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Leselupe.de > Kindergeschichten
Jonny der Schneemann friert
Eingestellt am 18. 10. 2007 14:14


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Klaus MĂŒhlen
Hobbydichter
Registriert: Dec 2006

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Es gibt LĂ€nder unserer Erde, da ist es immer FrĂŒhling und Sommer. Dort, wo die Sonne am heißesten hinscheint, am Äquator mit seinen großen SandwĂŒsten und dichten TropenwĂ€ldern. Hier brauchen die Kinder keine wĂ€rmende Kleidung und feste Winterschuhe zum Schutz gegen Eis und Schnee. Die meisten von ihnen kennen nicht einmal so eine weiße Pracht. Das Wasser der FlĂŒsse und Seen lĂ€dt das ganze Jahr ĂŒber zum Baden ein.
Dagegen hoch droben im Norden und SĂŒden unseres Erdballs sind die WetterverhĂ€ltnisse ganz anders. Es gibt auch FrĂŒhling, den Sommer, dann noch den Herbst mit kĂŒhlen Winden und viel Regen, zusĂ€tzlich der Winter mit eisiger KĂ€lte. Auf den Bergen fĂ€llt schon ab November Schnee, wobei sich auch bis in die TĂ€ler hinein Schneeflocken verirren können.
Der Winter hat bereits den Herbst abgelöst. Derweil warten die Kinder schon ganz sehnsĂŒchtig auf den ersten Schnee. Noch regnet es erst einmal. Dann endlich, ĂŒber Nacht schneit es ununterbrochen und den ganzen Tag danach, und noch einen Tag dazu. Die Kinder können sich kaum sattsehen. Schon angezogen mit warmen Jacken, MĂŒtzen auf den Kopf und Handschuhen an den HĂ€nden, drĂŒcken sie ihre Nasen an die Fensterscheiben.
Draußen verschwindet mehr und mehr jeder triste graue Fleck auf den Rasen vor dem Haus. Kaum noch zu erkennen, wo der Gehweg hinaus auf die Straße fĂŒhrt. Die Schlitten stehen bereits startbereit im Flur. Endlich hört es auf zu schneien! Die Kinder laufen jauchzend hinaus ins Freie.
SelbstverstĂ€ndlich machen sie erst eine Schneeballschlacht, dann fangen sie an einen großen Schneemann zu bauen. Der Kopf wird mit Vaters altem ausgebeulten Hut mit dem blauen Band drumrum, bedeckt. Eine lange dicke MohrrĂŒbe stecken sie dem Schneemann mitten ins Gesicht. FĂŒr die Augen finden sie zwei dunkle Kieselsteine vor der Hauswand. In Mutters KĂŒchenschublade liegt ein kleiner Plastikdeckel. Ausgerechnet schwarz obendrein, schon deshalb opfert sie ihn gern fĂŒr das Kunstwerk Schneemann. Der Plastikdeckel wird in der Mitte halbiert, zusammengeklappt und unterhalb der Nase in den runden weißen aus Schnee geformten Kopf gesteckt. Noch zwei Arme werden gerollt und links und rechts am Körper angedrĂŒckt. Bis zum Boden reichen sie, damit der Schneemann auch ja nicht umfĂ€llt. Um den Bauch herum knoten sie einen gelben GĂŒrtel aus Stoff. Jonny taufen die Kinder den Schneemann. Jonny steht stocksteif da und lĂ€sst alles mit sich machen, keinen Millimeter rĂŒhrt er sich von der Stelle. Die Kinder tanzen lachend um ihn herum.
Dann formen sie SchneebĂ€lle und werfen vor lauter Übermut damit nach dem Schneemann. Er aber bleibt weiterhin unbekĂŒmmert, unbeweglich stehen und lĂ€sst alles ĂŒber sich ergehen. Wie soll er auch anders, denn weglaufen, kann er ja nicht.
Es bleibt ihm nichts anderes ĂŒbrig. Stocksteif steht er da. Was die Kinder vor lauter Freude nicht empfinden, Jonny friert. Wie sollen sie es auch sehen, der Schnee ist weiß, nur mit ganz kleinen dunklen Flecken, blauen VerfĂ€rbungen, wie bei Menschen, wenn sie frieren an HĂ€nden und im Gesicht.
Die Nacht mit ihrer Dunkelheit vertreibt den Tag. Grauweiße Wolken ziehen am Himmel vorbei, und es schneit nochmal heftig. Die Kinder schauen immer wieder zu dem Schneemann hinaus. Einsam steht er da. Ihm ist bitterkalt. So wie eben ein Schneemann friert oder auch nicht? Seine Haut ĂŒberzieht bereits eine dĂŒnne Eisschicht. Dem MĂ€dchen Susanne aus dem Hause tut er leid. Sie eilt nochmals hinaus, mit einem roten Wollschal in der Hand, den sie dem Schneemann um den Hals bindet.
„Jonny, damit du nicht frierst.“
Ob er nun Jonny oder einfach nur Schneemann heißt, interessiert nicht die hell und klar leuchtenden Sterne am Nachthimmel. Auch die Venus als strahlender Abendstern, und die Planeten Saturn und Jupiter, die hoch gen SĂŒden stehen. Was weiß Jonny der Schneemann schon von dem zart schimmernden Lichtband der Milchstraße, das aus unzĂ€hligen Sternen am Himmel in weiter Ferne flackert. Ihm friert! Das ist sein Problem. Er kann sich anstrengen, wie er will. Kein bisschen warm gibt das Mondlicht seiner nasskalten Haut. Er möchte weinen, aber auch das kann er nicht. Nur dastehen und nachdenken ist sein Schicksal.
Von all den Schneeflocken wiedersetzte sich ein Regentropfen dem kalten Hauch der Wolken. Dieser Tropfen wollte nicht Schneeflocke sein. Nun ist er eine Eiskugel, zur TrÀne des Schneemanns auserkoren, in einer schicksalshaften Vorbestimmung alles noch zum Guten zu wenden.
Dort wo die dunklen Augen des Schneemanns Jonny im Mondlicht glitzern, sitzt die TrÀne Unbekannt, vom Schnee mit eingeschlossen. Eben diese winzige Eiskugel. Klar, dass auch ihr kalt ist. Schon allein daher, ihr sehnlichster Wunsch, wieder ein Regentropfen zu werden.
„Nach dem Rechten will ich sehen“, sagt sie noch zu Jonny dem Schneemann. Und macht sich davon. Ihre Gedanken verweilen oft in Erinnerung an den Sommer. Hinaus in die WĂ€rme will sie. Doch eisige KĂ€lte schlĂ€gt ihr entgegen.
Nicht einmal als Schneeflocke gefiel es ihr. Dagegen hatte sie sich erfolgreich gewehrt. Doch auch das Jetzt gefiel ihr keineswegs. Wie ein richtiger Regentropfen möchte sie durch die Welt ziehen. In einer Wolke schweben, dann im Wasser gemĂŒtlich dahin schwimmen oder in tosenden BĂ€chen purzeln.
Ein eisiger Wind weht ihr entgegen. Die TrĂ€ne Unbekannt kullert ĂŒber den festgetretenen Schnee den kleinen Abhang hinunter, bis zur VerandatĂŒr des Wohnhauses. Die RolllĂ€den sind noch nicht heruntergelassen, sodass das Lampenlicht von innen grell leuchtend auf dem Schnee sich spiegelt.
Die TrĂ€ne Unbekannt kauert sich an das Holz der TerrassentĂŒr unterhalb des Glases. Hier ist es auf jeden Fall wĂ€rmer als beim Schneemann Jonny.
Da öffnet sich die TĂŒr. Der Vater der Kinder schaut nochmal nach dem Wetter. Da sieht er, dass der Schneemann seinen besten Schal umhĂ€ngen hat, und das gefĂ€llt ihm keineswegs. Er kann ja nicht ahnen, dass der Schneemann friert. So beschließt er, den Schal wieder an seinen Platz an der Garderobe im Haus zurĂŒck zu hĂ€ngen. Dann fegt er noch schnell den frisch gefallenen Schnee mit dem Besen von den Platten der Terrasse. Auch die zu Eis gewordene TrĂ€ne Unbekannt erfasst der Besen. Sie fliegt im hohen Bogen in den Kellerschacht. Dort liegt sie nun. Kein Lichtschein dringt hier herunter. Die KĂ€lte empfindet sie auch wieder stĂ€rker. Nicht vorwĂ€rts noch rĂŒckwĂ€rts kann sie sich bewegen.
Vor der klirrenden KĂ€lte verstecken sich sogar die Gespenster. Sie vergessen ganz ihren Spuck zu treiben mit den Menschen. Eines dieser Gespenster hat sich in der NĂ€he zum Ausruhen verkrochen. Ausgerechnet in dem Wohnhaus der Kinder, mit dem Schneemann Jonny im Garten, im Keller hinter dem Heizkessel. Es schlummert vor sich hin und genießt die wohlige WĂ€rme. Noch hatte es nicht von der Turmuhr der nahen Kirche her zwölfmal zur Mitternachtsstunde geschlagen. Also kuschelt sich das Gespenst noch mehr in sich hinein. Als aber dann der erste Glockenschlag die nĂ€chtliche Stille durchbricht, rekelt und streckt es sich. Und spricht mal wieder nur zu sich selbst. Denn niemand ist in seiner NĂ€he.
„Im Winter ist doch nichts los,“ und holt tief Luft. „Erst in den Sommermonaten macht es wieder Spaß. Da sind die Menschen auch nachts noch aktiv, sind unterwegs, feiern bis in die Morgenstunden hinein. Dann – begegnen wir ihnen um Mitternacht. Im Winter dagegen schlafen sie meistens und gehen bereits frĂŒh zu Bett. Die, welche vor den Fernsehern sitzen, können wir ja schon lange nicht mehr erschrecken. Höchstens aufwecken, um sie ins Bett zu scheuchen.“
Bis weit ĂŒber Mitternacht laufen bekannterweise diese Filme im Fernsehen. Die Menschen lassen sich dabei durch nichts aus der Ruhe bringen. Sie lachen nur, wenn die Gespenster versuchen sie zu erschrecken.
Das Gespenst sieht durch das Fenster hinaus nach dem Wetter. Da erblickt es im Kellerschacht etwas Glitzerndes. Es wird neugierig und greift mit der linken Hand durchs Fenster nach außen. Nur ein Gespenst kann so was, ohne das Glas zu beschĂ€digen. Es ist eine Eiskugel, die es aufhebt. Es legt sie in seine Hand, dreht und wendet sie nach allen Seiten. Die TrĂ€ne Unbekannt spĂŒrt WĂ€rme und schaut auf.
Endlich, denkt sie, werde ich wieder ein Wassertropfen. Oder gar gleich ein Regentropfen. In ihrer Aufregung denkt sie nicht daran, dass ja hierzu die Sonne scheinen muss. Es ist mitten im Winter und eiskalt und an vielen Stunden des Tages schummrig und diesig, grau in grau der Himmel bedeckt. Wie kann sie da auf eine Wolke gelangen.
Der TrĂ€ne Unbekannt wird es immer wĂ€rmer. So wie sie es sich gewĂŒnscht hat.
„Was hab ich denn da fĂŒr ein glitzerndes Ding gefunden?“
„Ich bin die TrĂ€ne Unbekannt“.
Dann erzĂ€hlt die TrĂ€ne dem Gespenst von dem Schneemann Jonny dort draußen vor dem Haus, in dem Garten. Der friere und hĂ€tte es auch gern warm.
„Ich bin Rolli, das Gespenst auf Inlinern.“
Das Gespenst hat eine Idee. Kurzum, es ruft seine Freunde:
„Geister! Wisst ihr, wo mein Freund Trolli sich momentan aufhĂ€lt?“ Doch keiner von ihnen hört den Ruf.
Rolli wendet sich wieder der TrĂ€ne Unbekannt zu und flĂŒstert: „Mein Freund hat wieder einmal die Zeit verschlafen. Wird wohl neben irgendeiner Flasche vor sich hindösen, wĂ€hrend andere bereits ganz frĂŒh nach Mitternacht fleißig als Helfer in WĂ€schereien tĂ€tig sind. Oder er schlĂŒrft schon wieder genĂŒsslich am roten Trollinger – Wein. Von dem abgeleitet er seinen Namen hat.“
Von denen, die arbeiten, hört auch niemand RolliÂŽs Rufen. Zwischen den heißen DĂ€mpfen und zischenden Kochkesseln ist es viel zu laut.
Rolli das Gespenst ruft noch einmal. Diesmal schreit er es hinaus. Nun endlich meldet sich sein Freund Trolli.
„Hast du mich gerufen?“
„Ja – schon mehrmals. Wo steckst du denn?“ Ohne eine Antwort abzuwarten, zeigt er Trolli dem Geist die Eiskugel. Erst kann Trolli sie gar nicht erkennen. So klein ist sie schon zusammengeschmolzen.
„Was hast du da?“
Und als er nÀher hinschaut:
„Na – und. Ich bin nicht durstig.“
Die TrĂ€ne erschreckt. Doch noch, bevor Trolli der Geist nach der TrĂ€ne greifen kann, umschließt Rolli das Gespenst mit seiner Hand die schon zum Wassertropfen gewordene kleine TrĂ€ne.
„Du bist ein Dummmerle, lieber Freund. Hör doch erst einmal zu, was wir von dir wollen.“
Gespenstern wird vieles nachgesagt, doch eines können sie eben nicht: Fliegen. Sie gleiten ĂŒber Flure und Kellertreppen. Rolli ist da eine Ausnahme. Er rollt auf Straßen, ĂŒber Flure in den HĂ€usern, eben ein modernes Gespenst mit Inlinern. Fliegen dagegen kann nur sein Freund, Trolli der Geist.
“Ich bin doch nur ein Weingeist. Lebe in tiefen Kellern, dort wo GetrĂ€nke lagern und FĂ€sser voll Wein stehen,“ spricht Trolli der Geist zur TrĂ€ne Unbekannt. Und deutet stolz auf sich.
„Sieh her! Du erkennst mich an meinem unförmigen Aussehen, Wolken, zusammengestĂŒckelt mit hellroten Punkten. Weinflecke sind es, die nicht mehr wegzubekommen sind. Ich kann daran scheuern, soviel ich will.“
Dem Wunsch der TrĂ€ne Unbekannt, wieder ein Regentropfen zu sein, und seines Freundes Rolli, dass Jonny der Schneemann nicht mehr die KĂ€lte ertragen muss, steht Trolli das Gespenst durchaus wohlgesonnen gegenĂŒber. Er weiß auch sofort Rat: Weg von hier, dorthin wo die Sonne das ganze Jahr ĂŒber scheint. Bedenken hat er nur, ob er auch noch die richtige Himmelsrichtung gen SĂŒden findet, denn dem Wein war er nicht abgeneigt gewesen in den letzten Stunden, in denen er einige ViertelglĂ€ser voll zu sich genommen hatte, und ist ein wenig angetrunken..
„SelbstverstĂ€ndlich ist dies nicht mehr so einfach, in meinem Zustand“, erlĂ€utert er es den Beiden.
Aber der Wille, zu helfen, reizt ihn wohl.
„Einen Kompass brauch ich aber“, bittet er.
Alle drei begeben sich erst einmal zum Schneemann Jonny. Erstarrt steht der arme Kerl unverÀndert da. Weder nach links noch nach rechts schaut er. Doch er versteht, dass man ihm helfen will.
Gesagt, getan. Dann geht’s los.
Rolli das Gespenst legt die bereits wieder zu Eis erstarrte TrĂ€ne behutsam in eine Falte des Wolkenumhangs des Geistes Trolli. Mollig warm ist es ihr darin. Rolli das Gespenst hebt den Schneemann Jonny auf und legt ihn auf den nun weit flach ausgebreiteten Wolkenumhang seines Freundes Trolli. Langsam schwebt unser hilfreicher Geist mit dem Schneemann Jonny empor. Rolli das Gespenst kann gerade noch hinterher rufen: „Halt, hier nimm den Kompass mit“. Er hat diesen noch schnell aus der Schublade des Schreibtisches im Hause geholt. Geklaut zwar, aber fĂŒr einen guten Zweck, meint er so nebenbei zu sich selbst.
In einer lang geflogenen Kurve schwebt Trolli der Geist zurĂŒck und greift nach dem Kompass, den ihn sein Freund Rolli das Gespenst entgegen reicht. Schier hĂ€tte er dabei den Schneemann Jonny fallen lassen. Im Gleichgewicht sich zu halten fiel ihm schwer. Schon allein dadurch, dass der Wein in seinem Körper hin und her schwappte. Was dann auch das grĂ¶ĂŸere Problem auf der Reise blieb. Immer wieder kam er aus dem Gleichgewicht, besonders dann, wenn eine KursĂ€nderung nach dem Kompass erforderlich wurde.
Immer höher schwebt Trolli der Geist mit dem Schneemann Jonny und der TrĂ€ne Unbekannt. Hoch ĂŒber die Wolken hinaus. Dann sieht Rolli das Gespenst sie nicht mehr, und rollt zufrieden hinunter in den Heizungsraum. Setzt sich wieder hinter den warmen Heizkessel und schlĂ€ft selig beglĂŒckt, eine gute Tat vollbracht zu haben, ein.
Trolli der Geist mit dem großen Schneemann Jonny und der kleinen TrĂ€ne Unbekannt muss weit fliegen, ĂŒber hohe schneebedeckte Berge, bis ans SĂŒdmeer. Es ist noch frĂŒh am Morgen, aber die Sonne schaut von Osten bereits zaghaft ĂŒber den Horizont. Immer neugieriger wird sie. Bald steht ihre grell leuchtende Scheibe am Himmel ĂŒber dem Meer. Die in der Nacht abgekĂŒhlte Luft erwĂ€rmt sich schnell.
„Ein wunderschöner Tag wird es werden“, sagt Trolli der Geist zum Schneemann Jonny gewandt. „Hier bist du warm aufgehoben“. Und verabschiedet sich. Als er bereits weit am Horizont schwebt, denkt er an die TrĂ€ne Unbekannt, die ja noch in der Falte seines Wolkenumhangs schlummert. Er fliegt zurĂŒck. Bittet den Schneemann Jonny, seinen Hut etwas anzuheben, und setzt ihm die TrĂ€ne Unbekannt darunter auf den Kopf.
„Hier bist du wenigstens etwas geschĂŒtzt vor den heißen Sonnenstrahlen des Tages. Damit du nicht gleich verdunstest.“ RĂŒckwĂ€rts, er winkt dabei, schwebt Trolli der Geist nun endgĂŒltig davon. Bald ist er von der Helligkeit des voranschreitenden Tages verschlungen.
Der Schneemann Jonny kratzt sich am Kopf, am Bauch, an den FĂŒĂŸen. Überall an seinem Körper verfĂ€rbt sich der Schnee in eine durchsichtig wĂ€ssrige Masse. Und als die Sonne gegen Mittag voll ihre WĂ€rme ausbreitet, merkt der Schneemann Jonny, wie er immer mehr schwitzt. Er will davon laufen. Doch dies geht nicht. Bis zum Bauch steht er bereits in einer Wasserlache. Umso mehr er sich bewegt, umso mehr schrumpft er. Die Sonne nimmt von ihm alles. Ein tiefer Seufzer ist noch von Jonny dem Schneemann zu hören. Deutlich klingt die tiefe Traurigkeit heraus. Habt ihr es nicht auch wahrgenommen?! Zum Schluss werden nur der Hut mit dem blauen Band, die beiden schwarzen Kieselsteine, eine schrumpelige MohrrĂŒbe, der schwarze Plastikdeckel und der gelbe StoffgĂŒrtel im Sande liegen bleiben.
Nicht mal mehr eine PfĂŒtze ist von Schneemann Jonny ĂŒbrig geblieben. Nur noch ein wenig nass schimmernder Sand erinnert an sein Schicksal. Oder etwa doch nicht? Was meint denn ihr? Unter dem Hut liegt die TrĂ€ne Unbekannt. „Du musst nicht traurig sein,“ mitfĂŒhlend rollt sie hervor. „Wir werden zusammen bleiben und die letzte Strecke unserer großen Reise gemeinsam antreten, als ein großer in der Sonne glitzernder Wassertropfen,“ tröstet sie ihn. Ja, das kann sich auch der Schneemann Jonny gut vorstellen und schon geht es ihm wieder besser. Er freut sich nun riesig auf diese Reise. Die Sonne lacht, lacht solange, bis das Meerwasser vor Freude Wellen schlĂ€gt.
Kinder wundern sich ĂŒber die herumliegende Kleidung am Strand. Den Hut mit dem blauen Band und den StoffgĂŒrtel nehmen sie mit. Ob sie beim Trödler verkauft wurden oder einfach in die nĂ€chstbeste MĂŒlltonne landeten, hat nie jemand erfahren. Den Plastikdeckel schleudert ein junger Mann weit aufs Meer hinaus. Dort schwimmt der Plastikdeckel kurz auf der OberflĂ€che und versinkt von einer heranrollenden Welle in die Tiefe gerissen. Die beiden glitzernden dunklen Kieselsteine hebt ein Ehepaar auf. Wohl als Andenken an ihre Urlaubsreise oder als seltenes Geschenk fĂŒr ihre Enkelkinder.
Auch der TrĂ€ne Unbekannt, die nun durch die unzĂ€hligen kleinen Wassertröpfchen des Schneemanns Jonny viel, viel grĂ¶ĂŸer geworden ist, streckt die Sonne ihre WĂ€rme entgegen, hebt sie auf einen ihrer Strahlen, und setzt sie in eine Wolke, die fĂŒrs menschliche Auge nicht mehr messbar groß wird, um so mehr Wasserdampf sie aufnimmt. Als grauschwarze Wolke schiebt sie sich dann mĂŒhsam den Bergen im Landesinneren zu. Dort öffnet die Wolke ihre Schleusen, und es regnet. Die nun wie ein Stecknadelkopf große TrĂ€ne Unbekannt purzelt mittendrin in den Regentropfen zurĂŒck zur Erde. Diesmal nicht als Schneeflocke oder Eiskugel. Umgeben von vielen Wasserkristallen vom Schneemann Jonny.
Dort wo sie niederfallen, freuen sich die Menschen ĂŒber jeden Tropfen Wasser vom Himmel. Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Gerade noch rechtzeitig kann eine DĂŒrre abgewendet werden. Ist es nicht schön zu wissen, das unsere mutige, kleine TrĂ€ne Unbekannt und ihre Freundschaft zu Schneemann Jonny diese Trockenheit verhindern konnte!?
Sagt selbst was dazu!
Die TrĂ€ne Unbekannt und der Schneemann Jonny winken euch schon mal vom Himmel herunter zu. Wie? Na ihr seid gut! Immer wieder als glitzernde Wassertropfen natĂŒrlich, die zur Erde herabfallen.
Tropf, Tropf, Tropf 

So konnte die kleine TrÀne, nicht nur Jonny dem Schneemann helfen, sondern auch mit den vielen, vielen kleinen Wassertropfen den Menschen auf unserer Erde.



















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