Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5552
Themen:   95266
Momentan online:
92 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Keko
Eingestellt am 25. 02. 2016 13:28


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
MarcusErtmer
Nennt-sich-Schriftsteller
Registriert: Feb 2016

Werke: 1
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um MarcusErtmer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Das Ger├Ąusch hinter ihm lie├č Keko zusammenfahren.
Eigentlich rechnete er immer mit dem Unerwarteten, mit etwas, das ihn angreifen wollte und im ungeeignetsten Moment auch angreifen w├╝rde. Aber dieses Ger├Ąusch hatte etwas wirklich Gef├Ąhrliches. Etwas, das er noch nie geh├Ârt hatte.
Gerade heute war Keko besonders aufmerksam. Normalerweise war er mit den anderen unterwegs. Daf├╝r gab es die Gruppe. Jeder passte auf den anderen auf. Es musste immer gejagt werden, und die Sippe hatte auch immer Hunger.
Jetzt hatte es einige Tage nur Beeren und Kr├Ąuter gegeben. Fast neun Tage hatte Keko krank in seiner H├Âhle gelegen, bedeckt mit Mammut- und B├Ąrenfellen, kurz davor, dem Weg seiner Ahnen zu folgen. Sein Weib hatte sich, soweit es in ihren M├Âglichkeiten stand, um ihn gek├╝mmert, aber die meiste Zeit war sie unterwegs gewesen, um zumindest sp├Ąrliche Mahlzeiten auf den Tisch bringen zu k├Ânnen.
Heute war der erste Tag, an dem es ihm wieder leidlich gut ging. Er war aufgebrochen, etwas zu essen zu fangen. Es w├Ąre ihm egal gewesen, selbst wenn es Schlangen gewesen w├Ąren, es ging nur darum, dass es genie├čbar war.

Die Gruppe war unterwegs, schon einen Tag vor ihm aufgebrochen. Keko wusste, f├╝r ihn und Malla, selbst f├╝r ihre beiden Kinder, w├╝rden sie nichts mitbringen. Jeder ist sich selbst der N├Ąchste, besonders in Zeiten wie diesen. Und das Essen war fast immer knapp, selbst wenn alle gesund waren.
Keko erinnerte sich an die Zeiten, als die gro├čen Mammutherden durch das Land gezogen waren. Es waren gute Zeiten damals, mit viel Essen, aber seit dem gro├čen Knall war das vorbei.
Der gro├če Knall.
Sie hatten es lange vorher am Himmel gesehen, bei Tag und auch bei Nacht. In der Nacht war es hell wie am Morgen, und am Tag stand das Licht wie eine zweite Sonne am Firmament. Heller und heller wurde es. Dann kam der Knall.
Er hatte vor seiner H├╝tte gesessen, als das Feuer kam. Und er hatte es vorher gewusst. Irgendwie wusste er es. Er hatte blitzschnell sein Weib und die Kinder hinter einem Felsen in Sicherheit gebracht. Sie hatten ├╝berlebt. Nicht gut, aber ├╝berlebt. Das konnte man von den wenigsten sagen.
Sie waren viele gewesen, vor dem Knall und vor dem Feuer. Ein gro├čer Stamm, aber es gab auch viel Essen. Danach war nichts mehr wie vorher.
Verdorbenes Fleisch, ein verbrannter und toter Geruch in der Luft, das war die Zeit danach. Eine lange Zeit. Nicht wenige, die das Feuer ├╝berlebt hatten, waren verhungert. Viele waren auch krank geworden, Kinder waren tot oder verkr├╝ppelt zur Welt gekommen. S├Ąuglinge waren so deformiert, dass die M├╝tter sie, wenn sie noch lebten, mit einem Stein erschlugen. Manchen aus dem Stamm fielen die Haare aus, die Z├Ąhne, sie konnten sich irgendwann nicht mehr bewegen und starben. Andere wurden aber langsam wieder gesund. Was man gesund nennt. Das Feuer hatte sie alle gezeichnet.
Jetzt kam das Leben langsam zur├╝ck. Pflanzen wuchsen wieder auf verbranntem Boden, und es gab auch wieder Tiere. Vereinzelt, aber es gab sie. Um sie zu suchen und zu jagen, brauchte die Gruppe jetzt viele Tage. Das waren Tage, an denen sie nicht wussten, wie es der Sippe ging. Es war die st├Ąndige Hoffnung, alle noch lebend vorzufinden, wenn man, im besten Fall mit Fleisch, zur├╝ck zum Stamm kam.

Das Ger├Ąusch war kratzend, wie ein Stein, der ├╝ber einen anderen Stein geschoben wurde. Nur heller, intensiver, unheimlicher. Keko sp├╝rte, wie sich die Haare in seinem Nacken aufrichteten. Das Ger├Ąusch war nah, aber er fl├╝chtete nicht. Er konnte nicht. Er wusste, dass an schnelles Rennen in seinem Zustand noch nicht zu denken war, aber er wusste auch, dass er einen Kampf vielleicht nicht gewinnen konnte. Er hoffte nur, dass er hier, hinter dem Baum, vielleicht noch nicht gesehen worden war. Keko w├╝nschte sich zur├╝ck in seine H├╝tte. Zur├╝ck zu seinem Weib.
In der Gruppe war Keko der Sucher. Er hatte gelernt, sich unauff├Ąllig durch das inzwischen wieder recht hohe Gras zu schleichen, um Tiere zu finden. Er achtete immer darauf, woher der Wind kam, damit er nicht schon am Geruch gewittert wurde. Eigentlich hatte er seine Augen und Ohren immer ├╝berall. Das war auch der Grund, weshalb ihn das unerwartete Ger├Ąusch innerlich in Panik versetzte. Was immer das war, es musste sehr schnell sein.
Langsam, fast in Zeitlupentempo, drehte Keko seinen Kopf und schaute hinter sich. Nichts. Aber das Echo des Ger├Ąuschs war noch in seinem Kopf. Ein hei├čer Wind strich ├╝ber Kekos R├╝cken. Dennoch hatte er eine G├Ąnsehaut.
Ein leises Zischen erf├╝llte die Luft. Langsam wich Keko zur├╝ck, nicht ohne sich vorher noch einmal umzuschauen. Etwas stimmte hier nicht. Etwas stimmte ganz und gar nicht.
Der Baum zitterte leicht, als sich der Boden vor ihm langsam bewegte und ├Âffnete. Es entstand ein Loch, erst klein, dann immer gr├Â├čer werdend. Das Zischen schwoll an zu einem alles durchdringenden Poltern. Keko sprang zur├╝ck, glaubte nicht, was er da sah. Halb rennend, halb kriechend wich Keko immer weiter zur├╝ck, als ihn das Loch fast zu verschlingen drohte.
Dann sah er die Schere. Etwas versuchte, sich aus dem Boden zu befreien. Etwas Gro├čes. Keko versuchte, zu schreien, aber er konnte nicht. Noch eine Schere schob sich ├╝ber den Rand des Lochs, dann schnellte ein langer Schwanz hervor. Keko erkannte, was das war, aber er glaubte es nicht. Nie hatte er einen Skorpion von dieser Gr├Â├če gesehen.
Die einzigen Waffen, die Keko mit sich f├╝hrte, waren sein Speer und sein aus einem Stein gehauenes, primitives Messer. Beides hielt er jetzt in den H├Ąnden, w├Ąhrend er versuchte, r├╝ckw├Ąrts, auf dem R├╝cken kriechend, aus diesem Alptraum zu entkommen.
Der Skorpion zischte laut. Es klang wie ein Gewitterdonnern. Dann glitt er mit ge├Âffneten Scheren aus dem Loch auf Keko zu.
Keko sprang auf die Beine und wich weiter zur├╝ck. Das Biest war schnell, sehr schnell. Es versuchte, ihn zu packen, aber wenn es etwas gab, das er gelernt hatte, dann war es, mit dem Speer umzugehen. Keko schlug mit einem Arm die Schere beiseite, die auf ihn zugeschossen war, und mit dem Speer zielte er zwischen die Augen des Ungeheuers. Es gab ein heiseres Ger├Ąusch, dann brach der Stiel seiner Waffe.
Im n├Ąchsten Moment sah er den Schwanz mit dem langen Stachel ├╝ber sich. er warf sich zur Seite und verlor das Gleichgewicht. Im Fallen sp├╝rte er den Schmerz in seinem Arm. Ein Schmerz, der ihn fast ohnm├Ąchtig werden lie├č. Aber er musste weg hier, schnell, das wusste er.
Keko rollte sich ab, im n├Ąchsten Moment stand er wieder auf den Beinen, w├Ąhrend das Monster sich zu ihm drehte und zischte. Laut st├Âhnte Keko auf und sprang, so schnell er konnte, aus dem Zugriff der Schere, die laut schnappend auf seinen Bauch zielte.
Dann rannte er los.
Hinter sich h├Ârte Keko das kratzende Ger├Ąusch, das ihm sagte, dass der Skorpion ihm folgte. Er schaute sich nicht um und lief, so schnell er konnte. Diesem Tier hatte er nichts entgegenzusetzen, das wusste er. Sein Arm f├╝hlte sich an, als w├╝rde er verbrennen, aber Keko versuchte, den Schmerz in seinem Kopf auszuschalten. Er versuchte, ihn zu unterdr├╝cken, und einfach nur zu rennen. Er wusste, noch etwa zweihundert Schritte, dann war er an der Schlucht, hinter der sein Dorf lag.
Jedem Moment rechnete er mit einem Schmerz in seinem R├╝cken, was ihm zus├Ątzliche Kraft verlieh. Das Kratzen schien lauter zu werden, aber vielleicht war es auch nur der Klang seines Herzschlags in seinem Kopf. Da war die Schlucht.
Keko sprang.
├ťber sich h├Ârte er ein w├╝tendes Zischen, als er hart mit den Beinen auf dem Stein aufschlug, nach vorn rollte und den steilen Abhang halb rollend, halb st├╝rzend herunter schlitterte. Es dauerte eine gef├╝hlte Ewigkeit, bis er auf dem Grund der Schlucht zu liegen kam. Seit ganzer K├Ârper schrie vor Schmerz. Aber die Bestie ├╝ber ihm schien verschwunden zu sein.

Malla weinte, als sie ihn sah. Mit letzter Kraft hatte er sich in die H├╝tte geschleppt und war dort zusammengebrochen.
Mit Hilfe der anderen Frauen hatten sie ihn auf das Bett gelegt und seine Wunden notd├╝rftig versorgt. Er schien gl├╝cklicherweise keine Knochenbr├╝che zu haben, das war aber das einzige Gl├╝ck, das er gehabt hatte.
Die schlimmste Wunde war die an seinem Arm. Der Muskel des Unterarms war aufgerissen bis zum Knochen, und Keko hatte viel Blut verloren.
Sofort machten sich einige Frauen des Dorfes auf den Weg, Heilkr├Ąuter zu sammeln. Sp├Ąter am selben Abend kochte Malla einen Brei aus Pflanzen und Kr├Ąutern und bestrich die Wunde, um dann ein Fell fest um den Arm zu binden.
Malla war nicht gl├Ąubig. Trotzdem betete sie in dieser Nacht, bevor sie sich neben ihren Mann ins Bett legte.

Keko musste das Dorf warnen. Das Monster w├╝rde zur├╝ckkommen, dessen war er sich sicher, und niemand in seinem Stamm hatte dem Biest etwas entgegenzusetzen.
Sein gesamter K├Ârper f├╝hlte sich an, als w├╝rde er ├╝ber einem Feuer ger├Âstet. Das Schlimmste war sein Arm. Keko hoffte, er w├╝rde ihn irgendwann wieder benutzen k├Ânnen. Derzeit war daran nicht zu denken.
Er wusste nicht, wie lange er gelegen hatte oder wie lange er ohnm├Ąchtig gewesen war. Sein Arm war verbunden, aber auch jeder Muskel seines K├Ârpers schmerzte. Dann durchzuckte ihn die Erkenntnis wie ein Blitz. Sein Weib und seine Kinder waren in Gefahr. Der ganze Stamm war in Gefahr. Er musste aufstehen. Er musste sie warnen. Keko wusste nicht, ob die H├╝tten einem Angriff des Skorpions standhalten konnten, aber er wusste, drau├čen war die Gefahr noch gr├Â├čer.
Langsam und unter Qualen richtete er seinen Kopf auf und sah sich in der H├╝tte um. Au├čer ihm war niemand im Raum. Er versuchte, zu rufen, aber au├čer einem Kr├Ąchzen kam nichts aus seiner Kehle. Und dann diese Hitze. Das musste Fieber sein. Hohes Fieber.
Trotz allem, liegen bleiben durfte er nicht. Vielleicht war es schon zu sp├Ąt. Vielleicht war die Bestie schon da. Keko schwenkte erst ein Bein, dann das andere m├╝hevoll aus dem Bett. Die Felle, die ihn bedeckt hatten, fielen zu Boden. Keko f├╝hlte die k├╝hle Luft auf seiner schwei├čnassen Haut, dann richtete er langsam und qualvoll seinen Oberk├Ârper auf.
Das w├Ąre geschafft, dachte er.
Er blieb sitzen, bis der Schmerz ein wenig nachlie├č, dann machte er den ersten zaghaften Versuch, auf seinen Beinen zu stehen. Es funktionierte besser, als er geglaubt hatte. Ihm war schwindelig, sein Magen rebellierte, aber er stand aufrecht. Mit kleinen Schritten schleppte er sich zur anderen Ecke der H├╝tte, in der er seine Waffen in einer notd├╝rftig zusammengebundenen Kiste verstaut hatte. Er nahm einen langen, steinernen Dolch, den er sonst zur Mammutjagd nutzte, und einen seiner Speere von der Wand.
Keko dachte an die K├Ąmpfe, die er in der Vergangenheit ausgetragen hatte. Mammuts waren nicht leicht zu t├Âten, und wenn man sie in die Enge trieb, konnten sie hart austeilen. Wenn ein Mammut erlegt war, kamen manchmal die S├Ąbelz├Ąhne. Sie rochen das frische Blut und wollten ihren Teil. Aber auch sie waren nichts im Vergleich zu dem, was ihn dort in der Steppe angegriffen hatte.
Trotzdem, vielleicht k├Ânnten sie es t├Âten. Er allein war zu schwach, aber wenn alle, auch die Frauen, ihre Waffen holten, hatten sie eine Chance. Es ging vor allem um die Kinder. Sie mussten gesch├╝tzt werden, sie waren die Zukunft.
Die Kinder schliefen alle gemeinsam in einer gro├čen H├╝tte in der Mitte des Dorfes. Das hatten sie entschieden, weil es der beste Schutz gew├Ąhrleistet war. Diese H├╝tte musste verteidigt werden, sie alle standen mit Ihrem Leben f├╝r die Sicherheit der Kinder.
Vor allem hoffte Keko, dass die Gruppe zur├╝ckgekehrt war. Gute K├Ąmpfer konnten sie gerade jetzt brauchen, besonders Flok, seinen Freund, der ein Meister mit dem Speer war. Auf ihn hatte er sich immer verlassen k├Ânnen, sie hielten sich gegenseitig den R├╝cken frei. Flok w├╝rde wissen, was jetzt zu tun war.
Keko setzte sich wieder auf die Kante seines Bettes und begann, sich anzuziehen. Ihn fr├Âstelte, und gleichzeitig war ihm brennend hei├č. In seinem Kopf begann sich alles zu drehen, trotzdem zwang er sich, weiterzumachen. Er st├Âhnte kurz auf, als er mit einem der Felle an seinen Arm kam, und bunte Lichtblitze des Schmerzes flackerten vor seinen Augen. Das war jetzt gleichg├╝ltig, er musste sich fertig machen. Er musste einfach.
Dunkle Nacht umfing ihn, als er langsam aus der H├╝tte trat. Niemand war zu sehen, nur das Feuer vor der Sammelstelle prasselte leise.
Keko schaute her├╝ber zu der H├╝tte, in der die Kinder schliefen. Was er sah, lie├č sein Herz gefrieren. Vor der H├╝tte wartete das Monster.
Es war kleiner, als er es in Erinnerung hatte, es stand einfach da und wartete. Ein leises Zischen war zu h├Âren. Sofort waren alle seine Sinne hellwach. Die Schmerzen in seinem K├Ârper f├╝hlte er nicht mehr. Die Kinder mussten besch├╝tzt werden. W├╝rde er jetzt schreien, w├Ąren alle verloren. Er hoffte nur, sich anschleichen und die Bestie allein t├Âten zu k├Ânnen. F├╝r Hilfe von anderen war es zu sp├Ąt.
Keko schlich sich von hinten an den Angreifer. Er versuchte, keinen Laut zu machen. Genau solche Situationen hatte er jahrelang bei der Jagd ge├╝bt, das kam ihm nun zugute.
Das war nicht der Skorpion, der ihn angegriffen hatte. Dieser hier war um einiges kleiner, sah aber nicht minder gef├Ąhrlich aus. Keko dachte nach. Wenn dies ein Jungtier war, bestand nat├╝rlich die Frage, wie viele dieser Kreaturen es hier gab. Er musste sie ausschalten, ohne gro├čen L├Ąrm zu machen. Langsam hob er seinen Speer, um ihn in den R├╝cken des Tieres zu rammen. Seine Erfahrung sagte ihm, dass er genau zielen und hart zuschlagen musste, um sein Opfer zu t├Âten.
Der Skorpion stand mit dem Hinterteil zu ihm, in Richtung der gro├čen H├╝tte gewandt. Er machte keinen Laut, wahrscheinlich wartete er auf Nahrung. Keko durfte sich nicht zu viel Zeit lassen. W├╝rde eines der Kinder aus der H├╝tte treten, um seine Notdurft zu verrichten, w├Ąre es im n├Ąchsten Moment tot. Und dann h├Ątten sie alle ein viel gr├Â├čeres Problem.
Der Schwanz des Skorpions mit dem t├Âdlichen Stachel war noch nicht so stark ausgebildet wie bei dem gro├čen Tier aus der Steppe. Trotzdem schwang er bedrohlich hin und her, jedoch ohne ein Ger├Ąusch zu machen. Keko musste genau den Moment abpassen, den t├Âdlichen Speersto├č in den R├╝cken des Monsters zu setzen, ohne dass ihm der Schwanz des Tieres in den Weg kam.
Dann passierte es. Keko machte einen weiteren Schritt auf das Monstrum zu, ohne auf den Boden zu achten. Ein Zweig unter seinem Fu├č brach, und der Skorpion wirbelte herum. Keko h├Ârte ein fast erstaunt klingendes, helles Quieken, dann stach er mit seinem Speer zu.
Der Panzer des Jungtiers hielt der Gewalt seines Schlages nicht stand. Keko traf das Tier unter den Augen, und der Skorpion schrie. Er schrie wie ein Kind, dann sackte er in sich zusammen. Im n├Ąchsten Moment brach die H├Âlle los.
Einige weitere Jungtiere waren scheinbar schon in die H├╝tte eingedrungen und st├╝rzten jetzt heraus. Nun verstand Keko. Was er gerade get├Âtet hatte, war nur ein W├Ąchter gewesen. Ein Tier, das aufpassen sollte, w├Ąren die anderen sich in Ruhe sattfra├čen. An den Kindern. An seinen Kindern.
Keko schrie. Er st├╝rzte sich auf die Jungtiere und t├Âtete zwei weitere von ihnen, bevor er sich in die H├╝tte st├╝rzte. Der Anblick verschlug ihm den Atem. Die H├╝tte war voll mit Babyskorpionen. Die Kinder waren verschwunden.
Keko schlug mit seinem Speer wild um sich, achtete auch nicht auf den Schmerz, der sich von seinem Arm aus wie gl├╝hendes Eisen in seinen K├Ârper ausbreitete. Er sah nur noch Skorpione und versuchte, so viele von ihnen wie m├Âglich zu t├Âten. Er wusste, diese Situation konnten seine Kinder nicht ├╝berlebt haben.
Dann h├Ârte er den Schrei. Keko achtete nicht mehr auf die gef├Ąhrlichen Stacheln und wirbelte herum.
Da stand sie. Das Muttertier stand im Eingang der H├╝tte und schrie. Schrei nur, du Hexe, dachte Keko und ging auf das Tier los. Um den Rest deiner Brut k├╝mmere ich mich auch noch, jetzt bist erst einmal du dran.
Der gro├če Skorpion wollte in die H├╝tte eindringen, aber Keko warf sich gegen ihn und schob ihn hinaus ins Freie. Trotz seiner Wut und der grellen Schmerzblitze in seinen Augen schaffte er es, vor ihrem giftigen Stachel und den beiden gro├čen Scheren auszuweichen.
Der Skorpion machte ein kreischendes Ger├Ąusch und rappelte sich auf. Auch Keko war sofort wieder auf den Beinen. Er verschaffte sich einen kurzen ├ťberblick. Die kleinen Skorpione, die noch nicht tot waren, hielten sich in sicherem Abstand. Wahrscheinlich warteten sie darauf, auch von dieser Mahlzeit noch etwas abzubekommen, schoss es Keko durch den Kopf. Ja, wartet ab, jetzt seht ihr, wie eure Mutter stirbt, dachte er grimmig. Dann seid ihr dran.
Keko warf sich auf sein Opfer. Den Speer hatte er fallen lassen, aber jetzt hatte er seinen Dolch in der Hand. Geschickt wich er einer Schere aus, dann schlug er zu. Die Schere landete abgetrennt im Sand. Rotes Blut, wie das eines Menschen, floss aus der frischen Wunde.
Dann war er auf dem R├╝cken des Monsters. Der Schwanz mit dem Stachel war ├╝ber ihm, aber seltsamerweise schlug das Tier damit nicht zu. Stattdessen schien es zusammenzubrechen. Keko hob den Dolch, um ihn im R├╝cken der Kreatur zu versenken.
Pl├Âtzlich kam der Schmerz. Keko lie├č den Dolch fallen. Von seinem R├╝cken breitete sich eine Flammenwand aus Schmerz aus, die ihn ├╝berrollte. Etwas hatte ihn erwischt. Richtig erwischt.
Mit letzter Kraft schob sich Keko vom R├╝cken des Skorpions und landete r├╝cklinks im Sand. Und da sah er ihn.
Das Tier war um einiges gr├Â├čer als alle, gegen die er gek├Ąmpft hatte. Es war schwarz und seine Augen schienen zu gl├Ąnzen. Dann h├Ârte er den Schrei der Kreatur. Noch bevor es Nacht um ihn wurde, sah er, wie das gro├če Tier auf ihn zust├╝rmte. Er dachte an Malla und seine Kinder. F├╝r seine Kinder hatte er alle Hoffnung verloren, aber bald w├╝rde er wieder bei ihnen sein. Ein kurzes Gebet. Dann starb er.

Flok warf ein weiteres St├╝ck Holz ins Feuer.
"Das gef├Ąllt mir nicht. Das gef├Ąllt mir ganz und gar nicht."
Er starrte in die Flammen. Goyo legte seine Hand auf Floks Schulter.
"Du hast das Richtige getan."
Flok schaute nicht auf.
"Er war mein Freund, mein bester Freund. Nur f├╝r ihn und Malla habe ich meinen Anteil gespart. Ich wollte ihm helfen. Warum hat er das getan?"
Vor einem Tag waren sie von der Jagd zur├╝ckgekehrt. Sie hatten Fleisch gefunden. Nicht viel, aber es w├╝rde den Stramm ern├Ąhren, bis sie wieder los mussten.
"Ihm war nicht mehr zu helfen. Du musstest es tun."
"Ich werde Malla zu meinem Weib machen. Jemand muss sich um sie k├╝mmern."
Goyo schreckte zur├╝ck. "Sie hat nur noch eine Hand. Sie wird nicht mehr viel sammeln k├Ânnen."
Traurig schaute Flok auf.
"Ich bin jung. Und sie ist jung. Wir wird es schaffen. F├╝r den Stamm. Oder f├╝r das, was nach Keko davon ├╝brig ist. Ich hoffe, sie verzeiht mir."
"Das muss sie. Du hast sie gerettet. Er h├Ątte auch sie get├Âtet, das wei├čt du."
"Wie die Kinder." Eine Tr├Ąne lief ├╝ber Floks Gesicht. "Wie seine Kinder."
Aus der Ferne h├Ârten sie ein Ger├Ąusch, wie leiser Donner, der ├╝ber das Land zieht. Dann ein Kratzen.
"Es zieht wohl ein Sturm auf.", sagte Flok und legte weiteres Feuerholz nach.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


DocSchneider
Foren-Redakteur
H├Ąufig gelesener Autor

Registriert: Jan 2011

Werke: 137
Kommentare: 2459
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um DocSchneider eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo MarcusErtmer, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Sch├Ân, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Ma├če an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

Ganz besonders wollen wir Dir auch die Seite mit den h├Ąufig gestellten Fragen ans Herz legen. Hier klicken

Du hast eine sehr spannende Geschichte geschrieben! Anschaulich und packend.


Viele Gr├╝├če von DocSchneider

Redakteur in diesem Forum

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung