Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5439
Themen:   92261
Momentan online:
394 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Kapitel 1 von Vielen
Eingestellt am 28. 03. 2005 14:53


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Beluga
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Feb 2005

Werke: 6
Kommentare: 22
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Beluga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Alle,
j├Ąhrlich verfasse ich eine Story ├╝ber unsere Reisen durch Europa. Heuer w├╝rde ich es gerne mal ganz anders machen. Ich habe mir gedacht, dass man einfach das Leben von Doris und Manfred mal erz├Ąhlen k├Ânnte, was sie so tun und was sie so treiben, wenn sie mit ihrem Boot unterwegs sind. Das 1. Kapitel hab ich versuchsweise mal gechrieben. Es w├Ąre sch├Ân Eure Meinung dar├╝ber zu h├Âren.


Kapitel 1

Es wollte sich nicht einstellen. Dieses satte Gef├╝hl der Selbstbest├Ątigung. Immerhin haben sich Doris und Manfred einen Lebenstraum erf├╝llt. Einmal die Donau bis ins Schwarze Meer fahren und auf dem Heimweg halb S├╝deuropa umrunden. Das haben sie geschafft. Sie haben eine abenteuerliche Reise hinter sich. Sie haben Sturm und Wellen getrotzt und wenn sie unterwegs einer ├╝ber den Tisch ziehen wollte, dann waren sie clever genug die Reibungshitze nicht f├╝r Nestw├Ąrme zu halten. Und trotzdem. Es wollte sich nicht einstellen.

ÔÇ×Wo willst du n├Ąchstes Jahr hin?ÔÇť wollte Manfred wissen.

Doch sie konnte es noch nicht ausdr├╝cken. Dieser veritable Gehirnfurz der ihr im Kopf herumpolterte, den konnte sie nicht aussprechen, noch nicht.

ÔÇ×Lass uns wieder nach Frankreich fahren. Lass uns all das machen, was wir dieses Jahr vermisst haben. Grillen, Bowle trinken, mit skurrilen Typen in der Wiese am Lagerfeuer sitzen, dummes Zeug reden, vielleicht endlich den Pot au feu kochen, f├╝r den wir schon zwei Jahre den Topf spazieren fahren. Einfach nur relaxen und zufrieden sein.ÔÇť

Und Manfred nickte dazu. Er hatte einen harten Winter vor sich. Das Boot war in einem erschreckenden Zustand. Genauso wie ihre Finanzen. Die lange Reise um halb Europa und die Vorbereitungen daf├╝r waren extrem teuer gewesen. Was man sich eingebrockt hat, muss man auch ausl├Âffeln. Beluga musste vom Kiel bis zum Aufbau neu lackiert werden. Die Batterien haben das st├Ąndige Geschaukel nicht ausgehalten. Sie wurden erneuert. Keiner kommt von einer Reise so zur├╝ck, wie er weggefahren ist. Auf Beluga traf das hundertprozentig zu. Bootfahren ist eine teure Schinderei.

F├╝r Doris brachte der Winter ein Wechselbad der Gef├╝hle. Sie hatte sich ernorme Arbeit gemacht und zu ihrem ├╝blichen Reisebericht eine Kurzfassung geschrieben, die sie gerne in einem Bootsmagazin ver├Âffentlicht h├Ątte. M├╝sste sich nicht Gott und die Welt f├╝r so eine abenteuerliche Reise interessieren? Ist es nicht der Traum eines jeden Bootsfahrers einmal die Donau bis ins Schwarze Meer zu fahren? Doch die Freizeitskipper bekamen keine Chance. Der Verlag lehnte das Manuskript ab, mit der Begr├╝ndung ÔÇťviel zu langÔÇť.
Das warÔÇÖs dann. Der Traum war ausgetr├Ąumt.
Es war eigentlich nur ein Zufall, dass sie im Internet eine Website mit Reiseberichten fand. Ob sie es da mal probieren sollte? Die Ver├Âffentlichung war kostenlos. Aber machte das wirklich Sinn? Wer sucht schon Reiseberichte im Web? Wenn schon ein Bootsmagazin v├Âllig desinteressiert ist, wer liest dann eine Bootsreise im Internet?
Doris hat tagelang mit sich gerungen. Den ganzen Bericht noch mal tippen. Bilder hochladen und einf├╝gen. Sollte sie wirklich so viel Zeit investieren? Sie hatte so viel anderes zu tun. Da mussten die B├╝cher f├╝r die Freunde gedruckt und gebunden werden. Aus den Erz├Ąhlungen der Freunde, die in der Karibik Bekanntschaft mit Hurrikan Ivan gemacht hatten, wollte sie eine Story machen. Und dann war da noch dieser v├Âllig neue Aspekt in beider Leben: das Baby.

Ganze V├Âlkerst├Ąmme waren schon auf der Suche nach einem System das Ordnung in etwas so Elementares wie die Zeit bringt.
Zeit ist ein Wort, das man vor sich herschiebt wie einen Schutzschild. Sie ist nicht greifbar, man kann sie nicht anfassen, nicht festhalten und doch ist sie immerfort um einen und wird abwechselnd gef├╝llt mit Langeweile, M├╝├čiggang und Hasten. Man kann sie verplempern und stehlen, kann sie einfach so vertun und sie sich nehmen. Und was gibt es nur f├╝r verschiedene Arten von Zeit? Unzeit, Freizeit, Zeitpunkt, Schulzeit, Neuzeit, Hauptzeit, Zeitgeschichte, Zeitlupe, Zeitnot, Zeitraum, Zeitgenosse, Zeitgeist, Zeitbombe. Was also ist Zeit?

F├╝r Doris waren es die Stunden, die sie mit viereckigen Augen Text in den Computer h├Ąmmerte. Warum sie das tat? Wahrscheinlich f├╝r die Best├Ątigung, etwas vollbracht zu haben, f├╝r das nicht viele den Mut aufbringen und deshalb ein bisschen neidig ├╝ber den Tellerrand schielen. Das macht ein gutes Gef├╝hl.

Und die Idee stellte sich als Volltreffer heraus. Die Resonanz auf die Berichte war umwerfend. Der Computer sprudelte E-mails voller Anfragen und Gl├╝ckw├╝nsche. Wieder verbrachte sie t├Ąglich viele Stunden vor dem Computer und es entwickelten sich viele sympathische Kontakte mit anderen Bootsfahrern.

So wurde es denn f├╝r beide ein ausgef├╝llter Winter. Sie st├╝ckelten ihre Zeit in Arbeit, Freunde besuchen und einladen, Enkelkind bet├╝tteln und warten, dass es endlich wieder Fr├╝hling wird.


Doch der Winter schien nicht aufh├Âren zu wollen. Selbst als schon lange Fr├╝hling angesagt war, waren die Tage bitterkalt. Ein eisiger Wind fegte heulend ├╝ber das Land und schien alles Lebende erstarren zu lassen.
Es war, als h├Ątte ein hasserf├╝llter D├Ąmon die ganze Welt in seinen grausamen Klauen. Wann w├╝rde die zarte Jungfrau Fr├╝hling ihn dazu verf├╝hren Erbarmen zu haben. Wann endlich nimmt das Versprechen auf W├Ąrme, neues Leben und Wiedergeburt dem Wind seine K├Ąlte und Grausamkeit und verzaubert ihn in eine leichte, laue Brise? Es sollte anhalten bis Ende M├Ąrz.

Aber immer noch flog in ihrem Kopf ein kleines Teufelchen herum, das nicht eher zufrieden war, bis es bekam, was es wollte.

ÔÇ×Was h├Ąltst du denn von Russland?ÔÇť wollte Doris wissen. ÔÇ×Von der Ostsee quer durch Russland ins Schwarze Meer, das w├Ąr doch was!?!ÔÇť

Nun, Versuchungen bek├Ąmpft man am besten mit Rheumatismus und Geldmangel. Wenigsten eines davon traf ja zu. Und die Zeit f├╝r die Vorbereitungen einer solchen Reise, die waren einfach zu knapp. Also kein mentales Aufweichbad dieses Jahr. Es blieb bei einer Tour durch Frankreich, auch wenn sie dann wieder mit einer lupenreinen Lebensmittel-Schwangerschaft nach Hause k├Ąmen.


Fortsetzung folgt.










__________________
Reiseberichte von Doris Sutter unter http://www.umdiewelt.de/Reisende/Autor-323.html


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Beluga
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Feb 2005

Werke: 6
Kommentare: 22
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Beluga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hab ich einfach eine bl├Âde ├ťberschrift gew├Ąhlt? Oder warum schauen so wenige rein und keiner gibt einen Kommentar.
Ich w├Ąre wirklich auf die Wirkung dieses 1. Kapitels gespannt.
Bis jetzt habe ich meine Reiseberichte immer in der Ich-Form gemacht. Das w├Ąre eine ganz neue Herausforderung. Wenns denn funktioniert. Also???
LG Doris
__________________
Reiseberichte von Doris Sutter unter http://www.umdiewelt.de/Reisende/Autor-323.html


Bearbeiten/Löschen    


NewDawnK
???
Registriert: Sep 2005

Werke: 156
Kommentare: 2423
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um NewDawnK eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Beluga,

Dein Text gef├Ąllt mir.

Beeindruckende SprachBilder ...
"veritable Gehirnfurz der ihr im Kopf herumpolterte"
und weise dazu ...
"Versuchungen bek├Ąmpft man am besten mit Rheumatismus und Geldmangel."

Du hast bewiesen, dass nicht nur das Verreisen sondern auch das Dar├╝ber-Schreiben-und-Lesen gro├čen Spa├č machen kann!

Allzeit gute Reise w├╝nscht
NDK

Bearbeiten/Löschen    


Beluga
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Feb 2005

Werke: 6
Kommentare: 22
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Beluga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Vielen Dank, NKD,
jetzt bin ich wirklich froh, denn diese Art ├╝ber unsere Reise zu berichten habe ich noch nie probiert. Das Buch ist jetzt fertig und ich hoffe, dass es allen unseren Bekannten gef├Ąllt.
Ich ver├Âffentliche demn├Ąchst ein Buch ├╝ber unsere Donau-Reise, wenn das ankommt, dann habe ich vielleicht Gl├╝ck und der Verlag nimmt sich auch meinen anderen Reiseberichten an, vielleicht sogar dem neuen "tour de plaisir".
Ich muss mich mal selber ein bisschen aufbauen,ich finde es n├Ąmlich ganz lustig.
Nochmal danke f├╝r deine Meinung.
Liebe Gr├╝├če
Doris
__________________
Reiseberichte von Doris Sutter unter http://www.umdiewelt.de/Reisende/Autor-323.html


Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!