Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
270 Gäste und 18 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Katze
Eingestellt am 27. 01. 2003 23:38


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
AliQuelle
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2003

Werke: 1
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Katze

Da war wieder so eine Katze. Und wieder wusste ich nicht, f├╝rchte ich diese Tiere, hasse ich sie oder liebe ich sie. Und wieder wurde ich tollpatschig, unschuldig in das Unheil verstrickt.

Sie lief die ganze Zeit schon gelangweilt, ohne auf mich zu achten, im Zimmer umher, w├Ąhrend ich mich unterhielt. Ich wei├č heute nicht mehr wor├╝ber, da ich meine Aufmerksamkeit, ohne es zu zeigen, der Katze widmete. Es ist leicht, die eigene Abwesenheit zu ├╝berspielen, da man doch f├╝r ├╝bliche Gespr├Ąche, und es war ein solches, nur einen Bruchteil der m├Âglichen Aufmerksamkeit ben├Âtigt. Nur konnte ich, damit es nicht auff├Ąllt, nicht st├Ąndig auf das Wesen schauen; auf ihre zierliche Nase, auf ihren kleinen aber sch├Ânen Mund, auf ihre kalten Mandelaugen, die einem vorzugaukeln vermochten, sie wisse mehr als einem solchen Wesen ├╝berhaupt zukomme. So glaube ich noch heute, dass sie alles, was sie sp├Ąter tat, geplant und berechnet habe. Und dann war sie auch mal nicht zu sehen, weil sie sich irgendwohin nach Katzenart verkrochen hatte, und ich sp├╝rte nur ihre Anwesenheit, da ich mich in Gegenwart eines solchen Wesens nie frei f├╝hlen kann, und immer versuche, ihnen nicht zu nahe zu treten, um sie nicht zu beleidigen, und mich dann doch daneben benehme und mich als der Dumme entfernen muss.

So sagte ich ein paar belanglose Worte und achtete auf nichts anderes als darauf, wo sie als n├Ąchstes auftauchen w├╝rde, da ich ihr schlie├člich, solange ich sie sehe, auch kein Leid zuf├╝gen k├Ânne.

Nur als ich sie lange nicht gesehen hatte, und das Gespr├Ąch dauerte scheinbar ewig, da ritt mich der Teufel und ich stand auf, um mir zu beweisen, dass ich nicht verkrampft sei, und ging umher, und schon hatte ich sie getreten, blieb betroffen stehen, ihren Angriff erwartend. Sie aber entfernte sich in eine andere Zimmerecke, ohne Hast, nur einmal einen mitleidig verachtenden Blick seitlich aus ihren Mandelaugen zur├╝ckwerfend.

Ich wei├č nicht mehr, was im Einzelnen noch vorgefallen ist, aber ich wei├č noch gut, dass je mehr ich versuchte, sie nicht zu beleidigen, desto ├Âfter ich ihr Schaden zuf├╝gte. Und ich erhoffte st├Ąndig die Strafe und mit inst├Ąndigen Blicken trug ich ihr meine Entschuldigungen vor und bat um die Bestrafung. Und ich sah ihr in die Mandelaugen, um ihr klar zu machen, dass die Strafe eine Erl├Âsung f├╝r mich w├Ąre. Aber in ihrem Blick las ich von Mal zu Mal nur einen h├Âheren Grad der Beleidigung. Aber immer blieb da ein Rest von Mitleid f├╝r mich. Und von Mal zu Mal gewann die Katze bei meinen Gespr├Ąchspartnern Sympathien, zumal ich nur noch zusammenhanglose Sachen erz├Ąhlte, und in deren Blicken las ich die Strafe, die ich mir von der Katze erw├╝nschte.

Schlie├člich konnte ich nur noch starr in meinem Sessel sitzen. Und w├Ąre es nicht meine Pflicht gewesen, das Tier zu beobachten, ich h├Ątte auch die Augen nicht mehr bewegt. Aber obwohl ich auf einem gut gepolsterten Sessel sa├č, glaubte ich pl├Âtzlich, ich m├╝sste unbedingt noch ein Kissen haben, und ich schaute umher, ob ich nicht eines f├Ąnde, und ich entdeckte eines auf der zum Sessel passenden Couch, und die Katze war nicht zu sehen. Ich sagte nichts mehr, um mich auf die kommende Handlung vorzubereiten; und als das Gespr├Ąch einen Moment verstummte, nahm ich das als Signal, sprang auf, rannte die paar Schritte zur Couch, riss hastig das Kissen an mich und war schon einen Schritt zur├╝ck, da erkannte ich das Unheil: auf diesem Kissen hatte gerade die Katze geschlafen und stand nun mit langen Beinen auf dem Boden und betrat gerade den Halbkreis, den sie in der n├Ąchsten halben Minute um mich herum gehen w├╝rde.

ÔÇ×Liebe, liebe Katze, es tut mir leid, ich hab Dich nicht gesehen, Du kannst das Kissen wiederhaben, ich wei├č, so etwas tut man nicht, aber ich hab Dich nicht gesehen, liebe Katze, ich hab Dich doch lieb, ich hab Dich doch lieb!ÔÇť

Ich lie├č das Kissen fallen und streckte die H├Ąnde bittend aus. Da sprang sie hoch, verkrallte sich in meine H├Ąnde, legte die Ohren platt an und verbiss sich in meine Kn├Âchel, und hatte immer noch den mitleidigen Blick in den Mandelaugen. Und ich konnte nichts anderes tun, als meine H├Ąnde zur verkrampften Faust zu schlie├čen und stand nun da, weinend mit erhobenen Armen, an deren Ende das krampfige Kn├Ąuel, und ich hoffte, es w├╝rde vorbeigehen. Da kam mir die Idee, das krampfige Kn├Ąuel fest auf den Steinboden aufzuschlagen, damit es tot oder wenigstens bet├Ąubt w├Ąre. Aber was, wenn es nicht einmal bet├Ąubt w├Ąre? Dann w├╝sste Wesen, dass ich gelogen habe, als ich sagte, ich hab dich lieb, und es w├╝rde mich vollends verachten. So ertrug ich den Schmerz, die entstellten H├Ąnde langsam senkend. Da lie├č die Katze nach und ich ├Âffnete die H├Ąnde, und die Katze bettete sich darauf, ihren Kopf liebkosend an meinem Daumen reibend, und ich legte sie behutsam auf das noch am Boden liegende Kissen.

Dann ging ich zum Fenster und drehte mich noch einmal um, und sah den d├╝mmlichen Blick der nie etwas verstehenden Gespr├Ąchspartner, die einen schauten weg und verstanden nichts, die anderen schauten mich ganz ruhig an und verstanden nichts, und wieder andere liebkosten mit ihren plumpen Blicken das Tier, und das Tier f├╝hlte sich wohl dabei und schickte mir einen ruhigen Mandelblick. Da drehte ich mich wieder um, nunmehr auch ganz ruhig, endlich f├Ąhig, an nichts mehr zu denken, ├Âffnete das Fenster und sprang hinaus. Ich stie├č mit einem offenbar schwachsinnigen Passanten zusammen, der weiterging als h├Ątte er nichts gemerkt, aber dann nach ein paar Schritten wartend stehen blieb, mit dem R├╝cken zu mir.

Da sehe ich Sie auf der gegen├╝berliegenden Stra├čenseite. Sie kommt langsam zu mir her├╝ber, bleibt vor mir stehen, schaut mich an, zieht leicht die Mundwinkel, hebt leicht die Schultern. Da werden auch ihre Gesichtsz├╝ge die einer Schwachsinnigen und ich richte kein Wort an sie, da sie es nicht verstehen w├╝rde, und sie geht zu dem anderen Schwachsinnigen und sie gehen Arm in Arm davon. Ich schaue ihnen nach und wei├č, ich muss nachgeben, um einem alten Sprichwort zu gehorchen.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo aliquelle,

ich nehme mir mal die freiheit, dich hier zu begr├╝├čen, und zu deinem text zu begl├╝ckw├╝nschen.
hier scheint ein sehr komplexer text vorzuliegen, den ich erst noch vollst├Ąndig verarbeiten mu├č. nur so viel ist mir schon klar, da├č du auf ungew├Âhnliche art zu fesseln verstehst - sch├Âne bilder, leicht verst├Ârend. bis zum fast kafkaesken schlu├č (nur mal andersrum) gef├Ąllt mir dein spannungsaufbau sehr gut, nur der letzte satz zerst├Ârt die aussage (oder ich bin zu bl├Âd, sie zu verstehen; bzw. mu├č erst noch den zusammenhang zum rest herstellen).
bis auf einen tippfehler (schachsinnig - schwachsinnig) sind mir beim ersten ├╝berfliegen keine dramatischen rechtschreib-/grammatikfehler ausgefallen.
bin sehr gespannt(sicher wie du auch), was die anderen dazu meinen.

gru├č

rainer

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hm,

fesselnd geschrieben. man f├Ąllt eigentlich von einer ohnmacht in die andere.
du meinst sicher das sprichwort: Der Kl├╝gere gibt nach. darauf habe ich als teeny oft geantwortet: "Es lebe die Dummheit!"
bin gespannt auf weiteres von dir. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


AliQuelle
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2003

Werke: 1
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Re: hm,

Hallo Flammarion,
richtig geraten. Danke f├╝r den Satz "man f├Ąllt eigentlcih von einer Ohnmacht in die andere". So wollte ich das auch!
Es gr├╝sst AliQuelle

Bearbeiten/Löschen    


AliQuelle
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2003

Werke: 1
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Rainer!
Danke f├╝r deinen freundlichen Kommentar.
Weisst Du, ich verstehe auch nicht alles.
Welche Aussage wird eigentlich zerst├Ârt?
Den Text habe ich mehr oder minder in Trance geschrieben.
Ich freue mich wirklich sehr, dass er Dir gef├Ąllt.
Es gr├╝sst AliQuelle

Bearbeiten/Löschen    


pfifficus
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 6
Kommentare: 10
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um pfifficus eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo alliquelle,

deinen text finde ich sehr sehr dicht, voller verschiedenster sich widersprechender gef├╝hle und wundersch├Ân zu lesen. :-)

Ein paar stilistische dinge, wie: viele "und"s, "da"s k├Ânntest du nochmal durchschauen.

z.B.
"Da war wieder so eine Katze. Und wieder wusste ich nicht, f├╝rchte ich diese Tiere, hasse ich sie oder liebe ich sie. Und wieder wurde ich tollpatschig, unschuldig in das Unheil verstrickt. "

Hier hast du dreimal das wort "wieder" benutzt.



"So glaube ich noch heute, dass sie alles, was sie sp├Ąter tat, geplant und berechnet habe. "

Dieser zeitenwechsel gef├Ąllt mir.


also, wenn du magst schreib ich dir noch mehr dazu.

liebe gr├╝├če
pfifficus
__________________
http://home.t-online.de/home/trai.modl/

Bearbeiten/Löschen    


Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
Kommentare: 791
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rainer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
├╝berinterpretation

hallo aliquelle,

ich habe wohl ├╝berinterpretiert (die katze f├╝r eine sich verwandelnde frau gehalten), dann w├Ąre das "nachgeben des kl├╝geren" quatsch gewesen.
aber als trance-text zum "von einer ohnmacht in die andere fallen" lebt er halt vom wort.

gru├č

rainer

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!