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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Jorge Luis Borges: Erzählungen, Reclam 1987
Eingestellt am 29. 03. 2002 13:12


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Bernd
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Das Buch liegt wieder vor mir, ein reales Buch diesmal, ein Buch in einfachem Umschlag, mit vergilbten Seiten, ein wertvolles Buch --- wegen des Inhalts.

Das Buch ist eine Lizenzausgabe mit Genehmigung des Carl Hauser Verlages München.

Nicht jeder kann es sich leisten, den Buchtitel "Erzählungen" zu nennen, bei Borges ist es möglich, denn sein Name steht für Qualität.

Und was sind das für Erzählungen:

Bereits die Titel sind aufregend.

Der Garten der Pfade, die sich verzweigen
Der Färber in der Maske Hakim von Merv
Thema vom Verräter und vom Helden
Die Bibliothek von Babel
... und viele andere.

Allein mit der "Bibliothek von Babel" lohnt es sich bereits, das Buch zu lesen. Das Universum der Literatur wird hier auf besondere Weise beleuchtet.

Diese Bibliothek enthält alles, einfach jedes Werk, welches jemals gedruckt werden kann. "Die Bibliothek ist eine Kugel, deren Mittelpunkt jedes beliebige Sechseck ist und deren Umfang unzugänglich ist."
Die Bibliothek ist ewig, und die Regale biegen sich unter den Büchern.

Das Erste Buch enthält nur den Buchstaben A, das nächste AA, das nächste AB, und so weiter, das ganze Alphabet durch, auf all den Zeilen und all den Seiten.
Damit enthält sie offensichtlich (in der Annäherung durch lateinische Buchstaben) auch alles in allen Fremdsprachen, einschließlich der übersetzungen und üblichen Fehler jeglicher Art.
Ein bestimmtes Werk zu finden ist hier nicht einfach, denn die Bibliothek ist wahrhaftig groß.
Natürlich sind auch sämtliche Fortsetzungen in sämtlichen Lesarten und Varianten darin vorhanden, auch alle Texte, die Autoren oder Auorinnen der Leselupe schreiben, geschrieben haben, oder noch schreiben werden, sogar, was sie nicht schreiben, oder was sie noch nicht einmal gedacht haben, ist enthalten.

Manchmal, das kommt selten vor, mag auch ein Regal einstürzen, oder ein Brand ausbrechen, das tut der Bibliothek (fast) nichts, denn in ihren Tiefen findet sich sicher noch ein anderes Exemplar des Buches.

Das nur als ein Beispiel für die verzweigte Gedankenwelt von Borges.

Ob die gesamte Bibliothek von Babel wohl in ein E-book passt? Jeder kann sie dann mit herumschleppen.

Borges 1899-1986, ein lateinamerikanischer Autor

__________________
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Bernd
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PS: Da das mir vorliegende Buch leider wohl in der mir vorliegenden Ausgabe vergriffen ist, kann ich die Rezension nicht unter die Rubrik: "Buchempfehlungen" stellen, sie würde dort von Mact nicht freigeschaltet, wäre nicht zugänglich, doch denke ich, dass der obenangegebene Link über die Suchmaschine viele Möglichkeiten bietet, an Bücher von Borges zu gelangen.

In der Schule haben wir ihn in Dresden in meiner Schulzeit nicht behandelt.
__________________
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Matthias Schulz
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo,

der Fischer-Verlag hat die gesammelten Werke von Jorge Luis Borges in 20 Bänden herausgegeben; 16 davon stehen bei mir auf dem Bücherregal, und ich lese immer und immer wieder in ihnen. Dem Band "Erzählungen" dürfte in der Fischer-Ausgabe der Band "Fiktionen" entsprechen; dieser Band enthält die ersten großen Erzählungen von Borges. Die bekannteste Geschichte dürfte wohl durchaus die Bibliothek von Babel sein, doch Borges selbst mochte sie irgendwann nicht mehr. Zitat: "Diese Story habe ich geschrieben, als ich versessen darauf war, Kafka nachzuäffen. Das war vor vierzig Jahren, und ich erinnere mich kaum an Text."

Es wäre schade, wenn von der komplexen und faszinierenden Literatur, die Borges uns hinterlassen hat, nur dieser Text im Gedächtnis überleben würde, so, wie von G.B. Shaw nur das Stück "Pygmalion" überlebt hat- Borges hat mehr zu bieten, faszinierende, gedanklich stimulierende Essays, außergewöhnliche Kriminalgeschichten (symbolische im Alleingang wie "Der Tod und der Kompass", parodistische zusammen mit Adolfo Bioy Careres), eine Fülle von Sonetten, in denen er sich in berühmte Persönlichkeiten hineindenkt, raffinierte Gedankenspiele.

Um noch einen anderen Eindruck von Borges zu geben, möchte ich hier eine andere Geschichte zusammenfassen: Nachdem der irische König die Norweger besiegt hatte, befahl er einem Dichter, diese Taten in einem Gedicht unsterblich zu machen. Nach einem Jahr ist der Dichter fertig, trägt sein langes und klassisches Gedicht vor. Der König akzeptiert es, stellt jedoch fest, dass das Gedicht keine große Wirkung hatte. Er schenkt dem Dichter einen Spiegel aus Silber, und befiehlt ihm, ein weiteres Gedicht zu schreiben. Nach Jahresfrist kehrt der Dichter wieder, das Gedicht ist eine Seite lang, wirr, furchtbar, seltsam, ein Abbild der Schlacht. Der König nimmt auch diese Arbeit an, doch soll sie geheim bleiben, den Schriftgelehrten vorbehalten. Er schenkt dem Dichter einen Spiegel, und erwartet noch ein drittes Gdicht, da die drei eine magische Zahl ist. Nach Jahresfrist kehrt der Dichter, ausgemergelt, verzweifelt, zurück. Er hat das Gedicht gefunden, eines Morgens, und ihm wurde klar, dass dieses Gedicht eine Sünde gegen den heiligen Geist ist. Es besteht aus einer einzigen Zeile, die er dem König vorträgt. Der König schenkt dem Dichter einen Dolch, mit dem sich dieser das Leben nimmt; der König zieht als Bettler durch Irland, ohne das Gedicht je zu wiederholen.

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