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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Kaffeehausliteratur anderer Art
Eingestellt am 09. 02. 2005 23:23


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DayDreamer
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Registriert: Oct 2004

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Endlich mal Kaffeehausliteratur


„Ich habe ja keine Ahnung“. Pfeiferauchend, designiert, resigniert. So sitzt man nun einmal da in seinem kleinen armseligen Stadt-Café und glaubt die Welt zu verbessern, indem man sich zu seinem Café Latte auch noch 1/8 Soda genehmigt. Was für eine Ironie, was für eine Idiotie.
„Egal, man hat ja keine Ahnung“, das scheint alles, was die Kellnerin dazu beitragen kann. Etwas mehr Hilfe hätte man sich für seine 4,80€ die man hier tagtäglich investiert, schon erwartet. Wie auch immer, auf die Erleuchtung können wir ja auch so warten. Was brauchen wir denn tatsächlich mehr als etwas dekadenten Hunger, ein Auto und einen McDrive mit Einfahrt durch einen vereisten Hindernispark? Absolut nichts, absolut nichts brauchen wir. Egalität, resignierend, zurück zum Kaffeehaus.

Man blickt durch die sitzende High-Society. Links und Rechts und Oben und Unten, überall sitzen sie und berichten frenetisch stolz von ihrem ach so tollen Leben im bunten Abenteuerland. Von was sie auch reden, keinen interessiert es. Man redet von der Immobilienproblematik und der Dynamik des Eigenkapitals in globalisierten Handelsmärkten. Und alles was sich der Kopf denkt: „Keine Ahnung, keine Ahnung, keine Ahnung. Selbstmord, Freitod, Suizid. Keine Ahnung, keine Ahnung, keine Ahnung“. Na wunderbar, wirklich wunderbar. Lasst sie doch in Ruhe, lasst es doch in Ruhe.

3 Uhr Nachmittags. Ein kleiner melancholischer Atemhauch der Verwunderung fegt durch das Lokal. Jeder versucht Mitleid zu schinden, jeder speit seine Lebensgeschichten dramatisierend aus und hofft, irgendjemand würde sich um diesen stinkenden Morast kümmern. Fantastisch, wie man glaubt, dass die Zeit der Kreuzritter und Kreuzzüge nun endlich vorbei ist. Nichts als transzendenter Schwachsinn, der den fauligen modrigen Gestank all dessen, was wir zu hassen glauben, zielsicher in unser Abendland weht. Hier, wo nichts zugrunde geht, absolut gar nichts. Soviel können wir uns gar nicht bemühen.

Eine 81jährige Dame steht auf. Nobel, hier in ihrem Gucci-Kleidchen. Figurbetonend. So steht sie nun da und glaubt etwas von ihrem überschwänglichen Idealismus ausleben zu müssen. „Werte Damen, werte Damen, ich habe hier im engsten Rahmen, auf ihre tausend Fragen, ihnen doch etwas zu sagen.“ Die Menge beginnt zu lachen. Ein Pfaffe meint, sein Wort erheben zu müssen: „Na wunderbar, wenn ihr mich schon umbringen wollt: Bitte, alles kein Problem. Aber in Gottes Namen, bitte langweilt mich doch davor nicht auch noch.“

Stille.

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