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Leselupe.de > Kindergeschichten
Kassandra
Eingestellt am 18. 06. 2002 16:08


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MĂ€rchentante
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AllmĂ€hlich neigte der Sommer sich seinem Ende zu. Die Felder waren abgeerntet und das Laub der BĂ€ume fĂ€rbte sich bunt. Die ersten Singvögel sammelten sich, um in den warmen SĂŒden aufzubrechen.Die Störche waren schon dorthin unterwegs, und in der Nacht hörte man die WildgĂ€nse rufen, die auch einen weiten Weg vor sich hatten. Die Sonne hatte noch nicht ihre ganze Kraft verloren und schien mild vom blauen Himmel. Doch in der Nacht wurde es schon empfindlich kĂŒhl, und frĂŒh morgens waren Wiesen, BĂ€ume und StrĂ€ucher von Rauhreif ĂŒberzogen. Viele kunstvoll gewebte Spinnennetze zierten die StrĂ€ucher und glitzerten in der Morgensonne, wie aneinandergereihte Diamanten. Viele Tiere in Wald und Feld fingen an, sich VorrĂ€te fĂŒr den langen Winter zuzulegen, so auch eine Feldmausfamilie.

Alle mußten mit anfassen, denn so eine MĂ€usefamilie war groß und der Winter konnte bitterkalt und sehr lang werden vor allem, wenn nicht genug zu essen fĂŒr alle da war.
Selbst die Kleinsten sammelten fleißig mit, auch wenn ihnen das Spielen und Umhertollen besser gefiel. "Ihr habt im Winter noch genug Zeit zum Spielen," sagte ihre Mutter immer, "die VorrĂ€te sind fĂŒr uns alle ĂŒberlebenswichtig." Und so sammelten sie unermĂŒdlich Körner, NĂŒsse und SĂ€mereien fĂŒr ihre Vorratskammern tief unten in der Erde.

Am Abend, wenn die Arbeit getan war,saßen dann alle zusammen und machten es sich gemĂŒtlich. Besonders kuschelig wurde es jedes Mal, wenn es draußen so richtig stĂŒrmte.
So war es auch an diesem Abend. Schon am Morgen sah man, dass das Wetter umschlug. Draußen wurde es zusehends grauer, Wolkenfetzen jagten ĂŒber den Himmel und die Sonne ließ sich kaum noch sehen.

Wo die Großmutter nur blieb? Sie war die einzige, die an diesem Abend noch fehlte. Die Kinder liebten sie ĂŒber alles, denn sie war nicht nur eine liebe Oma, sondern sie konnte auch wunderbare Geschichten erzĂ€hlen. Nie ließ sie sich lange von den Kleinen bitten und auch die Erwachsenen hörten ihr gern zu.

Plötzlich hörten sie ein GerĂ€usch im Gang. Das mußte sie sein. TatsĂ€chlich, doch wie sah sie aus? Pitschnaß war sie und machte einen abgehetzten Eindruck. Die Erwachsenen wollten wissen was passiert war, doch sie sagte leichthin: "Och, eigentlich nichts, habe nur auf dem RĂŒckweg fĂŒr morgen einige Leckereien fĂŒr unsere Vorratskammern aufgestöbert als es anfing zu regnen. Auf dem RĂŒckweg lief ich einem unserer Ă€rgsten Feinde, einer elenden Katze fast in die Arme. Mann, bin ich vielleicht geflitzt, habe einen Umweg gemacht damit sie nicht herausbekommt, wo wir wohnen." Nun schĂŒttelte sie ihr Fell, dass die Wassertropfen nur so flogen und setzte sich in die Mitte der Familie, die sich von dem anfĂ€nglichen Schrecken wieder erholt hatte.
"Dann hast du ja ein richtiges Abenteuer erlebt,"rief eine der kleinen MĂ€use." "Das stimmt," sagte die Großmutter," doch habe ich euch schon mal von dem grĂ¶ĂŸten Abenteuer meines Lebens erzĂ€hlt?" Und wĂ€hrend sie mit ihrer Geschichte anfing, wurde es ganz still und alle hingen wie gebannt an ihren Lippen.

Es war vor langer Zeit, eure Eltern waren ungefÀhr so alt wie ihr heute, da hat sich etwas ungeheures ereignet, ein Abenteuer, von dem noch lange gesprochen werden sollte.

Alle Mitglieder unserer Familie waren den ganzen Sommer und Herbst ĂŒber damit beschĂ€ftigt, VorrĂ€te zu sammeln und ihr wißt, wieviel Arbeit das bedeutet, wenn die Familie so groß ist wie unsere.Alle wollen tĂ€glich satt werden und wenn der Winter lang und streng ist, kann es mit dem Essen manchmal ganz schön knapp werden, denn wie soll man mitten im Winter an Essbares kommen, es wĂ€chst ja nichts in der hart gefrorenen Erde.

Eines Tages, der Winter wollte einfach kein Ende nehmen, tagte der Familienrat. Die Kontrolle der VorrĂ€te hatte ergeben, dass sie nicht mehr allzu lange reichen wĂŒrden, um alle satt zu machen. Dieser Winter dauerte jetzt schon sehr lange.Eigentlich mĂŒĂŸte er dem FrĂŒhling weichen, doch es tat sich nichts. Am Tage schien die Sonne manchmal schön warm vom Himmel, aber die NĂ€chte waren noch bitterkalt und es fror wirklich schlimm, das könnt ihr mir glauben. FĂŒr ein paar Tage waren die Mahlzeiten noch gesichert, aber was kam dann? Sollte der Winter tatsĂ€chlich noch lange dauern, kĂ€me eine Hungersnot auf uns zu.

Plötzlich erinnerte ich mich daran, dass es in unserer NĂ€he ein Menschenhaus gab. Zu diesem Haus gehörte auch ein großer Garten, in dem ein Vogelhaus stand.Dort fĂŒtterten sie den ganzen Winter ĂŒber die Vögel, die im Herbst nicht in den SĂŒden zogen. Schon oft hatte ich das beobachten können, wenn ich an klaren Tagen gelegentlich um den Bau lief um zu sehen, wie weit es mit dem FrĂŒhling war. Also, mußten die Menschen doch auch irgendwo einen Vorrat fĂŒr die Vögel angelegt haben, denn sie fĂŒllten tĂ€glich das Futterhaus auf. Einmal wagte ich mich aus meinem sicheren Versteck und rannte so schnell ich konnte zum Futterplatz. Dort lagen tatsĂ€chlich Köstlichkeiten wie Kerne von Sonnenblumen, mit Fett umhĂŒllte NĂŒsse und derlei mehr auf dem Boden unter dem Vogelhaus und wartete nur darauf, eingesammelt zu werden. Wenn die Vögel zu ihrem Futterplatz kamen, ging es meisst hoch her und so kam es, dass so manch Leckeres zu unserem GlĂŒck auf die Erde fiel. Haben die ein Leben, dachte ich, tun nichts, legen keine VorrĂ€te an und werden so köstlich verpflegt.
Schnell sammelte ich so viel ich tragen konnte und rannte wieder zurĂŒck, denn ich mußte mich vor den Katzen der Nachbarschaft in acht nehmen, die stĂ€ndig irgendwo herumlungerten.
Die Familie staunte nicht schlecht, als ich ihnen meine SchĂ€tze zeigte, und jeder durfte mal davon kosten.Ja, wenn wir so etwas alle Tage haben könnten bis der Winter sich verabschieden wĂŒrde, gĂ€be es keine Not.

Nun galt es herauszufinden, wo die Menschen die VorrĂ€te lagerten. Man könnte dann mit mehreren losrennen und so viel an einem Tag sammeln, dass man ĂŒber die nĂ€chste Zeit kĂ€me. Diese Aussicht war natĂŒrlich sehr erfreulich. Da ich ja nun den Weg zu dem Menschenhaus kannte, schlug ich vor, dass ich selbst den Vorratsplatz am nĂ€chsten Tag suchen sollte.

Nach der Morgenmahlzeit machte ich mich also auf den Weg. Vorsichtig lugte ich um alle Ecken und hielt Ausschau nach unseren Feinden, den Katzen. Es war ein klarer, eisiger Wintertag. Der bitterkalte Wind zerzauste mein Fell und ich hatte das GefĂŒhl, als wĂŒrden meine Pfoten am Boden festfrieren."Jetzt bloß schnell die VorrĂ€te finden und dann zurĂŒck ins warme Heim," dachte ich und rannte los.


Ich inzpizierte jede Ecke auf dem GrundstĂŒck, doch ich fand nichts. Zuletzt untersuchte ich einen kleinen Schuppen neben dem Haus. Schon wollte ich aufgeben, da hörte ich plötzlich Schritte nĂ€her kommen. Oh je, was nun? Schnell versteckte ich mich unter einem Holzstoß und sah, wie dieser Mensch genau auf mich zu kam.Mir stockte der Atem. Kurz vor mir blieb er stehen, drehte sich zu einem der Regale um, nahm einen Eimer und eine kleine Schaufel herunter und ging dann zum Vogelhaus. Ja, was meint ihr wohl? Richtig, er fĂŒllte es mit Futter auf. Ich wußte jetzt Bescheid, im Eimer waren also die Leckereien. Wir wĂŒrden uns hier morgen unseren Nachschub holen und dann könnte der Winter bleiben, solange er will.
Vorher aber mußte ich noch einen Weg finden, wie wir auf das Regal und in den Eimer gelangen konnten. Das dĂŒrfte nicht allzu schwer sein, man mĂŒĂŸte sich nur etwas einfallen lassen.

Als der Mensch mit dem Eimer zurĂŒckgekehrt war, stellte er ihn wieder ins Regal,die kleine Schaufel daneben und ging ins Haus zurĂŒck.
Nun kam mir eine Idee. Man mĂŒĂŸte sich an den Regalen hoch hangeln, ĂŒber die vielen Dinge die dort herumlagen springen, und auf die Schaufel klettern. Von dort aus war es dann nur noch ein kleiner Sprung auf den Eimerrand. Ich war so fasziniert von diesem Gedanken, dass ich mich sofort auf den Weg machte, um das Ganze einmal auszuprobieren. Warum sollte es nicht klappen, schließlich sind wir MĂ€use nicht nur schlau, sondern auch flink und gelenkig.

Ich muß schon sagen, so einfach war das dann doch nicht, und ein paar mal wĂ€re ich fast abgestĂŒrzt, doch schließlich schaffte ich es bis auf den Schaufelstiel. Von dort sprang ich auf den Rand des Eimers und oh Schreck, er war leer Leute, leer, leer.
Vor Aufregung verlor ich mein Gleichgewicht und fiel hinein. Schnell versuchte ich herauszuklettern, doch an den glatten WĂ€nden fand ich keinen Halt. Immer wieder rutschte ich ab und fiel auf den Boden zurĂŒck.
Was nun? Was sollte aus mir werden? War nun alles aus? Viele bange Gedanken kreisten in meinem Kopf. Halb wahnsinnig vor Angst kauerte ich in diesem Eimer. Ich hatte weder Essen noch Trinken, es war bitterkalt und nirgends konnte ich mich vor den Feinden in Sicherheit bringen. Die Familie wĂŒrde sich sicher schon Sorgen um mich machen. Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt.

Mittlerweile wurde es immer kÀlter, denn der Abend nahte. Bibbernd kauerte ich mich zusammen. Ich fror erbÀrmlich und der Hunger machte mich ganz elend.
Auch das noch! Ich hörte plötzlich, dass sich in dem Schuppen etwas regte. Da schlich doch wer herum! Eine Dose fiel mit einem Poltern aus dem Regal auf den Holzhaufen. Ich erstarrte. Wenn es nun eine von diesen gierigen Katzen ist? Im Stillen schloß ich schon mit meinem Leben ab, hier gab es fĂŒr mich kein Entrinnen mehr. Eigentlich war es mir auch egal, hin war ich sowieso, ob ich nun elendig verhungern und erfrieren, oder eine Mahlzeit fĂŒr eine Katze werden wĂŒrde. Diesen Platz verlasse ich sicher nicht mehr lebend, dachte ich verzweifelt. In dem Schuppen wurde es wieder still und ich atmete hörbar auf. Draußen war es jetzt fast dunkel.Das letzte Vogelgezwitscher verstummte und mir wurde immer banger ums Herz.
Im Laufe der Nacht wurde ich fast ohnmĂ€chtig vor KĂ€lte, die immer mehr in mir hochkroch,ich konnte mich kaum noch bewegen. Irgendwann muß ich dann das Bewußtsein verloren haben.

Wie aus weiter Ferne hörte ich plötzlich aufgeregte Menschenstimmen und ich merkte, wie ich hin und her geschĂŒttelt wurde. Ich wollte mich bewegen, doch es gelang mir nicht.Jemand sagte:" Schau mal, die arme kleine Maus, sie ist erfroren und verhungert und das in unserem Vorratseimer fĂŒr das Vogelfutter. HĂ€tten wir den Eimer doch gestern schon wieder aufgefĂŒllt." Eine andere Stimme sagte hastig:" Schnell ins Haus mit ihr, vielleicht ist sie noch zu retten.Sie braucht dringend WĂ€rme und etwas Eßbares, das arme Ding." AllmĂ€hlich kam ich zu mir und sah den Menschenmann und seine Frau, die mir das Leben retten wollten.Aber warum nur? Ich hatte große Angst. Das war alles so seltsam, denn Menschen fĂŒrchteten sich in den meisten FĂ€llen vor uns MĂ€usen, was mir unbegreiflich ist, denn wir tun ihnen doch nichts zuleide und sind froh, wenn man uns nichts antut.Vor allem die Menschenfrauen reagieren auf uns hysterisch, wenn sie uns nur von weitem sehen. Sie kreischen unkontrolliert und springen auf die nĂ€chsten StĂŒhle, sogar mit Schlappen schlĂ€gt man nach uns und ĂŒberall stellen sie raffiniert gefĂŒllte Fallen fĂŒr uns auf. Sogar unsere Erzfeinde die Katzen werden von ihnen gehalten, um uns zu fangen.

Doch in diesem Moment war mir alles egal, denn ich merkte, wie wohlige WĂ€rme mich umhĂŒllte. Sie hatten mich in einen BehĂ€lter mit duftendem Heu gesetzt und Haferflocken als erste Mahlzeit in ein kleines SchĂŒsselchen gefĂŒllt. Auch ein wenig frisches Wasser stand daneben.
Doch dann kam der nĂ€chste Schreck. Ein Riese von Hund stand vor meiner Bleibe und starrte mich neugierig an. Mir blieb beinahe eine Haferflocke im Halse stecken. Sofort kroch ich tief ins Heu. Die Menschen stellten mich nun so hoch, dass ich fĂŒr diesen Riesen unerreichbar war."Wie niedlich sie ist," hörte ich sie sagen, "diese Öhrchen und die lustigen KullerĂ€uglein und das lange SchwĂ€nzchen. Gleich nach dem Essen fahren wir in die Stadt und kaufen ihr ein Haus, in dem sie sich wohlfĂŒhlt. Sie soll es gut bei uns haben und einen Namen bekommt sie auch, das muss sein."

Was die wohl mit mir vorhaben? Dachte ich so bei mir. Es war ja schön das sie mich gerettet haben, aber warum lassen sie mich jetzt nicht einfach wieder laufen? Wollten sie mich etwa auf ewig hier einsperren? Dieser Gedanke löste Entsetzen in mir aus. Ich machte mir große Sorgen um die Familie. Jetzt war ich schon so lange fort und niemand hatte eine Ahnung, wo ich war. Traurig saß ich immer noch unter dem Heu und harrte der Dinge, die da noch kommen sollten. Da ich ziemlich erschöpft von den Strapazen der vergangenen Nacht war, fiel ich in einen erholsamen Schlaf.

Der allerdings wurde sehr unsanft unterbrochen, als sich auf einmal meine Bleibe bewegte und die Menschenfrau rief:" Hallo kleines MĂ€uschen, schau mal, du hast jetzt ein schönes großes Haus," und schon plumpste ich mitsamt dem Heu in meine neue Unterkunft. "Es ist so groß," rief sie weiter," dass du auch darin springen und nach Herzenslust toben kannst. Wir stellen es ans Fenster, damit du viel Sonnenschein hast. Ach ja, und wir nennen dich Kassandra, das ist ein wirklich hĂŒbscher Name, fĂŒr so eine niedliche Maus. Sicher wirst du dich bei uns bald so wohl fĂŒhlen, dass du nie wieder fort willst."
So, nun hatte ich also meinen Namen weg: Kassandra. Eine Maus die Kassandra heißt! Auf so etwas können auch nur die Menschen kommen. FĂŒr alles und jeden haben sie einen Namen.

Die beiden Menschen meinten es wirklich gut mit mir. Es fehlte mir an nichts, tĂ€glich bekam ich Nahrung und frisches Wasser und mein Fensterplatz war erste Klasse. Sogar den Hund hielten sie zurĂŒck,damit ich mich ungestört eingewöhnen konnte. Nur das sie mich jedesmal wenn sie Besuch von anderen Menschen bekamen zeigen mußten, ging mir auf den Wecker. Schließlich war ich doch kein AusstellungsstĂŒck.

AllmĂ€hlich fasste ich immer mehr Zutrauen zu ihnen. Kamen sie dicht an mein Heim heran, lief ich zu ihrem EntzĂŒcken auf sie zu und ließ mich vorsichtig streicheln. Ich muß schon sagen, das war ein nettes GefĂŒhl. Eigentlich hĂ€tte ich zufrieden sein mĂŒssen, doch das alles machte mich nicht glĂŒcklich. Wenn die Sonne in mein Haus schien, kam ich fast um vor Heimweh nach der Familie und abends konte ich oft nicht einschlafen, weil ich mir große Sorgen um alle machte. Wie mochte es ihnen nur gehen? Hatten sie noch genug zu essen? Suchten sie noch nach mir, oder fingen sie an mich zu vergessen? Fragen ĂŒber Fragen. So manche Nacht weinte ich mir meinen Kummer von der Seele.

Nun war ich schon eine ganze Weile bei den Menschen. Die ersten Singvögel waren wieder zurĂŒck und die Sonne bekam mit jedem Tag mehr Kraft. Öfter sah ich jetzt auch bunte Schmetterlinge ĂŒber die FrĂŒhlingswiese flattern und Bienen flogen summend von Blume zu Blume.
Eines Morgens nun ergriff mich solch eine Unruhe, dass ich wie wild in meinem Haus herumsprang, tobte, an den Gittern herumturnte und die SchĂŒssel mit meinem Essen umstieß. Ich musste hier unbedingt raus, viel zu lange hatte man mich schon eingesperrt. "Was Kassandra nur heute hat?" fragte die Menschenfrau erstaunt."Freut sie sich, weil sie sich bei uns so wohl fĂŒhlt und der FrĂŒhling nun endlich da ist?" So ein Blödsinn! Ich wollte meine Freiheit und nichts anderes. Eine Maus gehört in die Natur und nicht in so ein Gehege, wo man stĂ€ndig begafft wird! Und außerdem brachte mich mein Heimweh fast um.

"Ich glaube, sie möchte frei sein," meinte ihr Mann,"sie hat sich gut erholt und will sicher wieder zu ihrer eigenen Familie, wir sollten sie laufen lassen." Oh ja, er hatte es richtig erkannt, hoffentlich taten sie es auch, und das möglichst schnell. Mein Herz zersprang fast vor Aufregung. "Meinst du wirklich?" fragte die Menschenfrau und ihre Stimme klang tatsĂ€chlich traurig, "ich hatte mich schon so an sie gewöhnt. Doch ich glaube, du hast recht, wir wollen sie nicht unnötig quĂ€len und lassen sie im Garten laufen." Jetzt ging es also los. Vor Übermut war ich kaum noch zu bremsen. Sie stellten mein Haus auf die Wiese und öffneten das TĂŒrchen. Das war ein GefĂŒhl kann ich euch sagen! Ich machte einen Satz nach draußen und drehte mich noch einmal nach ihnen um. Schließlich hatten sie mir aus höchster Not geholfen und ich war ihnen sehr dankbar.Sie riefen mir noch zu:"Machs gut kleine Kassandra und pass auf dich auf. Sollte es dir im nĂ€chsten Winter wieder schlecht ergehen, kannst du zu uns zurĂŒckkommen."
Dann rannte ich so schnell ich nur konnte, zu unserem Bau.
Tja, als ich endlich wieder bei der Familie ankam, war die Freude groß. Sie erzĂ€hlten mir, dass sie lange nach mir suchten und nach einer Weile dachten, ich sei umgekommen. Die Familie war noch vollzĂ€hlig, denn auch sie hatten den Futterplatz der Vögel ausfindig gemacht, die heruntergefallenen Körner aufgesammelt und in die Vorratskammern geschafft. So konnten alle den harten Winter ĂŒberstehen.

So, das also war die Geschichte meines grĂ¶ĂŸten Abenteuers Kinder und nun, marsch ins Bett, denn es ist sehr spĂ€t geworden.
Atemlos hatten alle zugehört. "Oh, jetzt wissen wir auch, warum die Erwachsenen dich manchmal Kassandra nennen," rief eine der kleinen MĂ€use. "Diese Geschichte war die spannendste, die du uns jemals erzĂ€hlt hast," sagte eine andere. "Ja, und sie ist wahr, vom Anfang, bis zum glĂŒcklichen Ende,"lachte die Großmutter.

Draußen war nun die Nacht hereingebrochen. Hin und wieder funkelte ein Stern durch die Wolken und auch der Mond lugte ab und zu auf die Erde. Still und friedlich war es ĂŒberall. Die MĂ€usekinder trĂ€umten vom Abenteuer ihrer Großmutter und auch die Erwachsenen fielen in einen erholsamen Schlaf.Morgen wird ein neuer Tag anbrechen mit Arbeit und MĂŒhen, aber er wird auch Freude und Spaß mit sich bringen und wer weiß, vielleicht auch ein neues, großes Abenteuer.

D.B.

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flammarion
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hm,

diese geschichte ist fĂŒr mich eine sehr nette enttĂ€uschung, denn unter kassandra stellt man sich ja sofort eine unheilverkĂŒnderin vor. so ein nettes geplauder hĂ€tte ich nicht erwartet. gut gelungen, kommt in meine sammlung. lg
__________________
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enniaG
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Willkommen, liebe MĂ€rchentante!

Hallo, liebe MĂ€rchentante,
hier in diesen RĂ€umen,
in denen dich vorher
keiner kannte.

Mit diesem Einstand
hast du's nicht schwer,
denn Kassandra
gefÀllt mit sehr.

Nur ganz kleine schnelle Tipps:

Abschnitt:
Nun galt es herauszufinden:
losrennen - fehlte"n"

Ich muss schon sagen:
paar Mal

Heu: groß schreiben


Bin schnell mal
durch diese niedliche Geschichte gestartet,
denn man als "Neuling" besonders auf Antwort wartet.

Selbst bin auch ich erst kurz hier-
Schreiben macht Freude,
das meine ich hier.


Liebe AbendgrĂŒĂŸe

ennia

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MĂ€rchentante
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Kassandra

Danke enniaG, fĂŒr Deinen lieben Gruß. Ich habe mich sehr gefreut, dass Dir meine Geschichte gefĂ€llt. Ja, der Fehlerteufel, werde mich bessern.
TschĂŒssi, MĂ€rchentante

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