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Leselupe.de > Ungereimtes
Keine Landung vorgesehen (gelöscht)
Eingestellt am 08. 09. 2008 20:27


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Walther
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Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Walther
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Hi Tiefgang,

danke für Deine Hinweise. Das ist nicht modern, das ist der Versuch, Vers libre zu schreiben, und ich übe noch. Dazu stehe ich. Wobei der Vers libre ja schon eine Weile DAS Medium der heutigen Lyrik ist (ich versteh das nicht ganz, aber man muß mit der Zeit gehen ).

Natürlich sind das Wortspielereien, von ihrem ursprünglichen Sinn "entkleidet", manche muß man hinter den Formulierungen erst noch herausfinden, weil Wörter verändert oder umgestellt oder weggelassen wurden. Ich finde es spannend, daß solche Worte nie ganz nackt sind, sie tragen immer Fasern der alten Bedeutung mit sich herum. Das schafft eine Texttiefe, die man anders nicht so knapp hinbekommt, und da liegt auch der Reiz des Vers libre für mich, ehrlich gesagt.

Wenn ich mich so mit der Sprache beschäftige, bürste ich sie gerne gegen den Strich, um zu schauen, was dann herauskommt. Nicht immer gelingt das, nicht jedem gefällt's, und es ruft Widerspruch hervor, man sieht's in der Wertung "3", die kaum von Dir stammen kann, dazu fiel Dein Eintrag zu positiv aus. Schön wäre es nun gewesen, wenn der Werter gesagt hätte, wo überarbeitet werden soll. Aber vielleicht weiß er das ja selbst nicht so recht (dann hätte er sich aber die Wertung sparen können, weil sie unkommentiert nichts bringt, nur schlechte Gefühle beim Autor).

Vielen Dank für Deinen Eintrag und frohes Werken!

Gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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penelope
Guest
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lieber walther,

ich habe deinen text jetzt mehrmals gelesen, bin seit er hier steht an ihm vorbeigelaufen, weil ich immer viel zeit brauche um bestimmte sachen in mir sortieren zu können. dennoch: ich sehe darin ein wirklich großes potential, obwohl ich an einer kleinen stelle hake und am ende das wort "oder" mir auf dem ersten blick zuviel erscheint, er gehört irgendwie nicht mehr zu dem gedicht... aber bitte lass mir etwas zeit, damit ich deinen versuch des "vers libre" gründlich analysieren kann... ich melde mich noch einmal mit einer gründlichen auseinandersetzung zu deinem text...

p.s. ärger dich bitte nicht über diese anonymen ignoranten, die regelmäßig ihre niedrigpunkte verteilen... das machen sie mit jedem text... ich habe mich schon daran gewöhnt: es kann mir nur ein lächeln abringen, da sie einfach unwissende sind...

lg penelope

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penelope
Guest
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lieber walther,

je öfter ich dieses werk lese, umso höher wird der punkt, von der ich in eine inzwischen endlose tiefe abspringen muss. zunächst: du sprichst hier von der anwendung des freien rhythmus (vers libre), und als solche bezeichnet man nach meinem wissensstand reimlose, metrisch ungebundene verse mit beliebiger silbenanzahl und unterschiedlich vielen hebungen und senkungen, die jedoch einem erkennbaren rhythmus folgen müssen. von reimloser lyrik der moderne unterscheiden sie sich demnach zum einen durch die größere regelmäßigkeit und das stärkere hervortreten der hebungen und durch den gehobenen, oft ekstatischen ton: du hast in deinem gedicht diese bedingungen einwandfrei erfüllt. durch halballiterationen und wiederholen von wörtern oder wortpartikeln kommt es zu einem erkennbaren rhythmus mit eindeutigen hebungen und senkungen, die den freien fall nach unten noch dramatischer gestalten. und deine stimme, also das lyrische ich (und das ist für mich das bemerkenswerteste deiner arbeit), die darin uns anspricht, tut es nicht hinfällig oder beiläufig, sondern befindet sich selbst in diesem freien fall und wird dazu gezwungen jede kalte, intellektuelle distanz wieder aufzugeben, je länger sie nach unten fällt. am anfang präzise, fast kühl, danach immer heiser werdend und eindringlich, da er gemeinsam mit seinem leser diesen fall erleben muss. und die hoffnung heil anzukommen, ja, die wird uns schon mit dem titel genommen, eine erkenntnis, die gleich zu anfang einem im hals stecken bleiben muss: keine landung vorgesehen
dein material ist kein oberflächlicher text, sondern geht einem ganz schön unter die haut.

jetzt: einige kleine kritikpunkte, die mir aufgefallen sind:

1) das wort koppheister (plattdeutsch) würde ich persönlich in hochdeutsch, also kopfüber schreiben, denn dein gedicht ist ja in hochdeutsch geschrieben und "kopfüber" ist für mich nicht nur präziser, sondern richtungsweisend für dein text, weshalb an dieser stelle eine lücke, eine pause entstehen kann, wenn ein leser "plattdüütsch" nicht versteht...

2) das wort "oder" am ende gehört nicht mehr zu dem gedicht, denn dein gedicht beginnt mit dem titel: keine landung vorgesehen und endet mit demselben Es besteht doch noch/keine Not zur Landung

3) der übergang zwischen den folgenden strophen wirkt unrhythmisch, da ein bruch in der sprache entsteht, kann aber durch zufügen eines einzigen der vorgeschlagenen verbindungswörter wieder hergestellt werden:

Im Fallen liegt Zukunft
gestiegen sind wir genug
Richtungswechsel sind
so zeit-
gemäß

und/auch Zeitmesser
schneiden sich davon
ein Stück ab
Verbiege
den Zeiger


also für mich ist das lyrik, der mich ungeheuer anspricht, aber damit werden viele schwierigkeiten haben, da ein intensives lesen, und das muss ich immer wieder betonen, auch eine erhebliche leseerfahrung voraussetzt...

alles gute...

lg penelope

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Walther
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Liebe penelope,

vielen Dank für Deinen Eintrag. Du hast meine Motivation für den Text sehr gut angesprochen. Genauso habe ich mich - unter Studium der vielen guten Werke hier, aber auch vieler renommierter modernder LyrikerInnen - an die "Ungereimte Lyrik" stärker herangetastet. Außerdem habe ich Einige an Sekundärliteratur durchgearbeitet, erst jüngst wieder.

Letztlich geht es in diesem Gedicht um ein modernes Lebensphänomen und die Doppeldeutigkeit, die Ebenen der Sprache. Die Oberfläche des Texts ist bei Weitem nicht alles an Bedeutung; man muß die Bezüge der Sprachschnitzel sehen und sie vervollständigen.

Dabei wurden stehende Redewendungen genommen; sie zu komplettieren schafft die weiteren Bedeutungsebenen, viele Begriffe (Zeit|Messer z.B.) werden sinnverkehrt benutzt und damit weitere Bedeutungsebenen geschaffen. Darüber hinaus wurden Begriffe zerteilt (Not|Landung) und in einen neuen Zusammenhang gestellt.

Doppel wie richtungs|weisend orientierungs|los beschreiben inerte Widersprüche, die sich zurückbeziehen (Richtungs|wechsel]. Wie Du schon aufgezeigt hast, steht der Titel mit der letzten Strophe in direktem Bezug. Er beschreibt, das mache ich in Vers libre gerne, einen logischen Zirkelschluss. Damit kann man erkennen, daß man Sprache biegen kann, ohne sie zu brechen, und daß Brüche (die Formen des Fallens) selbst wieder decouvrierend, auf sich selbst zurückweisend und sich dergestalt aufhebend wirken können.

Ich habe Deine Hinweise umgesetzt, allerdings statt des Füllworts vor Zeitmesser einen Artikel gesetzt. Das "koppheister" habe ich durch "kopfüber" ersetzt, wiewohl das "koppheister" aus der Seemannssprache natürlich das Fallen vom Masten und auch über Bord impliziert, diese Bedeutungsebene ginge dann verloren. Das "oder" habe ich gelöscht, obwohl es den Zirkel zum Titel des Gedichts geschlossen hat. Allerdings kann dieser Sinn auch ohne diese Klammer erahnt werden.

Nun, daß kann man hier erkennen, sage keiner, ein ungereimtes Gedicht sei keine Konstruktionsaufgabe. Wie man aus Deinen und meinen Erläuterungen erkennen kann, ist es wohl eine. Und eine, deren Scheitern um einiges wahrscheinlicher ist als bei der Gereimten Lyrik, wo wenigstens noch die Form bestechen kann, wenn der Inhalt dies nicht mehr tut.

Gruß W.
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Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Perry
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Hallo Walther,
ich war übers Wochenende weg, deshalb bin ich etwas spät dran bin mit meinem Komm.
Ein durchaus beachtenswerter Text, den Penelope ja bereits differenziert durchleuchtet hat. Ich stimme ihrer Einschätzung im Großen und Ganzen zu, störe mich lediglich an der etwas "sprunghaften" Bildsprache (Zumindest ist für mich nicht erkennbar, was Monopoly- und der Film, "Wenn der Postman zweimal klingelt" mit dem Fallen des LI zu tun hat). Hier merkt man deinem Text nach meiner Einschätzung, das "Konstruierte" etwas an.
Formal sind mir Wortspiele wie "wahrscheinlich / unwahrscheinlich" oder "richtungsweisend / orientierungslos" zu offensichtlich gegensätzlich, so dass ich sie mehr als lyrische Effekthascherei, als als textöffnend empfinde.
Insgesamt setzt sich der Text für mich philosophisch und gesellschaftlich mit dem Sinn des Lebens auseinander, wobei das Ende offen bleibt. Insgesamt gern gelesen! Ich hoffe, du kannst mit der Einschätzung von einem, der eher intuitiv und weniger konstruktiv schreibt, etwas anfangen.
LG
Manfred

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Walther
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Hallo Perry,

es hat eine Weile gedauert, bis ich zu meiner Antwort gekommen bin. Vielen Dank nochmals für Deine Anmerkungen.

Der Flug symbolisiert unseren Lebensweg. Er führt durch eine Welt, in der "der Postmann klingelt" (= Sex, Ehebruch, Crime) und in der man Monopoly spielt (= dem Mammon huldigt).

Zugleich steuert das LyrIch durch dieses Leben richtungs|weisend orientierungs|los. Und alles geht den Bach runter (koppheister/kopfüber), bis Landung Not tut.

Wenn wir die Widersprüche in den Worten richtungs|weisend orientierungs|los genau analyisieren, tun sich mehrere Bedeutungsebenen auf. Allein das Wort Los hat mehrere Bedeutungen: Das Los im Sinne von Schicksal und im Sinne von Glückspielschein. Als Teil eines Adjetivs meint "los" auch "ohne". Nun kann die Eigenschaft "orientierungslos" selbst wieder "richtungsweisend", nämlich eine Eigenschaft der Zeit sein, in der das LyrIch seinen Lebensflug "lebt".

Ich kann daher dem Einwand der Konstruktion des Texts nur eingeschränkt folgen. Man muß sich auf die Metaphern und ihre Bedeutungsebenen einlassen und hinter die Sprache schauen, die auch hier wieder sich verräterisch und decouvrierend zugleich zeigt.

Vielen Dank für Deine Hinweise nochmals. Ich hoffe, meine Bemerkungen haben sie wenigstens teilweise entkräften können.

Lieber Gruß

W.


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Walther
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