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Leselupe.de > Anonymus
Julia
Eingestellt am 03. 07. 2004 10:56


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Julia muss fort. Hastig kn├Âpft sie ihre Bluse zu. Wirft einen fl├╝chtigen Blick auf das schlafende Gesicht. Der Geruch von abgestandenem Rauch, durchmischt mit Schwei├č und mit Lust. Tom. Sein Atem geht ruhig. Sein Atem hat etwas S├Ąuerliches. Sein schr├Ąges L├Ącheln untermalt von einem blechernen Sarkasmus. Unweigerlich muss sie an John denken. Wann war das noch? Vor etwa anderthalb Jahren. Sie streicht sich das zerw├╝hlte Haar aus dem Gesicht. Greift die Zigarettenschachtel. Wartet auf den Moment des Skrupels. Wartet, doch der Moment zieht vor├╝ber. Nicht einmal mehr der Hauch eines Skrupels. Eine z├Ąhe Schicht hat sich um ihre Seele gelegt. Er wird aufwachen und sich nach ihr umschauen. Aber dann ist sie schon l├Ąngst nicht mehr da. Jetzt m├Âchte sie am liebsten eine gro├če Schaufel nehmen und die Stille durchschneiden und graben, doch worauf w├╝rde sie sto├čen? Leise schlie├čt sie die T├╝r hinter sich.

Im Auto liegt noch die Post, eine Nachricht auf dem Handy. Bernd, das war vor einem halben Jahr. Eine trunkene Silvesterfeier und man hatte zwei Monate lang miteinander vertan. Sie wird Bernd nicht zur├╝ckrufen. Sie m├Âchte Ruhe und h├Ąlt sich die Ohren zu, aber der L├Ąrm kommt aus ihrem Kopf. Julia muss schnell fort.

Zuhause blinkt der Anrufbeantworter. Sie wird Clara auch diesmal nichts erz├Ąhlen. Clara w├╝rde das nie verstehen. Der Wein wird ihr gut tun. Er ist rot und kalt und brennt ihr in der Kehle. Ein leichter Schwindel, doch der geht schnell vorbei. Das Telefon klingelt, sie wartet auf das Piepen, es ist niemand dran.

Auf die Regale hat sich Staub gelegt. Es ist sinnlos, sich dar├╝ber aufzuregen, die Zeit tr├Ągt ihn immer wieder dorthin. Mit schwacher Geste malt sie ein paar Striche in die graue Schicht. Es ergibt keinen Sinn. Die braunen Locken fallen ihr in die Stirn, wie erleichternd w├Ąre es, wenn jetzt ein paar Tr├Ąnen das Gesicht waschen k├Ânnten, wie wohltuend ein warmes Wort. Julia m├Âchte fort.

Schon brennt ihr die Leere eine neue Narbe ins Gem├╝t. Damals, wie sehr hat sie sich gew├╝nscht, alles zu vergessen. Die qu├Ąlende Sehnsucht zu vertreiben. Doch das Vergessen brachte nicht die heilsame Erleichterung, die sie sich erhoffte. Das Vergessen brachte ein Verstummen und ein Stillhalten, aber von dort ging es nirgends mehr hin. Manchmal, in d├╝steren Momenten, beschw├Ârt sie die Erinnerung herauf. Nur ganz heimlich. Dann ist es ihr wieder ganz nah, das Leben. Aber es tut so weh. Sie will fort.

Sie muss wohl eingeschlafen sein, ein greller Sonnenstrahl holt sie aus einem undeutlichen Traum. Ein Druck lastet auf ihrer Brust und der Kopf dr├Âhnt hohl. Kalter Rauch steht im Zimmer, der Geruch verursacht ihr ├ťbelkeit. Er kommt heute zur├╝ck. Sie denkt schon lang nicht mehr dar├╝ber nach, ob es wirklich eine Gesch├Ąftsreise war.

Ein paar Stunden sp├Ąter steht er vor ihr, dr├╝ckt ihr sein breites L├Ącheln und einen Strau├č Fr├╝hlingsblumen entgegen. Sie inszeniert ein helles Gesicht, glitzernde Augen, frische Worte. Innen ist sie tot. Er ahnt nichts von ihrem anderen Leben, ganz sicher. Wie gern w├╝rde sie sich ihm endlich einmal wieder zeigen. Julia ist fort.

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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 1
Kommentare: 1405
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Aber hallo! Liebe/r A., das ist sehr scharf getroffen und glaubw├╝rdig. Sprachlich gelungen, gute Formulierungen. Hut ab.

Gru├č,
Gabi

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Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

Werke: 468
Kommentare: 8220
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Hallo,

mir sagt die Geschichte gar nichts. Tut mir leid.
Vielleicht weil ich Teile, vier meiner eigenen Geschichten, hier drin wiederfinde. Keine Ahnung.
Ich kanns nicht erkl├Ąren.
Aber ich wollte auch nicht wortlos gehen, nachdem ich die 5 gab.

lG
allen ein sch├Ânes Wochenende
Sanne

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Re: Hallo,

Hallo Sanne.
Sch├Ân, dass Du nicht wortlos gegangen bist. Muss sicher nicht jedem "passen". Mich irritiert allerdings dieser nicht wirklich subtile Hinweis auf Deine Geschichten. Klingt danach, als h├Ątte ich da abgeschrieben oder so? Ich muss gestehen, dass ich bisher nur zwei Geschichten von Dir gelesen habe und die kannst Du nicht meinen. Das ganze ist vom Leben inspiriert genug, da brauch es keine "Fremd-Worte". Dar├╝berhinaus kann ich zur Kritik nat├╝rlich nicht viel mehr sagen. Dennoch danke ich f├╝r die Befassung.

lg
a.

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Liebe Gaby.
Besten Dank f├╝rs Lob. Glaubw├╝rdig, OK. Mit der "Sch├Ąrfe" bin ich mir halt nicht so sicher, da war mir Feedback wichtig.

lg
a.

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