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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kampf der Geschlechter
Eingestellt am 20. 11. 2010 18:49


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Ruedipferd
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Registriert: Jun 2009

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Paulus an die Epheser

Epheser, Kapitel 5, Vers 22
Ihr Frauen, ordnet euch euren MĂ€nnern unter wie dem Herrn.
5, 31
Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hÀngen und sie werden ein Fleisch sein.



„Du Papa, Florians Eltern lassen sich scheiden. Hat Florian denn dann keine Mama und keinen Papa mehr?“
Überrascht blicke ich von meiner LektĂŒre auf und lege die Zeitung beiseite. Florians Eltern sind gute Freunde von uns und unsere Kinder besuchen dieselbe Klasse. Von einer bevorstehenden Trennung höre ich deshalb zum ersten Mal.
„Woher weißt du denn das, Engelchen?“, frage ich meine achtjĂ€hrige Tochter, neugierig und doch mit einem Anflug leichten Unbehagens.
Melanie zuckt nur kurz mit den Schultern, wĂ€hrend sie unserem Langhaardackel Purzel gekonnt und fachfraulich einen Lockenwickler nach dem anderen ins Fell dreht. Mit erstaunten Augen bewundere ich die fast schon stoische Ruhe des RĂŒden.
„Das hat Florian heute in der Schule erzĂ€hlt. Seine Mama hat zu seinem Papa gesagt, dass sie nicht sein Untertan ist. Sonst wĂ€ren sie geschiedene Leute. Papa, was heißt das?“
Als Vater muss man lernen sehr flexibel zu denken und ich ahne, was geschehen sein könnte. Der arme kleine Junge hat sicher ein GesprĂ€ch seiner Eltern mitbekommen und möglicherweise die falschen SchlĂŒsse daraus gezogen. Mein Freund Marius ist Diakon und neckt seine Frau gerne mit dem berĂŒhmten Paulus Wort aus dem Epheser 5, Vers 22 „Das Weib sei dem Manne untertan!“

In unserem Bekanntenkreis wurden seit Anfang des letzten Jahres leider schon drei Ehen geschieden und aus allen waren Kinder hervorgegangen, mit denen die unseren gespielt hatten. NatĂŒrlich waren sie nun auch verwirrt und konnten nicht begreifen, mit welchen VerĂ€nderungen die Freunde plötzlich zurecht kommen mussten. Ich bin Lehrer von Beruf und mir waren die Ă€ngstlichen Blicke meiner Tochter nicht verborgen geblieben, wenn eine Auseinandersetzung mit meiner Frau mal etwas heftiger ausfiel. Aber fĂŒr uns kommt allein schon unseres Kindes wegen eine Trennung derzeit gar nicht in Betracht. Allerdings denke ich auch, dass es fĂŒr Kinder wichtig ist, wenn sie sehen, wie sich die Eltern nach einem Streit wieder versöhnen. Das Leben ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Man muss in Partnerschaft und Ehe stĂ€ndig Kompromisse eingehen. Es kommt darauf an, wie man sich den Herausforderungen des Alltags stellt und ob man bereit ist, mit dem Partner nach konstruktiven Lösungen zu suchen.

Nachdenklich betrachte ich mein Töchterchen, deren blondes Haar hell im Sonnenlicht glĂ€nzt. Sie wird sicher einmal ein sehr hĂŒbscher Teenager werden und ich denke bereits mit Grausen daran, dass irgendwann ein fĂŒnfzehn oder sechzehnjĂ€hriger Junge vor unserem Haus auf sie warten und mir meinen kleinen Sonnenschein in die Disco entfĂŒhren wird, so wie ich es vor vielen Jahren mit ihrer wunderschönen Mutter getan habe.
Unser Hund hat inzwischen die ersten Dauerwellen seines Lebens mit einer wirklich beneidenswerten Ruhe ĂŒber sich ergehen lassen.
„Weißt du was, ich rufe mal bei Florians Eltern an und frage einfach, was da los ist“, erklĂ€re ich meiner SĂŒĂŸen spontan und greife mir bereits in der nĂ€chsten Sekunde das Handy.

Einen Augenblick spÀter ist Marius am Telefon.
Er ruft seine Frau Sabine sofort zu sich, als ich ihm von Florians Verdacht erzĂ€hle. Wie erwartet fallen die beiden aus allen Wolken, bedanken sich immer wieder bei mir fĂŒr den Anruf und geloben, sofort mit ihrem Sohn zu sprechen, wenn er vom Fußballtraining nach Hause kommt. Erleichtert lege ich den Hörer auf. Wieder eine verwirrte Kinderseele gerettet!
Melanie hat sich inzwischen in meine Arme gekuschelt und kitzelt mich am Ohr.
„Aber sag mal Papa, warum mĂŒssen denn nun die Frauen dem Manne untertan sein?“
Ich kenne meine wissbegierige Tochter und will gerade antworten, dass sie das gar nicht mĂŒssen, als plötzlich meine Ehegattin mit umgebundener KĂŒchenschĂŒrze und gespitzten Ohren in der TĂŒre steht.

„Was habt Ihr denn fĂŒr ausgefallene GesprĂ€chsthemen? Meine Tochter wird niemals in ihrem Leben einem Mann untertan sein, sondern natĂŒrlich eine selbstbewusste und emanzipierte Frau werden“, höre ich sie mit einem nichts Gutes verheißenden gefĂ€hrlichen Unterton in der Stimme sagen.
Ich kenne nach neun Ehejahren auch meine Frau und die verschiedenen KlangfĂ€rbungen ihrer Stimme. In Augenblicken wie jetzt ist Ă€ußerste PrĂ€zision vonnöten! Vorsichtig ordne ich deshalb meine Gedanken. Einer Auseinandersetzung mit meiner Gattin sollte man(n) besser aus dem Wege gehen, obgleich auch mir es nicht immer gelingt, die Wogen wieder zu glĂ€tten.

„Ich wollte es unserer Tochter gerade erklĂ€ren. Der Satz des Paulus muss natĂŒrlich in seinem ganzen Zusammenhang gesehen werden. Es geht doch darum, dass die Menschen grundsĂ€tzlich Gott mehr zu gehorchen haben als dem Menschen.
In Vers 21 heißt es deshalb „Und seid einander untertan in der Furcht Christi." Dann folgt leider in Vers 22 der unglĂŒckselige Ausspruch, dass die Frau dem Manne untertan sei. Aber in den Versen 25 und 28 relativiert Paulus seine Aussage ja wieder, indem er sagt:
„Ihr MĂ€nner, liebt Eure Frauen, gleich auch Christus geliebt hat die Gemeinde und hat sich selbst fĂŒr sie gegeben

So sollen auch die MĂ€nner ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib.“


Ich möchte nebenbei bemerken, dass meine Frau einige Semester Theologie studiert hat. Sie blickt mir forschend und ziemlich streng in die Augen. Gottseidank kenne ich mich in der Bibel etwas aus. Mit Marius und unserem Pfarrer treffe ich mich des Öfteren zum abendlichen Plausch. Wir sind alle drei einem guten Tropfen Wein nicht abgeneigt und unterhalten uns dabei dann auch gerne ĂŒber Berufliches. Der Paulus Satz ist natĂŒrlich stets ein beliebtes Thema unter bibelfesten MĂ€nnern.
Meine holde Gattin wendet sich mit gekrĂ€uselter Stirn und zusammen gekniffenen Lippen dem Wohnzimmerschrank zu. Schweigend öffnet sie langsam die Schublade mit den Soßenkellen, wĂ€hrend ich jede ihrer Bewegungen aufmerksam verfolge. Man muss bei ihr auf alles gefasst sein, dass weiß ich inzwischen nur zu gut. Mit verzĂŒcktem Blick scheint sie gefunden zu haben, wonach sie suchte. Sie fĂ€hrt mit abgespreiztem Finger in die Lade, ergreift eine Soßenkelle und dreht sich, besagtes Teil bedrohlich in meine Richtung schwenkend, behĂ€nde auf dem Absatz um.

„Das Essen ist gleich fertig“, schmunzelt sie und verschwindet sogleich wieder in der KĂŒche.

Melanie krault gedankenverloren an meinem Haaransatz.
Beim Kampf der Geschlechter gibt es keine Gewinner, aber viele Verlierer: Unsere Kinder. Wegen des Paulus Briefes werden meine Frau und ich uns wohl niemals ernsthaft streiten.

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