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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Karriereknick
Eingestellt am 25. 05. 2007 18:12


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Allina
AutorenanwÀrter
Registriert: Jul 2005

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Wieder mal unterwegs. 3er-Reihe im Flieger – ich habe den Fensterplatz. Ausnahmsweise Economy. Die Maschine fĂŒllt sich. Aha – meine Nachbarn? Ja, Vater und Töchterchen. Vater verstaut das HandgepĂ€ck routiniert. Töchterchen neben mir, Vater am Gang.

Sympathisch der Mann, um die 40 wahrscheinlich, mit Schnurrbart. Sein Blick hat mir gefallen, sanft. Beide sind ruhig, sprechen leise. Latinos? Reden mal Englisch mal Spanisch. Etwas gespannte Aufmerksamkeit nehme ich bei dem ca. 12jÀhrigen MÀdchen wahr. Auch Freude in ihren Augen. Nach kurzer Erkundung des Sitzplatzkomforts schaut sie immer wieder zum Fenster, hat auch mich gelegentlich verstohlen im Augenwinkel.

Nette Gesellschaft, vermute ich, jedenfalls fĂŒr 9 Stunden. Ich habe ein gutes GefĂŒhl, beschließe zu entspannen und zu schlafen, will auf keinen Fall das Laptop rausholen. Heute nicht, habe Ruhe verdient.

Das MĂ€dchen ergreift die Hand des Vaters: Du wolltest mir doch die Geschichte weiter erzĂ€hlen. Der Vater lĂ€chelt seine Tochter an: Ja, wenn wir fliegen – und wenn wir gegessen haben.

Geschichte... wird er ihr wirklich eine Geschichte erzÀhlen? Ich mag nicht in die Gesichter meiner Nachbar starren, aber ist das so ein Vater, von denen es nur selten welche gibt? Einer wie mein Vater, aus dessen Mund Geschichten der Mischung HerzenswÀrme und Phantasie sprudeln können? Niemand konnte Geschichten erfinden und erzÀhlen wie mein Vater.

Tochter und Vater verfolgen das Schauspiel der Besetzung des Flugzeugs, wie geschicktes Personal ungeschickten Reisenden freundlich zur Hand geht. Kein gelangweilter oder nervöser Griff der beiden zu dummen Zeitschriften.

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„Ist die Geschichte wirklich wahr? Hat Don Felipe sie wirklich selbst erlebt?“

„Ja, sie ist wahr.“

„Dann war Don Felipe ein Zauberer. Und ich glaube nicht, daß es Zauberer gibt.“

„Ein Zauberer ist ein Mensch, der die Natur und ihrer Regeln besser kennt als andere Menschen. Er sieht anders, hört anders, fĂŒhlt anders. Ein Zauberer kann mir der Haut sehen, mit den FĂŒĂŸen hören, mit den Augen fĂŒhlen. Und er kann Gedanken der Menschen wahrnehmen und die Absicht wilder Tiere ahnen.“

Ich wache auf. Hatte mir zum Dinner einen Wein bestellt, war danach eingepennt und habe die Geschichte verpaßt.

„Du mußt selbst eine Zauberin werden“, hörte ich noch. „das weißt du“.

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Im Flugzeug ist die Schlafbeleuchtung eingeschaltet, als ich wieder aus einer tiefen Schlummerphase auftauche. Dieses Mal habe ich lĂ€nger geschlafen, es mĂŒssen Stunden gewesen sein. Mariola ist offenbar schlafend zur Seite gekippt und hat ihren Kopf auf meinen Schoß gebettet. TrĂ€ume ich?

Ich checke die Situation. Eigentlich mĂŒĂŸte ich mal aufs Klo. Ich brings nicht ĂŒber mich, das Kind zu wecken. Auch ihr Vater ist offenbar in tiefen Schlaf gefallen. Hat Mariola mein Bewußtwerden bemerkt? Sie wendet ihren Kopf und reißt die Augen auf. Ich lege meine HĂ€nde auf ihr Haar. „Schlaf weiter“, flĂŒstere ich, „Es ist o.k. so.“ Und sie schließt ihre Augen und schlĂ€ft tatsĂ€chlich weiter...

...und dann steigen TrĂ€nen in meine Augen. Mein Gott, so fĂŒhlt sich das an, wenn man ein Kind hat. Und ich habe meine Arbeit, meinen Erfolg, mein Selbstbewußtsein in diesem Scheiß verankert, den man Karriere nennt. Ich habe kein Kind, nicht einmal einen Partner, den ich wirklich liebe. Ich hĂ€tte schluchzen können, aber dann wĂ€re sie aufgewacht. Nein, meine TrĂ€nen rollen einfach.

Ich hĂŒte den Schlaf des MĂ€dchens. Und fĂŒr Minuten, schließlich fĂŒr mehr als eine Stunde bin ich so etwas wie eine Mutter, der sich ihr Kind im Schlafe anvertraut.

FĂŒr Mariolas Vater ist es gar nicht so ĂŒberraschend, wie er seine Tochter vorfindet. Ich versichere ihm ĂŒberzeugend, fĂŒr mich sei das trĂ€umende MĂ€dchen keinesfalls eine Last. LĂ€chelnd, wie selbstverstĂ€ndlich, glaubt er mir.

Als nach der kurzen West-Ost-Nacht das FrĂŒhstĂŒck ausgeteilt wird, erzĂ€hlen wir ein bißchen. Er ist Wissenschaftler, irgendwo treffen sich sogar fast unsere Fachbereiche, wir kennen einige Leute gemeinsam. Kolumbien sei kein Land fĂŒr seine Tochter, und Mariolas Mutter lebe mit einem anderen Mann. Und Mariola sei tagsĂŒber bei einer deutschen Familie.

Ab FRA schlagen wir verschiedene Richtungen ein. Eine freundliches Lebewohl, das soll es dann wohl gewesen sein.

Noch 3 Stunden zum Anschlußflug, streife ich ziellos durch die Shoppingbereiche. Ich kriegs nicht aus dem Kopf: „Habe ich hier DIE Chance vertan? Als Frau dieses liebevollen Vaters und Mutter einer kleinen Zauberin?“ In meiner Phantasie ĂŒberschlagen sich Bilder.

Ganz nach innen gekehrt mein Blick – fast hĂ€tte ich Mariola ĂŒbersehen. Sie rennt auf mich zu, bleibt 10 Schritte vor mir verlegen stehe. Dahinter ihr Vater - wie er so nett lĂ€chelt. Ich lasse meinen Rolli los und öffne meine Arme. Ich darf die kleine Zauberin in meine Arme schließen, drĂŒcke dieses dĂŒnne MĂ€dchen noch einmal an mich.

Als ich mich schließlich umdrehe, scheinbar meinem Weg durchs Terminal folgend, weine ich. Um mein albernes Leben, das anderen so imponiert.

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Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

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Hallo Allina,

gute Idee irgendwie nicht ganz ĂŒberzeugend ausgearbeitet. Insgesamt eine gute Sprache, leider rutschen aus dem BildungsbĂŒrgertum gelegentlich KraftausdrĂŒcke, deren Sinn sich an der Stelle, an der sie eingesetzt werden, nicht ganz erschließt.

Da ich kein Experte bin, dies als kurzes Fazit.

Liebe GrĂŒĂŸe

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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