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Leselupe.de > Lange Texte
Kapitel 6
Eingestellt am 29. 08. 2004 03:04


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Diana Leibacher
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2000

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6. Kapitel





Der nĂ€chste Morgen war kalt und der Boden vom Tau nass. Feya versuchte sich aus ihrer Decke zu wickeln und stellt ĂŒberrascht fest, dass Maruk seinen Arm schwer ĂŒber ihre HĂŒfte gelegt hatte. Vorsichtig bewegte sie sich unter dem durch den Schlaf schlaff gewordenen Arm, um den Priester nicht zu wecken. Als sie sich endlich befreit hatte und ihre Aufmerksamkeit der Umgebung widmete, sah sie, dass Felerian schon wach war. Er lag auf seinem Lager und sah zu ihr herĂŒber, auf seiner Brust ruhte der Kopf eines Hundes. Feya versuchte zu lĂ€cheln, doch die KĂ€lte ließ daraus eine Grimasse werden.

Der Hund sprang wie durch ein unsichtbares Zeichen auf und Felerian richtete sich ebenfalls mit seiner Decke in der Hand auf. Ohne ein Wort gab er Feya seine Decke. Sie sah ihn verdutzt an und nahm die Decke mit einem zaghaften LĂ€cheln entgegen. Zum ersten Mal konnte sie eine Emotion bei Felerian entdecken, denn er gab das LĂ€cheln andeutungsweise zurĂŒck und wandte sich langsam wieder dem Hund zu.
Das MĂ€dchen wickelte die zweite Decke um sich und sah sich unschlĂŒssig um. Schließlich trat sie neben den Elfen, der sich niedergekauert hatte und das Tier streichelte. Sie kniete sich neben den Hund, der ein leises, aber nicht minder bedrohliches Knurren ausstieß. Plötzlich aber verstummte das Tier und sah sie nur noch wachsam an. Verwundert blickte Feya zum Elfen. Dieser jedoch ließ sich nichts anmerken, noch erwiderte er ihren Blick. Resigniert zuckte das MĂ€dchen mit den Schultern und hob an zu sprechen.
„Maruk sagte mir, dass Elfen wenig sprechen, aber so still hĂ€tte ich sie nicht eingeschĂ€tzt. Man erzĂ€hlt in den Sagen, dass es ein fröhliches Volk sei!“
Als der Elf nicht antwortete, sprach sie weiter.
„Man erzĂ€hlt sich, dass sie wunderbar singen und tanzen können und..!“ der Elf unterbrach sie „... das die Menschen es niemals schaffen werden lĂ€nger als einen Herzschlag zu schweigen!“
Feya lĂ€chelte ihn an „Aber ich habe es geschafft wenigstens ein paar Worte aus euch zu herauszulocken!“
„Ja, aber nur, weil ich weiß, dass ihr Mensche niemals Ruhe gebt, wenn man euch nicht antwortet und ich dem einfach zuvor kommen wollte.“
Maruks Stimme durchbrach die kurze Stille nach den Worten des Elfen. „Nun, Elf, wenn ihr mehr ĂŒber euch erzĂ€hlen wĂŒrdet, dann wĂ€ren wir Menschen vielleicht nicht mehr so neugierig!“
Felerian wandte den Kopf zum Priester, sah ihn mit unergrĂŒndlichen Augen an und lĂ€chelte. „Wenn wir wollten, dass ihr mehr ĂŒber uns erfahrt, so hĂ€tten wir es schon lĂ€ngst getan. Ihr wisst einfach nicht wann ihr aufhören sollt zu fragen!“
Maruk richtete sich auf in eine sitzende Position und rieb sich die Augen. Dann blickte er wieder zu Felerian. „Wie dem auch sei, ich wĂ€re euch sehr dankbar, wenn ihr meine Neugierde befriedigen wĂŒrdet und mir sagtet, wohin ihr uns fĂŒhrt!“
Der Elf drehte sich nun vollends zu Maruk um, stĂŒtzte die Ellenbogen auf die Oberschenkel und verschrĂ€nkte die Arme. „Eure Neugierde wird euch noch eines Tages umbringen, aber diesmal soll es wohl noch nicht so weit sein. Warum ich euch fĂŒhre, werdet ihr von mir nicht erfahren. Da ihr nach Kerwan wollt, werde ich euch dorthin bringen!“
Feya schaltete sich wieder ins GesprĂ€ch ein. „Aber ihr mĂŒsst doch einen Grund dafĂŒr haben, ihr fĂŒhrt uns doch nicht selbstlos!“
Felerian schĂŒttelte den Kopf und blieb still. Feya sah zu Maruk, doch der seufzte nur und machte sich daran richtig wach zu werden. EnttĂ€uscht blickte sie zwischen den Beiden hin und her, doch Beide schienen völlig vom Aufbruch in Anspruch genommen zu sein.

Nachdem alles verstaut war und alle reisefertig waren, brachen sie auf. Lange Zeit sprach keiner ein Wort, selbst der Hund schien seine Stimme verloren zu haben. Der Elf fĂŒhrte sie mitten durch das Unterholz, es war kein Pfad zu erkennen und wĂ€hrend er leichtfĂŒĂŸig voranschritt, mĂŒhten sich die beiden Menschen ab. Gegen Mittag erreichten sie eine kleine Lichtung und durch den Schatten der BĂ€ume war es immer noch angenehm kĂŒhl. Feya ließ sich einfach in das GrĂŒn sinken, ohne darauf zu achten ob der Elf hier ĂŒberhaupt halt machen wollte. Maruk tat es ihr nach kurzem ĂŒberlegen gleich, sackte zusammen und streckte alle Glieder von sich.
WĂ€hrend der Elf sich weiter entfernte, sahen sich Feya und der Priester sprachlos an und schĂŒttelten den Kopf. Beide versuchten aufzustehen doch ihre Beine, besonders die FĂŒĂŸe, versagten ihnen ihren Dienst. Resigniert brachen sie alle Versuche, dem Elfen hinterher zu laufen, ab und lĂ€chelten sich an.
„Maruk! Glaubst du Felerian lĂ€sst uns hier zurĂŒck?“
Der Priester schĂŒttelte den Kopf, „Nein, das glaube ich nicht. Er hĂ€tte uns nicht gefĂŒhrt, wenn er uns hier liegen lassen wollte.“ Er zögerte kurz, „Obwohl immer noch nicht geklĂ€rt ist, warum er uns ĂŒberhaupt hilft.“
Feya zuckte mit den Schultern, „Vielleicht bringt es ihm irgendeinen Nutzen, den wir nicht erfassen können!“
„Nein, das glaube ich nicht. Ich habe noch nie von einem Elfen gehört, der regelrecht GeschĂ€fte abschließt. Ich denke eher, dass er es aus einer Laune heraus tut.“
„Aus einer Laune heraus? Wenn er also keine Lust mehr hat, dann lĂ€sst er uns liegen?“
Der Priester schĂŒttelte wiederum den Kopf, „Nein, aber ich bin mir da ja auch nicht so sicher!“ er setzte sich vorsichtig auf und massierte seine FĂŒĂŸe mit schmerzverzerrtem Gesicht. Feya wollte nicht an ihre eigenen erinnert werden und wandte den Blick ab. Suchend streiften ihre Augen durch das Unterholz.
„Feya? Wie sieht es mit deinen FĂŒĂŸen aus?“ fragte der Priester besorgt.
Sie wandte sich wieder zu ihm um und erschrak ĂŒber den Zustand seiner FĂŒĂŸe, was er mit einem gequĂ€lten LĂ€cheln quittierte. Der Priester hatte es geschafft einen seiner Stiefel auszuziehen, doch es wĂ€re besser gewesen, wenn er es nicht getan hĂ€tte. Sein Fuß war rot und geschwollen und bis die Schwellung zurĂŒckging, konnte er unmöglich den Stiefel wieder anziehen. Vorsichtig nĂ€herte Feya sich dem geschwollenen Fuß und betrachtete ihn skeptisch.
„Ich glaube meinen FĂŒĂŸen geht es wesentlich besser als den euren, Maruk!“ sie versuchte aufmunternd zu lĂ€cheln, „Ich schaue mich mal in der Umgebung um. Vielleicht finde ich einen Bach, damit ich eure FĂŒĂŸe kĂŒhlen kann.“ Sie richtete sich auf, doch der Priester hielt sie am Arm fest. „Entferne dich nicht zu weit. Du kennst dich hier nicht aus und wenn ich ehrlich bin, traue ich dem Elfen nicht!“ Sie nickte nur leicht und wandte sich dem Rand der Lichtung zu.

Feya entfernte sich langsam von der Lichtung, ihre Sinne lauschten angespannt nach dem GerĂ€usch von fließendem Wasser. Nachdem sie schon eine ganze Weile unterwegs war, glaubte sie das gesuchte gefunden zu haben und ging in die Richtung, von der sie glaubte den Bach zu hören. Die BĂ€ume gaben nach kurzer Zeit den Blick auf ein Rinnsal frei. Es war zwar kein richtiger Bach, aber es war frisches Wasser und so kauerte sie sich nieder um zu trinken. Danach riss sie aus ihrem Hemd zwei Streifen und tauchte diese ins kĂŒhle Wasser.
Plötzlich hörte sie ein seltsames GerÀusch. Ohne den Kopf zu bewegen sah sie sich um. Neben ihr stand der Elf zusammen mit dem Hund. Er hatte sich neben sie gestellt, ohne dass sie es bemerkt hatte. Wenn nicht der Hund gerÀuschvoll getrunken hÀtte, so ging es ihr durch den Kopf, hÀtte sie ihn nicht bemerkt.
Sie richtete sich verlegen lĂ€chelnd auf, rollte die nassen Leinenstreifen zusammen und sah unschlĂŒssig zu dem Elfen. Dieser sah an ihr vorbei in die Richtung in der die Lichtung sein mĂŒsste. Dann sah er auf sie herab, „Der Priester hat recht, du solltest dich nicht zu weit von der Lichtung entfernen, der Wald ist gefĂ€hrlich fĂŒr jeden, der sich darin nicht auskennt.“
Feya sah ihn nur fassungslos an. „Woher wisst ihr was Maruk zu mir sagte?“
„Ich weiß es nicht, aber ich kann es mir denken!“
Sie schĂŒttelte den Kopf und blickte ihm nach, als er sich von ihr entfernte. „Das glaube ich euch nicht!“ Er wandte sich um zu ihr und hob eine Augenbraue, „Entweder du folgst mir jetzt oder du wirst dich hier verirren!“
Feya lĂ€chelte verschlagen „Es ist noch nie vorgekommen, dass ich mich verirrt habe!“
„In der Stadt mag dies zutreffen, Menschenkind, aber hier herrschen andere Gesetze.“
„Geht nur, ich finde den Weg schon alleine zurĂŒck. Richtet Maruk aus, dass ich bald wieder da bin.“ Rief sie ihm trotzig zu. Der Elf hob daraufhin kurz die HĂ€nde, ließ sie dann aber ergeben sinken. „Wie du meinst!“ und verschwand zwischen den BĂ€umen.

Feya setzte sich wieder an das Rinnsal und dachte nach. Doch sie konnte sich nicht mehr konzentrieren, die Worte des Elfen hatten ihr zu denken gegeben. Was wÀre, wenn sie wirklich den Weg nicht mehr fÀnde? Sie sah sich verstohlen um, vielleicht war der Elf ja doch noch da. Doch sie konnte ihn nirgends entdecken. Sie trank noch ein paar Schlucke von dem Wasser und stand auf. Nachdem sie sich umgesehen hatte, um die richtige Richtung zu bestimmen, lief sie los.
Es war schon einige Zeit vergangen, als ihr auffiel, dass sie die Umgebung nicht kannte. Unsicher drehte sie sich im Kreis. Keiner der BĂ€ume kam ihr auch nur annĂ€hernd vertraut vor und die GerĂ€usche um sie herum verunsicherten sie. Hier mal ein leises Knacken, da mal ein schnell huschender Schatten in den Ästen der BĂ€ume.
Ängstlich kauerte sie sich auf den Boden und suchte ihre eigenen FusabdrĂŒcke. Als sie glaubte ihre Spur entdeckt zu haben, ging sie gebĂŒckt den Weg zurĂŒck, immer wieder nach bekannten Wegmarkierungen suchend. Sie kam nur sehr langsam voran, da ihre Angst sie jedes Mal zusammenzucken ließ wenn ein GerĂ€usch oder Schatten sie erschreckte.
Endlich stieß sie wieder auf das Rinnsal, erleichtert stiegen ihr die TrĂ€nen in die Augen und ihre Beine gaben nach. Als sie sich wieder beruhigt hatte, hörte sie die Stimme des Elfen hinter sich, „Da bist du ja! Ich dachte du hast dich schon auf den Weg gemacht, aber als du nicht kamst, wollte ich noch mal nachsehen. Der Priester wartet auf dich!“
Feya wandte sich langsam um und versuchte ihre TrĂ€nen der Erleichterung zurĂŒck zu halten. MĂŒhsam brachte sie ein „ Ich wollte gerade losgehen!“ hervor.
Felerian lĂ€chelte leicht „Möchtest du mit mir zur Lichtung gehen oder alleine?“
Feya schluckte ihre Widerworte herunter und zog eine Grimmasse „Oh, da ihr euch extra fĂŒr mich noch mal auf den Weg gemacht habt, können wir auch gemeinsam gehen!“
Der Elf machte eine einladenden Geste mit dem Arm und gemeinsam gingen sie schweigend zurĂŒck zur Lichtung.


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