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Leselupe.de > Kurzprosa
Kasper hält sich einen Hund
Eingestellt am 11. 07. 2005 09:57


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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

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Ja, liebe Kinder, vielleicht habt ihr es auch schon einmal erlebt: ein Mensch, ein fremder, eilt durch die Straßen, und hinter ihm eilen einige andere her. Der erstere schaut sich hin und wieder um, als hege er bestimmte Befürchtungen. Dann springt der fremde Mensch in letzter Minute in einen Hauseingang und – weg ist er. Die unfremden Menschen bleiben stehen, schauen sich verdutzt an, schimpfen ein bißchen, heben vielleicht auch die Hand. Und gehen ihrer Wege, als wäre ihnen das Gefühl für Eile plötzlich ganz gründlich abhanden gekommen.

Kasper beobachtete solcherart Eilereien mehrmals in seinem Kiez. Hin und wieder stellte er den Nacheilenden ein Bein oder schob ihnen eine Mülltonne in den Weg. Einmal rief er gar die Polizei. Aber als die Freunde und Helfer nach einer langen Weile ohne Eile auf recht vertrauenverschreckend-bedächtige Art in ihrem Dienstfahrzeug dahergerollt kamen und seiner angesichtig wurden, vermeinten sie, er sei ihre neue Aufgabe. Sie schalteten ihr Leviathans-Horn ein und begannen, eilends hinter ihm herzurasen. Natürlich bewegte sie ein kleiner und doch schnell gefaßter Amtsirrtum, aber wie soll man solchen rennenderweise und gegen den fröhlichen Schall des Hornes aufklären?
Immerhin: beim Davoneilen vor den amtsirrenden Polizisten kam Kasper eine Idee. Und zwar genau in dem Moment, als er leichtfüßig über einen großen Kampfhund setzte, der ihn versuchte zu rapportieren, obwohl des Besitzer Kasper nicht weg-, sondern immer wieder nur verworfen hatte.
Hunde, ging es Kasper durch den Kopf, Hunde jagt keiner.

Bei der nächsten Eilerei zog Kasper den zuvörderst eilenden Menschen, kurz bevor es den ereilte, in einen Hauseingang. Er ließ die Nacheilenden vorüber geilen, legte dem leicht aus der Luft und dem Glauben an Vernunft und Lebenssinn gekommenen fremden Jungen die Hand auf die Schulter, und machte einen Vorschlag: Kein Mann, ein Wort: ein Kasper, ein Hund!

Der enteilte fremde Junge begriff schnell. Er lachte, er bog sich vor Lachen, wäre er nicht schon gelb gewesen, so hätte er es vor Lachen werden müssen. Für einen Moment vergaß er alle Eilereien seines aufregenden jungen Lebens, so amüsierte er sich. Er als Hund!
Aber unsere Zeit ist eine Eilige! Also nahm sich Kasper ein Beispiel an ihr, eilte davon, kam zurück mit einer Hundeleine.
Der Enteilte legte sich das Halsband um, ließ sich auf alle Viere nieder. Welche Chance blieb ihm?

Stolz führte Kasper sein neues Haustier durch die Straßen. Er war sich sicher: einem Hund werde keine Glatze und kein Schwanz hinterhereilen, höchstens des Hundes eig’ner. Denn an einem Hund stört sich niemand. Einen Hund quält keiner oder zündet ihn an, erschlägt ihn, ersäuft ihn. Ein Hund löst also keine Eile aus, sondern das Gegenteil: ein Hund bewirkt den gesellschaftlichen Ausgleich, den inneren Frieden, die allseitige Harmonie. Er vermittelt ein Gefühl von Sicherheit, Wachsamkeit, Treue, Ergebenheit, Zufriedenheit. Ein gelegentliches Bellen, ein unterwürfiges Schwanzwedeln reicht für solcherart positive Vibrations. Ein Hund wird wie unsersgleichen gesehen, quasi wie ein Mitmensch, aber ein nützlicher, ein wertvoller...
Und: so schwierig dürften die weiteren Probleme nicht sein. Wenn er immer brav die Hundesteuer zahlte, hätte der Amtswolf keinen Anlaß zum Reißen.

An der nächsten Ecke grüßten zwei Polizisten. Nahmen Kasper die Leine ab, drehten ihm und seinem Hund die Pfoten auf den Rücken, und fuhren beide zur Fütterung in ihr Dienstgebäude.

Die Leine bekam Kasper nicht zurück. Den Enteilten sah er auch nicht wieder. Wahrscheinlich wurde der nicht als, aber wie ein Hund, an einer kurzen Kette nämlich und mit ein klein bißchen Futter im Napf, in ein asiatisches Heimatland, wo Hunde eine Delikatesse sind, überführt.

Also hielt sich Kasper einen Hund, obwohl er sonst für Hunde nicht viel übrig hatte.

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo penelopeia,
das ist die erste kaspergeschichte, die
mir von der idee her gefällt. ehrlich gesagt
finde ich diesen charakter ansonsten ganz
fürchterlich.

aber auch hier musste ich zweimal lesen.
zum einen der anfang: die problematik wird nicht
recht klar. zwar scheint es kaspers eigentümlich-
keit zu sein, sich etwas unständlich auszudrücken,
aber dieses hinterherrennen ist so allgemein
beschrieben, dass man erst am schluss kapiert, welche
art "fremder" hier eigentlich gemeint ist.
ganz logisch ist die sache auch nicht: handelt es
sich vorher um einen von rechtsradikalen verfolgten
(ja? ist dem so?), scheint es später ein abgeschobener
flüchtling o.ä. zu sein, der wieder in sein heimatland
geflogen wird. oder steht das verfolgen ganz allgemein
für den schwelenden rassismus in der gesellschaft?

und warum wird kasper von der polizei verfolgt, wenn
er sie ruft? den teil finde ich übertrieben, obwohl
ich nicht auf einschlägige erfahrungen zurückgreifen
kann. oder ist es bloß rhetorisch gemeint?

quote:
Hunde, ging es Kasper durch den Kopf, Hunde jagt keiner.
ab hier wird die geschichte für mich vom aufbau und
der handlung her logisch.
die vorherigen teile sind mir zu abgedreht, bzw.
nicht einleuchtend, was ich schade finde, da mir der
politische appell gefällt. auch der tabubruch, den du
ja in gewisser weise begehst, kommt gut an. manchmal
schadet die holzhammermethode ja nicht.
ich hoffe, ich konnte meine kritik verständlich
formulieren. es ist schwer, wenn man eigentlich nicht
ganz mitkommt.
lg, denschie

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Penelopeia
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2002

Werke: 149
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fürchterlicher Charakter

Hallo Denschie,

danke für deinen Eindruck. Ich stimme dir zu: Kasper ist wirklich ein fürchterlicher Charakter, oder Typ, je nachdem. Ruft er die Polizei, fixiert diese ihre Aktivitäten sofort auf ihn - er ist die reine Provokation, ein Störfall, der nicht ins gesellschaftliche Bild passt. Dummerweise ist er ziemlich renitent und kaum korrumpierbar.

Du schreibst, Kasper drücke sich umständlich aus. Das ist ein Lesefehler. Kasper sagt im gesamten Text selbst nichts. Das Element der wörtlichen Rede fehlt. Dein Eindruck nährt sich, wenn schon, so aus meiner u.U. leicht ausholenden bis schwer umständlichen - genauer: schwere Umstände beschreibenden - Ausdrucksweise. Die allerdings entsteht wesentlich aus dem Nachvollzug eines literarischen Vorbildes, ich habe wenig Hoffnung, dass es manche Leser erkennen, solche Texte scheinen heute nicht mehr gelesen zu werden. Fortführen werde ich die "Kasperei" trotzdem noch ein Stückel - für mich.
Auch wenn der überwiegende Teil der Leser den Charakter genauso fürchterlich findet wie du: was den Beifall vieler findet, hat mir seit je zu denken gegeben...

P.

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