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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kalt und blass
Eingestellt am 12. 01. 2005 16:32


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Selbstlos
Wird mal Schriftsteller
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Kalt und blass

Die S-Bahn stand schon im Bahnhof und wartete auf die Abfahrt. Ich w├Ąhlte ein recht leeres Abteil in einem der hinteren Waggons. Es war, bis auf einen ├Ąlteren Herrn mit Zylinder, Frack und Spazierstock und einer ebenfalls ziemlich altmodisch gekleideten Dame, leer. Meine Augen blieben f├╝r einen kurzen Moment an ihrer langen Halskette h├Ąngen, an der ein Medaillon baumelte. Mir war, als h├Ątte die kleine Figur, die vorne drauf gemalt war, zugezwinkert. Etwas verwirrt nahm ich ganz in der N├Ąhe am Fenster Platz. Ich konnte das seltsame Paar sehen wenn ich mich zur Seite beugte, doch ich zog es zun├Ąchst vor, aus dem Fenster zu schauen.
Drau├čen liefen Menschen wild umher. Einigen stiegen in den Zug ein, andere sahen sich suchend um und wieder andere standen dicht an der Bahn und streckten die H├Ąnde aus, um den Reisenden durch die T├╝r noch die Hand zu dr├╝cken. Ich war viel zu sehr in meine Beobachtungen versunken, als dass ich gemerkt h├Ątte, dass niemand au├čer mir in dieses Abteil gestiegen war. Eine Gro├čmutter steckte ihrer Enkelin noch ein St├╝ck Schokolade zu, als die Mutter gerade nicht hinsah. Gro├čmutter und Enkelin tauschten noch einen geheimnisvollen Blick. Da ert├Ânte ein Piepen, die T├╝ren schlossen sich und die Bahn fuhr mit einem Ruck an. Die Bahn gewann schnell an Tempo und lie├č den Bahnsteig hinter sich. Die zur├╝ckgebliebenen Menschen waren nur noch kleine Punkte. Ich lehnte mit in meinem Sitz zur├╝ck und mich ├╝berkam pl├Âtzlich ein Gef├╝hl von Traurigkeit. Mich hatte niemand am Bahnsteig verabschiedet. Auch hatte niemand auf mich gewartet. Ich war allein gekommen, reiste allein und wollte eigentlich auch allein sein. Hoffnungslose Melancholie hatte Besitz von mir ergriffen und zog mich mit sich in ein tiefes schwarzes Loch. Ich hatte es nicht mehr ausgehalten und hatte getan, was ich immer tat, wenn ich glaubte die Welt w├╝rde untergehen; ich stieg in die n├Ąchste Stra├čenbahn und lie├č mich treiben. Ich war durch die ganze Stadt gefahren, ohne Ziel und Hoffnung. Ich versuchte mich abzulenken. Das klappte eigentlich immer. Ich musste nur so lange aus dem Fenster schauen bis die Welt anfing an mir vorbei zu ziehen. Dieses mal wusste ich, dass ich lange fahren m├╝sste, um alles an mir vorbeirauschen zu lassen. Ich hatte ein Ticket gel├Âst, von dem ich glaubte, dass ich damit recht weit kommen w├╝rde, vielleicht ein wenig aus der Stadt raus. Und jetzt sa├č ich hier in diesem Abteil in Richtung Nirgendwo.
Ohne dass ich es gemerkt hatte, waren mir hei├če Tr├Ąnen ├╝ber die Wangen gelaufen. Wie pl├Âtzlich aus einem Traum gerissen schreckte ich auf. Die Dame mit der Halskette hatte sich ├╝ber mich gebeugt und begutachtete mich eindringlich. Ich nahm einen zarten Lavendelduft war, was mich eigent├╝mlich beruhigte. Der Zug ratterte vor sich hin. Es erschien mir sehr weit weg. Die Lavendeldame sprach kein Wort, sah mich nur weiter mit besorgten Augen an und sch├╝ttelte schlie├člich kaum merklich den Kopf. Dann verschwand sie. Als sie zur├╝ckkehrte hatte sie ein Glas in der Hand und den ├Ąlteren Herrn im Schlepptau. Durch den Dampf, der aus dem Glas aufstieg nahm ich unscharf sein freundliches Gesicht war. Das Glas verstr├Âmte einen intensiven Duft nach Kr├Ąutern und etwas, dass ich nicht recht definieren konnte. Ich war so m├╝de. scheinbar hatte ich ziemlich lange aus dem Fenster gestarrt und still geweint. Die Zeit war an mir vorbei gerauscht. Ich merkte kaum was um mich geschah. Hatten wir irgendwo gehalten? Waren andere Menschen im Waggon? Wo waren wir ├╝berhaupt? Ich konnte es nicht sagen.
Die Lavendeldame hielt mir das Glas an die Lippen. Woher kam es pl├Âtzlich, was roch da so eigent├╝mlich, wer war sie? Ich war viel zu schwach um mich zu wehren. Gehorsam trank ich das Glas ganz leer. Ich konnte nicht sagen warum, aber ich vertraute ihr blind. Sie l├Ąchelte, als ob sie mir sagen wollte, dass ich sehr tapfer war. Wie man es zu einem kind sagt, dass bittere Medizin schlucken muss. Die Fl├╝ssigkeit in dem Glas schmeckte jedoch angenehm s├╝├č. Mit einem letzten Gedanken an mein warmes Bett schlief ich schlie├člich ein, das Quietschen der Bremsen noch im Ohr und eine leise Stimme, die aus dem Lautsprecher drang.
Ich wachte auf, als sich der ├Ąltere Herr ├╝ber mich beugte und mich freudig anstrahlte. Genauso vornehm wie er gekleidet war sprach er auch. Zwar etwas altmodisch, aber sehr h├Âflich und gew├Ąhlt. Ich wunderte mich allerdings mehr dar├╝ber, dass er sprach. Bevor ich eingeschlafen war hatte er neben meinem Sitz gestanden und ebenso wie die Lavendeldame kein Wort gesprochen. Er fragte mich leise nach meinem Befinden und ob ich gut gen├Ąchtigt h├Ątte. Was? Wie sp├Ąt war es denn nur? Waren wir schon angekommen? Nein, nein, beruhigte er mich, der Zug habe eben die Strecke verlasssen und sei auf dem Weg nach Nirgendwo. Ach ja, dass hatten wir ja schon gekl├Ąrt. Nirgendwo, genau da wollte ich doch hin. Bevor ich mich weiter wundern konnte, kam auch die Lavendeldame auf mich zu und erkundigte sich ebenfalls nach meinem Befinden. \"Nicht war, eine Zugreise ist doch wesentlich angenehmer als diese unbequemen Postkutschen?\" ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte. Ich starrte sie stumm an. \"Ich bin froh, dass du den Weg zu uns gefunden hast, Liebes. Ich denke, es wird die guttun wieder Gesellschaft um dich zu haben.\" Sie l├Ąchelte wieder und ging mit raschelnden R├Âcken davon. Ich folgte ihr mit den Augen durch den Waggon. Der Boden war mit dunklem Teppich, die W├Ąnde und die Decke mit rotem Samt ausgekleidet. Obwohl von der Decke nicht mehr viel zu sehen war, denn da hingen pl├Âtzlich f├╝nf riesige Kronleuchter, an denen unz├Ąhlige Kerzen brannten und das Abteil beleuchteten. Nach einer normalen S-Bahn sah mir das nicht mehr aus. Eher wie der Salon einer Villa aus einer l├Ąngst vergangenen Zeit. Zudem war das Abteil pl├Âtzlich voller Menschen, die ich zuvor nicht bemerkt hatte. Wo kamen die alle her? Waren sie auf der Strecke irgendwann eingestiegen? Es waren junge M├Ąnner und kichernde M├Ądchen, Brandy trinkende M├Ąnner und Damen mit langen R├Âcken, hochaufget├╝rmten Frisuren und wei├čen Gesichtern. Sie ├Ąhneltem mehr oder weniger der Lavendeldame und ihrem Begleiter mit der blassen Haut, die sich angeregt mit einem Mann unterhielten, der noch etwas vornehmer war als die anderen. Er schien eine Art Autorit├Ąt zu sein. Denn als er die Stimme erhob, wurden alle still und wandten ihm ihre fr├Âhlichen Gesichter zu. Er kam mit gro├čen Schritten auf mich zu und nahm meine Hand, um mit einer tiefen Verbeugung einen Handkuss anzudeuten. \"Willkommen an Bord dieses Zuges, junges Fr├Ąulein! Es ist mir eine Ehre, Ihnen eine Zugfahrt der ganz besonderen Art bieten zu d├╝rfen. Genie├čen Sie Ihren Aufenthalt! Ich darf Ihnen, auch im Namen der anderen Fahrg├Ąste, noch eine angenehme Reise w├╝nschen.\" So langsam verstand ich gar nichts mehr. Die Lavendeldame hatte sich in der Zwischenzeit zu mir gesetzt. Noch immer l├Ąchelte sie. Seltsam war sie, so bleich und freundlich. Auch die Gesellschaft war recht nett. Die M├Ąnner hatten angefangen Karten zu spielen und unterhielten sich ├╝ber Politik. Die jungen Leute sa├čen beisammen und scherzten, w├Ąhrend einige Damen sich mit edlen F├Ąchern Luft zuwedelten. Jemand hatte mir ein Getr├Ąnk gebracht, dass mich von innen w├Ąrmte und mich meine d├╝steren Gedanken vergessen lie├č.
Anscheinend n├Ąherten wir uns dem Ziel. Einige der Fahrg├Ąste fingen an ihre Sachen zusammen zu packen. Die Damen rafften ihre R├Âcke, die Herren tranken ihre Gl├Ąser aus und lie├čen die Spielkarten in ihren Westentaschen verschwinden und die jungen Leute wurden noch ein wenig unruhiger. Ich fragte mich wohin mein Traum mich noch f├╝hren w├╝rde. Denn ich hatte beschlossen, dass das alles nur ein Traum sein konnte. War ich nicht eingeschlafen? Eben. Ich tr├Ąumte noch immer. Bis jetzt hatte es mir recht gut gefallen. Und daher beschloss ich meinen Traum weiter zu genie├čen. Doch fing ich an zu ├╝berlegen, wo wir aussteigen w├╝rden. Ich hatte nicht erwartet an ein Ziel zu gelangen. Mir wurde etwas mulmig in der Magengegend. Mit dem Piepton ├Âffneten sich die T├╝ren. Ich stieg aus und zu meiner gr├Â├čten Verwunderung befand ich mich wirklich in einem Salon. Er sah aus wie der Waggon. Der Waggon? Wo war er? Als ich mich umschaute war er verschwunden, so dachte ich zun├Ąchst. Als ich ein lautes Dr├Âhnen vernahm, schaute ich in den Himmel und entdeckte, dass die S-Bahn sich in schwindelnder H├Âhe ├╝ber uns befand. Die Decke des Hauses existierte nicht. Stattdessen schwebte die Bahn unter den Sternen. Mit einem Pfiff und lautem Geratter entfernte sich die Bahn in die Dunkelheit.
Die Gesellschaft war noch da. So als ob nie etwas geschehen w├Ąre.
Ich sp├╝rte die Blicke der Leute auf mir ruhen. Ich schaute an mir hinab und sah mich in einem bodenlangen Kleid aus hellgelber Seide. Meine Haare t├╝rmten sich zu einem riesigen Bienenstock und Ringe blinkten an meinen behandschuhten Fingern. Ich sah aus, als geh├Ârte ich je her zu der feinen Gesellschaft. Auch f├╝hlte ich mich gar nicht fremd. Es war, als ob ich alle kennen w├╝rde. Ich schaute mich um. Da kam durch den Raum jemand auf mich zugeschwebt. Leichtf├╝├čig, blass, doch elegant, meine Gro├čmutter. Gro├čmutter? Nein, sie war doch lange tot. Das Bild meines Traumes wurde unscharf, ich fiel zu Boden. Als ich erwachte, blickte ich direkt in das wei├če Gesicht meiner Gro├čmutter. Alles schien wirklich und real. Eine unerkl├Ąrliche Angst kam in mir auf. Doch gleichzeitig wurde mir klar, dass ich mich nicht f├╝rchten m├╝sse. Ich war schlie├člich da angekommen, wo ich hingewollt hatte. Jetzt sp├╝rte ich erst, wie kalt Gro├čmutter war. Hatte ich es wirklich nicht gemerkt?

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AdamSmith
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2004

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Das war alles?????

Hallo Selbstlos,
zuerst muss ich sagen: Ich finde deine Geschichte gro├če Klasse (8 Punkte)

Und jetzt zu der Kritik:

1. Die melancholische Stimmung am Anfang ist so wundersch├Ân - warum h├Ąlst du sie nur so kurz??? Ich f├Ąnde ein bi├čchen mehr "Begeisterung" gut - schwelge doch l├Ąnger darin!

2. Warum bekommen wir kein Ende? Nat├╝rlich sollte eine Kurzgeschichte grunds├Ątzlich offen bleiben - aber du ├╝berl├Ąsst es dem Leser selber zu verstehen, was du sagen willst - Ist deine Hauptfigur tot? Durch die Zeit gereist? In einer anderen Dimension? Ich glaube aber, dass du weiter f├╝hren willst und finde ich sehr schade, dass du dem Leser nicht noch einen Tritt in die richtige Richtung gibst.

3. Das mit dem Entschluss, dass es ein Traum ist finde ich falsch aufgebaut - du solltest es fr├╝her einf├╝gen und dann ├Âfter wiederholen - bis zu der Stelle mit der Gro├čmutter, wo pl├Âtzlich klar wird, dass dies kein Traum ist - wie w├Ąre es mit Verschwommenheit der Umgebung oder ├Ąnhlichen Hinweisen auf einen Traum?

4. Ich finde S-Bahnen so unromantisch! Das Wort alleine ist schon total technokratisch - wie w├Ąre es mit einem Zug oder etwas in der Art - das l├Ąsst mehr Platz!

So, das war erst mal alles! Nach dem n├Ąchsten Lesen kommt mehr!

Liebe Gr├╝├če
Adam

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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Kommentare: 8208
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Korrekturvorschl├Ąge:

Kalt und blass
Ver├Âffentlicht von Selbstlos am 12. 01. 2005 16:32
Kalt und blass

Die S-Bahn stand schon im Bahnhof und wartete auf die Abfahrt. Ich w├Ąhlte ein recht leeres Abteil in einem der hinteren Waggons. Es war, bis auf einen ├Ąlteren Herrn mit Zylinder, Frack und Spazierstock und einer ebenfalls ziemlich altmodisch gekleideten Dame, leer. Meine Augen blieben f├╝r einen kurzen Moment an ihrer langen Halskette h├Ąngen, an der ein Medaillon baumelte. Mir war, als h├Ątte die kleine Figur, die vorne drauf gemalt war, (mir) zugezwinkert. Etwas verwirrt nahm ich ganz in der N├Ąhe am Fenster Platz. Ich konnte das seltsame Paar sehen(Komma) wenn ich mich zur Seite beugte, doch ich zog es zun├Ąchst vor, aus dem Fenster zu schauen.
Drau├čen liefen Menschen wild umher. Einigen (Einige) stiegen in den Zug ein, andere sahen sich suchend um und wieder andere standen dicht an der Bahn und streckten die H├Ąnde aus, um den Reisenden durch die T├╝r noch die Hand zu dr├╝cken. Ich war viel zu sehr in meine Beobachtungen versunken, als dass ich gemerkt h├Ątte, dass niemand au├čer mir in dieses Abteil gestiegen war. Eine Gro├čmutter steckte ihrer Enkelin noch (├╝berfl├╝ssig) ein St├╝ck Schokolade zu, als die Mutter gerade nicht hinsah. Gro├čmutter und Enkelin tauschten noch einen geheimnisvollen Blick. Da ert├Ânte ein Piepen, die T├╝ren schlossen sich und die Bahn fuhr mit einem Ruck an. Die Bahn gewann schnell an Tempo und lie├č den Bahnsteig hinter sich. Die zur├╝ckgebliebenen Menschen waren nur noch kleine Punkte. (Absatz)Ich lehnte mit (mich) in meinem Sitz zur├╝ck und mich ├╝berkam pl├Âtzlich ein Gef├╝hl von Traurigkeit. Mich hatte niemand am Bahnsteig verabschiedet. Auch hatte niemand auf mich gewartet. Ich war allein gekommen, reiste allein und wollte eigentlich auch allein sein. Hoffnungslose Melancholie hatte Besitz von mir ergriffen und zog mich mit sich in ein tiefes schwarzes Loch. (Absatz)Ich hatte es nicht mehr ausgehalten und hatte getan, was ich immer tat, wenn ich glaubte(Komma) die Welt w├╝rde untergehen; ich stieg in die n├Ąchste Stra├čenbahn und lie├č mich treiben. Ich war durch die ganze Stadt gefahren, ohne Ziel und Hoffnung. Ich versuchte mich abzulenken. Das klappte eigentlich immer. Ich musste nur so lange aus dem Fenster schauen(Komma) bis die Welt anfing(Komma) an mir vorbei zu ziehen. Dieses mal wusste ich, dass ich lange fahren m├╝sste, um alles an mir vorbeirauschen zu lassen. Ich hatte ein Ticket gel├Âst, von dem ich glaubte, dass ich damit recht weit kommen w├╝rde, vielleicht ein wenig aus der Stadt raus. Und jetzt sa├č ich hier in diesem Abteil in Richtung Nirgendwo.
Ohne dass ich es gemerkt hatte, waren mir hei├če Tr├Ąnen ├╝ber die Wangen gelaufen. Wie pl├Âtzlich aus einem Traum gerissen(Komma) schreckte ich auf. Die Dame mit der Halskette hatte sich ├╝ber mich gebeugt und begutachtete mich eindringlich. Ich nahm einen zarten Lavendelduft war (wahr), was mich eigent├╝mlich beruhigte. Der Zug ratterte vor sich hin. Es erschien mir sehr weit weg.(was erschien weit weg?) Die Lavendeldame sprach kein Wort, sah mich nur weiter mit besorgten Augen an und sch├╝ttelte schlie├člich kaum merklich den Kopf. Dann verschwand sie. Als sie zur├╝ckkehrte(Komma) hatte sie ein Glas in der Hand und den ├Ąlteren Herrn im Schlepptau. Durch den Dampf, der aus dem Glas aufstieg(Komma) nahm ich unscharf sein freundliches Gesicht war. Das Glas verstr├Âmte einen intensiven Duft nach Kr├Ąutern und etwas, dass (das) ich nicht recht definieren konnte. Ich war so m├╝de. scheinbar hatte ich ziemlich lange aus dem Fenster gestarrt und still geweint. Die Zeit war an mir vorbei gerauscht. Ich merkte kaum(Komma) was um mich geschah. Hatten wir irgendwo gehalten? Waren andere Menschen im Waggon? Wo waren wir ├╝berhaupt? Ich konnte es nicht sagen.
Die Lavendeldame hielt mir das Glas an die Lippen. Woher kam es pl├Âtzlich, was roch da so eigent├╝mlich, wer war sie? Ich war viel zu schwach(Komma) um mich zu wehren. Gehorsam trank ich das Glas ganz leer. Ich konnte nicht sagen warum, aber ich vertraute ihr blind. Sie l├Ąchelte, als ob sie mir sagen wollte, dass ich sehr tapfer war. Wie man es zu einem kind (Kind) sagt, dass (das) bittere Medizin schlucken muss. Die Fl├╝ssigkeit in dem Glas schmeckte jedoch angenehm s├╝├č. Mit einem letzten Gedanken an mein warmes Bett schlief ich schlie├člich ein, das Quietschen der Bremsen noch im Ohr und eine leise Stimme, die aus dem Lautsprecher drang.
Ich wachte auf, als sich der ├Ąltere Herr ├╝ber mich beugte und mich freudig anstrahlte. Genauso vornehm(Komma) wie er gekleidet war(Komma) sprach er auch. Zwar etwas altmodisch, aber sehr h├Âflich und gew├Ąhlt. Ich wunderte mich allerdings mehr dar├╝ber, dass er sprach. Bevor ich eingeschlafen war(Komma) hatte er neben meinem Sitz gestanden und ebenso wie die Lavendeldame kein Wort gesprochen. Er fragte mich leise nach meinem Befinden und ob ich gut gen├Ąchtigt h├Ątte. (Absatz)Was? Wie sp├Ąt war es denn nur? Waren wir schon angekommen? Nein, nein, beruhigte er mich, der Zug habe eben die Strecke verlasssen (verlassen) und sei auf dem Weg nach Nirgendwo. Ach ja, dass (das) hatten wir ja schon gekl├Ąrt. Nirgendwo, genau da wollte ich doch hin. (Absatz)Bevor ich mich weiter wundern konnte, kam auch die Lavendeldame auf mich zu und erkundigte sich ebenfalls nach meinem Befinden. \"Nicht war (wahr), eine Zugreise ist doch wesentlich angenehmer als diese unbequemen Postkutschen?\" ich (Ich) wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte. Ich starrte sie stumm an. \"Ich bin froh, dass du den Weg zu uns gefunden hast, Liebes. Ich denke, es wird die gut(getrennt)tun(Komma) wieder Gesellschaft um dich zu haben.\" (Absatz)Sie l├Ąchelte wieder und ging mit raschelnden R├Âcken davon. Ich folgte ihr mit den Augen durch den Waggon. Der Boden war mit dunklem Teppich, die W├Ąnde und die Decke mit rotem Samt ausgekleidet. Obwohl von der Decke nicht mehr viel zu sehen war, denn da hingen pl├Âtzlich f├╝nf riesige Kronleuchter, an denen unz├Ąhlige Kerzen brannten und das Abteil beleuchteten. Nach einer normalen S-Bahn sah mir das nicht mehr aus. Eher wie der Salon einer Villa aus einer l├Ąngst vergangenen Zeit. Zudem war das Abteil pl├Âtzlich voller Menschen, die ich zuvor nicht bemerkt hatte. Wo kamen die alle her? Waren sie auf der Strecke irgendwann eingestiegen? Es waren junge M├Ąnner und kichernde M├Ądchen, Brandy trinkende M├Ąnner und Damen mit langen R├Âcken, hoch(getrennt)aufget├╝rmten Frisuren und wei├čen Gesichtern. Sie ├Ąhneltem (├Ąhnelten) mehr oder weniger der Lavendeldame und ihrem Begleiter mit der blassen Haut, die sich angeregt mit einem Mann unterhielten, der noch etwas vornehmer war als die anderen. Er schien eine Art Autorit├Ąt zu sein. Denn als er die Stimme erhob, wurden alle still und wandten ihm ihre fr├Âhlichen Gesichter zu. Er kam mit gro├čen Schritten auf mich zu und nahm meine Hand, um mit einer tiefen Verbeugung einen Handkuss anzudeuten. \"Willkommen an Bord dieses Zuges, junges Fr├Ąulein! Es ist mir eine Ehre, Ihnen eine Zugfahrt der ganz besonderen Art bieten zu d├╝rfen. Genie├čen Sie Ihren Aufenthalt! Ich darf Ihnen, auch im Namen der anderen Fahrg├Ąste, noch eine angenehme Reise w├╝nschen.\" (Absatz)So langsam verstand ich gar nichts mehr. Die Lavendeldame hatte sich in der Zwischenzeit zu mir gesetzt. Noch immer l├Ąchelte sie. Seltsam war sie, so bleich und freundlich. Auch die Gesellschaft war recht nett. Die M├Ąnner hatten angefangen(Komma) Karten zu spielen und unterhielten sich ├╝ber Politik. Die jungen Leute sa├čen beisammen und scherzten, w├Ąhrend einige Damen sich mit edlen F├Ąchern Luft zuwedelten. Jemand hatte mir ein Getr├Ąnk gebracht, dass (das) mich von innen w├Ąrmte und mich meine d├╝steren Gedanken vergessen lie├č.
Anscheinend n├Ąherten wir uns dem Ziel. Einige der Fahrg├Ąste fingen an(Komma) ihre Sachen zusammen zu packen. Die Damen rafften ihre R├Âcke, die Herren tranken ihre Gl├Ąser aus und lie├čen die Spielkarten in ihren Westentaschen verschwinden und die jungen Leute wurden noch ein wenig unruhiger. Ich fragte mich(Komma) wohin mein Traum mich noch f├╝hren w├╝rde. Denn ich hatte beschlossen, dass das alles nur ein Traum sein konnte. War ich nicht eingeschlafen? Eben. Ich tr├Ąumte noch immer. Bis jetzt hatte es mir recht gut gefallen. Und daher beschloss ich(Komma) meinen Traum weiter zu genie├čen. Doch fing ich an zu ├╝berlegen, wo wir aussteigen w├╝rden. Ich hatte nicht erwartet(Komma) an ein Ziel zu gelangen. Mir wurde etwas mulmig in der Magengegend. (Absatz)Mit dem Piepton ├Âffneten sich die T├╝ren. Ich stieg aus und zu meiner gr├Â├čten Verwunderung befand ich mich wirklich in einem Salon. Er sah aus wie der Waggon. Der Waggon? Wo war er? Als ich mich umschaute(Komma) war er verschwunden, so dachte ich zun├Ąchst. Als ich ein lautes Dr├Âhnen vernahm, (Ich vernahm ein lautes Dr├Âhnen,) schaute ich in den Himmel und entdeckte, dass die S-Bahn sich in schwindelnder H├Âhe ├╝ber uns befand. Die Decke des Hauses existierte nicht. Stattdessen schwebte die Bahn unter den Sternen. Mit einem Pfiff und lautem Geratter entfernte sich die Bahn (entfernte sie sich) in die Dunkelheit.
Die Gesellschaft war noch da. So (├╝berfl├╝ssig) als ob nie etwas geschehen w├Ąre.
Ich sp├╝rte die Blicke der Leute auf mir ruhen. Ich schaute an mir hinab und sah mich in einem bodenlangen Kleid aus hellgelber Seide. Meine Haare t├╝rmten sich zu einem riesigen Bienenstock und Ringe blinkten an meinen behandschuhten Fingern. Ich sah aus, als geh├Ârte ich je her zu der feinen Gesellschaft. Auch f├╝hlte ich mich gar nicht fremd. Es war, als ob ich alle kennen w├╝rde. (Absatz)Ich schaute mich um. Da kam durch den Raum jemand auf mich zugeschwebt. Leichtf├╝├čig, blass, doch elegant, meine Gro├čmutter. Gro├čmutter? Nein, sie war doch lange tot. Das Bild meines Traumes wurde unscharf, ich fiel zu Boden. Als ich erwachte, blickte ich direkt in das wei├če Gesicht meiner Gro├čmutter. Alles schien wirklich und real. Eine unerkl├Ąrliche Angst kam in mir auf. Doch gleichzeitig wurde mir klar, dass ich mich nicht f├╝rchten m├╝sse. Ich war schlie├člich da angekommen, wo ich hingewollt hatte. Jetzt sp├╝rte ich erst, wie kalt Gro├čmutter war. Hatte ich es wirklich nicht gemerkt?
Mir gef├Ąllt diese leicht gruselige Geschichte. Bin gespannt auf weiteres von dir.
lg

__________________
Old Icke

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