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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Katjas Entscheidung
Eingestellt am 17. 05. 2015 15:26


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Hyazinthe
One-Hit-Wonder-Autor
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Das Dunkel um sie herum war freundlich, sanft umh├╝llte es sie, wie eine m├╝tterliche Umarmung. Sie versank darin, wusste nichts mehr.
Tief unten war es warm und dunkel und still. Doch dann begann etwas an ihr zu ziehen. Es zog sie nach oben. Langsam. Immer weiter. Eigentlich wollte sie lieber unten bleiben, wo es warm war und dunkel und still. Sie machte sich schwer, aber sie stieg nach oben, wie ein mit Gas gef├╝llter Luftballon. sie konnte nichts dagegen tun. Es wurde heller. Das Dunkel wurde durchsichtiger, matter, blasser. Sie wollte das nicht! Sie wollte zur├╝ck ins Dunkle, ins Vergessen. Sie versuchte sich zu wehren gegen das Helle, aber sie hatte keine Muskeln, keine Arme oder Beine um sich ihm entgegen zu stemmen. Jetzt war die Helligkeit da, bedr├Ąngte sie, forderte sie auf, die Augen zu ├Âffnen, wach zu werden.
Katja wachte auf. Wo war sie? Sie f├╝hlte glatte Laken um ihren K├Ârper, es roch nach Desinfektionsmitteln und Blumen. Sie lag in einem Bett. In einem Krankenhausbett. Ein Krankenzimmer! Wie eine siedend hei├če Flutwelle ├╝berschwemmte sie die Erinnerung. Oh Gott, sie lebte! Man hatte sie gefunden! Ihre Kinder! Was war mit ihren Kindern?
Die Erkenntnis traf sie wie ein Blitzschlag. Sie waren tot. Sie selbst hatte sie get├Âtet. Susanne, ihre Gro├če, und Sophie und Leon, die beiden Kleinen.

Katja hatte ihnen gesagt, sie w├╝rden alle vier zusammen zu einem gro├čen Fest gehen, zu einer Hochzeit.
ÔÇ×Kommt, wir machen uns sch├ÂnÔÇť, hatte sie gesagt.
ÔÇ×Darf ich mein neues Kleid anziehen, das blaue mit den Volants?ÔÇť, fragte Susanne begeistert, ÔÇ×und die Haare musst du mir aufstecken, wie eine richtige Hochfrisur, ja, Mutti? Leihst du mir deine goldene Haarspange daf├╝r? Ach bitte, ja?ÔÇť
ÔÇ×Nat├╝rlichÔÇť, antwortete Katja, ÔÇ×du wirst wunderh├╝bsch aussehen, meine Gro├če. Alle Jungen werden sich nach dir umdrehen, du wirst sehen.ÔÇť
ÔÇ×Und ich m├Âchte das rosa Kleid mit den R├╝schen anziehen, Mutti, und die wei├čen Schuhe.ÔÇť
Die kleine Sophie rannte schon ins Kinderzimmer, um die Kleidungsst├╝cke aus ihrem Schrank zu holen. Katja nahm ihren J├╝ngsten auf den Arm und sagte zu ihm:
ÔÇ×Und wir beide machen uns jetzt auch h├╝bsch, Leon, okay?ÔÇť
ÔÇ×Gibt es auch einen Clown auf dem Fest, Mutti? Auf Svens Geburtstag neulich gab es einen Clown, der hatte eine ganz rote Nase und Riesenschuhe und er hat lauter Faxen gemacht.ÔÇť
ÔÇ×Ganz bestimmt gibt es Clowns auf dem Fest. Und Luftballons und Kuchen und alles, was du dir vorstellen kannstÔÇť, sagte Katja und dr├╝ckte den Jungen fest an sich. Sie suchte f├╝r Leon die Sachen heraus, die er vor ein paar Wochen, an seinem dritten Geburtstag, getragen hatte: eine schwarze Hose, ein wei├čes Hemd und ein gemusterte Seidenweste. Sie fand, er sah s├╝├č aus in diesen Sachen, besonders wenn er lachte und seine blauen Augen unter den braunen Locken strahlten, so wie jetzt. Als der Junge fertig war, zog Katja ihr kleines Schwarzes an. Es war tief dekolletiert und hatte ├ärmel aus zarter Spitze. Sie fand sich darin immer besonders elegant und sexy.
Sie hatte alles genau vorbereitet. Das Auto stand in der Garage und war vollgetankt. Das Garagenfenster war verriegelt und die T├╝r fest verschlossen. Von ihrem Staubsauger hatte sie den Schlauch abmontiert und zusammen mit dem festen grauen Klebeband unter einer Plane in einer Ecke der Garage versteckt. Einen ganzen Stapel Frotteehandt├╝cher hatte sie auf dem Regal, auf dem die Mittel zum Autopolieren standen, bereitgelegt. Sie w├╝rde eine Lage Handt├╝cher unter das Garagentor legen, damit kein Gas austreten konnte. Am Abend vorher hatte sie ausprobiert, wie laut das Motorger├Ąusch von au├čen zu h├Âren sein w├╝rde, und beruhigt festgestellt, dass man schon direkt vor der Garage stehen musste, um es zu h├Âren. Au├čerdem war abends sowieso kaum jemand auf der Stra├če. Im Internet hatte sie recherchiert, wie viele Schlaftabletten gen├╝gten, um Kinder im Alter von Leon, Sophie und Susanne in Tiefschlaf zu versetzen. Kurz hatte sie ├╝berlegt, ob nicht Tabletten gen├╝gen w├╝rden, um sie alle zu t├Âten, aber das war ihr zu riskant gewesen. Immer wieder h├Ârte man davon, dass jemand vorzeitig gefunden worden war, dann wiederbelebt wurde und wom├Âglich mit dauerhaften Sch├Ąden weiterleben musste. Nein, sie wollte sicher gehen.
Es war ganz einfach gewesen.
ÔÇ×Die Fahrt dauert eine StundeÔÇť, hatte sie gesagt, ÔÇ×damit wir unterwegs nicht hungrig werden, trinken wir jetzt alle noch einen Becher KakaoÔÇť.
Sie wusste, die drei tranken gerne Kakao und w├╝rden von den Tabletten nichts merken. Es dauerte gar nicht lange, da waren die Kinder auf ihren St├╝hlen
eingeschlafen. Vorsichtig trug sie zuerst Leon und Sophie durch die Seitent├╝r, die
zur Garage f├╝hrte, ins Auto und setzte sie auf ihre Kindersitze. Damit sie nicht nach vorne kippten, schnallte sie sie an. Mit Susanne war es etwas schwieriger. Sie war f├╝r ihre elf Jahre schon recht gro├č, und Katja musste unter ihre Arme greifen und sie in die Garage schleifen. Dabei verlor Susanne einen ihrer Schuhe; Katja zog ihn ihr sorgsam wieder an, nachdem sie das M├Ądchen auf dem Beifahrersitz festgeschnallt hatte. Wie Engel sahen sie aus, die drei, so h├╝bsch und friedlich.
Schnell und z├╝gig hatte Katja den Rest der Arbeit erledigt. Sie steckte das hintere Ende des Staubsaugerschlauches in das Auspuffrohr und umwickelte es etliche Male mit dem Klebeband, bis sie sicher war, dass er sich nicht l├Âsen w├╝rde, auch wenn das Rohr sich erhitzte. Dann klemmte sie das andere Ende in das hintere Seitenfenster des Autos und klebte es sicherheitshalber mit dem Klebeband fest. Mit den Handt├╝chern dichtete sie den offen gebliebenen Fensterspalt ab, ebenso die Ritzen des Garagenfensters und der T├╝r. Als letztes ging sie noch einmal zur├╝ck ins Haus, ├╝berpr├╝fte, ob die Haust├╝r und die Terrassent├╝r abgeschlossen waren, sp├╝lte die Kakaobecher der Kinder ab und stellte sie sauber auf die Sp├╝le, l├Âschte alle Lichter und ging in die Garage. Ihren Becher mit dem Kakao und den Tabletten nahm sie mit ins Auto. Sie legte eine CD mit ihrem Lieblingslied aus dem Film Body Guard ÔÇ×I allways will love youÔÇť von Whitney Houston ein, trank den Becher leer und startete den Wagen.

Katja hatte nicht gemerkt, dass ihr ununterbrochen Tr├Ąnen unter den geschlossenen Lidern aus den Augen liefen. Erst als die Krankenschwester ausrief. ÔÇ×Mein Gott, Sie weinen ja!ÔÇť sp├╝rte sie, dass ihr ganzes Gesicht nass war. ÔÇ×Soll ich den Doktor rufen?ÔÇť fragte die Schwester besorgt. Katja sch├╝ttelte den Kopf. ÔÇ×Nein, schon gut, es geht schon wiederÔÇť, sagte sie, nahm ein Papiertaschentuch und trocknete sich das Gesicht. Sie drehte den Kopf zur Seite und starrte auf das bunte Bild an der Wand. Es war ein Aquarell und zeigte eine Wiese mit bl├╝henden Mohnblumen. Katja w├╝nschte, die Schwester w├╝rde das Zimmer verlassen. Sie wollte nicht reden. Mit niemandem. Erst recht nicht mit dem Psychologen, den man gerufen hatte, um ihr die Nachricht, dass ihre Kinder tot seien, \'schonend beizubringen\'. Er wollte, dass sie erkl├Ąrte, warum sie diese Tat begangen hatte. Genauso wie die Polizei. Alle wollten immer nur wissen, warum.
Sie konnten es nicht verstehen. Sie konnten nicht verstehen, dass ihr Leben zerst├Ârt worden war. Und ebenso das Leben ihrer Kinder. In dem Moment, als sie erfahren hatte, was Frank getan hatte. Sie konnte nicht weiterleben mit dem Wissen, was in den letzten Jahren hinter den angeblich sch├╝tzenden Mauern ihres Hauses geschehen war. Und sie konnte ihre Kinder nicht alleine zur├╝ck lassen. Dieses Mal w├╝rde sie sie nicht im Stich lassen.

Dabei hatte alles so wunderbar angefangen. Als sie Frank kennenlernte, diesen gut aussehenden, hoch gewachsenen Mann mit der wohlklingenden Stimme, war sie so unendlich gl├╝cklich gewesen. Vor ihm waren ihre M├Ąnnerbekanntschaften immer wieder im Sande verlaufen, meistens dann, wenn sie von ihrer Tochter erz├Ąhlte. Deshalb hatte sie in dem Partnerportal im Internet von vornherein gesagt, dass sie allein erziehende Mutter einer sechsj├Ąhrigen Tochter w├Ąre. Dort hatte sie ihn gefunden, sie hatten gechattet, dann Fotos geschickt und sich schlie├člich getroffen. Von Anfang an hatte er Susanne akzeptiert, war sogar besonders nett zu ihr, machte ihr Geschenke und ging mit ihr in den Zoo. Sie konnte ihr Gl├╝ck nicht fassen, als er sie schlie├člich bat, ihn zu heiraten. Jahrelang glaubte sie an diese Liebe, bekam zwei wunderbare Kinder, Frank hatte als Ingenieur ein gutes Einkommen, sie zogen in das neue Haus, sie war gl├╝cklich.
Dann stand eines Tages die Polizei vor der T├╝r, zusammen mit einer Frau vom Jugendamt. Die elfj├Ąhrige Susanne habe sich ihrer Klassenlehrerin anvertraut, erkl├Ąrte man ihr, sie sei jahrelang von ihrem Stiefvater sexuell schwer missbraucht worden, und jetzt mache er sich an ihre vierj├Ąhrige Schwester heran. Katja erinnerte sich an die nun folgende Zeit wie an einen Alptraum. Ihr Mann wurde verhaftet, medizinische und psychiatrische Gutachten wurden erstellt, Kinderg├Ąrtnerinnen und Lehrer befragt. Tag und Nacht lauerten Presseleute vor dem Haus, immer wieder die Frage: ÔÇ×Warum haben Sie nichts bemerkt?ÔÇť Katja erfuhr vor Gericht, als Frank alles gestand, dass er sie bewusst ausgesucht hatte, wegen ihrer kleinen Tochter. Der Richter sagte, durch die Heirat mit ihr habe Frank sich gezielt einen ungehinderten Zugriff auf das kleine M├Ądchen verschafft, um seine p├Ądophilen Neigungen ausleben zu k├Ânnen. Nicht eine Sekunde lang hatte sein Interesse ihr, Katja, gegolten, immer hatte er nur Susanne im Blick gehabt. Und nun auch noch seine leibliche Tochter! Katja erinnerte sich daran, wie sehr er sich ├╝ber die Geburt des M├Ądchens gefreut hatte. Viel mehr als ├╝ber Leons.
Es war einfach nicht zu ertragen. Es war alles nur eine einzige L├╝ge gewesen. Jedes Wort, jede Z├Ąrtlichkeit, alles nur eine einzige L├╝ge! Wie hatte Frank, den sie so geliebt hatte und dem sie absolut vertraut hatte, sie so hintergehen k├Ânnen!

Ihr Magen verkrampfte sich. Vergeblich versuchte sie dem Brechreiz zu widerstehen. Sie stand vom Bett auf, schleppte sich in das angrenzende Badezimmer und erbrach sich, wieder und wieder. Als nichts mehr kam als bittere Galle, wusch sie sich das schwei├čnasse Gesicht mit kalten Wasser und sp├╝lte sich den Mund aus. Im Spiegel blickte sie in ihr leichenblasses Antlitz. In ihren Augen erkannte sie das gleiche namenlose Entsetzen, das in den Augen ihrer Eltern gestanden hatte, als sie von dem Skandal erfuhren. Ihr geliebter und geachteter Schwiegersohn: ein Vergewaltiger und Kindersch├Ąnder? Wie sollten sie weiterleben in der kleinen Stadt, wo jeder jeden kannte, mit dieser Schande? Und sie als Mutter und Ehefrau hatte nichts bemerkt!

Katja w├Ąlzte sich in dem schmalen Bett hin und her. Die Leute hatten recht: Sie h├Ątte es merken m├╝ssen. Hatte nicht Susanne sie oft gebeten, nicht weg zu gehen, wenn sie allein mit Frank im Haus zur├╝ckblieb? Hatte sie nicht manchmal blass und still gewirkt, wenn Frank mit ihr zum Shoppen, in den Park oder sonst wohin gefahren war? Und immer hatte sie irgendein Geschenk von Frank bekommen. Jetzt wusste sie, er hatte das Kind mit \'Drohungen und Geschenken gef├╝gig gemacht und zum Schweigen verpflichtet\', wie es die Frau vom Jugendamt formuliert hatte. Auch die kleine Sophie hatte er schon eingef├╝hrt in die Welt seiner kranken Sexualit├Ąt.
Wieder quollen Tr├Ąnen unter ihren geschlossenen Lidern hervor. Die qu├Ąlenden Gef├╝hle und Gedanken, denen sie hatte entfliehen wollen, bedr├Ąngten sie mit unverminderter Kraft. Welche Schmerzen hatte Susanne, ihre liebe kleine Tochter, in all den Jahren erleiden m├╝ssen! Und wie gro├č war ihr Versagen als Mutter, dass Susanne es nicht gewagt hatte, sich ihr anzuvertrauen! Wie blind sie gewesen war!
Katja erschauerte. Aber es war vorbei. Frank w├╝rde seinen Kindern nie wieder gef├Ąhrlich werden k├Ânnen, wenn er nach den wenigen Jahren im Gef├Ąngnis wieder frei sein w├╝rde. Nie wieder w├╝rden sie leiden m├╝ssen. Sie waren in Sicherheit. Und sie selbst w├╝rde es auch bald sein. Beim n├Ąchsten Mal w├╝rde man sie nicht vorzeitig finden. Bald w├╝rde sie bei ihren Kindern sein. Bei ihren s├╝├čen Engeln. In dem freundlichen, warmen Dunkel. Und alles vergessen.


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DocSchneider
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Sch├Ân, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

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Eine bedr├╝ckende Geschichte. Vielleicht hast Du ein bisschen zu viel hineingepackt und h├Ąttest Dich besser nur auf die Gef├╝hle der Mutter konzentrieren k├Ânnen. Die Vorgeschichte ist ein bisschen lang geraten. Aber trotzdem habe ich alles gerne gelesen.


Viele Gr├╝├če von DocSchneider

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Stefan Sternau
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Hallo Hyazinthe,

eine ber├╝hrende Geschichte, eindrucksvoll geschrieben. Ein Drama, in dem es nur Verlierer gibt. Und in dem beide Eltern T├Ąter und Opfer sind. Sicherlich, der prim├Ąre und offensichtliche T├Ąter ist der Vater, der seine T├Âchter missbraucht. Aber auch er wird in irgendeiner Weise Opfer sein, er wird Schlimmes, wahrscheinlich selbst sexuellen Missbrauch erlebt haben, was ihn dazu bringt, dieses Verbrechen an seine Kinder weiterzugeben ÔÇô was seine Taten nat├╝rlich nicht entschuldigt.
Die Mutter ist erst einmal Opfer, ihr Mann hat sie gnadenlos ausgenutzt, und er hat ihren T├Âchtern Gewalt angetan. Aber sie wird auch zur T├Ąterin, indem sie ihre Kinder mit in den Tod nimmt. Es h├Ątte sicherlich auch andere M├Âglichkeiten gegeben, die Kinder h├Ątten auch nach den Schreckenserfahrungen weiterleben k├Ânnen, aber die Mutter kann es nicht. Sie ist zu verletzt, zu gekr├Ąnkt, zu traumatisiert ÔÇô aber dennoch ist auch ihr Verhalten nicht entschuldbar.
Allerdings verweist dies auch auf eine Gesellschaft, die auf sexuelle Gewalttaten unsensibel und tabuisierend reagiert, oder mit l├╝sterner, aufdringlicher Neugier. Die Mutter hat sich vielleicht um Hilfe bem├╝ht und keine wirkliche Unterst├╝tzung gefunden.
Nachdem die Mutter als einzige den geplanten Suizid ├╝berlebt hat, will sie den so bald m├Âglich vollenden. Und leider muss man sagen: Das ist wohl die einzige reale M├Âglichkeit f├╝r sie: Wie soll sie denn weiterleben, nachdem sie ihre drei Kinder get├Âtet hat?
Deine Geschichte ist aus dem Leben gegriffen, einf├╝hlsam, aber nicht sentimental erz├Ąhlt ÔÇô es war f├╝r mich wirklich eine wichtige Leseerfahrung.

Viele Gr├╝├če Stefan

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