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Leselupe.de > Kurzprosa
Kaffee
Eingestellt am 16. 09. 2009 18:10


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Ofterdingen
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Registriert: Aug 2009

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Caf├ę


Nachdem der Ober den Cappuccino auf seinen Tisch gestellt hat, h├Ârt die Fl├╝ssigkeit in der Tasse nicht auf, sich zu bewegen. Im Gegenteil, sie schwappt heftiger, und aus der duftenden Br├╝he taucht ein Kopf auf. Der Kopf hat einen Schnabel. Es ist ein K├╝ken. Seine Flaumfedern sind kaffeebraun durchgef├Ąrbt.

B. hilft dem Tier aus dem hei├čen Wasser, h├Ąlt es behutsam in der Hand und streichelt es ├╝ber seinen zitternden Flaum. Dann ruft er den Ober.

Das habe ich in meiner Kaffeetasse gefunden, sagt er laut und zeigt dem Mann das K├╝ken.

Ein K├╝ken im Kaffee, sagt der silberhaarige Ober mit so etwas wie Aufleuchten und Verehrung in der Stimme, das ist schon seit vielen Jahren nicht mehr vorgekommen. Der letzte, der ein K├╝ken in seinem Kaffee gefunden hat, war ein Student. Er wurde danach in allerk├╝rzester Zeit Professor und eine ├╝berragende Kapazit├Ąt auf seinem Gebiet. Heute ist er weltber├╝hmt.

Warum passiert mir das nicht? fragt ein Herr am Nebentisch. Er hat ein hartes Gesicht und einen freudlosen Mund. Wie jeder hier kenne ich die Geschichte von dem Studenten. Tag f├╝r Tag besuche ich dieses Caf├ę, aber aus meiner Tasse ist noch nie ein K├╝ken aufgestiegen.

Wir suchen das nicht aus, sagt der Ober. Allein das K├╝ken entscheidet. Es erscheint, wenn der Richtige zu uns kommt, und das ist selten genug. Ich bin schon vierzig Jahre hier und erlebe es jetzt erst zum zweiten Mal. Vor jenem Studenten damals soll es noch einen ├Ąhnlich spektakul├Ąren Fall gegeben haben, aber das war lange vor meiner Zeit.

Sei mir willkommen, K├╝ken, sagt B. und streichelt es sanft ├╝ber sein K├Âpfchen. Wirst du bei mir wohnen?

Hast du einen Garten? fragt das K├╝ken.

Ja, in den H├╝geln hier in der N├Ąhe. Von dort wirst du das Meer sehen k├Ânnen, zwar nur an besonders klaren Tagen, aber ich werde mit dir zum Strand hinabsteigen, so oft du es m├Âchtest.

Wirst du mir in deinem Garten einen Tempel bauen?

Ja, ich habe noch ein paar Bretter vom Baumarkt. Wahrscheinlich wird er aussehen wie ein H├╝hnerstall, aber er bekommt ein geschwungenes Dach, und seine W├Ąnde werde ich dunkelrot streichen, innen und au├čen.

Beide schweigen. Nach einer Weile sagt B.: Jetzt fehlt dieser Geschichte nur noch ein Schluss.

Nein, sagt das K├╝ken. Jetzt fehlt nichts mehr.



__________________
Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schlie├člich gro├č genug. J. P. Sartre

Version vom 16. 09. 2009 18:10

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bluefin
Guest
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hallo @ofterdingen,

ich finde die geschichte wirklich ganz au├čerordentlich. f├╝r mich ist's keine panne, sondern eine (kaffee)schaumgeburt, die nicht eine venus, sondern ein k├╝ken hervorgebracht hat.

nicht ganz erschlie├čen will sich mir die rote farbe der k├╝nftigen behausung, au├čen und innen. blut oder liebe? guantanamo oder herzkammer?

und sch├Ân geschrieben auch noch. ganz gro├čes kleines kino.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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Open Mike
Guest
Registriert: Not Yet

Passables Gschichtl. Clean (um nicht zu sagen "sauber"), konzentriert auf das Wesentliche.

Warum nicht ein wenig glaubhafter?

Der eine oder andere Wirklichkeitseffekt w├╝rde hier nicht schaden. Lokalkolorit, scheinbar ├╝berfl├╝ssige Details ...

Pfiffig, auch in der Umsetzung: der Schluss.

om

PS
"h├Ąlt es behutsam in der Hand und streichelt (es) ├╝ber seinen zitternden Flaum."

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Hannah Rieth
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Hallo Ofterdingen,

ich schlie├če mich meinen Vorschreibern an: Ein wirklich sch├Âner Text.

An einer Stelle bin ich jedoch gestolpert: Der Herr am Nebentisch sagt, dass jeder hier von der Geschichte mit dem K├╝ken w├╝sste. Unser Prot hat jedoch keine Ahnung, obwohl er in den H├╝geln in der N├Ąhe wohnt. Ich w├╝rde vielleicht ├╝ber folgende M├Âglichkeit nachdenken:

quote:
Warum passiert mir das nicht? fragt ein Herr am Nebentisch. Er hat ein hartes Gesicht und einen freudlosen Mund. Wie jeder hier kenne ich die Geschichte von dem Studenten. Tag f├╝r Tag besuche ich dieses Caf├ę, aber aus meiner Tasse ist noch nie ein K├╝ken aufgestiegen.


Viele Gr├╝├če von Hannah

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hannah hat recht mit dem

quote:
Ja, in den H├╝geln hier in der N├Ąhe.
tipp: mach "ja, hinter den h├╝geln" draus. das w├Ąr weit genug weg.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

das w├╝rde ich nicht tun. denn dann verl├Âre das v├Âgelchen ja ganz den bezug und der prot auch. ich geh davon aus, dass dieses "embedding" von bedeutung ist (schlie├čllich wissen alle talbewohner von dem ereignis, obwohl es schon so lange zur├╝ckliegt - nur der prot nicht).

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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