie hier auf Bilder und einen Begleittext einlässt, quasi eine "Collage" fertigt, muss damit rechnen, dass vor allem der eigene Anteil daran kritisch gewürdigt und an ebenfalls schon vorhandenen Stücken gemessen wird. Und die gibt es.

Sie zeigen uns, dass Menschen im Wissen um ihre letzten Stunden ganz anders denken und ganz anders schreiben. Details und Schilderung von Umständen sind Pillepalle; der Blick und die Sinne sind auf Wesentliches gerichtet. Hieraus eine Collage zu gewinnen, die nicht rührselig daherkommt und wie die übliche Betroffenheitsprosa intoniert, ist extrem schwierig.

Einer der ganz Wenigen, denen das gelungen ist, war Luigi Nono, der auf der Grundlage von zehn "Letzten Briefen" seinen "Canto sospeso" schrieb und ihn weltweit bekannt machte. Leider kann man das Stück hier in Deutschland nicht guhgeln, sonst hätte ich einen Link gesetzt.

Tipp: Versuchen, an "Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand" heranzukommen. Lesen und danach ĂĽber einen authentischeren letzten GruĂź an die Lieben daheim nachdenken.

Gleichwohl frohe Pfingsten!

aligaga





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