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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Jede Woche
Eingestellt am 06. 11. 2010 14:39


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fynn
AutorenanwÀrter
Registriert: Dec 2006

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Schon die Nacht vorher schlief sie schlecht. Die Angst, dass sie den Wecker ĂŒberhören könnte, ließ sie nur in einen leichten DĂ€mmerschlaf sinken, aus dem sie bei jedem unerwarteten GerĂ€usch hoch schreckte. Morgens wachte sie auf, quĂ€lte sich ins Bad und wurde erst durch das laute Dröhnen der Musik so halbwegs munter. Mit der Munterkeit kamen auch sofort die Knoten im Bauch und die Zweifel, ob es nicht ein großer Fehler wĂ€re wieder hinzufahren.

Wie jede Woche schlug sie die Signale ihres Bauchs in den Wind und machte sich auf den Weg. Sie erinnert sich daran, wie es letzte Woche gewesen war, wie es beinahe jede Woche war, sah sich auf dem Stuhl sitzen, in der Tasche der kleine Hase, der die Angst vertreiben sollte, auf dem Gesicht der Versuch eines LĂ€chelns, das Unverwundbarkeit signalisieren sollte. Und wie gern wĂ€re sie unverletzbar gewesen! Sie saß da und wurde immer verzweifelter. Die Worte blieben alle in ihrer Brust stecken, nur ab und zu lösten sich kleine Brocken von dem großen Felsen der ihr die Luft zum Atmen nahm. Sie wollte reden, konnte die Frau das nicht verstehen? Aber es war alles zu gefĂ€hrlich. Sie fĂŒhlte sich so schuldig. Was aber, wenn sie von ihrem GegenĂŒber nun eine BestĂ€tigung dieser Schuld bekommen hĂ€tte? Was hĂ€tte sie noch tun können, wenn sie gehört hĂ€tte, dass alles an ihr gelegen hĂ€tte, dass sie alles hĂ€tte verhindern können? Sie hĂ€tte sich sofort das Leben nehmen mĂŒssen und sie wollte doch leben. „Den Schmerz zulassen“ das sagt sich so leicht, doch wer von den Menschen die so etwas sagen, ist schon einmal ins Bodenlose gesprungen – mit dem Glauben, dass da kein Netz ist, das ihn auffĂ€ngt?

Dann war da noch die Angst vor dem Verlust ihrer Grenzen. Wenn du mich berĂŒhrst, dann löse ich mich auf, dabei hatte sie so eine Sehnsucht nach NĂ€he und konnte doch den Graben nicht ĂŒberwinden, den sie zwischen sich und der Anderen geschaffen hatte. Sie traute sich noch nicht einmal zu sagen, dass sie gerne kam, selbst wenn es jedes mal wieder eine Qual war, weil sie ĂŒber so viele Dinge einfach nicht reden konnte. Wie bittest du um Hilfe, wenn es nichts geben darf, mit dem du nicht alleine zurechtkommen könntest? Wie kannst du „ja“ sagen, wenn du nicht „nein“ sagen darfst?

Sie durfte sich auf nichts einlassen, denn das hĂ€tte ein EingestĂ€ndnis ihrer BedĂŒrftigkeit bedeutet und das, so hatte sie gelernt, wurde sofort ausgenutzt, um sie zu verletzen und zu demĂŒtigen. Trotzdem konnte sie die Hoffnung nicht aufgeben, denn ohne diese Hoffnung wĂ€re ihr das Leben unertrĂ€glich gewesen. Deshalb ging sie immer wieder hin. Jede Woche.

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