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Leselupe.de > Kurzprosa
Joop !
Eingestellt am 26. 05. 2011 03:10


Autor
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Epiklord
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2009

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Baltus genoss die Zeit mit ihr. Nach au├čen hin und f├╝r Anna schien das Gl├╝ck perfekt. Ihre Temperamente harmonierten, sie waren z├Ąrtlich miteinander, Meinungsverschiedenheiten wurden fair ausgetragen, sie witzelten an seinen freien Wochenenden von morgens bis abends. Baltus war scheinbar unbeschwert. Es gab auch keinen vern├╝nftigen Grund sich ├╝ber sie zu beschweren. Und dennoch umarmte er sie wie eine neurotische Mutter ihre Tochter. Er schlang seine Arme um sie und dr├╝ckte sie doch gleichzeitig etwas zur├╝ck. Anna schien es nicht zu merken und kuschelte leidenschaftlich gerne mit ihm. So wies er sie nicht ab, selbst wenn er im Augenblick keine Lust dazu versp├╝rte.

Wenn er dann aber wieder allein war, durchstr├Âmte ihn ein sagenhaftes Gef├╝hl des Losgel├Âstseins. Als Einzelkind war er aufgewachsen, seine Eltern waren st├Ąndig gesch├Ąftlich eingebunden, Baltus sich selbst ├╝berlassen gewesen. In der Schule hatte er keine Freunde gehabt. Er hatte es gelernt, sich selbst zu gen├╝gen. Jetzt, wo er mit Anna zusammen war, f├╝hlte er diesen Mangel aus seiner Vergangenheit bedrohlich in ihm aufsteigen, diese Vereinsamung. Erst jetzt wurde ihm hautnah klar, dass er sich wie ein Hund all die Jahre dazu hat abrichten lassen und nun war diese egoistische, gefestigte Einheit zu keinem tiefen Bezug zu anderen mehr f├Ąhig. Nie hatte er es mehr gesp├╝rt als mit ihr, und dabei konnte er sich keine idealere Frau f├╝r sich vorstellen. Doch es war kein Platz in seinem Leben, in der Tiefe seiner Pers├Ânlichkeit, den sie h├Ątte f├╝llen oder erg├Ąnzen k├Ânnen. Mehr und mehr wurde es zur bitteren Gewissheit.

War sie aber fort, malte er liebevoll ihr Portrait und seine Gedanken kreisten um sie. Dann klingelte es an der T├╝r. Er schreckte auf, denn er hatte nicht mehr daran gedacht, dass sie heute ihren Besuch angek├╝ndigt hatte. Er schlich zur T├╝r und linste durch den Spion. Sie hatte sich h├╝bsch f├╝r ihn geschminkt, in ihren Augen lag ein erwartungsvolles, liebliches L├Ącheln. Gleich w├╝rde er ├Âffnen und sie ihm selig in die Arme fallen.

Aber er ├Âffnete nicht. Sein Auto stand vorm Haus, er musste da sein. Sie schellte erneut. Und auf einmal stieg Angst in das Bewusstsein der jungen Frau, die verschlossene T├╝r offenbarte sein verschlossenes Herz. Irgendwie geisterte diese Empfindung schon von Anfang an wie ein Phantom zwischen ihnen, nur hatte sie es sich nie eingestehen wollen, und sie ging verhaltenen Schrittes fort. Er wollte sie zu sich hereinholen, ihr sagen, dass er nicht mehr mit ihr zusammensein wolle, dass er nicht anders k├Ânne. Aber sie wird es nicht begreifen, schoss es ihm durchs Hirn und er schaute ihr durchs Fenster nach, wie sie mit gesenktem Kopf langsam davon schritt, und dann stockte sie, als wollte sie doch noch umkehren. Sie blickte sich noch einmal kurz nach seinem Haus um. Er trat einen Schritt von der Gardine zur├╝ck.

*

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Einen Roman zu lesen ist wie eine Kreuzfahrt, und jede abgestandene Floskel l├Âst sofort eine Flaute aus. (Epiklord)

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