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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Katzenliebe oder wie ich auf die Katze kam
Eingestellt am 30. 04. 2009 11:03


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Haremsdame
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23. Dezember, ein Tag vor Heilig Abend. Kinder freuen sich voller Erwartung; Eltern sind noch beschäftigt und stehen früh auf ...
Wie immer richte ich als erstes das Katzenfutter. Normalerweise streift mir Molly dabei um die FĂĽĂźe. Da ich noch halb schlafe, bemerke ich ihr Fehlen erst, als das Futter bereit steht.
Ich finde sie in ihrem Körbchen. Schlafend? Nein, sie bewegt sich nicht; ist kalt – und steif. Oh Gott, was mach ich nur? Wie bringe ich das unserer Tochter bei? Sie schläft noch – ausnahmsweise im Ehebett. Ich bewege mich ganz leise zum Telefon. Rufe meinen Mann an, der sich in Kur befindet. Morgen dürfen wir ihn heimholen.
Auch er ist erschüttert. Immerhin begleitet ihn Molly schon seit 13 Jahren. Patrizias Mutter hat sie während ihrer Schwangerschaft gefunden. Erst kürzlich sahen wir uns alte Filme an, in denen Patrizia als Baby mit der Katze spielte. Die Kleine durfte sie sogar am Schwanz ziehen, ohne Angst vor den Krallen haben zu müssen.
Vor gut einem Jahr ist Patrizias Mutter gestorben. Im Frühjahr starb die Oma. Und nun auch noch die Katze! Ich leide mit dem Mädchen. Habe Angst vor seiner Trauer.
Lange weinen wir eng umschlungen. Dann grabe ich im Garten ein tiefes Loch und vorsichtig lassen wir Molly in die Grube gleiten. Patrizia wirft ein Spielzeug hinterher, bevor wir das Loch wieder zuschĂĽtten und das frische Grab mit Reisig abdecken.
In der Wohnung ist es leer. Keine Katze liegt als Stolperstein im Weg. Kein Jammern nach Futter ... Auch wir haben keinen Hunger. Statt mich ums Essen zu kümmern, telefoniere ich die örtlichen Tierärzte ab, ob sie wissen, wer junge Kätzchen hat. Leider erfolglos. Jetzt ist nicht die richtige Zeit für junge Katzen.
Ich rufe im „Zooladen“ an. Dort fragt man mich, ob ich Stofftiere suche. Ich bin bei einem dem Zoo angeschlossenen Geschäft gelandet. Der zweite Versuch schlägt auch fehl. Man verweist mich ans Tierheim. Dort erfahre ich, dass die letzte Katze bereits vergeben sei. Schließlich steht Weihnachten vor der Tür. Internet hilf mir! Endlich finde ich noch ein Tierheim – etwa 50 km von hier. „Wir haben zur Zeit geschlossen“, teilt mir der Leiter mit. Traurig erzähle ich ihm von unserem Notfall: „Und das zu Weihnachten!“ Er versteht mich und erklärt mir, dass sie zu Weihnachten keine Tiere abgeben. Doch in unserem Fall sei das etwas anderes, wir könnten heute Nachmittag kommen. Sie hätten auch junge Katzen.
Bevor wir uns auf den Weg machen, werden Mollys Spuren beseitigt. Alle Decken wandern in die Waschmaschine, das Körbchen wird geschrubbt und das Futter entsorgt. Die Beschäftigung tut gut, lenkt von der Trauer ab. Wir schaffen es sogar, ein wenig zu essen. Dann sitzen wir im Auto und frischen unsere Erinnerungen auf. Wir sprechen darüber, wie Molly mal für ein Tage verschwunden war, darüber, wie dünn sie in den letzten Monaten geworden ist und ob wir das Unvermeidliche noch hätten aufhalten können.
Am Tor zum Tierheim werden wir abgewiesen: Wir haben geschlossen. - Ihr Chef hat mir aber gesagt, wir könnten bis 17 Uhr kommen. - Ach, Sie haben telefoniert? Dann kommen Sie herein.
Hunde kläffen, im Büro quatscht ein Papagei. Der steht nur auf Frauen, mag keine Männer, erfahren wir. Dann führt uns eine Pflegerin zu den Katzenzimmern. Im ersten sind Kater, im zweiten und dritten Weibchen. Die junge Frau holt ein getigertes Katzenkind heraus und behält es auf dem Arm. Es hat gerade geschlafen, soll erst in Ruhe aufwachen. Cini ist vor acht Monaten im Tierheim zur Welt gekommen, wurde vor zwei Wochen kastriert und hat schon einen Chip. Wir dürfen sie streicheln und auf den Arm nehmen. Sie schnurrt behaglich und schaut uns mit grünen Augen groß an. Die Ohren hat sie aufgestellt, als wolle sie kein Geräusch versäumen. Sie riecht ganz anders als Molly. Wir können uns nicht gleich entscheiden, schauen uns erst noch um. Es gibt wunderschöne, stolze Kater, aber wir sind einig, dass wir keinen Kater wollen. Nach etwa einer Stunde machen wir uns auf den Heimweg. Eine miauende Cini begleitet uns.
Inzwischen sind vier Monate vergangen. Cini ist zu meiner Katze geworden, obwohl ich durch kein Haustier mehr angehängt sein wollte. Molly war mir irgendwie fremd. Cini hat jedoch innerhalb kürzester Zeit mein Herz erobert. Ich mag es, wenn sie um meine Füße schnurrt. Ihre Art, die Welt um sich herum zu erkunden, sich auf die Hinterbeine zu stellen und sich neugierig am Regal zu strecken, bringt mich oft zum Lachen. Nicht erst einmal haben wir sie gesucht, nachdem sie in einem der offenen Schränke verschwunden war. Gerne tankt sie unter meiner Schreibtischlampe Wärme. Dann hat sie die Vorderpfoten unter dem Kopf versteckt, den Schwanz genüsslich um den Körper gewickelt, die Ohren aufgestellt, um meinem Tippen zu lauschen, aber die Augen sind geschlossen. Streichle ich sie, stellt sie die Schwanzspitze auf und reckt mir ihren Kopf entgegen. Nach einer Weile beginnt sie sich zu strecken und zärtlich an meinen Fingern zu knabbern. Ein deutliches Zeichen für mich, vorsichtig zu werden. Denn fährt sie erst einmal ihre Krallen aus, kann das richtig weh tun. Verlasse ich meinen Arbeitsplatz, hat Cini nichts Eiligeres zu tun, als meinen Stuhl zu belegen. Doch sobald sich jemand ihrem Fressplatz nähert, kommt sie gelaufen. Es könnte ja sein, dass es etwas Gutes gibt! Cini ist keine Kostverächterin – ganz im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin, die immer Reste in ihrem Fressschüsselchen übrig ließ.
„Durch Cini fehlt mir Molly weniger“, sagte Patrizia kürzlich. Ich kann sie gut verstehen. Geht es mir doch ähnlich: an schlechten Tagen schenkt mir das inzwischen erwachsene Fellbündel Trost. Sie zeigt mir, dass sie mich mag, egal welche Laune ich gerade habe. Wenn ich ihr versehentlich mal auf den Schwanz oder eine Pfote trete, weil ich gerade nicht damit rechne, dass sie mir unter die Füße kriecht, dann schreit sie laut auf und kehrt mir den Rücken zu – doch sie ist nie lange beleidigt. Spätestens wenn wir ihr ein knisterndes Papierchen zum Spielen geben, dreht sie voll auf und tanzt wie eine Verrückte durch die Wohnung.
Nachts schläft sie am liebsten auf einer Bettdecke. Ihre Wärme dringt bis ins Herz vor, auch wenn sie einen beim Umdrehen behindert. Morgens gegen vier wird sie meist munter und will Zehenfangen spielen. Dann muss sie gehen und bekundet vor der Schlafzimmertür ihren Hunger, sobald wir aufstehen. Als jüngstes Familienmitglied steht sie meist im Mittelpunkt. Wir möchten sie nicht mehr missen!
29.4.2009@gst

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Herbstblatt
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Hallo Haremsdame,

dein Text gefällt mir gut. Ich bin auch eine Katzenbesitzerin, naja eher -Bedienstete

Ein paar Dinge muss ich aber doch nachfragen:

Wer ist Patrizia - das Kind, richtig? Und die Erzählerin ist ihre Mutter? Aber ihre Mutter starb vor einem Jahr, wer also ist sie? Vorher sagt sie jedoch "unsere Tochter" und "ich rufe meinen Mann an". Das hat mich ein wenig verwirrt. Man muss ne ganze Weile darüber nachdenken.

Auch verwirrend: mit Molly ist sie nie warm geworden, du schreibst "ist mir fremd geblieben". Aber sie weint mit Patrizia um die Katze. Das passt für mich nicht richtig zusammen. Ist aber ein rein persönlicher Eindruck.

Ansonsten finde ich den Text flĂĽssig und gut geschrieben.

LG Herbstblatt
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Haremsdame
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Liebe Carla,

es erstaunt mich, dass Du nach so vielen Monaten diesen Text gefunden hast. Das nochmalige Lesen hat ein Lächeln auf mein Gesicht gezaubert. Unsere Cini ist nicht mehr klein - ganz im Gegenteil. Sie ist groß und kräftig geworden; der Tierarzt behauptet sogar, sie sei zu dick. Seit Monaten ist sie auf Diät gesetzt und hat insgesamt nur 300 Gramm abgenommen. Sogar jetzt, wo sie ihr Trockenfutter verächtlich stehen lässt, wird sie nicht leichter ... Aber sie wird wieder beweglicher, spielt wieder so früher. Ihr liebstes Spielzeug ist ein langes Schuhband.

Da dies ein Tagebucheintrag ist, habe ich keine weitere Erklärungen gegeben. Aber es ist klar: woher sollst Du wissen, dass ich Patrizias Stiefmutter bin? Eigentlich mag ich dieses Wort nicht, da es in Märchen immer negativ verwendet wird ...

Es freut mich, dass Du diesen alten Beitrag von mir ausgegraben hast :-).

Danke sagt die Haremsdame
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jon
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Die Sache mit Patrizia ist mir auch aufgestoßen: Beim Lesen dachte ich bei "Patrizias Mutter … " auch: Wer ist das jetzt? Das würde sich aber auch nicht erheblich ändern, wenn "Stieftochter" da stünde. Ich habe bis zum Schluss für möglich gehalten, dass Patrizia und "meine Tochter" zwei Personen sind (und hab mich nur etwas gwundert, warum "meine Tochter" plötzlich keine Rolle mehr spiel).

Noch was: Ich glaube, Katzen werden nicht kastriert, nur Kater. Katzen werden sterilisiert.


Zum Stil: Mir(!) erscheint der Text etwas zu atemlos, zu rasch runtererzählt oder besser: zu gleichförmig runtererzählt. Die Stimmungen spiegeln sich nicht im Klang, sie stehen "nackt", fast "hart" nur in der Semantik. Die Beschreibung, wie sich Cini verhält, malt zwar auch ein Bild, aber selbst das "klingt" nicht, es wirkt nur, wenn ich mal kurz aus dem Text aussteige (um mir Zeit, die der Text kaum lässt, für das Bild zu nehmen) und mir dann vorstelle, wie das sich dann anfühlen würde. Der Text (sein Klang) vermittelt mir dieses Gefühl nicht. Schade.
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Haremsdame
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@flammarion:
wer freut sich nicht, wenn sein Text gern gelesen wird? Danke für die Einschätzung!

@jon:
Dir danke ich für Deine Kritik. Sicher hast Du recht, dass ich diese Geschichte schnell runter erzählt habe. Wahrscheinlich muss ich nach längerer Abstinenz - in der mir die Zeit zum (gemütlichen) Schreiben fehlte - erst wieder rantasten ...

Übrigens dachte ich auch jahrelang, dass nur Kater kastriert werden. Inzwischen wurde ich aber durch den Tierarzt aufgeklärt, dass man auch Katzen kastriert. Bei der Kastration werden die Eierstöcke operativ entfernt, bei der Sterilisation nur die Eileiter durchtrennt. Bei der Sterilisation bleibt der Geschlechtstrieb mit allen seinen unerwünschten Begleiterscheinungen erhalten. Man tut den Katzen damit nichts Gutes (heißt es).
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