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Leselupe.de > Science Fiction
Kalis Brut
Eingestellt am 20. 12. 2004 17:05


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nemo
Manchmal gelesener Autor
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Ich habe mal einen alten Text ├╝berarbeitet un korrigiert.
Hier das Ergebnis.Kalis Brut

Kalis Brut

Diese Stadt ist ein verregnetes Drecksloch. Ein Albtraum aus Stahlbeton, in dem sogar die Ratten vermeiden an die Oberfl├Ąche zu kommen. Jeder Blick zum Himmel endet in einer Depression; eine graue, von schwarzen Rauchschwaden durchzogene Wolkendecke h├Ąngt tief ├╝ber den phallusartigen Geb├Ąuden der Konzerne. Die Sonne hat schon l├Ąngst ihre Versuche aufgegeben dieses verseuchte St├╝ck Erde zu ber├╝hren.
Night City. Die Stadt der ewigen Nacht. Ein wahr gewordener Albtraum.
Wie Ungeziefer kriecht der menschliche Abschaum durch die, in k├╝nstliches Licht getauchten, Strassen. Immer auf der Suche nach dem Kick, der Befriedigung ihrer niederen Instinkte. Dicke, schwere Regentropfen explodieren vereinzelt auf den asphaltierten Strassen. Es dauert nicht lange und aus dem leichten Schauer wird ein str├Âmender Regenvorhang. Der Geruch von Ozon vermischt sich mit dem s├╝├člichen Gestank des Todes und k├╝ndigt ein nahendes Gewitter an.
Es ist weder der richtige Ort zum Leben, noch der richtige Ort zum Sterben. Doch f├╝r Clive Danton k├Ânnte es keine bessere Stadt geben. Er ist ein Gesch├Âpf der Nacht. Ein Schattenwesen, angepasst an das endlose Zwielicht. Ein unruhiger Geist, begierig nach Erl├Âsung, gefesselt an das Sein. Von dem was er einst liebte, ist nur noch ein Haufen Asche ├╝brig. Julia....

Zwei Jahre sind vergangen, seit sich ihr Gesicht, zu einer schmerzverzehrten Fratze erstarrt, in sein Gehirn einbrannte. Es waren keine einfachen Jahre f├╝r Danton gewesen. Der Schmerz und die Selbstvorw├╝rfe hatten ihn beinahe wahnsinnig gemacht. Er quittierte seinen Dienst bei der Night City Police, verkaufte sein Haus, lie├č sich eine Adrenalinpumpe und eine elektronische Zielhilfe einbauen und durchstreift seitdem die Stadt auf der Suche nach dem M├Ârder seiner Frau. Die Ermittlungen der N.C.P. waren ohne Ergebnis abgeschlossen worden; es gab in Night City j├Ąhrlich mehr Morde als sonst wo auf der Welt und nur jeder Zehnte wurde aufgekl├Ąrt. Doch Danton hatte niemals aufgegeben. Immer wieder hatte er sich die Bilder des Tatort angeschaut, immer wieder den blutdurchtr├Ąnkten Teppich vor Augen, die Leiche Julias, die Glieder in einem unnat├╝rlichen Winkel von sich gestreckt, wie eine leblose Marionette. Immer wieder starrte er auf das Loch in ihrer Brust, aus dem sorgf├Ąltig das Herz und die Nieren entnommen wurde. Er hatte die Theorien der Polizei, nach denen es sich um einem Mord der Mafia gehandelt hatte, die neben ihren traditionellen Gesch├Ąften ihre Finger auch nach dem florierenden Organhandel erstreckt hatten, nie geglaubt. Viel mehr sah es f├╝r Danton nach der Tat eines einzelnen wahnsinnigen Teufelsanbeter aus, oder vielleicht sogar nach einer Sekte, die mit den Organen irgendwelche durchgedrehten Messen abhielten. Seine Vermutungen stie├čen bei der Polizei allerdings auf taube Ohren, und so entschloss er sich seinen eigenen Weg zu gehen. Einen Weg der ihn dort hingef├╝hrt hat wo er nun steht.

Der Regen hat nachgelassen und eine salzige Brise zieht vom Meer, ├╝ber die Docks von Night-City. Es riecht nach altem Fisch und das Gekreische der M├Âwen scheint allgegenw├Ąrtig zu sein. Danton steht im Schatten eines Schiffcontainers und beobachtet eine verlassene Lagerhalle. Die Fenster des Geb├Ąudes sind mit Holzbrettern zugenagelt und das Mauerwerk wird scheinbar nur durch ein physikalisches Wunder vor dem Zusammenbruch bewahrt. Die Halle befindet sich am Rande des Hafens, au├čerhalb der Freihandelszone, wo die Wachmannschaften der Hafengesellschaft nur sporadisch patrouillieren. Clive Danton steht dort nun schon seit einige Minuten und seine Aufmerksamkeit gilt einem schwachen Lichtschein, der durch ein Loch in einem der Bretter dringt. Er zittert - nicht weil es kalt ist - eher aus einer Mischung aus Angst und Aufregung, die sich langsam in ihm ausbreitet. Er ber├╝hrt den kalten Stahl seiner 45er, die in seinem Schulterholster steckt. An seinem Hals kann er das Pochen seines Pulses sp├╝ren, wie der stete Paukenschlag auf einer r├Âmischen Galeere.

Er wei├č, dass sie dort drin sind. Kalis Brut; Spinner, Idioten, geblendet durch den Glauben an einer alten hinduistischen Gottheit. Bereit Menschen zu opfern, um sich das Wohlwollen eines ├Ątherischen Wesens zu sichern. Eigentlich h├Ątte Clive die Polizei alarmieren sollen, als sich sein Verdacht verdichtet hatte. Aber diese Sekte ist eine Krankheit, ein Tumor, der sich in dieser Stadt eingenistet hat und langsam Metastasen bildete. Die Zeit war nun gekommen, einen kleinen chirurgischen Eingriff zu t├Ątigen. Danton tritt aus dem Schatten, zieht seine Waffe und geht ohne zu z├Âgern auf die Lagerhalle zu. Ein gro├čes blechernes Eingangstor, in dem eine kleinere T├╝r eingelassen ist, versperrt ihm den Weg. Er nimmt kurz Anlauf und l├Ąsst sein ganzes Gewicht gegen die T├╝r krachen. Sie gibt nach und fliegt einige Meter in die Lagerhalle hinein. Danton l├Ąsst einen Blick durch die R├Ąumlichkeit fliegen, um die Lage zu checken. Zehn M├Ąnner, in schwarzen Kutten geh├╝llt, starren ihn staunend an. Sie knien vor eine bronzenen Statue, die eine Frau mit vier Armen darstellt. Die Figur ist mit einem eindrucksvollen Schwert bewaffnet und in den anderen H├Ąnden h├Ąlt sie abgetrennte, menschliche K├Âpfe. Kali, die Mutter der schwarzen Erde, G├Âttin des Verfalls und der Zerst├Ârung. Ihr Antlitz war das Zerrbild eines Frauengesichts, mit einer langen, gewundene Zunge, die aus ihrem raubtierhaftem Maul ragte. Dieser Anblick reicht, um in Danton einen Schalter umzulegen. Er sp├╝rt das Kribbeln des Adrenalins, das durch seine Venen schie├čt. Die Miene der Betenden ver├Ąndert sich; die ├ťberraschung weicht aus den Z├╝gen und macht Platz f├╝r hasserf├╝llte Blicke. Sie schie├čen auf und ziehen Schwerter und Dolche hervor. Danton schaltet die elektronische Zielvorrichtung ein und vor seinen Augen erscheint ein Kreuz sowie eine Reihe von Informationen, die er jedoch nicht wirklich wahrnimmt. Er hebt die Waffe und kr├╝mmt den Finger. Erst einmal, dann immer wieder. Er bewegt sich wie im Traum und bet├Ątigt unentwegt den Abzug seiner Waffe. Es vergehen keine drei├čig Sekunden und die Kultisten sind alle erledigt. Alle bis auf einen, der sich hinter der Statue verkrochen hat. Erst jetzt wird Danton wirklich bewusst, was f├╝r ein Gemetzel er angerichtet hat. Er w├╝rgt und ├╝bergibt sich auf das, was vor ein paar Sekunden noch, ein lebender Mensch gewesen war. Wie durch ein Schleier nimmt er das Klicken seiner Adrenalinpumpe wahr, die sich automatisch ausschaltet. Danton sp├╝rt einen kalten Schauer durch sein R├╝ckgrat fahren und am liebsten h├Ątte er sich jetzt hingelegt um zu sterben. Aber er ist noch nicht fertig. Er durchschreitet den Raum, schleicht an den Toten vorbei, als h├Ątte er Angst sie zu wecken, und n├Ąhert sich der Statue. Er stellt sich mit dem R├╝cken an den Sockel und riskiert einen Blick um die Ecke, aber dort ist keiner. Allerdings kann Danton eine kleine ├ľffnung in dem Sockel der Statue erkennen. Vorsichtig n├Ąhert er sich und sieht, dass sich dort eine Treppe befindet die nach unten f├╝hrt. Langsam tritt er in die Dunkelheit. Als Danton am Fu├č der Treppe angelangt ist, schaut er in einen langen, hohen Gang, an dessen Ende ein flackerndes Licht, wie das einer Fackel, ein gro├čes ge├Âffnetes Gittertor aus Metall offenbart. Er n├Ąhert sich, immer noch darauf bedacht keinen ├╝berfl├╝ssigen L├Ąrm zu machen, bis er einen Einblick in den h├Âhlenartigen Raum hinter der T├╝r bekommt.
Ihm stockt der Atem.

Inmitten dieses Raums hockt ein drei Meter gro├čes Wesen, das in einer Hand den abgetrennten Kopf des letzten Sektenmitglieds h├Ąlt. Es hockt kauernd ├╝ber dem Leichnam des Mannes und w├╝hlt mit ihren restlichen drei Armen in seinem offenen Brustkorb. Pl├Âtzlich holt es etwas hervor, das Danton, als ein Herz erkennt und stopft es sich gierig in den Schlund. Es kaut schmatzend, hebt den Kopf und blickt Danton f├╝r den Bruchteil einer Sekunden in die Augen. Die Adrenalinpumpe schaltet sich ein, Danton hebt die Waffe und dr├╝ckt ab.
Klick. Waffe leer. Eine Panikwelle ├╝berrollt Danton. Klick. Klick. Klick.
Das Wesen b├Ąumt sich auf, st├Â├čt ein tiefes Knurren aus und beginnt in Dantons Richtung zu laufen. Danton sucht hektisch in seiner Jackentasche nach einem neuen Magazin. Die Bestie kommt immer n├Ąher. Sie senkt den Kopf und streckt alle ihre Arme aus, als wolle sie Danton umarmen. Ihre Zunge schie├čt aus ihrem Maul und zuckt wie eine Schlange auf Speed. Danton versucht ihr auszuweichen, doch die Kreatur ist zu schnell. Dantons Schrei hallt durch den Gang; auch dann noch, als sein Kopf bereits von seinem K├Ârper getrennt ist.


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:nemo

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MDSpinoza
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Hmmm, ├╝berpr├╝f mal die Rechtschreibung, speziell Gro├č- und Kleinschreibung.
Mal etwas Fachliches: Mit einer Walther PPK (7,65mm oder 9mm kurz) w├╝rde ich mich nicht in so ein Abenteuer st├╝rzen, die ist zu windig. Au├čerdem, was meinst Du mit Munitionsclip? Etwa ein Magazin? Wenn Du wirklich im Gefecht von einem Clip nachladen willst, viel Spa├č, das hei├čt, die Patronen einzeln vom Clip zu puhlen, sie dann einzeln ins Magazin zu dr├╝cken, das Magazin zu wechseln - bis dahin bist Du l├Ąngst tot. Wenn Dir Dein Held etwas wert ist, g├Ânne ihm mindestens eine .45er, besser einen gro├čen Revolver.
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Lieber ein verf├╝hrter Verbraucher als ein verbrauchter Verf├╝hrer...

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MDSpinoza
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Noch etwas, zum Schreien braucht man leider den Kopf. Nur mit einer abgerissenen Luftr├Âhre kriegt man keinen Ton raus. Es sind solche Ungenauigkeiten, die eine Geschichte t├Âten k├Ânnen.
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jon
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...und zus├Ątzlich zu dem eben Gesagten empfehle ich, die Atemlosigkeit des Textes etwa zu brechen. Die St├Ąrke, die Power, die st├Ąndige Anspannung, die mitschwingt, finde ich durchaus passend, aber einige Abs├Ątze mehr w├╝rden Raum zum Luftholen lassen.
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dal├Ąsst (Klaus Klages)

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nemo
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Hallo!

Vielen Dank erst mal f├╝r eure Kritik.
Ich habe den Text ein wenig ge├Ąndert.

Gruss / nemo
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:nemo

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Mazirian
???
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Hi Nemo,

also ich finds recht spannend geschrieben und bin eigentlich auch nicht der Meinung, dass der Text zu atemlos ist. Eigentlich hei├čt, ich w├╝rde ihn nicht wesentlich erweitern, sondern statt dessen die Vergangenheitsform als Erz├Ąhlform w├Ąhlen. Das schafft ein kleines bisschen mehr Distanz zwischen Leser und Handlung.
Ich nehme an, die Gegenwart hast du gew├Ąhlt, damit man als Leser "n├Ąher dran" ist. Aber zum einen ist der Text ohnehin sehr rasant, zum anderen produziert es bei den R├╝ckblenden etliche Zeitfehler
Beispiel:
Aber diese Sekte IST eine Krankheit ... die Zeit WAR nun gekommen... (ist nun gekommen)
...der sich in dieser Stadt eingenistet HAT ... und langsam Metastasen BILDETE (Metastasen bildet oder gebildet hat).

noch zwei kleine Sachen:

die Miene der Betenden ver├Ąndert sich -> die Mienen der Betenden ver├Ąndern sich (mehrere Betende haben nat├╝rlich auch mehrere Mienen)

die Glieder in einem unnat├╝rlichen Winkel von sich gestreckt -> die Glieder in unnat├╝rlichen Winkeln von sich gestreckt (mehrere Glieder, mehrere Winkel).

Vielleicht w├╝rde ich noch ein wenig den misanthropischen Unterton am Beginn d├Ąmpfen (...wie Ungeziefer kriecht der menschliche Abschaum...), den da spricht noch nicht Danton, sondern noch der Erz├Ąhler, jedenfalls beim ersten Lesen.

sch├Ânen Gru├č und frohes Neues

Achim

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Es ist alles schon gesagt worden - nur noch nicht von jedem (Karl Valentin)

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