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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Kaffeetrinken mit Katharina. Ein erweitertes Protokoll.
Eingestellt am 17. 01. 2019 09:30


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Mistralgitter
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Aus einer Laune heraus hatte ich diese Minikuchen auf dem Markt gekauft, die meine Tochter so sehr liebt, und balancierte das Kuchentablett vor mir her. Es gab keinen Anlass f├╝r diesen Einkauf. Aber ich war mir sicher, der Kuchen w├╝rde seine Abnehmer finden. Als ob ich es geahnt h├Ątte ÔÇô ich traf Katharina.

Seit geraumer Zeit hatte ich Abstand zu Katharina gehalten. Doch nun kam sie so freundlich auf mich zu, dass ich sie spontan zum Kaffeetrinken f├╝r den kommenden Tag einlud. Wir einigten uns auf 15 Uhr.

Wie immer kam sie zu sp├Ąt. Um 15:16 Uhr. Da ich schon damit rechnete, war es nicht so schlimm f├╝r mich. Sie nahm auf dem wei├č gepolsterten gro├čen Sofa Platz. Um den Polsterbezug zu schonen, hatte ich bunte Sitzkissen gen├Ąht und auf dem Sofa verteilt. Katharina schob sie energisch zur Seite und setzte sich auf das wei├če Polster. Naja, dachte ich, sie hat ja eine wei├če Jeans an. Vielleicht bef├╝rchtete sie, dass ihre Hose bunt w├╝rde von meinen Kissen. Und ich schwieg.

Um 15:27 Uhr schenkte ich ihr die erste Tasse Kaffee ein und stellte ein Glas Wasser dazu. Sie behauptete kaffees├╝chtig zu sein. Also hatte ich eine ganze Kanne Kaffee f├╝r sie vorbereitet: 4 Tassen nur f├╝r sie allein. Sie widersprach nicht. Ich trank lieber Earl Grey mit Milch, eine Angewohnheit aus Studententagen.

Katharina ist voller Geschichten. Ich erfuhr, dass sie Herzprobleme hat, dass ihr Enkel zur Kinder-Uni geht, wie er wegen seiner im Fr├╝hkindalter erworbenen Schwerh├Ârigkeit behandelt wird, dass ein alter Bekannter endlich zu seiner Freundin gezogen ist, wer aus ihrer Umgebung k├╝rzlich starb, Details von der Hochzeit ihres Sohnes, wie sie dort ihren Ex (grauenvolles Wort!) wieder traf. Sie berichtete von ihren ehrenamtlichen T├Ątigkeiten, dass sie in Amt und W├╝rden gekommen sei, ohne die geringsten Kenntnisse ├╝ber ihr Aufgabenfeld zu besitzen, wie sie aber trotzdem solch eine Aufgabe sachgerecht angeht. Und noch viel mehr.

Und der Kaffee in ihrer Tasse wurde kalt. Es war ein ausgesucht guter Kaffee, wie meine Tochter lege ich Wert auf Qualit├Ąt. Um 17:29 Uhr trank sie das erste Mal davon. Das Glas Wasser hatte sie noch gar nicht anger├╝hrt. Sie trank die Tasse zur H├Ąlfte leer, in einem Zug. Den Rest lie├č sie wieder erst einmal stehen.

Neben mir brodelte der gl├Ąserne French Kaffeebereiter auf dem St├Âvchen. Noch dreiviertel voll. Ich war beleidigt.

Nach einer weiteren halben Stunde, in der sie weiter monologisierte und ich nur der Stichwortgeber f├╝r einen erneuten Wortschwall war, fragte ich, ob ich von dem warmen Kaffee etwas zu dem kalten Kaffee dazu geben solle. Nein, sie wolle erst austrinken, tat es und hielt mir die Tasse zum Einf├╝llen hin. Ich war zwar erleichtert, doch dachte ich intensiv dar├╝ber nach, wie ├╝berraschend anders doch Kaffeesucht aussehen kann. Es war nun etwa 18:05 Uhr.

Um 19 Uhr nippte sie dann das erste Mal von dieser zweiten Tasse Kaffee. So gegen 20 Uhr sp├╝lte sie den restlichen Kaffee in einem Zug hinunter und das Glas Wasser gleich hinterher. Eine halbe Kanne und ein halber Minikuchen blieben ├╝brig. Letzteren gab ich ihr mit nach Hause.

Wohlweislich hatte ich kein Abendessen vorgesehen, sonst w├Ąre sie bis 22:30 Uhr geblieben wie das letzte Mal. Heute ging sie freundlicherweise schon um 20:30 Uhr. Ich hatte 2 Stunden gespart.

ÔÇ×Du l├Ądst die nicht mehr ein!ÔÇť, emp├Ârte sich meine Tochter, als ich ihr von dem Besuch erz├Ąhlte.
ÔÇ×Was soll ich machen?ÔÇť, fragte ich zur├╝ck, ÔÇ×ich hab noch mehr Bekannte von der Art <Katharina>. Soll ich die alle abschalten?ÔÇť
Pause.
ÔÇ×Willst du nicht den Kaffee mitnehmen und morgen trinken?ÔÇť, wagte ich zu fragen, obwohl ich im Voraus wusste, wie sie reagieren w├╝rde.
ÔÇ×Der sch├Âne Kaffee! Den kannst du wegsch├╝tten. Den kann man doch morgen nicht mehr trinken! Aber warum hast du ihr den K├Ąsekuchen mitgegeben? Den h├Ątte ich morgen gegessen ÔÇô oder jetzt.ÔÇť
Nat├╝rlich. Ich h├Ątte alles ganz anders machen sollen.
Jetzt konnte ich nur hoffen, dass der Kuchen morgen sauer ist.
__________________
AST: "Ach, wissen Sie, in meinem Alter wird man bescheiden - man begn├╝gt sich mit einem guten Anfang und macht dem Ende einen kurzen Prozess."

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