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Leselupe.de > Ungereimtes
Kaukasus
Eingestellt am 27. 05. 2008 19:23


Autor
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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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Kaukasus


Vater, wer fesselte dich
an den Felsen
Stein gewordener Angst
verh├Âhnt verlacht vergessen
zu werden im Taumel
zwischen Vorherbedenken
und nachher Bereuen
l├Ąsst du den Adler
deine Leber verkosten
St├╝ckchen f├╝r St├╝ckchen
einen Teil deiner selbst
weit hoch hinaus schwingen
wo doch die Hoffnung
nur ein dumpf geschlagener Beat
an die W├Ąnde von Pandoras B├╝chse ist
schlafen die titanischen Br├╝der
einen gro├čen Rausch
aus Erinnerungsl├╝cken

Am Ufer unserers Gesangs
aber bleibe ich allein
zur├╝ck dich zu kr├Ąnzen
mit kindlicher Liebe





┬ę elkENachtigall
Mai 2008



Version vom 27. 05. 2008 19:23
Version vom 27. 05. 2008 20:14
Version vom 27. 05. 2008 21:47
Version vom 28. 05. 2008 00:04
Version vom 29. 05. 2008 22:22

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Thys
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Elke,

eine Kind, dass ├╝ber seinen Vater sinniert. Soldat, gek├Ąmpft und/oder gefangen im Kaukasus. Wie er (endlich doch) in der Gefangenschaft aus diesem falschen Rausch aufwacht und ├╝ber sich und sein Tun beginnt nachzudenken mit all den daraus resultierenden Gewissensproblemen. Was mir gef├Ąllt, ist die ├╝berwiegende Schlichtheit im Text. Was mir nicht so ganz gef├Ąllt, sind die aus der Schlichtheit rausfallenden Titanen und die Murmeln.

Gru├č

Thys

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Liebe Elke,

da hast Du auf Prometheus zur├╝ck gegriffen, um etwas zu verdeutlichen. Da diese Geschichte so uralt ist, l├Ąsst sie sich heute weitr├Ąumig interpretieren.
Ich lese f├╝r mich die Undankbarkeit heraus, das Vergessen all dessen, was dem Menschen ├╝berhaupt erst zum ├ťberleben verholfen hat. Auch das Vergessen, unter welchen gro├čen Opfern die Erde f├╝r den Menschen lebbar wurde und deswegen das Abwenden von allem, was n├Âtig w├Ąre, um die Erde weiterhin lebbar f├╝r den Menschen bleiben zu lassen.

Liebe Gr├╝├če von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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Hallo Thys,

ja, es ist der Blick eines Kindes auf den "verfluchten" Vater. Einem Fluch verhaftet zu sein ist - wie du richtig sagst - ein Kampf, eine Gefangenschaft, die eine Ewigkeit dauert. Solange aber noch jemand an den Verfluchten "glaubt" (wie hier das Kind), gibt es auch Trampelpfade zur Befreiung.

Prometheus, liebe Vera Lena, der als menschenfreundlicher Revolution├Ąr die Gesetze der g├Âttlichen Hierarchien in Frage stellte/missachtete, erlitt (wie hier der Vater) eine grausame Strafe f├╝r seinen Feuereifer und die verhinderte Entwicklung gesunder sozialer ├ťberlebensstrategien.
Im chronischen Leiden bleibt der K├Ârper an den Stein (die Sucht) gefesselt und nur der Tr├Ąger vermag einem Teil des Opfers (gefressene Leber) kurzzeitig Fl├╝gel zu verleihen.
"Die Leber ist eines der gutm├╝tigsten Organe, obwohl sie der gr├Â├čte ÔÇ╣LasteselÔÇ║ des Organismus ist.┬╗ So treffend wird die Leber von der Deutschen Leberhilfe e.V. charakterisiert. Sie hat lange die F├Ąhigkeit zur Regeneration; die Demenz dagegen ist radikal.

Das Sch├Âne an der Prometheus-Metapher, finde ich, ist die Vielschichtigkeit der Geschichte, der zugrunde liegenden Motive, der famili├Ąren Ver├Ąstelungen bis in einen nachsintflutlichen Neuanfang hinein.
Manchmal muss man tief in sich graben, um eine Wurzel des Guten zu fassen zu kriegen, und mit ihr das Gef├╝hl, handlungsf├Ąhig zu sein, angesichts der gro├čen lebenstraurigen Ereignisse.

Ich habe eure Kommentare/Gedanken gelesen wie eine Umarmung des Gedichtes. Ganz lieben Dank daf├╝r. Elke

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mirami
Guest
Registriert: Not Yet

hallo enachtigall,

dein gedicht gef├Ąllt mir ausgesprochen gut. die aussage hast du bestens chiffriert und doch lieferst du genug anhaltspunkte. sie wird verstehbar durch einige gut ├╝bertragbare bilder. z.b. das an den fels der stein gewordenen angst gefesselt sein und das des leberverzehrenden adlers. (bei letzterem, mein ich, fehlt ein ÔÇ×zuÔÇť vor dem verkosten. wobei mir ein l├Ąsst stimmiger erscheinen w├╝rde als ein das lockst. dann brauchts auch das zu nicht mehr.) das ÔÇ×auf versteckten Gl├╝ck bringenden MurmelnÔÇť scheint mir ein wenig ├╝berladen und umst├Ąndlich. deshalb nur eine neun. ansonsten aber meine hochachtung f├╝r dieses gedicht und auch f├╝r den schluss, der f├╝r mich trotz des tragischen geschehens etwas vers├Âhnliches mitf├╝hlendes ausdr├╝ckt.

viele gr├╝├če
mirami

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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Hallo mirami,

meinen herzlichen Dank f├╝r Deine Auseinandersetzung mit "Kaukasus".
Die Anmerkungen zu der Formulierung rund um die Verkostung trifft ins Schwarze. Auch ich habe das "zu" lange hin- und hergedreht, ohne es endg├╝ltig einzusetzen. Die Wahl des einfacheren "l├Ąsst" ├╝berzeugt mich. Du hast mir mit Deinem feinen Sprachgef├╝hl sehr geholfen.
Da Du mit Thys ├╝bereinstimmend die Murmeln als st├Ârendes Beiwerk empfindest, werde ich diese Zeile komplett weg lassen. Bin schon gespannt, wie es sich ohne das liest.

Gr├╝├če von Elke

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