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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Katzen - Kinder - Ostergeschichte
Eingestellt am 13. 04. 2001 20:47


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sailor
Hobbydichter
Registriert: Mar 2001

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Mietzing

Mama war mĂŒde geworden und hatte sich schlafen gelegt. Schade, ausgerechnet jetzt, wo es so spannend gewesen war.
Sie waren erst vor einer halben Stunde aufgebrochen zum großen Mietzing, und KamoN hatte zum ersten mal mitgedurft. »Mama, was ist das, das große Mietzing?«, hatte er seine Mutter gefragt. »Das wirst du schon sehen, wenn wir erst da sind, KamoN«, hatte sie geantwortet, aber er hatte weiter gedrĂ€ngelt und so war ihr schließlich nichts weiter ĂŒbrig geblieben, als es ihm zu erzĂ€hlen. »Weißt du, KamoN, zweimal im Jahr treffen sich alle wilden Katzen der Stadt zum großen Mietzing. Das ist sozusagen eine Pflichtveranstaltung. Dort werden RevieransprĂŒche geltend gemacht, Wahlen abgehalten, Neugeborene angemeldet, aber auch Hochzeiten und Taufen gefeiert. Dort bekommst du auch endlich einen Namen.« »Aber Mama«, hatte KamoN gesagt, »ich habe doch schon einen Namen.« »Ach Kleiner, KamoN ist doch nur die AbkĂŒrzung fĂŒr „Katze, mĂ€nnlich, ohne Namen“, auf dem Mietzing bekommst du einen richtigen Namen. Wirst schon sehen, es wird dir dort gefallen. Dort trifft man jede Menge Leute und es ist immer etwas los. Vielleicht lernst du ja auch ein nettes KĂ€tzchen kennen, wer weiß?« KamoN war ein wenig verlegen geworden und um abzulenken hatte er gefragt: »Werde ich dort auch meinen Vater treffen? Wie ist er eigentlich, Mama, komm, erzĂ€hl mir was ĂŒber ihn.« »Ja, mein Kleiner, der „Große Rote“, oder wie ihn die anderen nennen „Big Red“, wird auch dort sein. Er ist ein starker, großer und sehr rothaariger Angorakater und von ihm hast du auch die Haarfarbe geerbt. Ein toller Mann!«, hatte sie geschwĂ€rmt und dabei die vertrĂ€umt in die Luft gebilickt als plötzlich zwei große, gelbe Augen auf sie zuflogen und dabei ein unertrĂ€glich lautes GerĂ€usch ertönte. KamoN hatte sich sofort vor lauter Angst ganz klein gemacht. Als das GerĂ€usch dann immer leiser wurde, hatte er die Augen wieder geöffnet und sich , noch immer vor Angst zitternd, wieder aufgerichtet, aber da lag Mama schon da und war eingeschlafen.

Zwei andere wilde Katzen, ebenfalls auf dem Weg zur großen Versammlung, sahen ihn neben seiner Mutter sitzen und weinen. »Mama, wach auf, wir wollen doch zu meiner Taufe, ich will auch einen Namen haben, Mama, komm schon.« Die Ă€ltere der beiden Pilgerinnen, eine strubbelige, grau-weiße Tigerkatze, sprach ihn an. »Hey Kleiner, vergiss deine Mutter, sie ist tot, vom Auto ĂŒberfahren. Du willst auch zum Mietzing? Dann komm mit uns, wir zeigen dir den Weg. Wie heißt du denn?«
»Ich heiße KamoN, aber ich....« »Dann come on, KamoN, wir haben es eilig.« Von dem Schock völlig apathisch und zu keinem Gedanken fĂ€hig, trottete KamoN hinter den beiden her, und so kamen sie auch bald an den Versammlungsort.
Das war ein buntes Treiben! Katzen und Kater aller Arten und Rassen tummelten sich auf der Stadtparkwiese. Da wurde diskutiert und gekĂ€mpft, Katzenkinder tollten herum, Liebespaare hatten nur Augen fĂŒreinander, es wurde gegessen und getrunken und ein unglaublich lautes Miauen und Maunzen erfĂŒllte die warme Nacht. KamoN wurde von den beiden anderen bei einem dicken, schwarz mit weißer Brust gemusterten Hauskater abgegeben. »Hier, Pastor, das ist der Kleine von Germaine, haben wir unterwegs aufgegabelt. Germaine ist auf der Strecke geblieben. LKW - keine Chance gehabt. KĂŒmmer du dich mal um den Kleinen. Ach ja, ich glaub er ist noch nicht getauft. Muß noch ÂŽn Namen kriegen, sonst bekommt er kein Revier.«
»Na du UnglĂŒcklicher, dann erzĂ€hl mir doch mal, wer dein Vater ist.«, sagte der dicke Schwarze, »vielleicht kann ich dich ja zu ihm bringen.« »Mein Vater ist der stĂ€rkste und grĂ¶ĂŸte und rothaarigste Angorakater der Welt.«, gab KamoN an, »Er heißt „Big Red“.« »Ah ja, kenn ich. So ein Pech aber auch. Der „Große Rote“ wurde letzte Woche in der FußgĂ€ngerzone verhaftet, er sitzt im Tierheim. Tja, mein lieber Junge, dann mĂŒssen wir wohl eine Nottaufe durchfĂŒhren. Mal ĂŒberlegen, hm, der Vater der ROte, die Mutter GERmaine. Ah ja, ich habÂŽs! Ich taufe dich hiermit auf den Namen Roger. Nach fĂŒnf Jahren darfst du dich „Big Roger“ nennen. Bezahlen brauchst du mir nichts, bist ja sozusagen ÂŽn Waisenkind, da mach ich die Zeremonie auch schon mal umsonst. Aber wenn du das nĂ€chste Mal kommst, bringe eine kleine Spende mit. So, und jetzt gehst du mal da rĂŒber zu dem dĂŒnnen, grauen Siamkater und lĂ€ĂŸt dir ein Revier zuweisen. Der nĂ€chste!« Sprachs, und kĂŒmmerte sich nicht mehr um ihn.
Noch immer ganz verwirrt von dem Erlebten und den vielen EindrĂŒcken um ihn herum, schlich er sich zu dem vom „Pastor“ angegebenen grauen Siamkater. »Name?«, nuschelte dieser nur, und als nicht sofort eine Antwort kam: »DEIN NAME??« »Ka....Ă€h, Roger«, stotterte Roger, wie er ja jetzt hieß. »Neu hier?« »Ja, das erste Mal.« »Dann mußt du erst mal raus aus der Stadt. Du gehst in die Vorstadt zu Bauer Heinrich. Dein VorgĂ€nger ist an AltersschwĂ€che gestorben. Kein schlechtes Revier, allerdings nur MĂ€use zu den Mahlzeiten, und die mußt du auch noch selber fangen, hihi. Und paß auf den Köter auf, das ist ein ganz scharfer. Kannst dich ja beim nĂ€chsten Mietzing um ein neues Revier bewerben. AntrĂ€ge sind vier Wochen vor der Versammlung einzureichen. Ersteintrag ist gebĂŒhrenfrei. ÄnderungsantrĂ€ge kosten zwei MĂ€use. Noch Fragen? Nein? Der nĂ€chste!«

Traurig machte sich Roger davon. Er bekam von dem Trubel und all den Feierlichkeiten auf der Stadtparkwiese gar nichts mehr mit. »Ein toller Tag«, dachte er verbittert, »die Mutter gestorben, der Vater im GefĂ€ngnis, eine neue IdentitĂ€t bekommen und jetzt schmeißen sie mich auch noch aus der Stadt. Ein wirklich toller Tag!«
WĂ€hrend er, in seine Gedanken versunken, davonlief, merkte er gar nicht, wie die Gegend immer lĂ€ndlicher wurde. Die letzten kleinen HĂ€user hatte er lĂ€ngst hinter sich gelassen, als ein Ruck durch seinen Körper ging und er plötzlich merkte, wie hungrig er war. Aber wo bekĂ€me er hier etwas zu essen her? In der Stadt war es einfach, die Menschen warfen so viele gute Sachen einfach fort, man brauchte sie bloß aufzunehmen. Aber hier? Hier gab es ja nicht mal Menschen. Er sah sich um. Links von ihm war eine riesige Wiese und an dem anderen Ende nahm er einen schwachen Lichtschein wahr. Wo Licht ist, da gibt es bestimmt auch Menschen. Das bedeutete etwas zu essen. Er rannte ĂŒber die Wiese, immer drauf achtend, den schwachen Schimmer nicht aus den Augen zu verlieren. So kam er nach einiger Zeit in die NĂ€he der Lichtquelle. Er sah mehrere GebĂ€ude, von denen eines etwas kleiner war als die anderen und das auch mehr Fenster hatte. Vor der EingangstĂŒr war eine Laterne angebracht, die das schwache Licht aussendete, das ihn angelockt hatte. Ja, in diesem Haus mußten Menschen wohnen. Er schlich sich ein wenig nĂ€her heran, immer schnuppernd, ob er nicht etwas essbares riechen könnte, als plötzlich: WAUHWHAUWHAUWHOOWHAUWAU!!!!! Ein riesiger schwarzer Schatten sprang auf ihn zu und machte dabei diesen Höllenspektakel.
Panik ergriff Roger und er rannte um sein Leben. Einfach nur fort von hier! Er rannte, bis er nicht mehr konnte, dann versteckte er sich unter einem GebĂŒsch und sah sich um. Von seinem Verfolger war nichts mehr zu sehen und zu hören. Puh, das war knapp! Langsam beruhigte er sich wieder aber auch der Hunger machte sich wieder bemerkbar. »Hey, du da!«, erklang plötzlich hinter ihm eine seltsam lispelnde Stimme, »Hey, du da, im GebĂŒff« Roger sprang hoch, machte einen Puckel, stellte alle Haare auf und den Schwanz senkrecht in die Höhe. Vor ihm saß ein seltsames Wesen mit unglaublich großen Ohren, langen Hinterbeinen und schrecklichen VorderzĂ€hnen und sah ihn an. Das Wesen war fast doppelt so groß wie Roger und erinnerte ihn an die Kaninchen, die er zu Hause schon mal gesehen hatte, bloß dieses war riesig. »Komm mir nicht zu nahe«, fauchte Roger, »ich kann mich ganz gut verteidigen.« »Aber, aber wer wird denn gleich wĂŒtend werden, ich will dir doch gar nichtf tun, im Gegenteil, ich wollte dich um Hilfe bitten. Du bift doch ein Kater, nicht wahr?«
»Ja, ich heiße Roger.« Er fuhr seine Krallen wieder ein, doch die Haare standen ihm noch immer zu Berge. »Ah, Roger, angenehm; ich bin der Hawe Offi Langlöffel und ich habe ein Problem, bei deffen Löwung du mir vielleicht helfen könnteft. Ich wĂŒfte nĂ€mlich nicht, wen ich wo ffnell auftreiben könnte, die anderen Katfen, die ich kenne, wind alle in die Ftadt fu ÂŽner Veranftaltung gegangen. Wehr wichtig, haben wie gewagt. Aber ef eilt wehr, und defhalb frag ich dich. Obwohl, du ffeinst mir noch recht jung fu wein.« Roger mußte lachen. Noch niemals hatte er jemanden so komisch sprechen gehört und seine Angst war total verflogen. »Ich bin erwachsen«, sagte er, »es gibt nichts, was ich nicht kann. Wo liegt dein Problem?« »Weift du, morgen ift daf Ofterfeft und alle Menffenkinder freuen wich darauf, morgen frĂŒh im Garten bunt bemalte Oftereier und ein ffönes Ofterneft fu wuchen. Meine Familie bemalt die Oftereier jetft ffon in der dreifigften Generatfion und auch diefmal haben wir unf wieder alle MĂŒhe gegeben. Aber wir kommen nicht an die Eier heran, die MĂ€uwe haben wich in unweren Bau gefflichen und wollen unf nicht mehr reinlaffen. FĂŒr dich alf Kater doch kein Problem, oder? Hilft du unf?« MĂ€use! Essen! Noch nie hatte Roger selbst eine Maus fangen mĂŒssen, aber probieren könnte man es ja einmal. »Klar helf ich euch, wo ist denn dein Bau?«
»Komm mit, ich feig dir den Weg.«, antwortete Ossi und begann auf seinen seltsamen, langen Beinen fortzuhoppeln. Nach ein paar Minuten stiessen sie auf eine kleine Gruppe anderer Hasen und Ossi Langlöffel stellte sie vor:»Daf ift Wuwi, meine Frau, und daf wind Hoppel, Poppel, Löffel jr. und Ftöpfel, meine Kinder. die anderen wiebfehn Kinder wind ffon auffer Hauf. Liebe Familie, daf ift Roger, er wird unwer Problem löwen.« Dann zeigte er Roger den Eingang zum Hasenbau und gesellte sich zu seiner Familie. Roger ĂŒberlegte. Wie könnte er bloß die MĂ€use aus dem Bau vertreiben? Dann kam ihm die Idee! Er steckte seinen Kopf so weit es ging in das dunkle Eingangsloch des HasenbauÂŽs und fauchte, so laut und lange er nur konnte. Panikartig verließen daraufhin die MĂ€use das besetzte Haus und flohen in alle Richtungen. Eine einzige konnte er gerade noch erwischen. Nachdem nun sein Hunger wenigstens ein bißchen gestillt war, stolzierte er hoch erhobenen Hauptes zu der Familie Langlöffel und tat ganz lĂ€ssig. »Alles klar, ihr könnt wieder rein.«
Die Hasenkinder stĂŒrmten sofort los und Ossi wandte sich an Roger: »Vielen, vielen Dank mein Freund, jetft können wir unwere Eier und Nefter doch noch pĂŒnktlich fum Ofterfeft in Bauer Heinrichf Garten verftecken.. Die Menffenkinder werden wich wehr freuen. Ich bin dir einen Gefallen ffuldig.« Roger stutzte. Bauer Heinrich? Das war doch das ihm zugewiesene Revier! Und Menschenkinder gab es dort auch! »Hör mal, Ossi, kannst du mich nicht mitnehmen, wenn ihr eure Ostersachen versteckt?« »Na klar, kein Problem, muft aber frĂŒh aufftehen, wir gehen ffon vor Wonnenaufgang lof.«
Im ersten Morgengrauen machte sich also eine seltsame Truppe, sechs Hasen und ein junger, rothaariger Kater, auf den Weg. Jeweils zwei Hasenkinder trugen ein Osternest und die beiden Erwachsenen hatten eine Kiepe mit herrlich bunt bemalten Eiern auf dem RĂŒcken. Von der RĂŒckseite der GebĂ€ude, so das der Hofhund sie nicht wahrnahm, schlichen sie sich in Bauer Heinrichs Garten und versteckten die mitgebrachten Leckereien. Dann verabschiedete sich Roger von den Hasen. Er wĂŒrde hier auf die Menschenkinder warten. »Alles Gute, Ossi, vielleicht sieht man sich ja noch mal.«
»Viel GlĂŒck, Roger, und paff auf den Hund auf.« Roger setzte sich neben eines der schön dekorierten Osternester und wartete und sah sich um. Schön war es hier. Hier wĂŒrde es ihm gut gefallen. Langsam ging die Sonne auf und ein komischer, bunter Vogel stolzierte, als wenn ihm das hier alles gehören wĂŒrde, ĂŒber den Hof, flatterte auf einen etwas streng riechenden HĂŒgel, der ein wenig abseits der GebĂ€ude lag und schrie sich die Lunge aus dem Hals. Kurz darauf kam Bewegung in das Haus. FensterlĂ€den wurden geöffnet, Stimmen waren zu hören und dann ging das Gartentor auf und eine Frauenstimme rief:»Michael! Hannah! Ihr könnt jetzt suchen kommen!« Roger war gespannt. WĂŒrden sie ihn wohl sofort entdecken? Wie wĂŒrden sie sein? Das kleine MĂ€dchen kam auf ihn zu. »Oh Michael, schau mal was ich gefunden habe, ein kleines KĂ€tzchen, ist es nicht sĂŒĂŒĂŒĂŸ?« Der Junge, ein paar jahre Ă€lter als das MĂ€dchen, kam herbeigelaufen, nahm Roger auf den Arm und stellte sofort fest: »Das ist ein keiner Kater. Komm, wir fragen Mama, ob wir ihn behalten dĂŒrfen.« »DĂŒrfen wir bestimmt, der alte Peter ist ja leider gestorben. Gib ihn mir auch mal auf den Arm.« Sie nahm Roger ganz vorsichtig an sich, streichelte ihn am Kinn und sagte ganz leis: »Dich behalte ich und ich nenn dich Peterle.«
»Peterle?«, dachte Roger, »na ja, auch nicht schlecht, kann ich mir gut merken und besser als Roger oder KamoN klingt es allemal.« Wohlig schnurrend schmiegte er sich in den Arm des kleinen MÀdchens.

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flammarion
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sehr schöne

ostergeschichte! gut geschrieben, recht modern, aber lieb. Kommt in meine sammlung. lg
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Old Icke

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