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Leselupe.de > Humor und Satire
Jenseits von Pisa
Eingestellt am 26. 11. 2004 17:17


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glasperlenspielerin
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Jenseits von Pisa


Finsternis.

Eine trĂŒbe Finsternis herrschte in dem schmalen Gang. Grau gedĂ€mpftes Zwielicht einer hinter dunklen Regenwolken verborgenen Sonne fiel durch die milchigen, kleinen Fenster, doch konnte dieses kaum den Gang erhellen. Blitzte tauchten den Gang immer wieder in feuriges Blau, gefolgt von höllischem Dröhnen, das die Fensterrahmen erzittern ließ wie frierende kleine Kinder. Und tatsĂ€chlich hatte man das GefĂŒhl ein leises Wimmern zu hören, als wĂŒrde ein dĂŒnnes Schluchzen wie ein leiser Windhauch durch die steinernen Flure ziehen.
Leise, aber doch hörbar. Es schien, als wĂ€re es mehr eine Illusion, es schien, als wĂ€re hier tatsĂ€chlich irgendwo in diesen dunklen, steinernen GĂ€ngen ein kindliches Weinen zu hören Ja, wahrhaftig! Jetzt gerade in dem Moment, in dem ein besonders ohrenbetĂ€ubender Donnerhall gegen die Mauern schlĂ€gt, ja, hört man es leise erschreckt aufheulen. Woher kommt es? Folgen wir dem GerĂ€usch. Es scheint von der hölzernen Treppe her zu kommen, der Treppe, die in den alten, vergessenen Keller fĂŒhrt. Und wirklich unter dem Treppenabsatz sitzt ein Junge, die braunen Augen sind wie bei einem verwaisten Rehkitz mit Angst und TrĂ€nen gefĂŒllt, der kleinen Körper zittert wie eine Trauerweide im Novembersturm.
"WW...Warum?” stammeln die Blut leeren Lippen, das blonde Haar hĂ€ngt in langen StrĂ€hnen in das verweinte Gesicht. "WW...Warum?” Doch die Frage bleibt unbeantwortet, denn niemand ist hier, um sie zu beantworten. Da kreischt der Arme erneut in Furcht auf, ein Blitz blendet seine Rehaugen und der Donner fĂ€hrt ihm in den Körper wie ein Hammerschlag. Er ist ganz allein. Allein.
Doch .... Nein ganz allein? Plötzlich erscheint ein Licht am Ende des Ganges. Eine Silhouette wird sichtbar. Wer ist es? Noch enger kauert sich der Kleine auf den steinernen Boden. Blitzartig Ă€ndert sich jedoch das angstvolle Gesicht und ein erleichterter Aufschrei entspringt der dĂŒnnen Kehle. Es ist Bernd! Bernd! Bernd! Oh, wie groß ist die Freude!
Langsam schreitet Bernd den Gang entlang und es scheint fast, als wĂŒrde die Sonne hinter den Wolken gegen die Dunkelheit ankĂ€mpfen, als wĂ€re alles wieder plötzlich mit Leben, gefĂŒllt, mit Freude.
"Was ist hier passiert?” spricht sanft und vĂ€terlich die Stimme. GĂŒte scheint bei diesen Worten aus seinen Augen, GĂŒte und VerstĂ€ndnis. Schnell springt der Junge voller Freude zu ihm, umklammert seinen Arm mit seinen HĂ€ndchen und ganz aufgeregt plappert er wie ein Wasserfall, seine Stimme ĂŒberschlĂ€gt sich fast: "Ich war, das, das, der Timo hat meinen Ranzen ausgeleert!” Beinah wĂ€ren ihm nun erneut die TrĂ€nchen ĂŒber seine Wangen gekullert, doch schon nimmt Bernd seine Hand und drĂŒckt sie sanft. "Keine Sorge. Das bekommen wir schon wieder hin. Weine nicht, mein Kleiner, weine nicht!”
Mit schnellen Schritten gehen beide zur TĂŒr der Klasse 6a und Bernd öffnet sie mit krĂ€ftiger Hand. Als er in den Raum blickt, sieht er schon den ÜbeltĂ€ter. Gerade ist Timo dabei mit einem Zirkel in der ersten linken Hand einen unschuldigen MaikĂ€fer zu durchbohren. Den Teddy seiner MitschĂŒlerin - der armen Sissy - liegt zerrisen neben ihm. Die Kleine Sissy weint bitterlich. Aber ein teuflisches GelĂ€chter dringt aus Timos Rachen.
"Genug, Timo! Deine Zeit ist um!” Verwundert schreckt Timo herum. "Was?” - "Ja, ganz recht! Schon lange beobachte ich dein diabolisches Treiben, doch jetzt hast du ausgespielt!”
Mit schnellen Schritten stĂŒrmt Bernd um die Tische, rettet den Teddy, schenkt dem MaikĂ€fer die Freiheit und mit einer eleganten Handbewegung nimmt er den Ranzen Timos und stĂŒlpt ihn um. Mit einem lauten Scheppern purzeln seine Sachen auf den Boden. Kreidebleich steht der Klassenrabauke vor seinen zerstreuten Habseligkeiten. "So! Jetzt siehst du wie es ist, gedemĂŒtigt zu werden. Jetzt bist du einmal das Opfer! Weißt du jetzt, wie sich das anfĂŒhlt?”
Timo blickt ihn an. Ja; er weiß es jetzt, und er verspricht es nie wieder zu tun. Schnell verlĂ€sst der strafende Blick Bernds Augen und er nimmt auch Timo an der Hand und als Timo fragt, ob er eine Strafe bekommt, antwortet Bernd vĂ€terlich: "Aber nein, Timo, du hast deine Lektion gelernt und zum Lernen bist du ja hier - und ich bin hier, um euch zu lehren!”
VerstÀndnisvoll lÀcheln die beiden Jungen Bernd an und versöhnen sich dann miteinander. Und zusammen blicken sie
Bernd noch nach, als er schon lÀngst in der goldenen Abendsonne verschwunden ist....

Denn auch HINTER DEM HORIZONT gibt es Kinder, die seine Hilfe brauchen
Und sie werden sie bekommen von unserem geliebten Bernd.

Nachtrag fĂŒr infantile Zeitgenossen: es geht hier nicht um Bernd das Brot -
sondern um Bernd d. Großen - den unerschrockenen Sixty-Eight.

(c) g-ps-d



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flammarion
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hallo,

was, bitte, darf ich in deinem werk als humor oder satire ansehen? ist es nicht eher eine kindergeschichte?
fragend guckt
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Old Icke

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