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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kerstins Abenteuer
Eingestellt am 31. 07. 2001 15:40


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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
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Werke: 87
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Kerstins Abenteuer
von Willi Corsten

Die Kinder der Regenbogenschule wollen dem Nikolaus bei der Bescherung helfen und im Waisenhaus ein Krippenspiel auffĂŒhren. DafĂŒr brauchen sie Geld, fĂŒr MalbĂŒcher und Buntstifte, fĂŒr FarbkĂ€sten und Puppen, fĂŒr Schokolade, Marzipan und mancherlei Spiele, die Kinderherzen erfreuen.
Timo will Trödelsachen verkaufen, alten Krimskram, den eh keiner von ihnen mehr braucht. Die Idee ist gut und bald huschen emsige WĂŒhlmĂ€use durch Keller und Speicher, schnĂŒffeln in Kisten und SchrĂ€nken und stöbern nach SchĂ€tzen, die fĂŒr den guten Zweck verscherbelt werden können.
Nach den Sommerferien laden die Kinder zum Schulfest ein. Jenny spielt auf dem Akkordeon. Die in den Hut kullernden MĂŒnzen begleiten mit lustigem Klimpern ihr Spiel. Jessica verkauft Wanderstöcke, die ihr Großvater geschnitzt hatte. Benjamin dachte sich etwas besonderes aus. Auf dem Pausenhof hat er Schemel und Fußbank bereit gestellt und BĂŒrsten und PutztĂŒcher hinzu gelegt. Ein gefrĂ€ĂŸiges Sparschwein hungert nach Geld. „Schuhe putzen“ ruft der Junge, „einmal Schuhe putzen, drei Jahre Garantie." Über fehlende Kundschaft braucht er nicht klagen. Zwei Stunden spĂ€ter streikt das Sparschweinchen, weil es mit MarkstĂŒcken ĂŒberfĂŒttert worden ist. Das Geld fĂŒr die Bescherung ist nun beisammen.

Am sechsten Dezember fĂ€hrt Herr KrĂŒger mit seinem Bus an der Schule vor. Tochter Kerstin ist gleich mitgekommen. Auf sie wartet spĂ€ter eine böse Überraschung.
Kerstin ist zehn Jahre alt und die jĂŒngste in der Klasse. Ihr Mundwerk hat nie Sendepause. Wenn die Jungen sie Ă€rgern, faucht sie wie Oma Stribbels rauflustiger Kater Amadeus Nepomuk. Hellwach ist die Kleine und mutig dazu, darum darf sie bei der Bescherung auch den Nikolaus spielen. Kerstins weiße PerĂŒcke sieht toll aus und der dunkelrote Umhang passt wunderschön zu den silberfarbenen Lederstiefeln und den feingewirkten Handschuhen.
Die Geschenke werden eingeladen, dann klettert das MĂ€dchen auf die letzte Sitzbank. Eine Decke verbirgt sie vor neugierigen Kinderaugen.
Wenig spĂ€ter parkt Herr KrĂŒger hinter dem Waisenhaus. Die SchĂŒler verlassen den Bus, Kerstin aber bleibt auf ihrem Platz, weil die Gaben erst nach dem Krippenspiel verteilt werden sollen.
Draußen schwindet der Tag, rasch setzt die DĂ€mmerung ein. Eisiger Wind wirbelt erste Schneeflocken ĂŒber den Hof. Fröstelnd zieht das MĂ€dchen die Decke höher und mustert beklommen die Zweige der Trauerweide, die wie tastende Krakenarme die Scheiben entlang streichen. Plötzlich hört sie leise Schritte nĂ€her kommen. Dann geht die FahrertĂŒr auf. Ein Mann steigt in den Bus und setzt sich an das Steuer. Mitten auf seinem Kopf prangt eine Beule, die fast so groß wie eine Kinderfaust ist.
‚Ein Monster‘ haucht das MĂ€dchen entsetzt, ‚ein grausiges Monster aus der Unterwelt‘. Kerstin will fliehen, doch dann erkennt sie, dass die Beule nur ein Nylonstrumpf ist, den der Mann als Maske ĂŒber das Gesicht gezogen und oben verknotet hat. ‚Kein Monster also, aber ein Autodieb. Und der gemeine Kerl will unseren Bus stehlen, mitsamt der Geschenke, die noch im Wagen sind. Fliehen ist also keine Lösung, denn der Raub muss unbedingt verhindert werden - aber wie?‘
Fieberhaft sucht die Kleine nach einem Ausweg, zerrt wĂŒtend an der PerĂŒcke - und hat plötzlich eine gute Idee. Doch als sie den Plan ausfĂŒhren will, fĂ€hrt der Dieb los. Er wendet den Bus und biegt in die lange Ausfahrt ein, die weiter vorn in die Landstraße mĂŒndet. Dort muss er warten und einen LKW vorbei lassen. Das MĂ€dchen öffnet die TĂŒr, eilt nach draußen, huscht wieselflink hinter den Bus, verweilt dort kurze Zeit und ist Sekunden spĂ€ter schon auf der Flucht. Als sie sich noch einmal umwendet, setzt mit einem dumpfen Blubbern der Motor aus.
Minuten danach kommt Kerstin mit Papa und den SchĂŒlern zurĂŒck. Der Bus steht noch an der Ausfahrt, der Dieb aber ist lĂ€ngst geflohen. Im Dunkeln ist es sinnlos, nach dem Mann zu suchen, daher drĂ€ngt Herr KrĂŒger zum Aufbruch. Doch der Motor springt nicht an, will einfach nicht laufen.
"Das liegt mit Sicherheit am Auspuff", sagt Kerstin und faucht wĂŒtend, als die Jungen ihr lachend den Vogel zeigen.
„Ha, ha, ha, am Auspuff. Was verstehen MĂ€dchen schon von Technik."
Kerstin flĂŒstert Papa etwas ins Ohr. Herr KrĂŒger steigt wieder aus, geht um den Bus, setzt sich kopfschĂŒttelnd zurĂŒck ans Steuer und drĂŒckt erneut den Anlasser. Diesmal stĂ¶ĂŸt das Fahrzeug eine mĂ€chtige Rauchwolke aus und tuckert davon.

Im Waisenhaus ist der Jubel riesengroß. Mit leuchtenden Augen sehen die MĂ€dchen und Buben die herrlichen Sachen an, die sie geschenkt bekommen haben. Nur der kleine Stefan hat wohl andere Sorgen. Er bohrt nachdenklich in seiner Nase und mustert aufmerksam den Nikolaus. Dann tastet er nach Schwester Elisabeths Hand und flĂŒstert aufgeregt: "Der Heilige Mann ist durch den Schornstein ins Haus gekommen. Ganz sicher! Du brauchst nur seine Handschuhe anzusehen, die sind rabenschwarz. Und schau erst mal die Haare. Puh, die stehen ja vor lauter Ruß."
Kerstin - verkleidet als Nikolaus - hört Stefans Worte und nickt vielsagend mit dem Kopf. Sie verrĂ€t aber nicht, wo der Ruß wirklich hergekommen ist. Die Kleinen brauchen ja nicht alles wissen. Vor allem nicht, was passiert, wenn man PerĂŒcke und Handschuhe in den Auspuff eines Omnibusses stopft. Es reicht, wenn Kerstin diesen Unfug kennt.

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leonie
Guest
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hallo willi

na da hast du ja wieder etwas schönes und lustiges hingezaubert. ich habe herzlich ĂŒber deine geschichte gelacht. ich denke da gibt es nicht viel auszusetzten. nur das kerstin eine böse ĂŒberraschung erlebt wĂŒrde ich vielleicht weglassen oder umĂ€ndern, da es ein wenig die spannung nimmt. freue mich auf weitere schöne kindergeschichten von dir.
ganz liebe grĂŒĂŸe leonie

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Willi Corsten
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Liebe leonie,
vielen Dank fĂŒr dein aufmerksames Lesen, danke auch fĂŒr die schönen Komplimente.
Interessant finde ich deinen Vorschlag, das AnkĂŒndigen der ‘bösen Überraschung‘ wegzulassen. Mal sehen, was unsere Freunde dazu sagen.
Ich selbst halte diese Stelle fĂŒr wichtig, weil sie - wie ich finde - die Spannung sogar steigert. Na ja, freuen wir uns auf weitere Kommentare zu dieser gewiss wichtigen Frage.

Herzliche GrĂŒĂŸe
Willi

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Rote Socke
Guest
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Hey Willi,

die Geschichte find ich sehr interessant. Besonders die Sache mit dem Auspuff, da wĂ€r selbst ich als eingefleischter TÜV-Mensch nicht darauf gekommen, das in eine Geschichte zu stecken.

Zu der Sache mit dem "Überraschungseffekt". Ich meine das gehört sogar noch stĂ€rker betont. Dass Kerstin eine böse Überraschung erwartet, klingt fast noch zu harmlos fĂŒr das was wirklich passiert ist. Die Spannung könnte viel mehr angehoben werden, wenn Du Dir noch ein dramatischeres Wort einfallen ließest. Die Leserschaft soll doch wissen, dass da etwas sehr aufregendes auf Kerstin zukommt. Sonst meinte man vielleicht, dass auf Kerstin eine kleine Neckerei wegen der Nikolausfeier auf sie zu kĂ€me, aber es geht doch fast krimimĂ€ĂŸig zu spĂ€ter und das sollte am Anfang auch seine WĂŒrdigung finden fĂŒr den Spannungsaufbau.

In der 17. Zeile: "Benjamin dachte..."
wÀre es nicht besser: "Benjamin denkt..."
weil doch alles in der Gegenwart geschieht.

Aber eine schöne Geschichte. Hab ich gern gelesen.

Gruss
RN (Der rote Nikolaus)

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Willi Corsten
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Liebe Rote Socke,
ein herzliches Dankeschön fĂŒr Dein wirklich aufmerksames Lesen und fĂŒr die gut ĂŒberlegten VerbesserungsvorschlĂ€ge.
Ja, der ‘Überraschungseffekt‘ sollte noch deutlicher hervor gehoben werden, da hast Du vollkommen Recht. Werde mir etwas passendes ausdenken. Vielleicht kommen ja noch treffende VorschlĂ€ge dazu.
Die Sache mit dem Auspuff ist ein alter Trick unter Berufskraftfahrern, damit wurde schon mancher ‘GrĂŒnling‘ gefoppt.
In einem Punkt liegst Du aber falsch: „Benjamin dachte sich etwas besonderes aus...“ Die Geschichte ist zwar in der Gegenwartsform geschrieben, aber der Junge machte sich ja vorher seine Gedanken, also in der Vergangenheit.

Es grĂŒĂŸt ganz lieb
Willi

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Yes Willi!

Hast recht mit dem "dachte", wie Du halt immer recht hast.
Ich versuchte mal wieder dem Willi ein Schnippchen zu schlagen, aber das schaffe ich wohl nie. Na ja, Du stellst ja noch mehr Texte ein und ich werde sie genauestens prĂŒfen.
Einmal muss es doch klappen!

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