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Leselupe.de > Gereimtes
Kalte Füße
Eingestellt am 18. 05. 2002 01:05


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Jo-Achim Wulf
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 10
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Als ich sie sah
vor vielen Jahren,
mochte ich gleich ihr Gebaren.
Prüfte ihren Blick recht lange;
er war ganz warm
und mir nicht bange.

Schon bald bekam sie kalte Füße,
hinterließ mir nicht mal Grüße;
dachte manchmal noch an sie -
bloß Kontakte gab es nie.

Als ich sie traf
nach vielen Jahren,
durfte ich sogleich erfahren:
Ihre Lippen, rot wie Blut,
warn gar nicht kühl
und schmeckten gut.

Doch wieder ließ sie mich allein,
die Füße frorn erneut wohl ein;
ich indes zog mich zurück -
wünschte lautlos ihr viel Glück.

Sie rief mich an
vor ein paar Tagen;
Mensch, hatten wir uns viel zu sagen!
Ihr Herz, da freute ich mich sehr,
ist herrlich warm
und längst nicht leer.

Auch treffen wollten wir uns bald,
doch warn die Füße wieder kalt;
muß jetzt dauernd daran denken -
werd' ihr wohl Pantoffeln schenken.

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Haget
Häufig gelesener Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 280
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MoinMoin Jo-Achim,
Idee und daraus gemachte Gedichts-Erzählung gefallen mir! Mehr per E-Mail.
__________________

Haget wünscht Dir Gutes!
Selbst dümmste Sprüche machen oft Sinn
- auch krumme Pfeile fallen irgendwo hin!

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Sternchenkatharina
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

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Hallo,
ich habe noch nicht so viel Erfahrungen mit Gedichten ,Geschichten und überhaupt mit der Literatur. Aber ich hoffe, dass dich meine Meinung trotzdem interessiert. Ich finde dein Gedicht wirklich sehr gut.
Schreibst du schon länger? Ich selber lerne noch daran gute Gedichte oder Geschichten zu schreiben. Viele liebe Grüße
__________________
Katharina

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Jo-Achim Wulf
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2002

Werke: 10
Kommentare: 15
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Hallo Katharina!

Es gab mal einen Typen namens Harry. Der hatte auch nicht viel Erfahrung mit Gedichten und überhaupt mit der Literatur. Doch auch er begann irgendwann, seine Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen. Nachdem er vom jüdischen zum christlichen Glauben konvertiert war, nannte er sich Christian Johann Heinrich, schrieb und schrieb, veröffentlichte gar einiges, wurde schließlich aus diesem unserem Lande geworfen und endete in einer jämmerlichen "Matratzengruft" (so nannte er sein Sterbebett). Aber: Sein gesamtes Dasein blieb bis zu seinem Ende in der Pariser Avenue Matignon 3 der Lyrik gewidmet. 78 Jahre später verbrannte man in Deutschland seine Bücher - ohne, dass es nur den Hauch einer Chance gegeben hätte, den Geist seiner Gedichte zu vernichten.
Was ich sagen will? Schreib weiter! Es ist gar nicht wichtig, ob Du große Weltliteratur verfasst, oder popelige Provinzlyrik. Es gibt nämlich keinen Unterschied. Wenn Gedichte wirklich aus dem Herzen kommen, sind sie IMMER gut. Verstehste? Harry, dessen bin ich sicher, hätte es genauso gesehen.
Mein Gedicht "Kalte Füße" handelt übrigens von einer Frau, mit der ich vor einundzwanzig Jahren liiert war und sie nie vergaß. Für sie entstand 1981 mein Gedicht:

Wenn du mir morgen stürbest,
Tät' ich aus lauter Pein
Ein starkes Seil mir nehmen;
Du stürbest nicht allein.

Nach fast zwei Jahrzehnten stand sie 1997 plötzlich vor mir, wir stammelten uns unsere Namen entgegen, fielen uns um den Hals und hielten uns geschlagene zwei Stunden einfach nur fest. Doch schon bald erkannte ich, dass sie eine schreckliche psychische Krankheit aufwies. So grausam, dass die letzten drei Jahre für mich zu einem Märtyrium wurden. Aber: Nach annähernd 20 Jahren begann ich, wieder Gedichte zu verfassen. Eine Kritikerin beschrieb meine Lyrik mal als "Therapeutisches Schreiben", aber es hilft mir ungemein, Emotionen zu verarbeiten. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es Dir genauso geht. Nochmal: Schreib weiter. Für Dich!

Ach ja, auf Harry's Grab auf dem Montmartre-Friedhof in Paris steht eine Marmorbüste mit seinem Konterfei. Die Franzosen verehren ihn genauso, wie man es inzwischen in Deutschland tut. Immerhin hat man beispielsweise die Düsseldorfer Universität nach ihm benannt. Nachdem ich ihm vor 22 Jahren einen Besuch abgestattet hatte, verfasste ich folgende Zeilen:

Am Grabe des Poeten
Da stand ich still und lang
Und lauschte wie ein Vogel
Eins seiner Lieder sang.

Es war ein Lied von Hoffnung
Vom Fluchen und vom Tod
Von Gerechtigkeit und Freiheit
Und bittrer Hungersnot.

Da ward das Herz mir schwerer,
als ich es je erlebt;
Als hätt in meinem Leibe
Ein schwarzer Fels gebebt.

Am Grabe des Poeten
Da stand ich still und lang;
Dann sah ich wie der Vogel
Sich in die Lüfte schwang.

Und werden wir auch älter
Und wandern all dahin;
So bleibt doch diesem Liede
Sein ewig tiefer Sinn.

Sein Name? Heinrich Heine.
Herzliche Grüße - und ich wünsche Dir viel Kraft;
Jo-Achim

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