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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kalter Kaffee
Eingestellt am 08. 07. 1999 00:00


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Frank Zimmermann
Junior Mitglied
Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 1999

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Kalter Kaffee
Wegen der Beerdigung hatte Herr K. das K├╝chenstudio erst mittags ge├Âffnet. Die langj├Ąhrige Angestellte, die Fachverk├Ąuferin Gudrun G., die hier schon K├╝chen verkauft hatte, als Herr K.s Vater noch das Gesch├Ąft f├╝hrte, war an einem Nachmittag der letzten W oche einer ├ťberdosis Langeweile erlegen. Zwar wu├čte Herr K., da├č die Gesch├Ąfte schlecht liefen, aufgrund der anhaltenden Rezession kauften die Leute ihre K├╝che lieber in einem dieser ÔÇ×Pack-ein-spar-Geld-M├Âbelh├ĄuserÔÇť, aber da├č Frau G. so gelangweilt war, d a├č dies schlie├člich zu ihrem Tode f├╝hrte, hatte dann doch alle ├╝berrascht. Nun war das Gewerbegebiet Mannheim-Ost schon l├Ąngst nicht mehr die erste Adresse f├╝r zahlungskr├Ąftige Kunden und so sa├č Herr K. zwischen all seinen unverkauften K├╝chenm├Âbeln und dachte ├╝ber seine Zukunft nach. Herr K. h├Ątte jetzt einen Kaffee gebrauchen k ├Ânnen, aber weder wu├čte er, wo die n├Âtigen Utensilien aufbewahrt wurden, noch konnte er die Kaffeemaschine bedienen, das war immer Aufgabe von Frau G. gewesen! Die Wochen vergingen, Herr K. durchlitt aufgrund des fehlenden Kaffees die schmerzhaftesten Entzugserscheinungen, weil alle Koffeindepots seines K├Ârpers v├Âllig leer waren und er fand einfach keine neue Verk├Ąuferin, denn wegen der Angst, ebenfalls der Lang eweile erliegen zu k├Ânnen, gingen auf die Stelle keine Bewerbungen ein. Es half alles nichts, wurde Herrn K. eines Morgens klar, Frau G. mu├čte wieder her, schlie├člich hatte sie hier eine wichtige Aufgabe zu erf├╝llen: Kaffeekochen! Als er nach Gesch├Ąftsschlu├č den Laden abgeschlossen hatte, ging er in den Keller, holte den rostigen Spaten, legte ihn in den Kofferraum seines Kombis und machte sich auf, Richtung Friedhof. Er ├╝berwand die efeuumrankte Backsteinmauer an einer Stelle, die genau im Dunkel zwischen zwei der sp├Ąrlichen Laternen lag, nachdem er den Spaten hin├╝bergeworfen hatte. Dann schlich er zwischen rot flackernden Grablichtern zum hinteren Teil des Friedhofs, der im letzten Jahr hinzugekommen war, weil in Mannheim-Ost immer mehr Langweiltote zu beklagen waren und der alte Friedhof zu klein geworden war. Obwohl die Erde hartgefroren war, war das Graben nicht so schwer, denn die Erde war in diesem noch recht frischen Grab locker und die Vorstellung von einer Kanne, voll mit fr ischem Kaffee, spornte Herrn K. an. Schlie├člich stie├č er mit dem Spaten auf das Holz des Sarges. Er befreite das Beh├Ąltniss vom Erdreich und ├Âffnete den Sargdeckel, dessen Eichefront ihn irgendwie an den K├╝chenschrank KA 16 mit Apothekenauszug erinnerte. H err K. war erfreut zu sehen, da├č Frau G. noch recht frisch wirkte und auch ihr Gestank hielt sich aufgrund der anhaltenden K├Ąlte in Grenzen. Besonders praktisch fand er die Tatsache, da├č sie in einem ihrer grauen Fachverk├Ąuferinnenkost├╝me beerdigt worden w ar, da w├╝rde er sie sp├Ąter nicht umziehen m├╝ssen. Herr K. wuchtete die Leiche aus dem Sarg und zog und schob so lange, bis er sie aus dem erdigen Schacht herausbugsiert und auf dem Nachbargrab plaziert hatte. Dann schlo├č er den Sarg und f├╝llte das Grab wie der mit Erde. Als er fertig war, besah er die Ruhest├Ątte und war sicher, da├č sein n├Ąchtlicher Eingriff unbemerkt bleiben w├╝rde. Er schulterte die etwas steife Frau G., ÔÇ×eigentlich war sie ja schon immer etwas steifÔÇť, dachte er schmunzelnd, und schaffte sie ins Auto. Er fuhr zum K├╝chenstudio, bog um die Ecke zum Lieferanteneingang, um vor den etwaigen Blicken von neugierigen Anwohnerinnen und Gassigehern gesch├╝tzt zu sein und trug Frau G. aus dem Kofferraum in ihren neuen, alten Arbeitsraum, die kleine Teek├╝ che hinter dem B├╝ro. Dort lehnte er sie an den Einbauschrank E 38 erle-funier, direkt gegen├╝ber der Kaffeemaschine. Ersch├Âpft und zufrieden stieg Herr K. ├╝ber die Treppe in sein kleines Appartment ├╝ber dem Gesch├Ąft und ging mit der freudigen Erwartung zu Bett, morgen den ganzen Tag frischen Kaffee trinken zu k├Ânnen.

(├ťbernommen aus der 'Alten Leselupe'.
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