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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Jurassic Schrebergarten
Eingestellt am 12. 09. 2004 13:22


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Michael Pliet
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2004

Werke: 11
Kommentare: 1
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Als Walter Schmidt durch seinen Schrebergarten schritt, zeigte sein Gesicht ein zufriedenes Lächeln. Der Garten war das liebste Hobby des siebzigjährigen Rentners mit den weißen Haaren. Trotz seines Alters war er relativ fit und erledigte die Gartenarbeit noch mit Links. Die Arbeit an der freien Natur war aber nicht der einzige Grund, warum er so oft den Garten aufsuchte. In seinen jungen Jahren arbeitete Walter als Forscher in einem kleinen Labor. Man befasste sich dort mit Gentechnik und wollte versuchen aus etwas DNS, das einem Bernstein entnommen wurde, einen neuen Dinosaurier zu züchten.

Die Öffentlichkeit durfte nie etwas davon erfahren, so fanden die Experimente hinter verschlossenen Türen statt. Nicht einmal die Regierung wusste davon. Das Experiment gelang nach jahrelanger Forschung und die Männer um Walter, hatten es tatsächlich geschafft einen jungen lebensfähigen Dinosaurier zu züchten. Die Freude über das geglückte Experiment war schnell verklungen, denn leider stellte man erst nach dem Experiment fest, was man sich dort herangezüchtet hatte. Es war nicht anderes als ein T-Rex, was sich aus der uralten DNS gebildet hatte. Der Staat hatte Angst, dass das Experiment außer Kontrolle geraten könnte und verlangte von den Wissenschaftlern, dass der T-Rex nach den vorgeschriebenen Tests getötet werden sollte. Dies brachte Walter aber nicht übers Herz, denn wie sich herausstellte, war der T-Rex weniger gefährlich als man annahm und wurde sogar sehr zutraulich zu Walter, der es vermied, den Saurier mit Fleisch zu füttern. Er wollte so verhindern, dass der Instinkt des Tieres nicht geweckt wurde, was perfekt gelang. Der T-Rex ernährte sich nur von Pflanzen und entwickelte sich positiv. Mit den Jahren sah Walter ihn als sein Haustier an. Auch wuchs der T-Rex bei weitem nicht so groß, wie man es vermutet hätte. Als er die Größe eines Schäferhundes erreicht hatte, stellte sich sein Wachstum ein. Dafür war eine Genmanipulation verantwortlich, welche Walter an dem T-Rex vorgenommen hatte. So war er besser unter Kontrolle zu halten. Um das Leben des T-Rex zu retten, stahl Walter das Tier aus dem Labor. Man kam nie dahinter, wer es war und so konnte Walter ihn bis zu seiner Pensionierung, in seinem kleinen Schrebergarten verstecken. Jeden Tag seit dieser Zeit suchte er den Saurier auf, um ihn weiter zu studieren und um ihm etwas Gesellschaft zu leisten, denn er war seine einzige Bezugsperson.

Walter stockte der Atem, als er an der kleinen Hütte ankam und feststellte, dass die Tür offen stand. Der T-Rex war fort. In all den Jahren, war es ihm nicht gelungen zu entkommen und frei herumzulaufen, doch nun hatte er es genutzt, dass Walter die Tür, eine Stunde zuvor, vergaß abzuschließen. „VERDAMMT!“, drang der Fluch aus dem Mund des Mannes. Wenn der T-Rex jetzt jemandem über den Weg lief, dann konnte das in einer Katastrophe enden. Die Menschen würden in Panik geraten und die Behörden benachrichtigen. Wer wusste schon, wie der T-Rex reagierte, wenn man ihn jagte.

„Ruhig bleiben! Er muss hier irgendwo sein!“, sprach Walter laut zu sich selber. Er wusste, dass der T-Rex das Gartengelände nicht verlassen haben konnte, dafür war es zu gut abgesichert.
„Wer?“ Walter zuckte zusammen. Er kannte die Stimme. Sie gehörte seinem früheren Chef Kurt Miller. Ein Arschloch wie es im Buche steht. Arrogant bis aufs letzte Gen in seinem Blut. Schon damals kam er nicht gut mit seinen Chef aus, denn er war es gewesen, der den T-Rex am liebsten für seine Zwecke vermarktet hätte. Warum musste er ausgerechnet heute auftauchen? Er hatte doch schon genug Probleme und nun musste er sich auch noch mit Kurt Miller herumschlagen. Walter drehte sich um und blickte in das blasse Gesicht des Mannes mit den schwarzen fettigen Haaren und der Brille im Gesicht, das von Schönheits-Operationen gezeichnet war. Miller war sehr eitel und tat alles, um nicht alt zu wirken. Selbst die Haare waren gefärbt. Wie ein König baute er sich vor Walter auf und wirkte fast wie ein König.
„Ich frage sie noch einmal. Wer muss hier irgendwo sein?“
Walter versuchte sich dumm zu stellen. „Ich weiß nicht, von was sie sprechen, Kurt.“
„Ich hab es doch ganz deutlich gehört. Sie vermissen etwas, oder es ist etwas aus ihrem Schuppen dort abhanden gekommen.“
„Das geht sie nichts an. Was machen sie überhaupt hier in meinem Garten. Ich habe sie nicht eingeladen. Zum Teufel noch einmal!“
Ein fieses Grinsen zeichnete sich auf Millers Gesicht ab.

„Vielleicht suche ich dasselbe wie sie, Walter! Wissen sie, auch der dunkelste Fleck in unserer Vergangenheit, kommt irgendwann einmal ans Licht. Sie wissen doch, was ich meine, oder?“
Walter ahnte, dass Kurt Bescheid wusste, aber er wollte seine Karten nicht auf den Tisch legen, ehe Kurt es nicht selbst über seine Lippen gebracht hatte. „Klären sie mich doch auf!“
„Nun, mein lieber Walter, es ist ein Videoband aufgetaucht. Ich muss ihnen ja wohl nicht mehr erzählen, was es auf ihm zu sehen gibt. Ein sehr interessanter Film, der jemandem ganz schön das Genick brechen kann. Und nun raten sie mal, wer es besitzt?“
Also doch, man hatte ihm Schlussendlich erwischt. Es musste gefilmt worden sein, wie er den Saurier aus dem Labor geholt hatte. Aber warum tauchte das Band erst so spät auf. Wollte ihn Kurt jetzt 15 Jahre später etwa damit erpressen?
„Woher haben sie das Band?“
„Tja, wissen sie es ist schon komisch, was man so entdeckt, wenn man sich alte Sicherheitsbänder ansieht. Sie dachten damals wohl, dass sie alles Material vernichtet hatten, aber eine Kamera haben sie wohl leider übersehen.“
Das klärte für Walter noch immer nicht die Frage, warum sich Miller ausgerechnet Jahre später er meldete. Er hätte die Situation, doch auch schon viel früher für sich ausnutzen können.

„Einen schönen Garten haben sie hier, Walter!“
„Danke. Aber deshalb sind sie doch nicht hier. Sie wollen meinen T-Rex. Geben sie es doch zu.“
„Ich gebe zu, dass Band befindet sich schon seit einigen Jahren in meinem Besitz. Allerdings habe ich es nie herausgegeben. Ich wollte abwarten, ob der T-Rex auch die nächsten Jahre noch überlebt. Was er wohl ohne weiteres getan hat, sonst wären wir ja beide nicht hier.“
„Aber nun ist er weg. Er ist aus dem Schuppen ausgebrochen und ich konnte es nicht verhindern.“
„Ja, dass ist allerdings sehr bedauerlich und gar nicht gut für sie. Weit wird er nicht kommen, schließlich sind die Gärten hier ja alle umzäunt. Ich werde ihn schon bekommen und dann erhalte ich endlich den Ruhm, den ich verdient habe.“
„Nein, dass werden sie nicht, sie Sch….!“ Walter blieben die Worte im Hals stecken, denn er blickte in den Schalldämpfer eine Pistole, die Kurt blitzschnell gezogen hatte.

„Du wirst mich nicht aufhalten, alter Mann! Du nicht. Ich werde mir dein kleines Haustier holen und dann werde ich berühmt. Ich, der es geschafft hat, einen neuen Saurier zu züchten.“
„Aber das waren sie nicht. Sie brüsten sich mit falschen Federn.“
„Es wird aber keiner mehr da sein, der es ihnen erzählen könnte. Es ist genug geredet worden. Drehen sie sich um.“

Kurt legte die Waffe an. Walter leistete seinen Worten Folge und drehte sich um und kniete sich auf den Boden. Kurt trat näher an ihn heran und drückte ihm den Schalldämpfer in den Nacken. Er fühlte sich eiskalt an und würde Walter den Tod bringen. In den nächsten Minuten würde er abdrücken. Walter schloss seine Augen und erwartete sein Ende, als er plötzlich, anstelle des Schusses, den schmerzerfüllten Schrei des Kurt Miller hörte. Er öffnete seine Augen wieder, drehte sich um und bekam ein Bild des Grauens präsentiert. Der T-Rex hatte sich langsam herangeschlichen und war gegen Kurt Rücken gesprungen. Dieser lag nun auf dem Bauch und ruderte mit den Armen. Dabei verlor er die Waffe und sie landete vor Walters Füssen. Schnell nahm er die Waffe an sich.

Der T-Rex stand in seiner vollen Größe auf dem Rücken von Kurt und stieß einen brüllenden Laut aus seinem Maul aus. Der Mann konnte sich nicht mehr bewegen. Der T-Rex war gereizt und wollte seine Herrchen beschützen. Noch ehe Walter etwas unternehmen konnte, hieb der T-Rex seine gewaltige Schnauze in Kurts Nacken. Walter hätte mit einem letzten Schrei gerechnet, doch alles was er noch vernahm, war das Knacken des Genicks seines ehemaligen Chefs. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Er hatte zu hoch gepokert.

Jetzt hätte alles gut sein können, doch der T-Rex hatte Blut geleckt. In seinem ganzen Leben war er nie mit Fleisch und Blut in Kontakt gekommen. Doch nun reagierte er wie ein Hai, der Blut gerochen hatte. Die Gier nach rohem Fleisch war schlussendlich doch noch in seinen Genen versteckt gewesen und war durch diese Tat erweckt worden. Ein Teil von Kurts Arm verschwand im Maul des Sauriers und wurde mit einem lauten Schmatzen herunter geschlungen. Walter wusste, dass er jetzt nur noch eines Tun konnte, da er nie wieder die Kontrolle über den T-Rex zurückerlangen würde. Mit einer Träne im Gesicht, legte er auf seinen treuen „Freund“ an. Es war zum Wohle der Menschheit, was er nun tat. Dennoch hatte er ein übles Gefühl dabei. Dreimal drückte er ab und dreimal verließen die Kugeln lautlos den Lauf der Waffe. Alle trafen ihr Ziel, es war der Kopf des Sauriers. Innerhalb von Sekunden brach dieser auf seinem Opfer zusammen. Ein letzter Atemzug drang noch aus seinem Maul, dann blieb er ruhig liegen.

Walter kam sich wie ein Verlierer vor. Er hatte seinen T-Rex erschossen. Es hätte nicht dazukommen müssen, doch seine Schusseligkeit und das Auftauchen von Kurt Miller hatten ihm keine Möglichkeit gelassen. Ein letztes Mal trat er an den toten Körper seines T-Rex heran und streichelte über den Körper des Tiers. „Es tut mir Leid, mein Freund. Das wollte ich nicht!“ Langsam schloss er die Augen des Tiers.

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