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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Karins Entscheidung
Eingestellt am 29. 08. 2001 14:24


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samtess
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Diese Geschichte schrieb ich im zarten Alter von 14 Jahren im Gymnasium im Rahmen einer Deutsch-Haus├╝bung. Ehrliche Kritik ist erw├╝nscht!


KARINS ENTSCHEIDUNG


"Ich danke dir, mein Schatz. Das Essen war k├Âstlich!", schw├Ąrmte Karin, w├Ąhrend Ingmar seinen Arm um ihre Schultern legte. "F├╝r dich nur das Beste, mein Liebling!", antwortete dieser und k├╝sste sie zart auf die Stirn. Die beiden traten aus dem kleinen, romantischen Restaurant auf die Stra├če, die in diesen sp├Ąten Abendstunden kalt und verlassen schien. Die wenigen Menschen, die noch unterwegs waren, gingen eilig ihres Weges. Die weichen Strahlen des Mondes brachen sich an den Kanten der D├Ącher und tauchten die Silhouetten der H├Ąuser in ein seltsam schimmerndes Grau. Und doch war ihnen diese Umgebung so vertraut, wie kaum ein anderer Platz. Denn dies war der Ort, an dem sie sich zum ersten Mal gesehen hatten. Beide erinnerten sich noch haargenau an diesen Moment, der sie bis in die Fingerspitzen erschauern lie├č.
Pl├Âtzlich blieb Karin stehen. "Was h├Ąltst du davon, bei mir noch etwas zu trinken?", schlug sie vor und sah Ingmar dabei fragend an. Dieser l├Ąchelte und nickte stumm. Auch er hatte daran schon gedacht.
Bei Karins Wohnung angekommen, nahm er sie z├Ąrtlich in den Arm und fl├╝sterte: "Ich liebe dich!" Karin, die gerade ihren Wohnungsschl├╝ssel suchen wollte, hielt inne und wandte sich ihm zu. Ganz nahe war ihr Gesicht nun an dem seinem, und sie f├╝hlte sich so geborgen wie noch nie zuvor. Sie sank in seine kr├Ąftigen Arme, als er sie liebevoll k├╝sste. Willenlos gab sich Karin dem Geschehen hin. Als die beiden endlich voneinander ablie├čen, musste Karin erst ihre Gedanken ordnen, um sich zu erinnern, dass sie eigentlich die Wohnung aufsperren wollte.
Sie schenkte ihnen einen Cognac ein. W├Ąhrenddessen sp├╝rte sie Ingmars forschende Blicke an ihrem R├╝cken hinuntergleiten. Leise trat er von hinten an sie heran und umfasste ihre schmale Taille mit seinen H├Ąnden, die bereits vor Sehnsucht vibrierten. Wieder lie├č diese Ber├╝hrung sie erstarren. Karin drehte sich zu ihm um und blickte ihm tief in seine herrlich gr├╝nen Augen. Seine Finger begannen auf Karins zartem K├Ârper umher zu wandern, w├Ąhrend sein Mund spielerisch den ihren verf├╝hrte. Wie in Trance gab Karin jeder seiner Ber├╝hrungen nach und sank immer mehr in seine Arme. Sie vermochte gerade noch das Licht auszuschalten...


In der darauffolgenden Woche verbrachten Ingmar und Karin jede freie Minute miteinander. Sie gingen ins Kino und machten ausgedehnte Spazierg├Ąnge durch den romantisch verschneiten Winterwald. Sie alberten viel herum und an den langen, kalten Abenden sa├čen sie aneinander gekuschelt vor dem Kamin. Ingmar liebte Karin so sehr, wie er noch nie eine Frau geliebt hatte. Ihre unvergleichliche Sch├Ânheit verzauberte ihn immer wieder aufs Neue und bet├Ąubte seine Sinne. Er h├Ątte sein Leben gegeben, nur um das ihre zu bewahren.
Karin erging es ebenso. In seinen starken, aber dennoch unendlich z├Ąrtlichen Armen f├╝hlte sie tiefe Geborgenheit. Sie liebte es ihr Haupt an seine harte Brust zu schmiegen und seine markanten Gesichtsz├╝ge mit ihren zarten Fingern zu liebkosen. Nie mehr in ihrem Leben w├╝rde sie einen Mann so lieben k├Ânnen wie Ingmar und f├╝r nichts auf der Welt h├Ątte sie sich von ihm trennen wollen.


Eines Abends, sie waren nun schon seit Monaten ein P├Ąrchen, aber immer noch so verliebt wie am ersten Tag, f├╝hlte sich Karin nicht sehr gut. Ingmar beschloss mit ihr einen kleinen Spaziergang durch den Wald, den sie so sehr liebten, zu machen, um sie ein bisschen aufzumuntern.
Sei spazierten durch die dichten, von saftigen Bl├Ąttern bedeckten Str├Ąucher, redeten und lachten viel. "Du kriegst mich nicht!", schrie Karin pl├Âtzlich und lief davon. Bevor Ingmar etwas erwidern konnte, war sie schon im Dickicht verschwunden. Es blieb ihm nichts anderes ├╝brig, als ihr zu folgen. Eine Weile noch h├Ârte er ihr wunderbar herrliches Lachen und erinnerte sich an ihr bet├Ârendes, aber dennoch scheues L├Ącheln, das ihr einen Hauch von der Unschuld eines Kindes verlieh.
Pl├Âtzlich aber verstummte ihr Lachen, dass er so verg├Âtterte.
Verwirrt blieb Ingmar stehen. Was war geschehen? Angsterf├╝llt rannte er in die Richtung, aus der er es zuletzt vernommen hatte.
Er traute seinen Augen nicht, als er ├╝ber den kleinen H├╝gel gelaufen war: Am Fu├č dessen lag Karin, inmitten der gr├╝nen Farne und r├╝hrte sich nicht mehr. Ihr kastanienbraunes Haar umrahmte ihr zartes Gesicht. Ingmar wollte sie wachr├╝tteln, doch er wagte es nicht sie zu ber├╝hren, so verletzlich schien sie ihm und so gro├č war die Ehrfurcht vor ihrer Sch├Ânheit. Schlie├člich hob er sie auf und lief, mit ihr in den Armen, so schnell er konnte, zum n├Ąchsten Wohnhaus. Von dort aus verst├Ąndigte er den Notarzt, der sie sofort ins Krankenhaus brachte. W├Ąhrend der ganzen Fahrt hielt Ingmar ihre Hand, und er wich auch im Krankenhaus keine Schritt von ihrer Seite. Immer wieder kamen ├ärzte, die sie untersuchten und sich dann mit den Professoren unterhielten. Sie verbreiteten eine merkw├╝rdig ├Ąngstliche Stimmung. Ingmar wusste nicht so recht, was er denn nun denken sollte.
Karin wachte die ganze Nacht nicht aus ihrer Bewusstlosigkeit auf, doch Ingmar blieb die ganze Zeit ├╝ber bei ihr. Keine einzige Sekunde wollte er ihre Hand loslassen und von ihr weichen, aus Angst, er k├Ânnte den Moment vers├Ąumen, in dem sie ihre wunderbaren, rehbraunen Augen wieder ├Âffnete.
Am sp├Ąten Vormittag des darauffolgenden Tages erwachte Karin wieder, aber sie f├╝hlte sich schwach und war noch benommen von den zahlreichen Injektionen, die sie in der Nacht davor verabreicht bekommen hatte.
Um die Mittagszeit betrat der behandelnde Arzt das Zimmer. "Wie sieht es aus, Doktor? Was fehlt meiner G├Âttin?", fragte Ingmar. "G├Âttin", so nannte er sie immer, und sie hatte auch jetzt kein bisschen ihrer Sch├Ânheit eingeb├╝├čt.
"Ich f├╝rchte, ich habe schlimme Nachrichten f├╝r Sie beide", erwiderte der Arzt. "Warum?", forschte Ingmar weiter. Der Arzt z├Âgerte. Dann sprach er es offen aus: "Ihre Freundin hat einen Gehirntumor."
Ingmar wusste nicht, was er nun tun sollte. Sollte er weinen, oder doch St├Ąrke zeigen? Wortlos setzte er sich zu Karin ans Bett und fasste ihre Hand, fester als je zuvor. Karin sp├╝rte den Schmerz nicht, zu tief sa├č ihr der Schock in den Gliedern. Ingmar h├Ątte gerne etwas gesagt, h├Ątte sie tr├Âsten wollen, aber er wusste nicht wie.
"Das ist aber noch nicht alles.", setzte der Arzt fort, der trotz der ernsten Miene und seines wei├čen Kittels eine freundliche, mitf├╝hlende Stimmung verbreitete. "Sie sind schwanger, mein Fr├Ąulein." Nun war es mit Ingmar endg├╝ltig vorbei. Es sank zur├╝ck in seinen Sessel und starrte ausdruckslos vor sich hin.
Karin fasste sich als erste und fragte: "Was genau bedeutet das alles f├╝r mich?" "Nun,", begann der Doktor, "Ihr Gehirntumor ist schon sehr weit fortgeschritten. Er ist zu gro├č f├╝r eine Operation, die dringend notwendig w├Ąre. Wir m├╝ssten sein Wachstum durch Bestrahlungen stoppen. Das lie├če ihn auf eine operable Gr├Â├če schrumpfen. Diese Art von Strahlen w├╝rden aber ihr Kind schwerst sch├Ądigen und unter Umst├Ąnden sogar t├Âten. Wenn wir die Therapie aber nicht durchf├╝hren, bedeutet das f├╝r Sie den Tod. Sie m├╝ssen sich also entscheiden: Ihr Leben, oder das Ihres Kindes."
Nach diesen Worten verlie├č der Arzt den Raum. Leere und Stille blieben zur├╝ck. Ingmar starrte noch immer vor sich hin. Er wollte es einfach nicht glauben. Seine geliebte G├Âttin w├╝rde ihm genommen werden! Der Gedanke daran war unertr├Ąglich.
Langsam erwachte er wieder aus seiner Starre und blickte Karin lange und tief in die Augen. Noch nie hatte er diesen schmerzerf├╝llten Ausdruck in ihnen gesehen. Er wollte sie behutsam in seine Arme schlie├čen, sie aber klammerte sich an ihn. Sie war ihm so nah, und doch f├╝hlte sie sich so allein.
Karin brach in Tr├Ąnen aus. Wie gro├če, gl├Ąnzende Perlen rannen sie ├╝ber ihr blasses Gesicht. Ingmar weinte mit ihr. Es war das erste Mal in seinem Leben, dass er so bitterlich weinte. Nach einer Weile lie├čen sie voneinander ab und Karin sagte: "Wir haben eine Entscheidung zu treffen."
Sie redeten den ganzen Tag und die halbe Nacht lang, diskutierten alle m├Âglichen Mittel und Wege, und immer wieder flehte Ingmar sie an, sie m├Âge sich doch f├╝r ihr Leben entscheiden und an ihre gemeinsame Zukunft denken. Nach dem langen, ersch├Âpfenden Reden, das sie manchmal beinahe verzweifeln lie├č, schliefen die beiden m├╝de nebeneinander ein.
Am Vormittag des n├Ąchsten Tages kam derselbe Arzt wiederum in ihr Zimmer. "Wie geht es Ihnen?", begann er. "Besser.", antwortete Karin. "Ich will Sie nicht dr├Ąngen, junge Frau, aber diese Entscheidung ist wirklich sehr dringend. Es mangelt uns an Zeit. Nun, haben Sie sich entschieden?" "Ja, das habe ich.", antwortete Karin. "Und, wie lautet Ihr Beschluss?" Karin z├Âgerte, doch dann fasste sie sich ein Herz: "Ich will, dass mein Kind lebt!"
Nun war es endg├╝ltig beschlossen. Karin wollte durch ihr Sterben ihrem Kind das Leben schenken. Ingmar konnte das nur schwer akzeptieren. Er konnte sich mit der Vorstellung nicht vertraut machen, sie nie mehr in seinen Armen halten zu k├Ânnen.


Die Zeit verstrich wie im Fluge. Der Geburtstermin r├╝ckte immer n├Ąher und Karins Zustand verschlechterte sich zusehends. Allen war bewusst, dass sie bald zu schwach sein w├╝rde, um ihrer Krankheit stand halten zu k├Ânnen. Auch Ingmar sah das ein. Er wollte immer noch nicht verstehen, warum seinem Schatz das alles passieren musste. Zeitweilens tr├Âstete er sich mit dem Gedanken, dass ihn doch das Kind immer an sie erinnern w├╝rde.


Eines Abends sa├č er wieder bei ihr am Bett und hielt ihre Hand. Pl├Âtzlich kr├╝mmte sie sich zusammen. Er rief sofort einen Arzt. Die Wehen hatten eingesetzt und Karin wurde in den Krei├čsaal gebracht. Ihr Zustand war sehr kritisch, doch sie stand die Schmerzen tapfer durch. Ingmar wich die ganze Zeit ├╝ber nicht von ihrer Seite. Er dr├╝ckte immer wieder ihre Hand fester und forderte sie auf durchzuhalten.
Die Geburt zog sich endlos lange hin. Karin wurde immer schw├Ącher. Lange w├╝rde sie diese Belastung nicht mehr aushalten, das war allen klar, aber keiner wagte es, ein Wort der Verzweiflung auszusprechen, das die Situation hoffnungslos erscheinen lie├č.
Karin war trotz ihrer schweren Krankheit noch stark genug. Sie gebar Ingmar ein wundersch├Ânes T├Âchterlein. Das Baby glich ihr bis aufs Haar: Die selben dunklen Augen, die selben zarten Gesichtsz├╝ge und auch das selbe dunkle Haar.
Die Hebamme legte der schwachen Karin ihre Tochter in den Arm und wich zur├╝ck. Sie wollte das junge Gl├╝ck alleine lassen, solange es noch bestand.
Ersch├Âpft ├Âffnete Karin ihre Augen einen schmalen Spalt und blickte ihr T├Âchterlein an.
Ingmar war ├╝berw├Ąltigt. Er l├Ąchelte entz├╝ckt. Karin blickte zu ihm auf, dann wandte sie ihren Blick wieder dem Kind zu, das friedlich und ruhig auf ihrer Brust schlummerte. Ingmar hoffte auf ein letztes L├Ącheln von Karin, das er so liebte. Und Karin l├Ąchelte.
"Mein kleiner Schatz.", sagte sie leise. Dann schloss sie ihre Augen und ├╝berlie├č sich ihrem Schicksal.
Sie hatte ihre Aufgabe erf├╝llt.

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Star
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Sorry

aber schnulzig hoch drei, f├╝r mich kaum zu ertragen. aber f├╝r 14 guter Stil, jedoch weiter ausbauen w├Ąre n├Âtig. z.B. zu viele Sprachh├╝lsen in der Beschreibung der Natur, die ja die Idylle unterstreichen soll. Und ich versteh nicht so ganz, warum sich die beiden nun eigentlich lieben? Wegen ihrer Sch├Ânheit? Das ist f├╝r mich kein trieftiger Grund.

Ich hoffe mal, du hast seit deiner Teenagerzeit das Schreiben nicht aufgegeben, und hast einen eigenen pers├Ânlichen Stil entwickelt, denn Potenzial scheint da zu sein.

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flammarion
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ja,

eine zuckers├╝├če schnulze, wie ich sie liebe. um sie abzurunden, fehlt nur noch, da├č der tumor sich selbst geheilt hat. bin gespannt darauf, mehr von dir zu lesen. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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samtess
Guest
Registriert: Not Yet

ebenfalls sorry

Danke f├╝r euer Feedback, Leute!

Aber um mich zu verteidigen: Diese Geschichte entstand im Rahmen einer Deutsch Haus├╝bung, und zwar als Fortsetzung eines furchtbar schnulzigen Trivialromans. Deswegen ist sie so geworden, wie sie jetzt ist. F├╝r meinen Geschmack auch etwas zu trivial, dennoch gut gelungen.

Leider habe ich aufgrund meines derzeitigen Studiums (Physiotherapie) fast keine Zeit mehr zu schreiben und, ich denke auch, kein Talent mehr.
Irgendwie tut mir das sehr leid, denn dieses Studium ist doch sehr LOGISCH und da bleibt kein Platz mehr f├╝r Phantasie und Poesie.
Ich hoffe, aber dass das wiederkommt.

Dass ich Potential habe, haben mir schon viele Leute gesagt, gerade deswegen w├╝rde ich gerne weiterschreiben und entdecken, was in mir steckt, deswegen danke ich euch sehr herzlich f├╝r die Verbesserungsvorschl├Ąge.

Es gr├╝├čt

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flammarion
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ja,

unbedingt weiterschreiben, und wenn es "nur" tagebuch ist! ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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