Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92207
Momentan online:
343 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Jemand ist besser als niemand
Eingestellt am 19. 10. 2003 11:37


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Herbert Stahlvogel
Autorenanw├Ąrter
Registriert: May 2003

Werke: 15
Kommentare: 29
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Jemand ist besser als niemand

Niemand schlich nachts um sein Haus und niemand sah von drau├čen zum Fenster herein. Niemand sa├č neben ihm, niemand a├č mit ihm am Tisch – niemand.

Und trotzdem war irgendjemand bei ihm, morgens, mittags und abends. Wenn er morgens aufwachte am Bettrand, wenn er fr├╝hst├╝ckte oder zur Arbeit ging.
Jemand folgte ihm, wohin er auch ging. Irgendjemand.

Er sp├╝rte ihn irgendwie immer. Egal zu welcher Uhrzeit und an welchem Ort – immer und ├╝berall.
Irgendwo war irgendetwas oder irgendjemand da.
Aber warum? Niemand sah er, niemanden.
Und niemand konnte ihm helfen, kein Freund, kein Arzt, niemand.
Aber wer war niemand? Wenn niemand da war, musste doch irgendwann jemand niemals vorher bei ihm gewesen sein, er h├Ątte sonst nicht wissen k├Ânnen, dass jemand nicht mehr da war. Irgendwie, irgendjemand, irgendwann.
Wie oft hatte er sich gefragt, wer er war? Wer?
Seitdem er aufgetaucht war. Seit den letzten 2 Wochen. Niemand! Jemand! Irgendjemand!

F├╝nf Freunde kannten keine Antwort auf niemand. F├╝nf ├ärzte wussten keinen Rat auf jemand. Sie sagten, „er“ w├Ąre das Problem. Nicht jemand und nicht niemand. Aber keiner verstand, dass wirklich jemand da war. Jemand, der niemand war. Sie sagten, niemand k├Ânnte st├Ąndig bei ihm sein, das w├╝rde nicht gehen, aber jemand schaffte das. Jemand war besser als niemand.

Eigentlich wollt er nach der Arbeit nicht nach Hause gehen, sich auf das Sofa legen und die Tagesschau bei einem Bier und bei einer Packung Chips ansehen, aber da war etwas, was er sich nicht erkl├Ąren konnte, eine Ahnung, vielleicht ein Gef├╝hl, die Akten liegen zu lassen und endlich Heim zu gehen.
Und wieder war jemand da. Hinter ihm, neben ihm, manchmal auch vor ihm. Und heute n├Ąher denn je. Er sp├╝rte, die Luft war anders, dicker, dichter, gef├Ąhrlicher. Er ging schneller, in der Hoffnung seinen Verfolger abzusch├╝tteln, vergebens.

Er ├╝berquerte die Strasse, den Kopf gesenkt und in Gedanken verloren, mit den Gedanken bei jemand. Und dann h├Ârte er nur noch das Ger├Ąusch des Autos. WAM. Und dann passierte es. F├╝r einen kurzen Augenblick hatte er seinen Verfolger gesehen. Und dann fiel ihm alles ein. Er wusste wer der Unbekannte war, warum er ihn verfolgt hatte, kannte die Antwort auf all die Fragen, die ihm keiner geben konnte. F├╝r einen Moment war er sichtbar gewesen. „Niemand“ hatte ihn vor dem heutigen Tag gewarnt, niemand! Es w├Ąre besser gewesen, nicht aus dem B├╝ro zugehen, nicht die Strasse zu ├╝berqueren. Niemand war „Paul Lutz“, sein verstorbener Vater. Er hatte es gewusst, wollte ihn warnen. Niemand hatte ihn gewarnt. Aber Paul, Paul war bei ihm.

Um 20:00 Uhr wusste es bereits jeder in der Stadt.
Ein nichtsahnender Teenager, der an seinem Radio den Sender einzustellen versuchte, verlor in angetrunkenem Zustand die Kontrolle ├╝ber das Auto und ├╝berrollte den 27 j├Ąhrigen Steffen Lutz, der sich auf dem Heimweg befand.


Niemand wollte ihn warnen. Aber es war zu sp├Ąt. Paul hatte ihn wochenlang angeschrieen, ihn angefleht, an diesem Tag zu Hause zu bleiben, aber Tote kann man nicht h├Âren, kann man nicht sehen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hm,

kommt mir unerh├Ârt bekannt vor. das stand doch k├╝rzlich schon mal in der lupe!
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!