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Leselupe.de > Humor und Satire
Kein Thema
Eingestellt am 27. 07. 2005 22:26


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huwawa
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Kein Thema

Es war Freitag Abend und ich hing wieder einmal bei Anni an der Bar herum. Die Gäste lauschten ausnahmslos der Musik, denn die von Anni vorgegebene Lautstärke unterband ohnehin jede sinnvolle Unterhaltung. Ich mochte das. Man konnte sich auf die visuellen Eindrücke beschränken und der Musik im Unterbewusstsein einen Kontext dazu herstellen lassen. Eben hämmerten die Troggs ihren alten Hit "I can´t control myself" aus den Lautsprechern. Ich bestellte noch ein Bier - das wievielte eigentlich? Egal, Anni schrieb mit.

"Servus Dichterfürst, ist noch ein bisschen Platz da?" Brüllte irgendwann eine Stimme fünf Zentimeter neben meinem rechten Ohr gegen Status Quo´s "Whatever you want" an. Ich hatte den Neuankömmling, der sich ohne eine Antwort abzuwarten, zwischen mich und meinen Barnachbarn presste schon öfters gesehen, aber ausser dass man ihn Toni nannte, wusste ich nichts von ihm. Es ging inzwischen auf Mitternacht zu und mehrmals schien mir, als wollte Toni zu einem Gespräch ansetzen, aber gegen Jimi Hendrix´ "Hey Joe" und den "Midnight Rambler" von den Rolling Stones kam er nicht an.

Erst die sanften Anfangstöne von "Sound of Silence" eröffneten meinem Nachbarn endlich die Möglichkeit, eine Frage an mich zu richten. "He, du hast ein Buch geschrieben, wie macht man denn so etwas?" "Nun ja, man setzt sich hin und schreibt halt", antwortete ich kurz. „Ja, aber wenn man ein Buch schreibt, muss man ja unheimlich viel wissen", hakte mein Nebenmann nach. Er hob Stimme und rechten Zeigefinger plötzlich leicht an und rezitierte: "Denn an sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu." Ich glotzte ihn verständnislos an, was meinem fortgeschrittenen Bierkonsum und dem völligem Nichtverstehen gleichermaßen zuzuschreiben war. "Shakespeare, Hamlet", triumphierte er in belehrendem Ton! " Als Schriftsteller solltest du das eigentlich kennen." Vor der Fortsetzung dieser peinlichen Aufdeckung meiner literarischen Bildungslücken retteten mich Simon & Garfunkel, indem sie den Klang der Stille in einem finalen Furioso auf etwa einhundertzwanzig Dezibel anschwellen ließen. Dass Anni darauf Pink Floyd (.."we don´t need no Educations...") erdröhnen ließ, mag Zufall gewesen sein.

Als sich die Uhrzeiger immer mehr den frühen Morgenstunden näherten und Anni die Leistung der Stereoanlage etwas drosseln musste, sah der auf einem inzwischen frei gewordenen Barhocker neben mir lümmelnde Hagere seine Chance wieder gekommen. "Weisst du eigentlich, was eine Parsec ist, oder eine astronomische Einheit?" Schoss er unvermittelt eine Testfrage an mich ab. Wusste ich nicht, aber selbst wenn, hätte ich seine Frage verneint. "Das gibt es doch gar nicht, wie kann man denn ein Buch schreiben, wenn man überhaupt nichts weiss", ereiferte sich mein Gesprächspartner. Ich schriebe Mundartgedichte, da bräuchte ich derartigen Quatsch nicht, erwiderte ich ihm, inzwischen einigermaßen gereizt. Eine Eskalation der Lage verhinderte aber Neil Diamond mit seinem beruhigend einlullendem "Song Sung Blue". Toni bestellte zwei Bier und wir gingen in eine entspannte Phase der Verbrüderung über.

Zwei Runden Bier später bescherten uns David Bowie´s "Heroes" dramatische Höhenflüge der Verzweiflung und des Selbstmitleides. Mit feuchten Augen erklärte mir Toni, dass er ja auch gern schreiben würde, sofort, morgen schon, einen Roman, wenn er nur ein Thema hätte. Ich gestand ihm unter Tränen, dass auch ich für mein nächstes Buch noch nicht im Entfertesten ein Solches gefunden hätte. Vollends geschehen war es um unsere Beherrschung, als die unvergessene Janis Joplin in der herzzerreissenden Ballade von ihr und Bobby Mc Gee ihre Trauer und ihren Schmerz hinausschrie. Schluchzend fielen wir einander in die Arme. Nie, nie mehr wieder, das schworen wir uns, wollten wir beide kein Thema für ein Buch haben.

Wir waren inzwischen die letzten Gäste im Lokal. Anni legte Reinhard Mey auf: "Gute Nacht, Freunde"...
Es war Zeit fĂĽr uns zu gehn... Wenn Schluss war, war Schluss, das war fĂĽr Anni kein Thema.
__________________
manchmal sind die anderen klĂĽger als man(n) selbst...denkt

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huwawa
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Ich hatte den Text zuvor in Erzählungen eingestellt, aber ich denke, er passt hier besser herein.
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Denschie
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hi huwawa,
zur abwechslung mal etwas längeres von dir.
und mir gefällt es sehr!
ich ĂĽberlege bloĂź... .
vielleicht könnte man an der einen oder anderen
stelle noch ein bisschen straffen. andererseits
passt so alles sehr schön, die songs zum verlauf
der geschichte meine ich.

quote:
Schluchzend fielen wir einander in die Arme. Nie, nie mehr wieder, das schworen wir uns, wollten wir beide kein Thema fĂĽr ein Buch haben.

das ist ja fast schon eine stelle aus einem hera-lind-buch,
und gerade in diesem kontext (die beiden kerle in
der bar) sehr witzig.
lg, denschie

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huwawa
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hallo denschie

freut mich, dass dir meine kleine bargeschichte gefällt.

es ist tatsächlich so, dass mir bei solchen erzählungen etwas die stilsicherheit fehlt. sie kommen mir immer ein bisschen "aufsatzhaft" vor. aber ich versuche halt dazuzulernen und probier ich es immer wieder. und ohne "witzig" geht bei mir ohnehin fast nichts...

liebe grĂĽĂźe
huwawa
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bonanza
Guest
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am besten ist der schluĂź deiner geschichte, huwawa.
besonders lustig finde ich die story nicht. wäre im
tagebuchforum besser untergebracht.
locker geschrieben und auch halbwegs locker zu lesen.
geh noch mal drüber. manches könnte man rausstreichen.
das würde einen satirischen effekt beim lesen verstärken.

bon.

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Denschie
Guest
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ja, es wäre vielleicht ganz gut, etwas
schneller auf das thema zu kommen, denn
das eigentlich amĂĽsante ist ja die
diskussion mit dem typen, die songs und
zum ende eben anni.
als bsp.:
Es war Freitag Abend und ich hing wieder einmal bei Anni an der Bar herum. Freitag Abend legte Anni in ihrem Disco-Café-Pub selbst Platten auf, Songs aus den Sechzigern bis Achtzigern, aus "unserer" Generation eben. Das Lokal war fast bis zum letzten Platz gefüllt. Die Gäste lauschten ausnahmslos der Musik, denn die von Anni vorgegebene Lautstärke unterband ohnehin jede sinnvolle Unterhaltung. Ich mochte das. Man konnte sich auf die visuellen Eindrücke beschränken und der Musik im Unterbewusstsein einen Kontext dazu herstellen lassen. Eben hämmerten die Troggs ihren alten Hit "I can´t control myself" aus den Lautsprechern. Ich bestellte noch ein Bier - das wievielte eigentlich? Egal, Anni schrieb mit, sie hatte alles unter Kontrolle, darauf konnte ich mich verlassen.
"Servus Dichterfürst, ist noch ein bisschen Platz da?" Brüllte irgendwann eine Stimme fünf Zentimeter neben meinem rechten Ohr gegen Status Quo´s "Whatever you want" an. Ein schmächtiger Bursche mit länglichem Gesicht und blondem, gewelltem Haar presste sich ohne eine Antwort abzuwarten zwischen mich und meinen Barnachbarn. Im Hintergrund rauschten die Beatles gerade "Back to U.S.S.R". Ich hatte den Neuankömmling schon öfters gesehen, aber ausser dass man ihn Toni nannte, wusste ich nichts von ihm. Seine runde Brille mit Goldrand gab ihm ein intellektuelles Aussehen und er erinnerte mich irgendwie an John Lennon. Es ging inzwischen auf Mitternacht zu und mehrmals schien mir, als wollte Toni zu einem Gespräch ansetzen, aber gegen Jimi Hendrix´ "Hey Joe" und den "Midnight Rambler" von den Rolling Stones kam er nicht an.

Erst die sanften Anfangstöne von "Sound of Silence" eröffneten meinem Nachbarn endlich die Möglichkeit, eine Frage an mich zu richten. "He, du hast ein Buch geschrieben, wie macht man denn so etwas?" "Nun ja, man setzt sich hin und schreibt halt", antwortete ich kurz, da mir an einer derartigen Unterhaltung nicht viel gelegen war. "Ja, aber wenn man ein Buch schreibt, muss man ja unheimlich viel wissen", hakte mein Nebenmann nach. Er hob Stimme und rechten Zeigefinger plötzlich leicht an und rezitierte: "Denn an sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu." Ich glotzte ihn verständnislos an, was meinem fortgeschrittenen Bierkonsum und dem völligem Nichtverstehen gleichermaßen zuzuschreiben war. "Shakespeare, Hamlet", triumphierte er in belehrendem Ton! "Als Schriftsteller solltest du das eigentlich kennen." Vor der Fortsetzung dieser peinlichen Aufdeckung meiner literarischen Bildungslücken retteten mich Simon & Garfunkel, indem sie den Klang der Stille in einem finalen Furioso auf etwa einhundertzwanzig Dezibel anschwellen ließen. Dass Anni darauf Pink Floyd (.."we don´t need no Education...") erdröhnen ließ, mag Zufall gewesen sein, brachte die Diskussion aber vorerst ganz zum Verstummen.

Als sich die Uhrzeiger aber immer mehr den frühen Morgenstunden näherten und Anni die Leistung der Stereoanlage etwas drosseln musste, sah der auf einem inzwischen freigewordenen Barhocker neben mir lümmelnde Hagere seine Chance wieder gekommen. "Weisst du eigentlich, was eine Parsec ist, oder eine astronomische Einheit?" Schoss er unvermittelt eine Testfrage an mich ab. Wusste ich nicht, aber selbst wenn, hätte ich seine Frage verneint. Es widerstrebte mir, mich von diesem Kerl derartig "prüfen" zu lassen. "Das gibt es doch gar nicht, wie kann man denn ein Buch schreiben, wenn man überhaupt nichts weiss", ereiferte sich mein Gesprächspartner. Ich schriebe Mundartgedichte, da bräuchte ich derartigen Quatsch nicht, erwiderte ich ihm, inzwischen einigermaßen gereizt. Aus den Lautsprechern kreischte Suzie Quattro "48 Crash...Crash, Crash, fourthyeight Crash" und die Stimmung zwischen uns beiden strebte einem gefährlichen Kulminationspunkt zu. Eine weitere Eskalation der Lage verhinderte aber glücklicherweise Neil Diamond mit seinem beruhigend einlullendem "Song Sung Blue". Toni bestellte zwei Bier und wir gingen in eine entspannte Phase der Verbrüderung über.

Zwei Runden Bier später bescherten uns David Bowie´s "Heroes" dramatische Höhenflüge der Verzweiflung und des Selbstmitleides. Mit feuchten Augen erklärte mir Toni, dass er ja auch gern schreiben würde, sofort, morgen schon, einen Roman, wenn er nur ein Thema hätte. Ich gestand ihm unter Tränen, dass auch ich für mein nächstes Buch noch nicht im Entfertesten ein Solches gefunden hätte. Vollends geschehen war es um unsere Beherrschung, als die unvergessene Janis Joplin in der herzzerreissenden Ballade von ihr und Bobby Mc Gee ihre Trauer und ihren Schmerz hinausschrie. Schluchzend fielen wir einander in die Arme. Nie, nie mehr wieder, das schworen wir uns, wollten wir beide kein Thema für ein Buch haben.

Wir waren inzwischen die letzten Gäste im Lokal. Anni legte Reinhard Mey auf: "Gute Nacht, Freunde"...
Es war Zeit fĂĽr uns zu gehn... Wenn Schluss war, war Schluss, das war fĂĽr Anni kein Thema.

billig gemacht, weil einfach nur gestrichen,
aber meiner meinung nach wirkungsvoll.
lg, denschie

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