Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92216
Momentan online:
419 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Kampf gegen Ideologie und Dummheit – Ein Aufruf
Eingestellt am 17. 10. 2004 18:12


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
dubidu
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 62
Kommentare: 868
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um dubidu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Überarbeitete Version

Immer dann, wenn sich die Dummheit mit der Ideologie paart, wird etwas Schreckliches geboren. So geschah es zum Beispiel im "Dritten Reich" in Deutschland. Negative Gefühle, zwischen Minderwertigkeit und Chauvinismus pendelnd, wurden mit abstrusen ideologischen Theorien wie „Volk ohne Raum“, Vormacht der nordischen Rasse“ und anderen kombiniert. Das Ergebnis kennen wir: vermeintlich brave deutsche Bürger und ihre Helfershelfer ermordeten über sechs Millionen Juden und Europa wurde von deutschen Soldaten in Schutt und Asche gelegt.

Warum sind chauvinistische Gedanken und Minderwertigkeitsgefühle dumm? Ganz einfach: sie sind dumm, weil es für sie keinen wirklichen Grund gibt. Also müssen wir uns vor Dummheit schützen. Und wie? Wem jemals ein außergewöhnlicher Mensch begegnet ist, kann diese Frage beantworten. Ein Mensch, der seinen Körper genauso wie seine Gedanken und Gefühle reflektiert und kontrolliert, kann sich dummer Gefühle und Gedanken befreien. Diese Fähigkeit ist unabhängig von Bildung und Status; so finden sich Meister in allen sozialen Schichten.

Wie fällt nun die Dummheit der Ideologen auf den fruchtbaren Boden der Gläubigen? Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. Schauen wir etwas genauer auf die Geburt einer neuen Religion. Nach seinem Tode wurde Jesus von selbsternannten Priestern seiner Menschlichkeit beraubt. Sie klauten den Ägyptern den Mythos der Jungfrauengeburt, übertrugen ihn auf Jesus, schrieben ihm zudem Wundertaten zu und heuchelten den frühen Christen vor, der Sohn Gottes sei nach seinem Ableben wieder auferstanden. Auf diesen drei Säulen bauten sie sich ihre Kirche auf, die dem Volk das Geld aus der Hose presste wie einer Zitrone den Saft. Das erpresste Gut wurde in Kirchenbau und Kunstschätzen, vermeintlichen Reliquien und Kreuzzügen investiert, die erdichtete Religion wirkte bei den Gläubigen wie Opium im Körper. Diese ließen sich im Glauben an eine Dividende im Jenseits einschläfern und vergaßen dabei die wahren Predigten und Botschaften des großen Meisters. Jesus selbst spielt keine Rolle mehr. Würde er morgen auferstehen, wäre der Papst der Erste, der verlangte, ihn sofort wieder zu kreuzigen, weil ein lebender Jesus ihm das ganze Geschäft vermasseln würde. Außerdem würde ihn kein einziger Christ erkennen.

Und die Moral: die Menschheit lernt eben nur wenig aus der Geschichte. Die Paarung Ideologie und Dummheit versorgt uns seit Urzeiten mit Kriegen auf der ganzen Welt.

Blicken wir nun auf den Nahen bis Mittleren Osten. Islamische Scheichs predigen von ihren Kanzeln Hass und Krieg gegen die Ungläubigen. Die Mullahs fordern ihre im Opiumfieber schwitzenden Gläubigen zum Kampf gegen die gottlosen Amerikaner auf, aber lassen ihre eigenen Kinder in den USA studieren. Und das Volk sieht nur, was es sehen möchte. Die Ideologie der Islamisten paart sich mit dem Unterlegenheitsgefühl und der materiellen Hoffnungslosigkeit vieler Araber. Das Resultat kennen wir: Selbstmordattentate, ausgeführt von Schläfern und Kindern halten die Welt in Atem.

Und nun? Wenn ich das wüsste, würde ich diesen Beitrag nicht schreiben. Ich kann nur gutgemeinte Ratschläge geben. Fangen wir im Großen an und begeben uns später auf die individuelle Ebene. Verweilen wir dabei in der arabischen Welt.

Unsere politischen Führer müssen sich mit ehemaligen Terroristen wie Arafat und Gaddafi treffen, das ist sinnvoll, allerdings mögen sie auf eine herzliche Umarmung verzichten. Stattdessen sollten sie entschlossen auf demokratische Reformen drängen. Entwicklungshilfe wird nicht für den Privatsäckel der arabischen Clans geleistet, sondern entweder unter Aufsicht direkt in Entwicklungsprojekte geleitet oder überhaupt nicht geleistet. Der Druck auf die arabischen Denkmäler muss viel größer werden. Arafat muss sich von seinen vier miteinander konkurrierenden Sicherheitskräften verabschieden, dann abdanken und junge demokratische Kräfte ans Ruder lassen. Alle Länder der sogenannten ersten Welt dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen und Organisationen wie die UNO, der IWF und die Weltbank müssen viel energischer Reformen einfordern. Falls nichts passiert, dann gibt es auch keinen Cent für Hilfsmaßnahmen oder Kredite. Das gilt natürlich nicht nur für Palästina, sondern für den ganzen arabischen Raum. Von Syrien über Jordanien, Palästina, Saudi Arabien bis Pakistan herrscht das tiefste Mittelalter. Menschenrechte werden mit Füßen getreten, Frauen sind rechtlos und werden willkürlich vergewaltigt, ermordet und verbrannt, Bildung gibt es kaum, die Mehrheit der Menschen vegetiert in Armut und Hoffnungslosigkeit. Wer mir nicht glaubt, der sollte sich diese Länder mit eigenen Augen anschauen.

Damit komme ich zum Kleinen, zu dem, was jeder Einzelne tun kann. Wir sollten uns eine kritische Distanz zu allen Ideologien bewahren. Dabei hilft uns die vorgenannte Methode der Reflexion und Kontrolle unserer Gefühle und Gedanken.

Bedeutet das, wir sollten auf Religion verzichten? Nein, keineswegs, denn natürlich dürfen wir in die Welt der großen Meister eintauchen und auf spirituellem Wege uns die Botschaften Buddhas, Jesus, Moses, Zarathustras und Mohameds erschließen. Das muss nicht unbedingt in den Tempeln, Synagogen, Kirchen und Moscheen der Priester geschehen, sondern das kann auch in Meditation oder andächtiger Klausur im eigenen Heim erfolgen.

Die politischen Theorien der Linken und der Rechten, ganz besonders der am Rande tätigen Parteien sollten ständig auf Menschlichkeit und Ehrlichkeit überprüft werden. Und nicht zuletzt sollten wir uns einen Abstand zu unseren eigenen Gefühlen und Gedanken bewahren. Ein kleiner Trick: falls ihr einen Menschen in eurer Umgebung nicht mögt, dann versetzt euch in ihn hinein. Schlüpft für einen Tag in seine Rolle. Am nächsten Tag werdet ihr ihn lieben.



__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


AndreasGaertner
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo dubidu ...


Ein kleiner Trick: falls ihr einen Juden, einen Moslem oder einen Dicken vielleicht auch einen Glatzköpfigen in eurer Umgebung nicht mögt, dann versetzt euch in ihn hinein. Schlüpft für einen Tag in seine Rolle. Am nächsten Tag werdet ihr ihn lieben.

Gehören ein Jude, ein Moslem, ein Dicker und ein Glatzköpfiger für dich zu einer speziellen Gruppe von Leuten, die du subjektiv, als potentiell gefährdet betrachtest, nicht gemocht zu werden?

Kleiner Ratschlag:

falls du gegen Diskriminierung bist, dann zeige nicht auf deine eigene Vorstellung von Randgruppen, um bei wem ne Selbstreinigung zu versuchen ...

Viele Grüsse
Andreas

Bearbeiten/Löschen    


dubidu
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 62
Kommentare: 868
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um dubidu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Lieber Andreas,

ich stimme dir zu, den letzten Satz sollte ich etwas anders formulieren. Ich lass mir etwas einfallen. Zunächst einmal vielen Dank für den Tipp.

Gruß
gez. das dubidu
__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ganz meine Meinung.
Ein kleiner Wermutstropfen ist für meinen Geschmack in die Argumentation geraten: Wenn Dummheit der Massen (!) eine Grundlage für die Gefahr ist (und das ist sie), dann genügt es nicht, als Lösung "Selbsterkennungstraining" (ist eine EINZEL-Übung) vorzuschlagen. So funktioniert "der Mensch" nämlich nicht – unter dem Einfluss verschiedener Bedigungen (bei Materiellen angefangen über die Bildung bis hin zur um die Ohren geschlagenen Ideologie {als EIN Element, wenn auch ein mit den anderen verwobenes}) kann (und wird) diese Selbsterkenntnis durchaus auch zu den zu beobachtenden Ergebnissen führen: "Mir gehts schlecht, obwohl ich doch alles richtig mache. Also sind die andern schuld an meinem Elend." Das funktioniert auch dann, wenn sie "offizielle" Ideologie keinen Sündenbock anbietet – man sucht sich halt einen.
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

Werke: 2
Kommentare: 497
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Monfou Nouveau eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo dubidu,

dein Text hat Biss und das ist sehr gut. Die Korrektur am Schluss finde ich ausgezeichnet, denn die Aufzählung mit den Dicken und Glatzköpfigen konnte falsch verstanden werden, und warum das Risiko eingehen, zumal es nun auch stilistisch einwandfrei ist?

Mit dem "Dritten Reich" bin ich mir nie so ganz sicher in der Schreibweise: Manche schreiben es bewusst in Anführungszeichen, weil dieser Gedanke des "Dritten Reiches" wohl aus der Naziideologie stammt. Wie gesagt, das ist ein Grenzfall. Eindeutig ist es beim "Tausendjährigen Reich".

Beste Grüße

Monfou

Bearbeiten/Löschen    


dubidu
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 62
Kommentare: 868
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um dubidu eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe jon,

ja - das Dilemma ist mir bewusst; wer jemals in einem Fußballstadion war, weiß wie schwierig es ist, sich von der Kraft der Massen zu lösen. Selbsterkenntnis hilft vielleicht, sich der Massensuggestion ein wenig zu entziehen, ob es wirklich gelingen kann, bleibt zweifelhaft.

Lieber monfou,
danke für deinen Tipp. Ich habe es geändert.

Schönen Abend
gez. das dubidu
__________________
Die Tollkühnheit des Schreibers und sein spontanes Bedürfnis nach Wahrheit müssen allemal größer sein als dessen Furcht vor den Konsequenzen seiner Aussagen.
RAFAEL SELIGMANN

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Essays, Rezensionen, Kolumnen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!