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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Kein Tag am Meer
Eingestellt am 31. 07. 2003 11:48


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sunufatarungo
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Registriert: May 2002

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Kennen sie das? Sie fahren eine dunkle Stra├če mitten in der Stadt. Die Strecke kennen sie im Schlaf. Und pl├Âtzlich biegen sie rechts ab. Einfach so. Sie haben das Gef├╝hl, geradeaus w├Ąre richtig, aber sie haben nicht wirklich die Wahl. Sie fahren also rechts ab und kommen auf eine Stra├če, die sie zu kennen glauben. Vage erinnern sie sich an einzelne H├Ąuser, Schilder, B├Ąume. Aber alles so absolut ungreifbar. Auf der Stra├če kommen ihnen die Lichtkegel unsichtbarer Scheinwerfer an unsichtbaren Autos entgegen. Sie k├Ânnten schw├Âren, dass sie diese Gegend kennen. Und dann ist die Stra├če zuende und sie stehen vor einem Haus. Und hier muss ich die Geschichte aus meiner Sicht weitererz├Ąhlen, denn sie k├Ânnen das nicht wissen. Ich steige aus und betrachte das Haus. Es ist gro├č, ausgesprochen gro├č. Und modern, viel Glas und so. Da stehe ich nun am Ende der Stra├če vor einem Haus, in einer Sackgasse, vor dem Haus vor dessen T├╝r die Stra├če endet. Da stehe ich nun vor dem Haus am Ende der Stra├če und an der T├╝r steht mein Name. ÔÇ×Himmel oder H├Âlle?ÔÇť fragt mich ein kleiner Mann mit Brille, der keinen Hut aufhat. Ich ignoriere die Frage und schaue das T├╝rschild an. ÔÇ×InteressantÔÇť, denke ich laut. ÔÇ×In der TatÔÇť, erwidere ich und nicke mir zustimmend zu. Ich bin nicht wirklich ├╝berrascht, mich zu sehen, aber eine gewisse Freude ist allemal im Spiel. Ich will also die T├╝r ├Âffnen, aber die ist schon auf. Nicht, dass sie nicht abgeschlossen ist, nein, von einem Moment zum anderen steht sie sperrangelweit offen. Gut, denke ich, ein Problem weniger. Ich trete ├╝ber die Schwelle um mir ein St├╝ck weiter unten selbst ├╝ber den Weg zu laufen. ÔÇ×Guten TagÔÇť, sagt die Schildkr├Âte und eilt gem├Ąchlich zum F├╝nfuhrtee mit den letzten Tagen des Fr├╝hlings. Die Milchstra├če f├╝hrt ├╝ber einen See aus Selbstmitleid zu einer kleinen Kathedrale. Ohne es zu wissen setze ich mich auf eine der B├Ąnke. ÔÇ×Sch├Ânes HausÔÇť denkt der gro├če d├╝nne Herr neben mir leise und spannt einen Regenschirm auf. Eine Stimme bittet mich zu gehen und ohne mich umzusehen tauche ich durch das Taufbecken hinaus ins Freie. Die S├Ąulen biegen sich unter meinen Schritten und der glutrote Horizont versinkt in einem winzigen Punkt ocker. Es wird sp├Ąt und es ist Zeit, aufzustehen. Keine Zeitung, aber ein lila Strickpullover. Von Gott, f├╝r meinen Nachbarn. Zuf├Ąlle gibt es. Ich rufe mir ein Taxi und trabe einsam die Pr├Ąrie hinab bis zum Laden an der Ecke. Eine Eidechse huscht vorbei, wirft mir einen freundlichen Blick zu und l├Ąsst sich gen├╝sslich von einer streunenden Pointe verspeisen. Die Welt dreht sich f├╝r eine Sekunde schneller, was aber reicht, um mich zu Fall zu bringen. Ich kippe und lande federweich auf dem harten Beton. Ich entgleite in eine Art Trance und finde mich in einem Schuhgesch├Ąft wieder. Ohne etwas zu kaufen schlage ich den Laden kaputt. Der Verk├Ąufer dankt mir und nachdem ich ein angemessenes Trinkgeld eingestrichen habe, verlasse ich fr├Âhlich pfeifend das Schwimmbecken. Ohne Hosen in einem Dornenbusch zu stehen ist etwas grauenhaftes, aber zum Gl├╝ck ist mir das ja nicht passiert. ÔÇ×SchachÔÇť, denke ich bei mir und rolle r├╝cklings den H├╝gel runter. Dem Wahnsinn verfallen jagen mich leicht bekleidete Nymphen durch Sturzb├Ąche von Lust. Amor zielt und trifft daneben, was eine Verkettung ungl├╝cklicher Umst├Ąnde nach sich zieht und neben einem Schiff auf einem Baum einige weiterer kurioser Auswirkungen hat. Die Plattennadel meiner Gedanken kratzt ├╝ber das Vinyl etlicher Visionen und verursacht h├Ąssliche Spr├╝nge beim r├╝ckw├Ąrts fahren. Ich hebe meinen Blick und stehe an einer Ampel. Sie zeigt auf gr├╝n. Los gehtÔÇÖs.

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Melchior
???
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Hallo

Ich muss zugeben, ich kenne das nicht, um so sch├Âner jetzt davon geh├Ârt zu haben (oder gelesen). Tolle geschichte, den anfang fand ich etwas ... naja, aber dann ist es immer besser geworden. Aktionsreich, schnell und phantasievoll.

Hut ab ...
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Melchior

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sunufatarungo
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Ich muss zugeben, mit einer so positiven Reaktion habe ich nicht gerechnet. Ich danke dir und freue mich, dass dir das Lesen Spa├č gemacht hat. Ich werde weiter an mir arbeiten.

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