Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92216
Momentan online:
272 Gäste und 19 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Kabarett?
Eingestellt am 23. 05. 2002 02:51


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Dorian
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 24
Kommentare: 65
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Dorian eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Fortschritt bringt die Menschen um.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag Fortschritt. Ich liebe ihn geradezu. Das mu├č ein Relikt aus Kindheitstagen sein, in denen wir uns ausmalten, wie ÔÇ×das Jahr 2000ÔÇť aussehen w├╝rde. Laut meiner damaligen Fantasien m├╝sste ich heute einen fliegenden Ferrari und eine Wohnung auf dem Mond haben, gar nicht zu reden von Laserwaffen und dem Atomreaktor in der K├╝che.
Aber wer konnte damals schon ahnen, da├č der kalte Krieg so bald vor├╝ber und damit die Raumfahrt und ÔÇô forschung als rein prestigetr├Ąchtige und ziemlich kostenintensive Industrie fast v├Âllig wegfallen w├╝rde? Wir jedenfalls nicht.
Und so stand ich der rasanten Entwicklung der Computer- , Informations- und Kommunikationstechnik wenn schon nicht ratlos, so doch ziemlich ├╝berrascht gegen├╝ber, als es soweit war. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich immer wieder gerne an einen Arbeitskollegen, der, zu dem Thema befragt, einmal sagte: ÔÇ×Internet? Das h├Ârt sich alles auf. Wirst sehen, in ein paar Jahren ist der Spuk vorbeiÔÇť.
Das ist etwa zwei Jahre her und zum zirka selben Zeitpunkt setzte ich mir in den Kopf mit sp├Ątestens drei├čig auf einer B├╝hne zu stehen und mein eigenes Kabarett-Programm zum Besten zu geben. Auf der Suche nach einem Aufh├Ąnger stie├č ich schlie├člich auf DAS Thema schlechthin, das was Tag f├╝r Tag neben, ├╝ber und hinter uns passiert, meist ohne das wir es ├╝berhaupt mitbekommen: Fortschritt.
Ich machte mich also daran zu recherchieren und konnte nach einiger Zeit nicht umhin mir einzugestehen, da├č ich die ganze Geschichte zynisch angehen musste, denn Satire ÔÇô die f├╝r das Kabarett eigentlich ├╝bliche Form des Humors ÔÇô reichte hierf├╝r nicht aus. Ich befasste mich also mit Leuten, die im Namen des Fortschritts gestorben waren. Und kam dabei nicht an Galileo Galilei vorbei.
Der hat irgendwann mal das Fernrohr erfunden. Das abendl├Ąndische m├╝sste man richtigerweise sagen, denn die Araber hatten das Fernrohr schon Jahrhunderte zuvor entdeckt, und was wei├č ich, wer sonst noch. Aber wen interessierte damals schon, was ein paar blo├čf├╝├čige Heiden so trieben? Niemanden. Denen klaute man h├Âchstens das Rechensystem und erkl├Ąrte den heiligen Krieg, schlie├člich geh├Ârt die heilige Stadt ja uns, oder nicht? Aber man sieht ja, was bei heiligen Kriegen herauskommt. Zehntausende Tote, der K├Ânig von England wird vom Herzog von ├ľsterreich ins Kittchen geworfen und der Bruder des K├Ânigs mu├č die Steuern anheben, was das englische Volk ver├Ąrgert, wodurch wiederum Robin Hood eingreifen mu├č. Es ist alles sehr kompliziert, um einmal mit Fred Sinowatz zu sprechen.
Kehren wir jedoch zum Thema zur├╝ck: Galileo Galilei blickte der Legende nach einmal in eine Flasche und bemerkte, da├č er alles gr├Â├čer wahrnahm, da der Flaschenboden im Querschnitt wie eine Linse geformt war, was er damals nat├╝rlich noch nicht wusste.
Auch sei dahingestellt, warum ein erwachsener Mann in eine Flasche blicken sollte, um die Gegend durch deren Boden zu betrachten. Meine Vermutung geht dahin, da├č er morgens mit pelziger Zunge nach einer beliebigen Fl├╝ssigkeit suchte, auf das sie seinen Brand l├Âsche. Als er jedoch feststellen musste, da├č er am Vorabend alles ausgesoffen hatte und die Gattin noch nicht einkaufen gewesen war, lugte er misstrauisch in jede einzelne der leeren Flaschen, ob sich nicht doch irgendwo ein Tr├Âpflein verkrochen hatte. Als sich ihm hierbei die Umgebung vergr├Â├čert darstellte lie├č er sein Genie spielen.
Der Durchschnittsalkoholiker h├Ątte wahrscheinlich gedacht, da├č er einfach an Nachwirkungen des vorangegangenen Saufgelages litt, aber nicht unser Galli. Er wusste, da├č es an der Flasche lag, nicht an seinem ger├Âteten Auge.
Er besorgte sich ein paar besonders gelungene Flaschenb├Âden und begann damit zu experimentieren. Dabei fand er heraus, da├č er am besten sah, wenn er sich mit der Linse in einem dunklen Raum befand und ins Helle blickte, was besonders dann von Vorteil war, wenn er seine Geliebte bei sich hatte und seine Frau fr├╝her von der Arbeit nach Hause kam.
Danach machte er sich Gedanken um den praktischen Nutzen dieser h├╝bschen Spielerei, schlie├člich konnte nicht jeder sein Haus mit sich herumtragen, nur um den Vorteil des Weit-Sehens genie├čen zu k├Ânnen. Galileo kam die Idee, sich eine Art R├Âhre zu besorgen in die er eine Linse stecken konnte. Dann w├Ąre es rundherum immer dunkel und man w├╝rde den Blick immer ins Helle richten. Aber Messingr├Âhren waren teuer und man wei├č ja, wie es um die Geldbeutel von Leuten bestellt ist, die, sagen wir mal, mit ihren Trieben nicht umzugehen wissen. Er sah sich also nach dem n├Ąchstbesten Ersatz um und fand auch einen: Salami.
Aber nicht so eine Salami, wie man sie heute im Supermarkt kriegt um 1.50ÔéČ pro 100 Gramm. Die Salamis damals waren einen Meter lang und so dick, da├č ein Flaschenboden ohne weiteres hineinpasste. Galilei erfand schlie├člich auch eine Methode, wie er sein Fernrohr scharfstellen konnte, indem er mehrere Linsen verwendete und zwei Salamis ineinandersteckte, bis er irgendwann verbrannt wurde, aber ich glaube, das war, weil er glaubte, die Erde drehe sich um die Sonne und nicht umgekehrt. V├Âllig abwegiger Gedanke.
Was mich indes brennender interessiert, ist Folgendes: Wenn man durch eine einen Meter lange Salami hindurchblicken will, mu├č man sie zuvor aush├Âhlen. Nun frage ich mich, wie hat der Meister das gemacht? Mit besonders langen L├Âffeln? Oder dressierten M├Ąusen?
Und was vielleicht noch wichtiger ist: Was hat er mit den ganzen Salami-Innereien gemacht? Irgendwohin mu├č er sie ja getan haben und seine Frau hat sicher nicht zugelassen, da├č er sie einfach wegwirft. Selber essen geht auch nicht, denn irgendwann f├Ąngt auch die beste Salami zu schimmeln an und derartige Mengen kann man nicht so schnell vertilgen. Hat er vielleicht den ersten Catering-Service spezialisiert auf Salami erfunden? Vielleicht hat er aber auch nur w├Âchentlich eine Party veranstaltet und den G├Ąsten nichts anderes als Salami und Brunnenwasser vorgesetzt. Den Wein hat er schlie├člich f├╝r sich selbst gebraucht.
ÔÇ×Schatzi, wir sind heute bei den Galileis eingeladen.ÔÇť
ÔÇ×Was, schon wieder? Ich hab mich noch nicht von letzter Woche erholt, da bin ich drei Trage mit D├╝nnschi├č auf dem Abort gesessen.ÔÇť
Wie wir heute wissen, konnte zu jenen Zeiten auch Durchfall t├Âdlich sein.

Was bleibt ist der Traum vom eigenen Kabarett-Programm. Aber da ich noch drei Jahre Zeit habe, mache ich mir keine allzu gro├čen Sorgen. Ich geb Euch dann Bescheid.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hallo,

nachdem obiges schon b├╝hnenreif ist, kann man auf dein kabarett nur noch sehr gespannt sein. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!