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Leselupe.de > Kurzprosa
Kazumba und der Betrunkene
Eingestellt am 02. 03. 2006 03:23


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Mazirian
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Kazumbas Abenteuer


3. Episode


Kazumba und der Betrunkene


(f├╝r Franz Kafka)


Als Kazumba, der schwarze Weise noch ein junger Bursche und war und sein Durst nach Erkenntnis am hei├česten brannte, schritt er oft des Nachts durch die nebeld├╝steren Stra├čen von Schmarantia, um im Dunkel jene Erleuchtung zu finden, die vom Licht der Tagessonne gew├Âhnlich ├╝berstrahlt wurde.
Auf einem dieser n├Ąchtlichen G├Ąnge geschah es, dass er zum ersten Mal in seinem Leben auf einen Betrunkenen traf. Interessiert beobachtete er, wie dieser mit stolpernden Schritten den Gehsteig entlang taumelte und sich von Laternenpfahl zu Laternenpfahl voran arbeitete. Manchmal sank sein Kopf weit nach vorn und er gab w├╝rgende Ger├Ąusche von sich, dann wieder lie├č er sich schwer auf die Treppe eines Hauseingangs fallen, schwenkte seine Flasche und gr├Âhlte selig den Mond an.
Nun h├Ątte sich Kazumba eigentlich angewidert abwenden k├Ânnen, denn ├╝ber die Betrunkenen und den Alkohol hatte man ihm nur Nachteiliges erz├Ąhlt. Dass es ein schlimmes Gift sei, welches sie aus Haltlosigkeit zu sich n├Ąhmen; dass sie ihrer Sinne nicht mehr m├Ąchtig seien und sich durch ihr willenschwaches Tun selbst zum stumpfsinnigen Vieh erniedrigten. Aber obwohl ihm dies auf den ersten Blick durchaus zutreffend erschien, blieb Kazumba stehen, um sich den Betrunkenen genauer anzuschauen.
Er kannte den Mann n├Ąmlich recht gut, da es Urmgarn, einer seiner Nachbarn war und er schon oft mit ihm gesprochen hatte. Allerdings hatte Kazumba ihn bislang f├╝r einen stillen, in sich gekehrten, ja, fast schwerm├╝tigen Menschen gehalten. Was auch nicht weiter wunderte, denn Urmgarn dr├╝ckten unabzahlbar hohe Schulden und sein einziger Sohn sa├č als verurteilter Verbrecher im Turm ohne Wiederkehr.
Dass seine Frau ihm fr├╝h verstorben war, machte die Sache nicht besser und es gab auch sonst nicht viel, was Urmgarn mit seinem unerfreulichen Dasein h├Ątte auss├Âhnen k├Ânnen: Weder besondere geistige Gaben, noch eine gef├Ąllige Erscheinung. Im Gegenteil - er wies eine ungew├Âhnlich hohe Zahl ├Ąu├čerlicher M├Ąkel auf und seine Sprache, wie auch seine Gedanken waren schlicht und dumpf. Niemals h├Ątte Kazumba mit ihm tauschen m├Âgen.
Aber wie er Urmgarn da, entr├╝ckt grinsend, auf der Treppe hocken sah, war er sich dessen nicht mehr so sicher.
Denn der schien den kalten Nebel gar nicht zu sp├╝ren, der Kazumba so unangenehm unter die Kleider kroch. Auch schienen ihn die trostlose Nacht und der Stra├čenschmutz nicht zu k├╝mmern, die Kazumba bleischwer aufs Gem├╝t dr├╝ckten. Ja, es kam Kazumba vor, als blickten Urmgarns leere, glasige Augen in eine Welt voller Sonne und Gramlosigkeit, in der weder Schulden, noch sp├Ąrliche geistige Gaben und Gebrechen ein Grund zum Tr├╝bsinn sein konnten.
Nicht nur das: Da Urmgarn auch nicht zu frieren schien und seine triste Umgebung offenbar gar nicht wahr nahm, fand Kazumba es nicht unwahrscheinlich, dass sich sein Nachbar sogar vollst├Ąndig k├Ârperlich in jener Welt aufhielt; unbeschadet der Tatsache, dass ein sichtbares Abbild seiner Existenz hier vor ihm auf der Treppe sa├č.
Um es zu pr├╝fen, trat Kazumba vor und setzte seinen Stiefelabsatz auf die Fu├čspitze des Betrunkenen, so dass dieser eigentlich betr├Ąchtliche Schmerzen h├Ątte empfinden m├╝ssen. Aber der verzog nicht einmal eine Miene, was Kazumba davon ├╝berzeugte, seinen Zustand richtig erkannt zu haben.
Derart verunsichert in seinen ├ťberzeugungen, aber auch erfreut dar├╝ber, wieder etwas ├╝ber die Welt gelernt zu haben, nahm Kazumba sich vor, anderntags auf den Marktplatz zu gehen. Dort wollte er eine gro├če Rede halten, in der er der Bev├Âlkerung die Vorteile der Trunkenheit auseinander legte und sie dazu ermunterte, den Alkohol ├Âfter und reichlicher zu gebrauchen, als dies bisher schicklich gewesen war.
Als er jedoch am folgenden Morgen fr├╝hst├╝ckend vor dem K├╝chenfenster sa├č und auf die Stra├če schaute, bemerkte er, wie vier Hilfsgendarmen seinen Nachbarn in Richtung Schindanger trugen: Geschw├Ąrzt vom Frost der Nacht, den Dolch eines Stra├čenr├Ąubers im R├╝cken und die Nasenspitze von Ratten abgefressen.
Kazumba dachte kurz nach und sah schlie├člich davon ab, eine Rede auf dem Marktplatz zu halten. Stattdessen suchte er einen kleinen Laden im Barbarenviertel auf, wo er f├╝r billiges Geld eine beinerne Fl├Âte kaufte, auf der er den ganzen Heimweg ├╝ber lustige Lieder blies.


┬ę 2006 by Achim Hildebrand

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Es ist alles schon gesagt worden - nur noch nicht von jedem (Karl Valentin)

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Mumpf Lunse
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allerdings: es steht zu vermuten das kazumba seine rede sorgf├Ąlltig ausgearbeitet und zu papier gebracht hatte, bevor er beschloss, von dieser abzusehen.
auf unerfindlichen wegen hat sie sich verbreitet, ist unz├Ąhlige male abgeschrieben und weitergegeben worden.

so und nur so ist zu erkl├Ąren, dass vors├Ątze - selbst wenn man sie bezeiten aufgibt - sich wie das myzel der schimmelpilze in meinem badezimmer, verbreiten und ihre auswirkungen entfalten.
weswegen ja auch der vorsatz selbst das eigentlich schlimme an so manchem tun ist.

mumpf
der wie immer viel zu sp├Ąt, aber nichtsdestotrotz mit vergn├╝gen, kazumba folgte.
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┬ę by Mumpf Lunse
Schreiben ist etwas ├╝berraschendes

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