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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Kalles Wohnung auf Ibiza - Folge 1 Püttmann auf Ibiza
Eingestellt am 31. 03. 2008 17:58


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Wolfgang Bessel
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Kalles Wohnung auf Ibiza

Schon lange waren wir die verdammte Strunzerei in unserer Stammkneipe „Glück Auf“ satt.
Ja, sein erfüllter Traum, sein Glück, sein Jungbrunnen, die beste Lebensentscheidung, die er noch nie bereut hätte, dat wäre seine tolle Eigentumswohnung direkt am blauen Meer, auf der weißen Insel Ibiza. So ging dat jeden Skatabend mit dem dusseligen Gequatsche!

Ich sachte: „Kalle, wir können dat nich mehr hören mit deinem Ibiza-Strunz! Wie wär dat denn, wenne uns deinen Jungbrunnen auch mal zeigen täts? Wir haben ne volle Skatkasse und könnten doch da mal für eine Woche ne tolle Sause veranstalten.“

Total begeistert kloppten die Skatbrüder auf’n Tisch und heckten wahrscheinlich schon im Geiste die abenteuerlichsten Pläne aus.

Ja Junge, da hatte ich aber wat zum Kalle gesacht! Ganz entrüstet und mit erhobenem Finger raunzte er uns an: „Dat kommt überhaupt nich in Frage! Radaubrüder und Saufkumpanen dulde ich und meine Frau dort niemals! Nix da! Die Wohnung iss bei euren Exzessen für immer und ewig entweiht! Ich kenne euch schließlich lange genug! Schlagt euch dat ma ganz schnell aussem Kopp! Wilhelm, wie kommze bloß auf sonne abwegige Idee?“
Wir hatten unser Fett weg! Diese fiese Reaktion vom eigenen Skatbruder hätten wir ja im Traum nich erwartet. Wir kuckten bedröppelt ausse Wäsche und sachten kein Wort mehr dazu, weil wir den Blödmann ja genau kannten.
In der Pinkelpause haute ich den Kalle noch ma an, wie dat denn wär, wenn ich mit meiner Berta ma drei Wochen dort Urlaub machen wollte, ob er da ma sonne Ausnahme zulassen würde.

Er gab keine Antwort; et streifte mich nur son abschätziger Blick, den ich nicht deuten wollte, sonst hätt et gerappelt!

Vier Wochen hörte ich nix vom Kalle, wollte gerade wieder Mallorca, „Allet inklusive“, buchen, da sachte der Kalle beim Skat so ganz nebenbei: „Also, Wilhelm, meine Frau und ich haben lange überlegt. Für einundzwanzig Tage wollen wir euch beiden doch mal die wunderbare Insel des Lichts gönnen. Du biss ein tüchtiger Klempnermeister und weißt, wie man sich in anderer Leute Wohnungen verhält. Natürlich vermieten wir unsere Traumwohnung gerne an euch, aber nur gegen ein geringet Entgelt von hundertfünfzig Euro pro Tag.“
Ibiza sei ein verdammt teuret Pflaster, bla, bla, bla ..., er würde damit lediglich die eigenen Kosten decken.

Dat war en starket Stück, eine Frechheit! Ich fühlte mich mehr als unbehaglich. Alle Skat- und Kneipenbrüder starrten mich erwartungsvoll an, eher son bissken mitleidig.
Ich saß wie versteinert da, ich wusste, der Kalle tat mich mit dem unverschämten Mietpreis schwer beim Bock.
Et gab keinen Weg zurück, die Blamage inne Kneipe wäre unerträglich gewesen!
Ich dachte: „Der verdammte Halsabschneider! Einhundertfünfzig Euro am Tag! Davon darf Berta keinesfalls Wind bekommen.“

Ich antwortete dem Kalle ganz ruhig, aber für alle Leute inne Pinte gut hörbar: „Kalle, du biss ja so ein aufrichtigen Skatbruder, ein liebenswerten Freund noch dazu. Ich danke dir auch im Namen von Berta für deine gütige Entscheidung. Wirt, tu uns ma ne Runde Langen und Kurzen rein!“

Ich war überzeugt, mein Bertaken würde wegen meiner spontanen Entscheidung und der neuen Urlaubsidee Freudentränen weinen und mir dankbar inne Arme fallen.
Beim Frühstück rückte ich mit der großen Urlaubsüberraschung raus.
Berta musste heute wohl mit dem falschen Fuß aussem Bett gesprungen sein. Sie haute ihren Kaffeepott demonstrativ auf’n Tisch und giftete mich frontal an:
„Sach ma, Wilhelm, du hasse doch nich mehr alle im Stall, auf ne Insel, wo nur Haschbrüder, Homos, Tunten und Nackte rumlaufen, da soll ich mit dir hin? Im Leben nich, und du fährs mir da alleine auch nich hin! Wie kannze mir nur so wat zumuten?“
„Bertalein“, säuselte ich, „der Kalle iss doch auch nich son Hasch- und Tuntenbruder. Die Insel des Lichts iss noch viel schöner als dat Mallorca, glaub mir dat doch! Dat Fernsehen zeigt immer nur die tiefsten menschlichen Abgründe von Ibiza. Dat Schöne vonne Natur und vonne Insulaner krisse da nie zu sehen!
Weiße warum? Die Kerle wollen mit dem Schund die Pauschaltouristen abschrecken! Berta, iss doch klar wie Klärchen. Die Herrschaften wollen für sich bleiben, ohne den Massentourismus! Dat sind nämlich allet so seltene Individien.
Dat iss der einzige Grund von den schrägen Fernsehheinis. Die haben ihre feinen Villas da stehn und wollen unbedingt son „Ballermann 6“ vor i h r e r Tür verhindern!
Wat meinze wohl, auf Ibiza leben nur berühmte Künstler, vornehme Althippies, Fischer, Bauern und andere Naturliebhaber.“
„Iss dat auch wirklich wahr, Willi?“
„Ja, Berta, dat iss die reine Wahrheit, der Kalle lügt doch nich! Außerdem überlässt er uns die Wohnung völlig uneigennützig, fast umsonst, nur für son ganz kleinen Unkostenbeitrag!“
„Ja, wenn dat so iss, dann hasse dat ausnahmsweise ma richtig entschieden. Eigentlich wollte ich immer schon ma ne andere Urlaubsecke kennenlernen.“

Ja, Junge, dat war wieder ma harte Überzeugungsarbeit!

Berta begann dann am selben Abend noch mit dem Kofferpacken. Sie brauchte dazu ungelogen fast fünf Stunden!
In den folgenden Tagen wiederholte sich diese Prozedur noch mindestens viermal, weil se immer abartigere Fummel und Klunker kaufte, die mich sehr stark anne Blumenkinderzeiten erinnerten.
Ich sachte nix dazu, weil et sonst wieder Russ inne Küche gegeben hätte und die Reise stark gefährdet gewesen wär. Man(n) kennt dat Theater ja.

Völlig entnervt vom ganzen Vorbereitungsgedöns und der elenden Packerei, konnten wir et nun kaum mehr erwarten, die Insel des Lichts, des Glücks und der Vollkommenheit inne Augen zu nehmen.

Endlich war Abreisetag!
Zwei Skatbrüder brachten uns etwas wehmütig zum Flughafen Düsseldorf und wünschten uns nen ganz tollen Urlaub. Wir sollten gesund wieder kommen und unbedingt ne Karte schicken!

Mein Azubi vom ersten Lehrjahr hatte uns im Internetgedöns diesen günstigen Schnäppchenflug gebucht. Hin- und Rückflug für nur neunundsiebzig Euro. Wie er dat getrickst hat, weiß der Deubel, dat Kerlchen iss auf dem Gebiet ganz schön pfiffig.
„Hoffentlich müssen wir für den Preis nich den ganzen Flug inne Maschine steh’n“, dachte ich besorgt.
Mussten wir nicht.
Nach zwei Stunden Flug setzte der Flieger bereits zur Landung an.
Ich sachte zu meinem Bertalein: „Kuck doch ma durch dat Bullauge hier am Fenster. Wir machen jetzt erst ma ne kleine Zwischenlandung. Siehsse, da unten am Flughafengebäude steht riesengroß „EIVISSA“! Dat iss bestimmt sonne unbekannte Nebeninsel vonne Baleuten.“

Son paar modisch aufgemotzte Mitflieger kuckten uns ganz ungläubig, ja eher feindlich an. Die raunten da sowat Dösiget wie „typische Pauschaltouristen aus dem Ruhrpott“ und so anderet unverschämtet Zeug. Irgendwat stimmte da wohl nich mit meiner Vermutung.
Eine freundliche weibliche Stimme wünschte uns auch noch über den krächzenden Bordlautsprecher einen schönen Urlaub auf Ibiza.
Ich fragte die Kellnerin der Lüfte, ob sie dat auch genau wissen tät mit dem „Ibiza“.
Ja, das hätte alles seine Richtigkeit. Der Flugkapitän hätte sich noch nie verflogen! Ibiza heiße nämlich auf Katalan „Eivissa“. Das sei nicht das in Spanien übliche „Kastilisch“, sondern die Sprache der autonomen Katalanen, auch hier auf den Pityeusen.

Wir verstanden nur noch Bahnhof!
Man durfte doch wohl annehmen, dat man hier, wenn schon nich Deutsch, wie auf Mallorca, son bissken Spanisch sprechen würde! Von diesem bekloppten Sprachwirrwarr hatte Skatbruder Kalle kein Wort erzählt. Als ob der Blödmann so viele Sprachen beherrschen würde! D e r ganz bestimmt nich!
Uns wurde langsam Angst und Bange! Wenn dat ma allet gut ging!

Herrschaften, ich mach et kurz, wir waren tatsächlich auf Ibiza gelandet.
Vor dem Flughafengebäude stand ne gelbe Taxe. Wir pesten sofort dahin. Berta reichte dem Insulaner wortlos die Adresse von Kalles Ferienwohnung durch dat Seitenfenster.
Der gütige Mann sprang wie der Blitz und schwadronierend aus dem Auto und verstaute unsere vier Koffer und drei Taschen im Kofferraum und auf dem Autodach. Dann brauste mit uns davon.

Ohne son nettet Wort der Begrüßung, son kleinet „Glück auf!“ zum Fahrer, war dat von uns ganz schön unhöflich. Aber der hätte dat ja doch nich verstanden, die Katalanensprache hatten wir leider noch nicht geschnallt.
Der liebenswerte Taxifahrer fuhr mit uns sogar durch Ibiza-Stadt. Extra ganz langsam kutschierte er uns durch die engen, romantischen Gässchen, damit wir allet schön mitkriegen und sofort nen guten Eindruck vonne Insel bekommen sollten. Ich war wirklich stark beeindruckt von seiner Liebenswürdigkeit.

In spätestens fünfundzwanzig Minuten wären wir am Ziel unserer Träume. So hatte uns der Kalle dat mit auf die weite Reise gegeben.
Auch grüne Landschaften, Berge, kleine Städte und Dörfchen mit weißen Kirchen und Bauernhäusern zeigte uns der gute Señor Taxifahrer.
„Ja, dat iss typische spanische Höflichkeit“, dachten wir vergnügt. Wirklich, allet unheimlich beeindruckend, nur waren wir, verdorri nochma!, schon länger als ne Stunde hier mit der verdammten Karre unterwegs!
„Berta, da stimmt wat nich, hasse heimlich ne Inselrundfahrt bestellt?“
Der Fahrer spürte meinen aufkeimenden Zorn sehr deutlich im Nacken.
„Wir gleich da, uno momento“, stammelte er.
„Ja, dat wird auch höchste Eisenbahn“, sachte ich für den Mistkerl. „Trinkgeld kannze dir jetz schon vonne Backe kratzen, so läuft dat nich mit Wilhelm Püttmann!“
Kalle erzählte da wat von zwanzig Euro für die Fahrt zur Wohnung! Einhundertzwanzig Euro verlangte der Ausbeuter von mir. Ich bin bald ausgerastet!
Berta beruhigte mich, sonst wär ich ihm anne Gurgel gesprungen.
Berta meinte, für eineinhalb Stunden Inselrundfahrt wäre dat möglicherweise hier nich zu viel. Wir hätten dafür auch schon viel vonne Insel gesehen. Kalle sprach ja auch von einer teuren Insel.
Ich trennte mich äußerst widerwillig von meinen Euros. Bloß jetz kein Streit! Mein Bertaken war nämlich schon ganz aussem Häusken und fing auch schon an zu spinnen von der „Insel des Lichts“.

Ihre Inselbegeisterung hakte ich schon ma gedanklich als riesengroßen Erfolg ab. Jedenfalls waren wir jetz am Ziel unserer Träume. Dachten wir. Et waren eher Albträume!

Wir peilten auf einen von fünf riesigen weißen Apartheidsblöcken mit jeweils fünf Stockwerken. Wir blickten auf dat „Edificio Paradiso“.
Ehrlich, so hatten wir uns Kalles Urlaubsparadies wirklich nich vorgestellt! Fünf fiese Klötze, einfach lieblos inne herrlichste Natur geknallt! Nur fünfzig Meter vom Meer, direkt an einer traumhaften Felsenbucht.
Dat iss wirklich ne Schande! Wer genehmigt so wat? Raffgierige HalunkenNe zerstörten hier unwiederbringlich eine malerische Landschaft!
Die Inselpolitikers hatten auch auf Ibiza nix vonne schrecklichen Bausünden anne spanischen Costas gelernt.
Mein Bertaken stand ungläubig vor dem Block Nr. III und zählte bei ihrem Rundumblick sage und schreibe fünf Baukräne. Auch dort vergewaltigte man auf brutalste Weise die traumhafte Natur!
Da kloppten Maurer inne Sonnenglut wie die Verrückten, Baufahrzeuge wirbelten uns Staub in die enttäuschten Urlauberaugen, Mischmaschinen ratterten und Trennschleifer lärmten in diese Traumlandschaft rein.
„Dat darf doch allet nich wahr sein“, dachte ich. Vom Zuschauen, vonne Hitze und tiefer Enttäuschung tropften mir glatt die Schweißperlen vom Kopp!
Bertaken sachte nix, die Gedanken konnte ich in ihren traurigen Augen ablesen. Tränchen rollten über ihre Wangen.

Sollte dat hier Kalles Jungbrunnen, dat große Glück, sein erfüllter Traum sein, unser Urlaubsparadies für drei der wertvollsten Wochen im Jahr?
Aber et kam noch dicker.

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Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

Version vom 31. 03. 2008 17:58

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