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Leselupe.de > Humor und Satire
Kaufhauspsychologie versus selbstbestimmtes Einkaufen
Eingestellt am 14. 05. 2004 10:52


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Frederik
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

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Kaufhauspsychologie

Neulich saß ich meinem Lehrer fĂŒr Allgemeinwissen gegenĂŒber. Seine zwanzig Zoll Bildschirmdiagonale prĂ€sentierte mir eine Sendung ĂŒber Kaufhauspsychologen. Diese Leute sorgen dafĂŒr, dass wir mit drei Einkaufswagen den Supermarkt verlassen, obwohl wir lediglich zwei SuppenwĂŒrfel benötigten.

Produktanordnung, Musik, Farben alles Wahrnehmbare, oder auch nicht Wahrnehmbare, wird mit einem Psychologen abgestimmt. VerstĂ€ndlicherweise war ich schockiert. Seit Jahren, werde ich Woche fĂŒr Woche manipuliert. Ich hatte diesen Verdacht schon, als ich beim letzten Einkauf spontan einen farrariroten RasenmĂ€hertraktor kaufte, obwohl sich der Freiluftbereich meiner Wohnung auf einen Balkon beschrĂ€nkt; dessen FlĂ€che im Übrigen nun mit dem RasenmĂ€her ausgefĂŒllt ist. Aber nun hatte ich den Beweis, bunt auf TFT!

Am nĂ€chsten Morgen machte ich mich auf zum hiesigen Supermarkt. So ein richtig großes Kaufhaus mit Kleidung, Obst, Nudeln, Eier, Salmonellen, Brötchen, Elektrowaren, Psychologen, Zeitungen, Kaffee und vielem mehr. Der Wocheneinkauf war zwar noch nicht fĂ€llig, aber ich wollte mir -und denen, die mit meiner Psyche experimentierten- beweisen, dass ich selbstbestimmt einkaufen konnte. Ich war nun eingeweiht in die ĂŒblen Manipulationsmachenschaften, ergo konnte mir kein Psychologe mehr etwas aufzwĂ€ngen.

Es war soweit, ich passierte mit meinem Einkaufswagen den Eingangsbereich. Rechts von mir stand eine junge Frau in der Dessousabteilung. Sie lĂ€chelte mich an und blinzelte mit dem rechten Auge. Ich war fĂŒr einen Moment verzĂŒckt und fĂŒhlte mich geschmeichelt. Dann wurde mir klar, dass es sich nur um einen weiteren verkaufsfördernden Trick handeln musste. So etwas passierte allenfalls im Fernsehen, und auch dort nur in unseriösen Filmen. Ich lief auf die Frau zu, packte sie an den Schultern und schrie ihr ins Gesicht, wie satt ich es hĂ€tte stĂ€ndig von Verkaufspersonal manipuliert zu werden. Die Frau versprach mir es weiterzugeben, sobald sie einen VerkĂ€ufer sĂ€he. Mit einem gewissen Maß an Schamesröte fĂŒhrte ich meinen Einkauf fort.

Überhaupt, eine Dessousabteilung, direkt am Eingang. Klar, hier soll die Durchblutung des mĂ€nnlichen Gehirns deutlich herabgesetzt werden, zugunsten einer maximierten Durchblutung in anderen Körperregionen. Ein trockenes Gehirn lĂ€sst sich eben leichter beeinflussen. Wer diesen gemein schönen Taschenspielertrick verharmlosen will, indem er damit argumentiert, dass die meisten Einkaufswilligen noch ihre Gattin zur Seite haben, deren Gehirn noch nicht blutentleert vor sich hingetragen wird, irrt. Direkt gegenĂŒber der Lingerie befindet sich die Schuhabteilung, womit oben beschriebenes Symptom entsprechend auf die Gattin ĂŒbertragbar ist.

Ich konzentrierte mich, um weitere Strategien der Marktleitung zu durchschauen. Insbesondere die subtilen Methoden galt es aufzudecken. Die Kommunikation mit meinem Unterbewusstsein unter Ausschluss meines Bewusstseins, musste verhindert werden. Plötzlich hörte ich es...

Geheime Botschaften klangen zwischen den Tönen der gewohnten Kaufhausmusik. Phil Collins versuchte mich zu einem maximierten Konsumverhalten zu animieren. Es war eine Art KrĂ€chzen, vom Bewussten-Ich kaum wahrzunehmen. Es schienen hebrĂ€ische Suggestionen zu sein, rĂŒckwĂ€rts gesprochen und dann verkehrt herum abgespielt, eventuell sogar von links nach rechts gesprochen. Zugegeben, eigentlich kenne ich nur das hebrĂ€ische Wort Schlemihl, aber das Unterbewusstsein versteht das stĂ€ndige KrĂ€chzen wahrscheinlich und ĂŒbersetzt es als „Kauf mehr, kauf schon, Schokolade macht glĂŒcklich, Frauen brauchen Schuhe ...!“,und Ähnlichem mehr. Um den juristischen Grundsatz in dubio pro reo zu wahren, muss ich allerdings gestehen, dass es sich auch um einen defekten Lautsprecher gehandelt haben könnte. Wobei mir ersteres Szenario wahrscheinlicher erscheint.

Dann erinnerte ich mich an einen weiteren geheimen Dreh der Psychologen, der mir -und Dreimillionen weiteren Fernsehzuschauern- in der konspirativen Sendung verraten wurde. Teure Produkte sollten immer in Augenhöhe stehen, wĂ€hrend die erschwinglichen eher in BodennĂ€he zu finden sein sollten. Ich stand vor meinem gewohnten Rasierwasser, „König der LĂŒfte“, platziert in Augenhöhe, 13,80 Euro. Fast hĂ€tte ich zugegriffen, doch ich begab mich in die Hocke. TatsĂ€chlich, „Prinz der Erde“, 3,80 Euro. Ich sah unter dem Regal und fand „Knecht des Erdreichs“ fĂŒr 3,80 DM. Unglaublicher Erkenntnisgrundsatz: Höhenluft wirkt inflationsbeschleunigend.

Aus nachvollziehbaren GrĂŒnden, fĂŒhrte ich meinen Einkauf auf allen Vieren fort. Ich stellte fest, dass mein neugewonnener Grundsatz nahezu AllgemeingĂŒltigkeit in Anspruch nahm. Außerdem kann ich nun aus Erfahrung sagen: Haute couture AbsĂ€tze a la Gucci schmerzen auf dem HandrĂŒcken Ă€hnlich wie Discounttreter. Ausnehmend, wenn eine viertel Tonne auf einen Quadratzentimeter konzentriert wird.

In der GemĂŒseabteilung wurde ich wieder zu einer aufrechten Haltung gezwungen, denn eine junge Dame warf mir ihr Rotkohlglas auf dem Kopf. Sie meinte ich bewegte mich in BodennĂ€he, um ihr unter dem Rock zu schauen. Ich erwehrte mich, ob solcher Behauptungen. Als wenn mich ihr blöder, rosafarbener Slip interessierte.

Eine interessante Entdeckung lenkte mich ab. Vor der GemĂŒsewaage stand eine gestandene Hausfrau und brach die grĂŒnen Stiele von ihren Paprikaschoten. Clever, dachte ich mir. Diese Frau lĂ€sst sich nichts andrehen. Vor dem Wiegen wurde sĂ€mtliches GrĂŒn abgerissen. Ein VerkĂ€ufer lĂ€chelte ihr noch mit einem Kopfnicken zu. Wahrscheinlich aus purer Resignation. Ich nahm diese Jeanne dÂŽ Arc des Supermarktes zum Vorbild. Warum sollte ich fĂŒr meine Bananenschalen den selben Kilopreis zahlen, wie fĂŒr meine Bananen? Folglich trennte ich Bananen und Schale vor dem Wiegen, ebenso wie NĂŒsse und Schale. Ich lĂ€chelte dabei freundlich dem VerkĂ€ufer zu. Er lĂ€chelte nicht. Meine Aktion stieß auf wenig Gegenliebe. So wog ich meine Schalen nach, um ein Hausverbot zu umgehen. Alternativ gewĂ€hrte mir der GemĂŒseaufseher die Möglichkeit, die Schalen vor Ort zu verzehren. Ich lehnte ab. Aus niederen RachegelĂŒsten drĂŒckte ich allerdings bei den Bananenschalen die Taste „WalnĂŒsse“.

Endlich fand ich MaggiwĂŒrze, nachdem mich drei VerkĂ€ufer an vier verschiedene Orte geschickt hatten. Sie wollten mich natĂŒrlich nur verfĂŒhren, unterwegs weitere unnĂŒtze Artikel zu erwerben. Dilettantischer Versuch. Ihre Rechnung ging nicht auf. Die einzigen Waren, die ich aufgrund der Suche zusĂ€tzlich in den Einkaufwagen legte, waren eine Taschenlampe, eine Zeitschaltuhr, ein Digitalkompass, ein Lichtdimmer, zwei Leuchtjojos, ein PC, ein Helioskop, ein Schweizermesser, ein GPRS-Navigationssystem, eine geblĂŒmte Tischdecke mit Leuchtdioden, ein Handy und ein multifunktionales Weiß-ich-noch-nicht-was-das-ist, kurz und gut: Technik die begeistert, nur das Notwendigste.

Nun studierte ich die Maggipreispolitik. 500 ml kosteten 2,98 Euro, hingegen waren 1000 ml schon fĂŒr 5,94 Euro zu haben. FrĂŒher hĂ€tte ich natĂŒrlich die kleine Flasche genommen, weil ein halber Liter Maggi bis zum nĂ€chsten Wohnungswechsel reicht. Sensibilisiert, wie ich nun war, fing ich an zu rechnen. Die Literflache bedeutete zwei Cent Ersparnis pro Liter und was spricht gegen Maggi in Umzugskartons. Ich setzte mich mit der GeschĂ€ftsleitung in Verbindung und handelte nahezu problemlos vier Cent Rabatt auf jeden Liter aus. Ich musste mich im Gegenzug nur verpflichten fĂŒnf Hektoliter abzunehmen. Was fĂŒr ein Sparpotential! Ich bestellte noch drei Doppelzentner Schokohasen, einen Container Kartoffeln, sechs Kubikliter Ketchup, fĂŒnfzig Gros Toilettenrollen, und einige Dutzend weitere Artikel. NatĂŒrlich nicht ohne einen adĂ€quaten Rabatt herauszuholen. Diese, in meiner Sparwut erworbenen, Artikel bekam ich grĂ¶ĂŸtenteils sogar frei Haus geliefert. Lediglich einige speziellere Dinge galten nur „free on board, columbia“, diese konnte ich aber ab Hamburg Hafen abholen. So ein selbstbestimmter Einkauf hat etwas befreiendes.

Ich schob meine drei, aus reiner Eigeninitiative gefĂŒllten, Einkaufswagen in Richtung Kasse. Nach meiner stringenten Selbstdisziplin gönnte ich mir einen Impulskauf, um nicht die ArbeitsplĂ€tze der Kaufhauspsychologen zu gefĂ€hrden. Außerdem ließen sich mit dem zitronengelben RasenmĂ€hertraktor die Waren leichter nach Hause ziehen. Ein gelungener Einkauf, hĂ€tte ich nur nicht die verflixten SuppenwĂŒrfel vergessen.

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flammarion
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prust,

kicher, lach! meine bude wackelt. vielen dank fĂŒr diese herrliche satire!
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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Frederik
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Re: prust,

Hallo,

danke fĂŒr den Kommentar. Ich freue mich sehr, wenn ich Resonanz bekomme.
Oder ist das nur ein psychologischer Trick?!

Liebe GrĂŒĂŸe zurĂŒck
Frederik

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flammarion
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nu,

wenn es einer ist, dann mach mal so weiter. erfolg garantiert!
lg
__________________
Old Icke

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