Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92266
Momentan online:
88 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Jenseits der Wand
Eingestellt am 06. 09. 2009 14:54


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Monika Bibel
???
Registriert: Sep 2009

Werke: 1
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Monika Bibel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

\"Hallo? \"Ich h├Âre das Knarren der Dielen und m├Âchte am liebsten rufen. Ich liege jetzt lange genug hier herum. Die Schritte entfernen sich und es wird wieder still.
Die Dielen tuscheln miteinander, aber ich kann nichts verstehen. \"Entschuldigen Sie bitte, w├Ąren Sie so freundlich mich aufzukl├Ąren? Was geht hier vor?\" Das Tuscheln verstummt und eine der Dielen antwortet mir mit leiser Stimme: \"Noch k├Ânnen wir nichts sagen, die T├╝r hat mal wieder nicht richtig aufgepasst. Doch wenn es stimmt, was die alte Leiste behauptet, waren es drei M├Ąnner, die hier durchs Haus liefen. Der Eine soll sehr alte gewesen sein. Psssst, ich h├Âre Stimmen!\"
Tats├Ąchlich. Auch ich h├Âre jetzt Stimmen. \"Wenn der Plan stimmt, m├╝sste hier mal eine T├╝r gewesen sein.\" Es klopft an der Wand. Immer n├Ąher und n├Ąher. Ich wei├č auf einmal nicht mehr was ich mir w├╝nschen soll. Was wird geschehen, wenn sie mich finden?

Meine Gedanken kehren zur├╝ck in das Jahr 43. Ruth Rosenberg hatte mich aufgenommen, durch das dunkle Haus getragen und auf ihr Bett gelegt. Schon dies war mir damals komisch vorgekommen. Bei all den sch├Ânen Reisen, die ich mit der Familie unternommen hatte, war ich noch niemals von der gn├Ądigen Frau pers├Ânlich getragen worden. Ernst, der Bursche hatte mich immer vom Speicher geholt und dem Fr├Ąulein Elsbeth ├╝bergeben. Immer war es Elsbeth gewesen, die meine Lederriemen gel├Âst und den Deckel behutsam ge├Âffnet hatte. Ihre kr├Ąftigen H├Ąnde konnten energisch zupacken. War sie jedoch mit mir allein, strich sie liebevoll ├╝ber mein seidenes Futter und pflegte mein Leder mit einem weichen Tuch. Erst dann legte sie duftende Blusen, reich verzierte R├Âcke und edelste Unterw├Ąsche zu mir. Die kleinen Lavendelstr├Ąu├čchen kamen obenauf und so ausgestattet ging es dann meist auf eine lange Reise. Wo war ich ├╝berall gewesen...
Aber an diesem Tag war alles anders. Eine bedr├╝ckende Stille lag ├╝ber dem Haus. Das fr├Âhliche Treiben, was einer jeden Reise vorausgegangen war, fehlte. Weder Elsbeth noch Ernst schienen da zu sein. Ruth Rosenberg nahm sich nicht die Zeit meine Schlie├čen zu pflegen. Sie bewunderte auch nicht mein seidiges Futter. Hastig ├Âffnete sie mich. Statt edler Blusen packte sie sowohl Schweres als auch Kantiges, alles in T├╝cher gewickelt in mich hinein. Ab und zu tropfte eine Tr├Ąne auf mein Leder und hinterlie├č traurige Spuren. Ich begann mich zu f├╝rchten damals, auch wenn ich nicht wusste wovor. Als ich bis oben voll war, mit all diesen Dingen, die ich nicht erkennen konnte, verschloss mich Ruth Rosenberg und zog mich von ihrem Bett herunter. Ohne R├╝cksicht auf mein sch├Ânes Leder, zerrte und zog sie mich ├╝ber die Dielen bis hin zu der kleinen T├╝r, die ich noch nie zuvor registriert hatte. Jenseits dieser T├╝r war der Boden nicht so blank gescheuert. Es roch nicht nach Lavendel und es war kalt und staubig. Ich h├Ârte wie Ruth Rosenberg ihren Sohn rief und zu ihm sprach: \"David, solltest du jemals hierher zur├╝ckkehren, denk daran, hier an dieser Stelle war mal eine T├╝re, dein Vater wird sie nun vermauern, aber dahinter findest du, was deine Eltern f├╝r dich aufgehoben haben. Vergiss das nie!\" Ich werde ihre Stimme nie vergessen. Sie sprach mit diesem kleinen Jungen so eindringlich, dass mir ganz wehm├╝tig wurde. Dann begann ein Scharren und Kratzen. Ich blieb zur├╝ck in der Dunkelheit.

Was in jener Zeit geschah, kann ich nicht sagen. Nichts war mehr so, wie es einst gewesen war. Ich ging auf keine Reise, niemand betrat jemals diesen Raum. Wenige Tage nach meinem Umzug in die Dunkelheit h├Ârte ich im Haus nochmals laute Stimmen und schwere Schritte. Dann wurde es ganz still. Nur von der Stra├če her drangen seltsame Ger├Ąusche zu mir durch. Die W├Ąnde zitterten so manches Mal und das Haus bebte. Ich h├Ârte Rufe, Weinen und Schreie. Die Zeit verging. Irgendwann drang Jubel zu mir hinauf und auch das Haus wurde wieder bewohnt. Es waren wohl M├Ąnner, die nun die Treppen rauf und runter polterten, ich konnte sie jedoch nicht verstehen. Sie schienen eine Fremde Sprache zu sprechen.
Im Laufe der Zeit hatte ich mich etwas mit den Dielen angefreundet, die wiederum Kontakt zu den Leisten hielten. Von der T├╝r war nicht viel zu erwarten. Seit man ihr die Sicht genommen hatte d├Ąmmerte sie so vor sich hin.
Woher letztlich die Informationen stammten kann ich nicht sagen. Es hie├č jedoch, die Zeiten w├╝rden besser werden. Was mich betraf, konnte ich das damals nicht best├Ątigen. F├╝r mich ├Ąnderte sich nichts.
Bis heute.

Jetzt wird es laut. Die M├Ąnner scheinen sich jenseits der Wand aufzuhalten. Alles Tuscheln verstummt. Selbst die T├╝r wirkt pl├Âtzlich wacher. H├Ątte ich ein Herz, es w├╝rde ├╝berlaut pochen. Holz bricht, irgendetwas wird zerschlagen. Aufregung macht sich breit, die kleine T├╝r wird aufgezogen und ein Lichtstrahl f├Ąllt durch den Spalt auf mich.
Es ist eine alte, br├╝chige Stimme, die mit unterdr├╝ckter Unruhe spricht: \"Der Koffer, Aaron sieh nach, ist dort ein Koffer?\" \"Ja, Vater! Ja!\" Und schon sp├╝re ich eine entschlossene Hand, die mich packt, ein St├╝ck ├╝ber die ├Ąchzenden Dielen zieht um mich dann unter St├Âhnen ├╝ber die Schwelle zu heben. Endlich aus meinem jahrelangen Versteck befreit lande ich auf einem Hocker. Die Hand des Alten zittert, als er vorsichtig ├╝ber mein verdrecktes Leder streicht. Ein wenig sch├Ąme ich mich daf├╝r, dass ich so eingestaubt bin. Und dann, nach all den Jahren, sind es wieder Tr├Ąnen, die auf mich hinab tropfen. Unter Tr├Ąnen ├Âffnet er behutsam meine Schlie├čen, ├Âffnet mit Bedacht meinen Deckel und streicht wie einst das Fr├Ąulein Elsbeth liebevoll ├╝ber mein seidenes Futter. Die Tr├Ąnen nehmen kein Ende, doch diesmal ├Ąrgere ich mich nicht. Ich bin gl├╝cklich. Gl├╝cklicher denn je. Ich wei├č nicht, was hier geschieht, aber ich sp├╝re, dass es etwas Gro├čes ist.


__________________
MB

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


eenemenetekel
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2009

Werke: 24
Kommentare: 231
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um eenemenetekel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo monika und willkommen bei der leselupe!

wenn ich es recht verstehe, erz├Ąhlt uns hier ein koffer bruchst├╝ckhaft von seinem "leben" in einer j├╝dischen familie, die gegen ende des wk II fliehen musste und ihn, gef├╝llt mit den besitzt├╝mern, zur├╝cklie├č. eine nette idee und perspektive!
das h├Âren, sehen, f├╝hlen und die konversation mit dielen, leisten etc. sind nat├╝rlich ein wenig m├Ąrchenhaft... aber tun dem ganzen keinen abbruch.

ein paar details k├Ânnte man meiner meinung nach ├Ąndern/verbessern - dazu hier:

quote:
\"Hallo? \"
die schr├Ągstriche sind wohl formatierungsfehler. die solltest du entfernen.
quote:
Noch k├Ânnen wir nichts sagen, die T├╝r hat mal wieder nicht richtig aufgepasst.
hier meinst du doch sicher nicht die zugemauerte t├╝r? vielleicht lieber: "die Haust├╝r".
quote:
Der Eine soll sehr alte gewesen sein.
das ist david? er war damals ein kleiner junge, wird jetzt also anfang 70 sein - nicht unbedingt "sehr" alt. auch dass dies hier ├╝berhaupt erw├Ąhnt wird, halte ich f├╝r nicht unbedingt n├Âtig.
quote:
Wenn der Plan stimmt, m├╝sste hier mal eine T├╝r gewesen sein.
hat er es sich doch nicht gemerkt?
quote:
Meine Gedanken kehren zur├╝ck in das Jahr 43.
so alt wird er doch nun auch nicht sein. besser: "Jahr ┬┤43"
quote:
Erst dann legte sie duftende Blusen, reich verzierte R├Âcke und edelste Unterw├Ąsche zu mir.
nicht "in mich"?
quote:
Die kleinen Lavendelstr├Ąu├čchen kamen obenauf (komma) und so ausgestattet ging es dann meist auf eine lange Reise.
quote:
Aber an (diesem) jenem Tag war alles anders.
quote:
Ab und zu tropfte eine Tr├Ąne auf mein Leder und hinterlie├č traurige Spuren.
singular vs. plural
quote:
Ich begann mich zu f├╝rchten damals, auch wenn ich nicht wusste wovor.
man wei├č ja, dass die situation fremd ist.
quote:
Als ich bis oben voll war, mit all diesen Dingen, die ich nicht erkennen konnte, verschloss mich Ruth Rosenberg und zog mich von ihrem Bett herunter.
quote:
Ohne R├╝cksicht auf mein sch├Ânes Leder, zerrte und zog sie mich ├╝ber die Dielen bis hin zu der kleinen T├╝r, die ich noch nie zuvor registriert hatte. Jenseits (dieser T├╝r) davon war der Boden nicht so blank gescheuert.
quote:
David, solltest du jemals hierher zur├╝ckkehren, denk daran, hier an dieser Stelle war mal eine T├╝re, dein Vater wird sie nun vermauern, aber dahinter findest du, was deine Eltern f├╝r dich aufgehoben haben.
noch gibt es sie ja, diese t├╝r.
quote:
Wenige Tage nach meinem Umzug in die Dunkelheit h├Ârte ich im Haus nochmals laute Stimmen und schwere Schritte.
vielleicht etwas unwahrscheinlich, dass der koffer in der dunkelheit noch tage z├Ąhlt. wie w├Ąre es mit: "Wenig sp├Ąter" oder so?
quote:
Die Zeit verging. (absatz) Irgendwann drang Jubel zu mir hinauf und auch das Haus wurde wieder bewohnt.
quote:
Sie schienen eine fremde Sprache zu sprechen.
welche sprache denn? das ist etwas unklar.
quote:
Im Laufe der Zeit hatte ich mich etwas mit den Dielen angefreundet, die wiederum Kontakt zu den Leisten hielten. Von der T├╝r war nicht viel zu erwarten. Seit man ihr die Sicht genommen hatte d├Ąmmerte sie so vor sich hin.
zumindest die stelle mit der t├╝r passt nicht so richtig zur sonstigen stimmung in der geschichte, finde ich.
quote:
Selbst die T├╝r wirkt pl├Âtzlich wacher. H├Ątte ich ein Herz, es w├╝rde ├╝berlaut pochen.
w├╝rde ich weglassen.
quote:
Holz bricht, irgendetwas wird zerschlagen.

nicht eher stein? sie wurde doch "vermauert".
quote:
\"Der Koffer, Aaron sieh nach, ist dort ein Koffer?\" (absatz) \"Ja, Vater! Ja!\"
quote:
Ein wenig sch├Ąme ich mich daf├╝r, dass ich so eingestaubt bin.
auch nicht n├Âtig.
quote:
Und dann, nach all den Jahren, sind es wieder Tr├Ąnen, die auf mich hinab tropfen. Unter Tr├Ąnen ├Âffnet er behutsam meine Schlie├čen, ├Âffnet mit Bedacht meinen Deckel und streicht wie einst das Fr├Ąulein Elsbeth liebevoll ├╝ber mein seidenes Futter. Die Tr├Ąnen nehmen kein Ende, doch diesmal ├Ąrgere ich mich nicht.
sehr viele tr├Ąnen...
quote:
Ich wei├č nicht, was hier geschieht, aber ich sp├╝re, dass es etwas Gro├čes ist.
hmm, was k├Ânnte das "Gro├čes" sein? etwas au├čerhalb der welt des koffers? oder nur f├╝r ihn?
fragen, fragen, fragen...

insgesamt ein netter text, auch wenn man ihn hier und da noch ein bisschen aufpeppen k├Ânnte!

lg C.

Bearbeiten/Löschen    


Monika Bibel
???
Registriert: Sep 2009

Werke: 1
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Monika Bibel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Danke f├╝r diese ausf├╝hrliche Kommentierung meines Textes. Ich werde mich intensiv damit auseinandersetzten.
Was Rechtschreibfehler und falsche Kommasetzung betrifft: Gibt es ein Programm was auch diese Fehler findet? Mein normales "Word Rechtschreibprogramm" hat sie anscheinend ├╝bersehen...

Gru├č MB
__________________
MB

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!