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Leselupe.de > Kurzprosa
Keimfrei
Eingestellt am 07. 04. 2004 20:29


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Tartan
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Keimfrei

Steril, so sage ich, m├╝sste man sein. Keimfrei, von den Spuren des Lebens und unantastbar f├╝r das, was da noch kommen mag. Nur noch hinter einer dicken Glasscheibe lebend, ohne Zuneigung, k├Ârperlicher N├Ąhe oder gar Sex.
Unantastbar wollte ich sein f├╝r die Qualen des Menschseins, denn schon zu Viele haben mich gebrochen.

Nur die Erinnerung an Vergangenes kann ich einfach nicht verdr├Ąngen und so sehe ich oft vor meinem inneren Auge diesen Mann auf mich zukommend, der mich dreht und wendet, wie ein geschn├╝rtes St├╝ck Fleisch. Er hat mich verletzt. Innen wie au├čen.

Doch ich lie├č mir nichts anmerken, denn damals ist mir niemand begegnet, der ein Ohr daf├╝r zu haben schien. Solche Themen waren einfach nur unerw├╝nscht.
Schlie├člich wollte man die Anst├Ąndigkeit eines gutb├╝rgerlichen Lebens nicht beschmutzen.

Und doch war ich schmutzig und bin es noch,-
denn die h├Ąsslichen Narben, Exponate meiner Erinnerungen, werden wohl nie verschwinden.

Trotz vieler Versuche fand ich nie wieder zu mir selbst, und so verbringe ich einen Gro├čteil meiner Zeit, mich keimfrei zu waschen.
__________________
(C) Carolyn Macmillan Coir MhicMhaolain air a Chnap Fhad

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Klabautermann
???
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Liebe Tartan,

sicherlich war es nicht ganz leicht, diese Zeilen zu schreiben, HIER zu schreiben, in der sogenannten ├ľffentlichkeit, die doch gerne wegsieht von solchen Dingen, die sie nicht h├Âren will, und lieber so tut, als h├Ątte man nichts gesehen oder geh├Ârt.

Und dennoch. Was w├Ąre, wenn wir keimfrei w├Ąren?

Wo bliebe der individuelle Duft, an dem eine Mutter ihr Kind, ein Mensch seinen Partner, Kinder ihre Eltern wiedererkennen? Wo bliebe die damit so innig verbundene Zuneigung? Wo bliebe auch die eigene Identit├Ąt? Sterilit├Ąt hilft nicht, denn Gedanken kann man nicht fortwaschen. Man kann versuchen mit ihnen zu leben. Gib ihnen einen Ort, an den sie zur├╝ckkehren k├Ânnen, wo sie ruhen und bleiben k├Ânnen.

einen herzlichen Ostergru├č
schickt Dir

Klabautermann

(ps. offene Ohren gibt es mehr, als man zuweilen glaubt.)

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Tartan
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Lieber Klabautermann,

ich hatte zwar schon fast bef├╝rchtet, dass dieser Text vielleicht so ankommen w├╝rde, obwohl ich ihn wirklich nicht mit dieser Intention geschrieben habe, aber f├╝r mich war es wirklich nur ein Gehversuch in der Prosa. Sonst nix.

Nat├╝rlich, weil ich es aus der Ich-Perspektive heraus geschrieben habe, ist es einfach, dies mit einem pers├Ânlichen Erlebnis gleich zu setzten. W├╝rde ich auch tun. ( Hab ich auch schon ├Âfter, f├Ąlschlicher Weise. )
Ich h├Ątte, wenn es autobiographisch gewesen w├Ąre, sicherlich meinen Text in die Rubrik Tagebuch gestellt, wo es dann auch einfacher f├╝r den Autor w├Ąre zu schlucken, wenn dann mal niemand was dazu schreibt.

Auch wenn jetzt Osterzeit ist, wollte ich niemals, dass man mich wie ein rohes Ei behandelt. Das entspricht nicht meiner Natur. ( Wirst schon sehen, denn ich werde mich weiter in der Kurzprosa versuchen... )

Zu dem Inhalt dieses Textes:

Nun ja, Erfahrungen zu diesem Thema habe ich zur Gen├╝ge gemacht, denn ich habe genug Frauen kennengelernt, die tats├Ąchlich so mit der Tatsache, dass sie missbraucht wurden, umgegangen sind.
Und ja, mir ist so ein Missbrauch vor Ewigkeiten auch passiert, doch ich hege weder solche Gef├╝hle, noch solche Zw├Ąnge und bin dankbar f├╝r offene und ehrliche Kritik an diesem Fetzen und freue mich ├╝ber gute Textarbeit. Auch wenn dies ein delikates Thema ist. Die muss es halt auch geben...

Mich freut nat├╝rlich trotzdem deine Anteilnahme und Betroffenheit ( kann man das schreiben? ) und ich finde es gut, dass du es gewagt hast, als erster endlich mal einen Kommentar drunter zu schreiben.

Dir auch noch ein paar wunderbare und gesellige Feiertage zusammen mit deinen Lieben.

Gr├╝├čle,
Tartan
__________________
(C) Carolyn Macmillan Coir MhicMhaolain air a Chnap Fhad

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Klabautermann
???
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Liebe Carol,

zugegebenerma├čen verleitet die ICH-Form hier zu der Annahme, es handle sich zumindest teilweise um autobiograpisches... Falls Dir das bei diesem oder anderen Texten schon einmal passiert ist, w├╝rde ich dies evt. ├Ąndern, denn damit bringst Du den Leser in eine ganz andere, als von Dir beabsichtigte Richtung und der Fokus auf den Text an sich mag m├Âglicherweise "verloren" gehen.

Du willst Textarbeit? Nun, die sollst Du gerne haben :-)

Steril, so sage w├╝rde hier entweder alles in der 1. Vergangenheit schreiben, oder aber die folgenden Verben ins Pr├Ąsens setzen. Vergangenheit f├Ąnde ich jedoch wg. des Schlusses logischer. ich, m├╝sste man sein. Keimfrei, von den Spuren des Lebens und unantastbar f├╝r das, was da noch kommen mag. Nur noch hinter einer dicken Glasscheibe lebend, ohne Zuneigung, k├Ârperlicher N├Ąhe oder gar Sex.
Unantastbar wollte ich sein f├╝r die Qualen des Menschseins, denn schon zu Viele viele haben mich gebrochen.

Nur, Komma die Erinnerung an Vergangenes kann ich einfach nicht verdr├Ąngen und so sehe ich oft vor meinem inneren Auge diesen Mann auf mich zukommen, der mich dreht und wendet, wie ein geschn├╝rtes St├╝ck Fleisch. Er hat mich verletzt. Innen wie au├čen. w├╝rde hier die beiden Worte umdrehen. "Au├čen. Doch noch viel mehr im Inneren."

Doch ich lie├č mir nichts anmerken, denn damals ist mir niemand begegnet, der ein Ohr daf├╝r zu haben schien. Solche Themen waren einfach nur unerw├╝nscht.
Schlie├člich wollte man die Anst├Ąndigkeit eines gutb├╝rgerlichen Lebens nicht beschmutzen.
Hier w├Ąre eine Gegen├╝berstellung von "nicht beschmutzen", aber der Tatsache, dass sich der Protagonist schmutzig f├╝hlt, sehr passend und eine gute ├ťberleitung. Vielleicht findest ja eine sch├Âne Verbindung?
Und doch war ich schmutzig und bin es noch,-
denn die h├Ąsslichen Narben, Exponate meiner Erinnerungen, werden wohl nie verschwinden. Auch hier. Das Verschwinden finde ich nicht so gelungen im Bezug auf Narben. Narben haben ja die Angewohnheit, zu bleiben. ├ändere hier vielleicht das Wort in "verblassen" oder den ganzen Halbsatz: "werden wohl f├╝r immer als raue Stellen meine Seele / mein Herz verunzieren/entstellen".

Trotz vieler Versuche fand ich nie wieder zu mir selbst, und so verbringe ich einen Gro├čteil meiner Zeit, mich keimfrei zu waschen.

Den Schluss find ich gut, er stellt einen guten Bezug auch zum Anfang wieder her.
herzliche Gr├╝├če

Klabautermann

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