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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Jubel und Betrübnis
Eingestellt am 01. 01. 2009 10:35


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Hedwig Storch
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2005

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In den nächsten Monat, also den Februar 2009, fällt der 58. Todestag von André Gide.
Der Aufschrei der Leserschaft klingt mir in den Ohren: "Aufhören!" Das war doch der Franzose, der am 20. Juni 1936 auf dem Roten Platz die Totenrede für Gorki hielt. Molotow und Stalin standen daneben! Das war doch der Autor, dessen Werk im Mai 1952 von Rom auf den Index gesetzt wurde!

Alles egal, sage ich, 18 Jahre nach Ende des Kalten Krieges mutig geworden. Gide hat sich bereits 1937 vom Kommunismus abgewandt. Er gehört zu den nicht sehr zahlreichen Autoren, an dessen Werk man so trefflich die Frage erörtern kann: Was ist denn eigentlich große Literatur? Ich rede von Weltliteratur, von Gides letztem Werk "Theseus", erschienen 1946 bei Gallimard/Paris. Zuvor hatte Gide acht lange Jahre nichts veröffentlicht.

Die kleine Erzählung können Sie bitte selbst lesen. Ich erspare mir eine Inhaltsangabe. Denn der Text ist - im Großen und Ganzen - ein einziges Vergnügen. Somit kommen wir zu dem Prüfstein von Literatur, um den es in diesem Monat geht: der Humor. Spaß reicht nicht aus. Es muß schon Humor sein.
Dafür zwei winzige "Beweise" nur.
1) Bevor Theseus auf Kreta ins Labyrinth steigt und die Menschheit ein für allemal vom Minotaurus befreit, bietet ihm die kretische Königstochter Ariadne - nicht ganz uneigennützig - ihre Hilfe an: "... wenn ich, deine Geliebte - oder doch bald deine Geliebte -, dir nicht helfe..." Theseus läßt sich helfen, hängt fortan an Ariadnes Faden, kann ihn aber auf Naxos, ganz nach Heldenart, kappen. Denn Theseus, Prinz von Attika, muß immer weiter, "sobald die Neuheit schal wird"... weiter zur nächsten Frau, zu einer viel jüngeren, einem halben Kind noch.
2) Die Kleine, das ist Ariadnes Schwester Phaedra, macht er zu seiner Königin. Zuvor stürzt Theseus noch rasch den Vater vom Thron mit einer Niedertracht. Gegen Ende der Heimfahrt, bereits in den Gewässern vor Piräus schippernd (Πειραιεύς oder wie der Athener Hafen dazumal hieß), läßt er "aus Versehen" die Segel in der falschen Farbe setzen und Vati bringt sich ob der Schreckensnachricht um. Anläßlich seiner kurz darauf folgenden Thronbesteigung läßt Theseus, wieder typisch Held, Festchöre einüben, "in denen Wehklagen mit Freudengesängen" wechseln. Allüberall in Athen herrscht "Jubel und Betrübnis".

André Gide, der Literatur-Nobelpreisträger 1947, wurde am 22. November 1869 in Paris geboren und starb am
19. Februar 1951 daselbst.

Den Text können Sie z.B., in der deutschsprachigen Erstausgabe sogar, antiquarisch erwerben:
André Gide: Theseus
Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart 1949
64 Seiten.
Übersetzer: Ernst Robert Curtius. Zeichnungen: Theodor-Werner Schröder.

Hedwig 1/2009

__________________
Hedwig

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