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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Katzengeschichte -- Nachbarn
Eingestellt am 01. 12. 2005 17:55


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sylvanamaria
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2005

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Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle: Kasimir von Hohenstein. Sie haben sicher schon von mir geh√∂rt. Nein ? Sie sind wohl nicht aus der Branche. Wie bedauerlich. Jeder kennt meinen Erfolg in Insiderkreisen. Sie m√ľssen sich unbedingt einmal meine Preisgalerie anschauen. Rassekatzen wie ich sind heutzutage selten und die Klasse will immer bewahrt werden. Allein die Pflege meines blauschimmernden Fells nimmt Zeit in Anspruch; aber dazu hat man Personal. Sie denken, ich bin eingebildet. Das sehen Sie aber falsch. Ich wei√ü, wer ich bin. Nun, eigentlich wusste ich es bis vergange-nen Samstag. Aus ungekl√§rten Gr√ľnden, die mir nicht mitgeteilt wurden, hat meine Herrschaft beschlossen, den Wohnsitz zu wechseln. Die wun-dersch√∂ne Villa mit eigenem Zimmer musste ich tauschen gegen ein Ge-meinschaftszimmer mit meiner Herrschaft; sie nennen es Wohnzimmer. Ich nenne es klein. Und erst das Umfeld. Mir fehlen die gro√üen Terassen-fenster, vor denen ich stundenlang lag. Mir fehlt meine Privatsph√§re und meine t√§glichen Massageeinheiten. Meine Herrschaften sind neuerdings den ganzen Tag besch√§ftigt und keiner spielt mit mir so ausgiebig wie fr√ľher. Es wird sogar verlangt, dass ich mich putzen soll. Neulich wurde mir sehr √ľbel mitgespielt, obwohl ich bemerken muss, es gab ein gutes und erstaunliches Ende. Diese Geschichte muss ich Ihnen einfach erz√§hlen.
Meine Herrschaft setzte mich au√üerhalb des Hauses ab und verlangte allen Ernstes, dass ich meine Samtpf√∂tchen mit der braunen Substanz beschmut-zte. Sie nennen es Garten mit Erde, Wiese und B√§umen. Es war unheim-lich ; ein komisches Singen lag in meinen Ohren, die ich vergeblich anzu- legen versuchte. Sp√§ter erfuhr ich, dass dieses Ger√§usch Wind hei√üt. Mei-ne Schnurrhaare str√§ubten sich. Ich sa√ü verlassen und allein vor der T√ľr und √ľberlegte allen Ernstes, warum ich diesem Ungemach ausgesetzt wur-de. Ich bin doch ein Vorbild von einem Kater ‚Äď gut erzogen, nicht laut oder l√§stig. Verstehe einer die Menschen. Pl√∂tzlich ert√∂nte eine Stimme neben mir und riss mich aus meinen kl√§glichen Gedanken. Nicht, dass ich



Angst hatte; nein, aber etwas erschrocken war ich schon. Neben mir sa√ü ein gro√ües braunes Wesen, von dem ich annahm, dass es auch zur Gattung der Katzen geh√∂rt. Aber wie ordin√§r: struppiges, kurzhaariges Fell, das wie Draht aussah, und einem gefranzten Schwanz. Gro√üe glasklare Augen (merkw√ľrdig f√ľr eine Katze) schauten mich durchdringend an. Du bist bestimmt der Neue, sprach er mich an. Willkommen. Ich bin Tom von nebenan. Wenn du willst, kann ich dich ein bisschen rumf√ľhren. Ich f√ľhlte mich erhaben √ľber diese Ehrverletzung. Wie kam er dazu, mich zu duzen. Er musste doch sehen, dass ich Stufen √ľber ihm stand. Er schien dies nicht so zu empfinden und fuhr fort. Willst du meine Schwester Mizzi kennen lernen ? Komm, ich lade dich ein. Dem sch√∂nen Geschlecht war ich noch nie abgeneigt gewesen. Wer wei√ü, vielleicht fand sich in dieser Ein√∂de ein bisschen Abwechslung. Viel erwartete ich allerdings nicht. Ich √ľberwand daher meine Abneigung gegen die sogenannte Erde, die sich kr√ľmelig in meine empfindsamen Pfotenballen eingrub, und hoffte, dass der Tag sich etwas besser entwickeln w√ľrde. Ich, der ich doch das beste von allem gewohnt war: samtweiche Kissen im Katzenk√∂rbchen, Flausch-decken auf dem Diwan und vor dem Fenster, schritt hinter einem Unbe-kannten her, in einem unbekannten Land um eine Unbekannte zu treffen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Pl√∂tzlich standen wir vor einem Hin-dernis. Tom nahm Anlauf und war verschwunden . Komm, rief er von der anderen Seite. Wie denn, knurrte ich missgelaunt. Spring einfach ! Was bedeutet ‚Äď springen ? Tom kam zur√ľck. Du willst mich veralbern. Wo kommst du denn her, dass du nicht wei√üt, wie man einen Zaun √ľberspringt ? Nun Tom, kl√§rte ich ihn auf. Ich bin aus adligem Hause und f√ľr Dienst-leistungen hat man Personal. Das ist mir zu hoch, seufzte Tom. Bleib hier, ich hole Mizzi, ich glaube, sie versteht deine Sprache besser. Ich versuch-te, ein einigerma√üen sauberes Pl√§tzchen zu finden, um mein Fell nicht all-zu sehr zu verfilzen und zu beschmutzen, denn ich war mir mit einem Mal nicht mehr so sicher, ob es noch Personal geben w√ľrde. Ich schaute mich




um, verschiedene Dinge kannte ich, auch wenn ich sie noch nie aus der N√§he gesehen hatte. Das Gr√ľne war Rasen, das gr√ľne Bunte Wiese, das Hohe nannte man Baum, das Halbhohe Strauch, das Braune dazwischen Erde mit gr√ľnen und bunten Dinge, die mir noch unbekannt waren und deren Zweck ich nicht verstand. Das Ganze hatte den Namen Garten. Das Strahlende vom Himmel war Sonnenlicht. Ich streckte mich etwas aus, da mir warm wurde. Ich gab es ungern zu, aber vielleicht war Toms drahtiger kurzhaariger K√∂rper doch besser diesem Wetter angepasst als mein Lang-pelz, der aber zugegebenerma√üen sehr gepflegt und elegant war. Seufzend sah ich mich um. Ich w√ľrde mich sehr vorsehen m√ľssen. Pl√∂tzlich ‚Äď ola la, das hatte ich nicht erwartet. Auf dem Hindernis vor mir, dem Zaun, sa√ü ein Traum von einem M√§dchen: hellgrau getigert mit schwarzen Ein-schl√ľssen, sehr vornehm, bernsteinfarbene Augen, ein hinrei√üender Au-genaufschlag. Und diese Stimme erst. Wir wurden uns noch nicht vorge-stellt. Ich bin Mizzi. Tom meinte, dass Sie eine F√ľhrung ben√∂tigen, da Ihnen die Umgebung fremd ist. Sie verneigte sich tats√§chlich kurz. Das sollte Toms Schwester sein ? Unm√∂glich. Ein Unterschied wie Licht und Schatten. Sie schien Gedanken zu lesen zu k√∂nnen. Sie wundern sich √ľber die verwandtschaftliche Beziehung ? Durchaus erkl√§rbar. Wir haben ver-schiedene V√§ter. Wie darf ich Sie nennen. Wie unh√∂flich von mir, brummte ich, der ich sonst nie um Worte verlegen war. Meine Pfote folgte meinem K√∂rper in einer Verbeugung: Kasimir von Hohenstein. F√ľr Sie jedoch Kasimir. Sie sprang vom Pfosten und landete grazi√∂s vor mir. Erz√§hlen Sie mir etwas von Ihrem vorherigen Heim, es war wohl sehr anders, schlussfolgerte Mizzi. Beim Erz√§hlen geriet ich ins Schw√§rmen, merkte aber bald, dass sie uninteressiert und unlustig wirkte. Es h√∂rt sich langweilig an, sagte sie. Langweilig ? Oh nein, ich hatte viele intellektu-elle und erbauliche Unterhaltungen. Aber hatten Sie auch Spa√ü ? Spa√ü, ein merkw√ľrdiges Wort, was ist darunter zu verstehen ? Mizzis Augen weite-ten sich. Pl√∂tzlich in das Du verfallend rief sie entsetzt: Du wei√üt nicht,





was Spa√ü ist ? M√§use jagen, Wettrennen auf B√§ume, √ľber die Wiese mit
den Schmetterlingen, Hunden einen Streich spielen ‚Äď eben Spa√ü. Mizzi, das ist mir fremd, was ist ein Hund und was sind Schmetterringe ? Schmetterlinge, verbesserte sie mich. Mit einem Blick in den Himmel sagte sie: es wird sp√§t, dein Frauchen wird dich vermissen und suchen. Frauchen.. ? Wie nennst du den, der dir dein Futter gibt. Herrschaft, erwiderte ich . Nun, deine Herrschaft wird dich vermissen. Wir treffen uns morgen wieder hier, wenn die Sonne aufgeht. Entsetzt rief ich: so fr√ľh ? Mizzi schien die Geduld mit mir zu verlieren, ich setzte daher hinzu: ich versuche es, ich bin es nicht gew√∂hnt. Ich empfand ihre Gesellschaft als sehr angenehm und wollte daher meinen ersten Kontakt nicht verlieren.. Mizzi erwiderte, versuch es, es ist die sch√∂nste Zeit des Tages. Falls du verschlafen solltest, ich werde √∂fters dem Garten einen Besuch abstatten. Mit einem Satz √ľber den Zaun entschwand sie meinen Blicken. Was f√ľr ein Tag. Langsam trat ich den Heimweg an. R√ľckw√§rts sah alles anders aus als vorw√§rts, aber bald stand ich vor dem Haus und miaute. Die T√ľr √∂ffnete sich und vor mir stand wie nannte es Mizzi mein Frauchen und kraulte mir den R√ľcken. Das mag ich √ľber alles. Nun Kasimir, hast du schon deine Nachbarn kennen gelernt ? Ich habe geh√∂rt, sie haben zwei Katzen. Ich schl√§ngelte mich durch ihre Beine in Erwartung meines Abendmahls. Aha, Nachbarn ‚Äď so nennt man also jemanden von nebenan. Das neue Leben versprach sehr abwechslungsreich und vor allem anders zu werden.

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe.
deine geschichte gef√§llt mir, allerdings k√∂nnte sie st√§rker gegliedert sein. so eine bleiw√ľste liest sich nicht gut. entferne bitte auch die trennstriche.
ich bin gespannt auf eine fortsetzung dieser geschichte. dein edelkater erlebt doch hoffentlich noch mehr?
lg
__________________
Old Icke

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sylvanamaria
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2005

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Kommentar Katzengeschichte

Ich war ziemlich aufgeregt, bis jetzt habe ich meine Geschichten niemanden gezeigt.Vielen Dank f√ľr den guten Kommentar. Fortsetzung wird garantiert folgen.

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AliasI
???
Registriert: Apr 2005

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Kommentare: 108
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Hallo sylvanamaria,

ich liebe Katzengeschichten, und deine ist richtig gut geschrieben, so von der Sicht eines Adeligen her, der noch nicht einmal einen Garten kennt.

Tom von nebenan, das ist bestimmt auch ein Adelstitel...

Was ich zu bem√§ngeln habe? Nicht viel. Ich stehe sowieso mehr auf originelle und gute Ideen als auf blendenden Stil, aber: Nicht zuviele kurze S√§tze hintereinander, das erm√ľdet - genau so wie viele lange S√§tze hintereinander. (Ich w√ľnschte, ich k√∂nnte mich an meine eigenen Ratschl√§ge halten.) Es kommt halt auf die Mischung an. Und nat√ľrlich die bl√∂den Trennstriche. Am besten die Trennautomatk in Word abschalten.

Ansonsten ist alles bestens. Freue mich auf eine Fortsetzung. Romanze mit Mizzi?

Liebe Gr√ľ√üe Ingrid
__________________
Die Lust ist eine Kunst, aber die Kunst ist nicht immer eine Lust (von mir oder von irgendeinem anderen).

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