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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Julienne
Eingestellt am 10. 07. 2008 23:42


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arle
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2004

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Allez venez, mylord, vous asseoir à ma table...

Kannst du immer noch jedes Lied der Piaf von der ersten bis zur letzten Strophe mitsingen? Bist du ihr vielleicht sogar inzwischen begegnet? Trefft Ihr Euch am fr├╝hen Abend zu einem kleinen Ap├ęro, redet ├╝ber Gott und die Welt und das Leben und die Liebe? Und ├╝ber Paris - Paris, deine Stadt. Die du nur ein einziges Mal sehen durftest. Richtest du ihr die d├╝nnen Haare zu einer volumin├Âsen, nicht zu perfekten Frisur? Obwohl du selbst doch nur zu gerne perfekt gewesen w├Ąrst, f├╝r deine Schwestern, deine Mutter, deinen Mann. Aber da war immer irgendwas, das nicht ins Bild passte: eine Laufmasche, ein abgebl├Ątterter Fingernagel, Spuren von Wimperntusche.

Il fait si froid dehors, ici c'est comfortable...

Meinen zweiten Vornamen habe ich von dir: Julia. Das h├Ątte ich als junges M├Ądchen niemals jemandem verraten, denn zu hause lachten sie immer und sagten, wenn sie gewusst h├Ątten, wie ich mich entwickeln w├╝rde, h├Ątten sie diesen Namen nicht gew├Ąhlt. Er passe nun wirklich nur zu einem h├╝bschen M├Ądchen. Du hast nie mitgelacht. Sie sieht aus wie Anne Frank, hast du gesagt, und Anne Frank war ein sehr h├╝bsches M├Ądchen. Das habe ich dir nicht geglaubt, aber es tat gut.

Laissez vous faire, mylord, et prenez bien vos aises...

Wei├čt du noch, die Hochzeit meiner Cousine? Ich kam zu sp├Ąt, vorne waren sie schon kurz vor dem Ja-Wort. V├Âllig au├čer Atem wollte ich erkl├Ąren, dass ich doch gestern beim Polterabend diesen Piloten kennen gelernt h├Ątte und da sei eben... Du hast den Finger auf den Mund gelegt und gesagt: Hauptsache, es war sch├Ân.

Vos peines sur mon coeur et vos pieds sur une chaise...

Mit der Liebe kanntest du dich aus. Deine gro├če Liebe, Fritz, ist gleich in den ersten Kriegstagen gefallen. Alle dachten, du w├╝rdest dich nie mehr davon erholen. Und dann kam doch noch einer: Johannes. Johannes' Mutter war sehr krank. Sie rief ihren Sohn an ihr Bett und sagte, sie k├Ânne nicht in Frieden sterben, wenn er ihr nicht versprechen w├╝rde, Priester zu werden. So etwas gab es damals noch, und Johannes erf├╝llte seiner Mutter diesen letzten Wunsch.

Je vous connais, mylord, vous ne m'avez jamais vu...

Von da an ging alles sehr schnell. Du hast deinen kleinen Friseurladen ganz alleine gef├╝hrt, dich immer mehr verschuldet, immer mehr Tabletten genommen, immer lauter gelacht. Meine Lieblingstante, die Quatschmacherin. Bis zum Zusammenbruch. Notarzt, Krankenhaus, Geschlossene, schnelle Hilfe von der Familie. Keine Gespr├Ąche. Und dann das Wunder: ein Besch├╝tzer, der deine Tabletten und seine Flaschen vor dir versteckte, Heirat, doch noch ein Kind, mit vierzig, eigenes H├Ąuschen, eigener Laden mitten im Dorf, zehn Stunden am Tag Dauerwellen in graue Haare brennen - alle waren zufrieden. Ein gutes Paar, gef├╝rchtete Witzeerz├Ąhler, t├╝chtig. Deinen Namen hast du dabei eingeb├╝├čt. Von nun an warst du nicht mehr Julienne, sondern nur noch die "Fraa"; damit kann man leben. Eine Szene aus dem verwackelten Super-8-Film geht mir nicht aus dem Kopf: Er wollte dir doch nur eine Str├Ąhne aus der Stirn streichen. Warum bist du so zusammengezuckt, was war da pl├Âtzlich in deinen Augen? Das Kind: knapp achtzehn Jahre sp├Ąter Vollwaise.

Je ne suis qu'une fille du bord, une ombre de la rue...

Une ombre - ein Schatten. Mein guter Schatten. H├Âchste Zeit, dir das einmal zu sagen.
__________________
Am j├╝ngsten Tag, wenn die Posaunen schallen und alles aus ist mit dem Erdeleben, sind wir verpflichtet, Rechenschaft zu geben von jedem Wort, das unn├╝tz uns entfallen. - J.W. Goethe -

Version vom 10. 07. 2008 23:42
Version vom 11. 07. 2008 00:04
Version vom 11. 07. 2008 00:56
Version vom 11. 07. 2008 05:12

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