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Leselupe.de > Humor und Satire
Katholisch
Eingestellt am 25. 09. 2007 13:30


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Thomas Fried
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Registriert: Jul 2007

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Gesellschaftliche Ereignisse sind mir zuwider, ich versuche ihnen zu entgehen wo es nur m├Âglich ist. Leider lassen sich nicht alle Einladungen umgehen. Mein neuer Roman war erschienen und fand so rei├čenden Absatz, dass er von den Buchh├Ąndlern gleich aus den Versandkartons verkauft wurde.Ich wurde von meinem Hamburger Verlag eingeladen. Man wolle den Erfolg mit mir feiern und habe eigens f├╝r mich ein Programm zusammengestellt, das mir garantiert als unvergessliches Erlebnis in Erinnerung bleiben w├╝rde.

Der Tag verlief wie erwartet. Ich wurde durch den Verlag geschoben und allen wichtigen Menschen vorgef├╝hrt, deren Namen ich schon wieder vergessen hatte, kaum dass sie mir vorgestellt worden waren. Geduldig lie├č ich die ganze zweihundertj├Ąhrige Firmengeschichte, in einem ebenso langen Vortrag, ├╝ber mich ergehen und bewunderte, wie es von mir erwartet wurde, das historische Geb├Ąude in dem der Verlag seit seiner Gr├╝ndung residierte.

"Ruhen Sie sich noch etwas aus, es k├Ânnte eine lange Nacht werden. In drei Stunden hole ich Sie wieder ab und dann geht es richtig los" verabschiedete sich mein Lektor, der mich zu meinem Hotel gefahren hatte. Er grinste breit, kniff ein Auge zu und war schon verschwunden, ehe ich noch fragen konnte, was da auf mich zukommen w├╝rde.

Zutiefst beunruhigt schlich ich auf mein Zimmer, an Ruhe war ├╝berhaupt nicht mehr zu denken. Ich hasse lange N├Ąchte, ich hasse ├ťberraschungen und ich hasse es drei Stunden in einem Hotelzimmer zu verbringen, w├Ąhrend sich ├╝ber meinem Kopf ein Unheil zusammenbraut. Als Schriftsteller lebe ich in meiner eigenen Welt, erschaffe Charaktere mit denen ich umspringen kann, wie es mir beliebt. In meinen B├╝chern werde ich mit jeder Situation fertig, jeder Kommentar ist scharfsinnig und f├╝r meine Schlagfertigkeit bin ich ber├╝chtigt. Meine Welt funktioniert so, wie ich es w├╝nsche. Ich bin der unumstrittene Herrscher und wer sich meinem Willen nicht beugt, wird den Tag verfluchen an dem ich ihn ersann. Ich mag es nicht wenn ich Situationen ausgeliefert werde, die ich nicht vorausgeplant habe und in denen ich alle F├Ąhigkeiten meiner Helden br├Ąuchte, ├╝ber die ich aber nicht verf├╝ge.

P├╝nktlich wurde ich drei Stunden sp├Ąter abgeholt. Der Lektor hatte zwei weitere Verlagsmitarbeiter zur Verst├Ąrkung mitgebracht. Offenbar rechnete er mit Widerstand. Ich lie├č mich zum Wagen f├╝hren und auf die R├╝ckbank setzen und schon fuhren wir los. Der Beifahrer drehte sich nach mir um:
"Na, schon eine Ahnung wo es hingeht?"
"Nein" Ich wusste es wirklich nicht und ich wollte es auch nicht wissen. Ich wollte noch nicht einmal dahin. Seit wann fragt der Henker den Delinquenten, ob er wei├č, wo es hingeht?
"Na, ├╝berlegen Sie doch mal. Ich gebe Ihnen mal einen Tipp: Hamburg! Unvergesslicher Abend! Na, klingelts?"
Mein Henker hatte eindeutig Spa├č daran, mich vor meiner Hinrichtung noch etwas zu qu├Ąlen. Mit seinen bl├Âden Fragen und seinen noch viel bl├Âderen "Na's".
"Na, okay, ich sags Ihnen" Da, schon wieder ein 'Na'. "Kiez. Reeperbahn. Sankt Pauli! Aber vorher gehen wir noch richtig gut essen, damit wir sch├Ân bei Kr├Ąften bleiben"
Die Welt um mich herum verschwamm.
"Frauen?" Mehr brachte ich nicht heraus. Mein Lektor, der den Wagen fuhr, gackerte leise vor sich hin und sch├╝ttelte den Kopf.
"Na klar. Frauen! Halbnackt, nackt. Ganz so wie Sie es nur vorstellen k├Ânnen."
Ich wollte mir gar nichts mehr vorstellen. Damen gegen├╝ber bin ich so schlagfertig und wendig wie ein Kreuzfahrtschiff in voller Fahrt. Bei halbnackten oder gar nackten Frauen, verl├Ąsst dann auch noch der Kapit├Ąn das sinkende Schiff. Rien ne vas plus, nichts geht mehr.

Wo wir essen waren, was wir gegessen haben und wie lange wir Essen waren, kann ich nicht mehr sagen. Ein Mensch der in Panik ist, vergisst die Welt. Ich kam erst wieder zu mir, als ich in die "Ritze" gesto├čen wurde.
"Na, hier w├Ąren wir" meldete sich mein Henker wieder zu Wort. "Das ist die "Ritze". DAS Etablissement auf Sankt Pauli, ach was, in ganz Deutschland. Da werden Ihnen die Augen ├╝bergehen."
Die Augen gingen mir nicht ├╝ber, die hielt ich fest geschlossen, w├Ąhrend ich mich vorw├Ąrts schieben lie├č. Aber mein Magen meldete, dass er sehr gerne ├╝bergehen w├╝rde. Ich ├Âffnete die Augen erst wieder als wir an dem f├╝r uns reservierten Tisch ankamen.
"Da haben wir aber den Platz mit dem besten Blick auf das Paradies. Na, was meinen Sie?"
Das Paradies hatte ich mir immer ganz anders vorgestellt. Zumindest gab es in meiner naiven Vorstellung von Eden kein ovales Podest in der Gr├Â├če eines Gartenteiches und wenn, dann w├Ąre ganz sicher Boden nicht mit trittfesten Spiegelfliesen ausgelegt. Und wozu die Feuerwehrstange in der Mitte gut sein sollte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Es dauerte nicht lange, bis mir ihr Zweck sehr eindrucksvoll demonstriert wurde.

Wir hatten kaum Platz genommen, als eine T├Ąnzerin das Podest betrat. Auch wenn sie auf den ersten Blick so aussah, es war keine Nonne. Nonnen tragen keine Tracht aus Lackstoff und ganz gewiss endet deren Saum nicht knapp unter dem Po. Nonnen tragen auch keine Netzstr├╝mpfe und keine Riesenschnuller um den Hals, wie man sie auf einem Jahrmarkt schie├čen kann. Gott sei dank trug sie dieses Nonnengewand. Wenn auch nur notd├╝rftig, so verdeckte es doch ihr Intimstes. Dachte ichÔÇŽbis ich den Blick versch├Ąmt nach unten richtete. Schlagartig wurde mir der Sinn der Spiegel klar.
"Nonnen tragen Unterw├Ąsche!" schoss es mir durch den Kopf. Die Dame auf dem Podest hatte davon aber offensichtlich noch nichts geh├Ârt. Laute Musik erklang und die Nonne begann, in immer groteskeren Verrenkungen, ihren K├Ârper um die Feuerwehrstange zu winden. Nachdem sie einige Male, die Stange zwischen ihren Schenkeln, in die Hocke ging und sich wieder aufrichtete, lie├č sie sich auf alle Viere nieder und kroch langsam auf mich zu. Ich war doch im Paradies. Die Schlange, von der Eva verf├╝hrt wurde, den Apfel zu nehmen, muss ebenso falsch gel├Ąchelt haben.

Die Nonne setzte sich direkt vor mich hin, schlang ihre Beine um mich und riss sich den Schnuller vom Hals.
"Nimm die Frucht!"
Sie dr├╝ckte mir das Riesending in die Hand, warf ihren Oberk├Ârper zur├╝ck, st├╝tzte sich auf den Ellbogen auf und hob ihr Becken.
"Und jetzt, f├╝ttere das Tier!"
Ich konnte das Tier nicht f├╝ttern. Ich sa├č an meinem Tisch, den Schnuller in der erhobenen Hand und war gel├Ąhmt. Keine Bewegung war mehr m├Âglich, mein Hirn war leer und mein Mund stand offen, obwohl ich nichts zu sagen hatte. Alles starrte mich an und wartete ungeduldig. Langsam wurden einzelne Stimmen laut, die sich rasch zu einem Chor sammelten.
"F├╝tter das Tier. F├╝tter das TierÔÇŽ"
Ich stand auf, immer noch die Frucht in der Faust, als es pl├Âtzlich totenstill wurde. Was w├╝rden meine Helden jetzt tun? Was w├╝rden sie sagen? H├Ątte ich zwei oder drei Tage Zeit gehabt, w├Ąre mir etwas besseres eingefallen, als das was ich sagte.
"Ich kann nicht, ich bin streng katholisch."

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paulenullnullzwei
One-Hit-Wonder-Autor
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nix f├╝r ungut...

Nix f├╝r ungut, aber Autoren, deren B├╝cher aus dem Karton raus verkauft werden, schreiben dann doch noch einen Tick rafinierter. Obwohl...

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