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Leselupe.de > Ungereimtes
Kein Hund bellt seinem Herren ewig
Eingestellt am 29. 10. 2003 14:54


Autor
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Marcus Richter
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Aus der Reihe "Ich, ZigZag, 2003 und Nachgeburt"



Kein Hund bellt seinem Herren ewig



Seht, unter meinem Fingernagel bl├╝ht
Der Schmutz der letzten Wochen
Und die streunenden K├Âter dort,
das ist mein Arabergest├╝t
zitternd, frierend und gebrochen
n├Ąhr ich sie mit meinem Wort

Ich sage ihnen, dass ich sie liebe!
Den gro├čen Braunen, den w├╝rd ich schon vermissen
Der h├Ąlt mich nachts als Decke warm
Und wenn der kleine Pinscher mir nicht bliebe
Dann h├Ątte ich kein weiches Kissen
Und w├Ąre doch genauso arm

Ich bin so reich in meinem Elend
Du mein Stadtpark, du mein trauriges Quartier
Wie oft hab ich in dir schon bitterlich gefroren
Wie eine Gans, die keine Daunen kennt
Ich heulte manche Nacht wie ein versto├čnes Tier
Und hab doch noch nicht den Mut verloren

Gleich morgen,
wenn die Sonnenstrahlen W├╝nsche weben
werd ich von meinem Freund, dem Strauch
mir einen dicken Kn├╝ppel borgen
und Steuern auf den Park erheben!
Die Herrn Politiker, die tun das auch

Und warum soll ich nicht besser sein, als sie?
Wer will mir dieses Recht verwehren?
Ich bin mir selbst das Steueramt
Und zwinge jeden S├Ąumer in die Knie
Ich werde sie schon Demut lehren!
Ich kleide mich in teuren Samt

Und bin nur noch mir selbst der Herr

Ach, nur heute Nacht muss ich noch frieren
Kommt, ihr haarigen Gesellen
Und lasst mich nicht den Mut verlieren
Kein Hund wird seinem Halter ewig bellen



__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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lapismont
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Hallo Markus,

sehr intensiv und ├╝berzeugend. Passt sich gut in den Zyklus ein. Durch die Tiere wird es sogar menschlicher, irgendwie.

cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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Lotte Werther
Guest
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Ja, Markus, das sind Verse, die unter die Haut gehen und nicht nur an der Oberfl├Ąche kleben wie Schminke.
Und wenn du die Tiere mit deinem Wort n├Ąhrst, oder die Sonnenstrahlen W├╝nsche weben l├Ą├čt, dann sind das suggestive S├Ątze, die sich einnisten wie der Schmutz, der unter den N├Ągeln bl├╝ht.

Traurig und erlebnisstark.

Lotte Werther

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Marcus Richter
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Hallo,
danke euch beiden f├╝r euren Zuspruch. Ich kann mich gerade von dieser Gedichtsform nicht losrei├čen, deshalb auch drei Gedichte innerhalb von drei Tagen.
Die ganze Geschichte ist nat├╝rlich von Francois Villon, interpretiert von Klaus Kinski, insperiert. Ich h├Ârte ihn sehr gern, bis ich festgestellt habe, wieviel er uns eigentlich heute noch zu geben hat.
Die kompromislose Anklage ist gerade in einer Zeit der Ziellosigkeit und verwaschenen Leitfiguren, eine Art der Gegenwartsbew├Ąltigung, die ich nicht untersch├Ątzen will.
Die Bewegung des Punk hat sich vielleicht l├Ąngst in das gro├če Waschhaus der deutschen Modeformen eingegliedert, aber sie hatte einmal den Willen und die M├Âglichkeit, sich dieser Gesellschaft zu entziehen und sie anzuklagen.

Die kompromislose Anklage schafft vielleicht keine Antworten, sie ist aber bereit, Fragen zu stellen. Fragen, die vielleicht l├Ąngst beantwortet sind, aber von Menschen, die nie als Kl├Ąger auftraten.

Keine Sorge, ich lebe nicht im Park. Ich frage mich nur.

Gruss, Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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