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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kinder des Mondes
Eingestellt am 30. 08. 2011 00:43


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sbumoritz
Hobbydichter
Registriert: Aug 2011

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Kinder des Mondes


Er ging durch diese Gro├čstadt, wie er schon oft durch sie gegangen war, oder viele andere. Keiner bemerkte, da├č er scheinbar keinen Fu├č vor den anderen setzte und nur das Wippen seines Mantelsaumes lie├č erkennen, da├č er sich ├╝berhaupt bewegte. Er suchte sich seinen Weg zwischen den dahineilenden Menschen als w├╝rde er gegen einen Strom schwimmen. Die Massen teilten sich vor ihm und str├Âmten an ihm vorbei ohne ihn zu beachten. Mehr noch, keiner kam ihm zu nah, ber├╝hrte ihn, bemerkte die Ruhe, die er ausstrahlte und kein einziges Mal mu├čte er verweilen, weil jemand seinen Weg kreuzte.
Und in dieser Stadt, deren Neonlichter und Stra├čenbeleuchtungen, Autoscheinwerfer und erhellten Hochhausfenster die Nacht zum Tage machten, blieb es verborgen, das er in einem fahlen Schein wandelte, der ihn begleitete wie das Licht des wei├člich leuchtenden Mondes, zu dessem Anblick er f├╝r einen kurzen Moment seine Augen hob. Und niemand sah, wie das Rund des n├Ąchtlichen Erdbegleiters sich in ihnen spiegelte. Niemand sah es ... nein, er h├Ârte ein leises silberhelles Lachen, das nur er von ├╝berall her aus Raum und Zeit wahrnehmen konnte und er schenkte dem Mond ein sanftes, wenn auch melancholisches L├Ącheln, bevor er seinen stillen einsamen Weg durch die Stra├čen dieser Stadt fortsetzte, zwischen all den Menschen, die schon vor Jahrhunderten die Erinnerung an ihre Verbindung zum Mond verloren hatten.
Es war eine Ironie, dass genau diese Menschen sich Geschichten vom Mann im Mond erz├Ąhlten, feinsinnige Erz├Ąhlungen von einem Prinzen im Mond, oder eine Legende vom Sohn des Mondes, der in der Sichel zum Schlafen gewiegt wurde. Sie erz├Ąhlen sich Geschichten, die ihnen f├╝r einen kurzen Moment einen Blick auf sein Leben gestatteten, das fr├╝her eng mit dem ihren verbunden war. Aber in den heutigen Tagen sahen die Menschen nicht mehr mit der Natur ihres Herzens, sondern erkl├Ąrten nur noch durch Wissenschaft die Natur einer Sache. Ihre heimliche Sehnsucht dem Gef├╝hl ihres Herzens vertrauen zu d├╝rfen, hatten sie unter einem Berg von Fakten begraben und so wandelte er nun schon viele Jahrhunderte einsam durch die Vollmondn├Ąchte in der Hoffnung ein Wesen zu finden, das, wie einst sein Vater sich seiner Mutter gegeben hatte, seinen Weg mit ihm teilen wollte.

Einen Moment nur w├Ąhrte ihr Gl├╝ck. Nachdem er alt genug geworden war, allein durch die N├Ąchte zu wandeln, ohne sich zu verlieren, war seine Mutter in die dunklen Weiten zu den Hunderttausenden anderen Sternen gegangen, um f├╝r immer eins mit seinem Vater zu werden.

Seine Gedanken durchwanderten die vergangenen Jahrhunderte, wie seine Gestalt die Stadt, lautlos, einsam, m├╝de.
Dann verharrte er einen kurzen Moment an einer Pf├╝tze auf dem Gehweg in deren kleinen Wellen sich der Mond spiegelte und sich sein Licht brach. Er schloss die Augen und rief lautlos mit seinem Herzen nach einem Menschen, der in der Lage war ihn als den zu erkennen, der er war. Und fast erschien es ihm wie ein Traum, als pl├Âtzlich eine sanfte Hand seine Wange ber├╝hrte und ihn eine warme Stimme frage: "Hijo de la Luna, was hast du?"
Er ├Âffnete seine Augen und blickte in nachtblaue Augen mit Sprengeln als w├╝rde sich das Firmament mit all seinen Sternen darin abbilden. Zarte Lippen lachten ihm aus einem feingezeichneten Gesicht umrahmt von hellblondem, fast silbernem Haar, entgegen.
Ohne Worte sprach sein Herz zu ihr:
"Ich bin der Einsamkeit und des Suchens m├╝de."
Und statt Worte suchten ihre Lippen die seinen und lie├čen seine Seele auf dem Mondlicht sich in die L├╝fte erheben.
Z├Ąrtlich zog er sie in seine Arme, hielt sie sanft umschlossen und unbemerkt von der Welt glitten sie hin├╝ber in sein Reich und er lie├č sie den Zauber des Mondes eine Nacht lang in all seinen Facetten sp├╝ren.



------------------ Hijo de la Luna ------------------


Jahre sp├Ąter, sie war alt geworden und ihr Sohn erwachsen. In jeder Vollmondnacht in ihrem Leben hatte sie ihr Gl├╝ck wiedergefunden und nun war der Tag gekommen f├╝r alle Zeit diesen Bund einzugehen, denn ihr Weg in dieser Welt war zu Ende. Sie offenbarte ihrem Sohn das Geheimnis seiner Herkunft und ihre Liebe zu seinem Vater. Nun w├╝rde er durch die Nacht wandeln und eine Gef├Ąhrtin suchen, wie sein Vater damals, und somit das Jahrhunderte alte Verm├Ąchtnis derer, die einst in Einklang mit dem Lauf des Mondes lebten, weitergeben an die n├Ąchste Generation, solange der Mond die Menschen dieser Welt durch ihre N├Ąchte begleitete und ihnen Licht und Trost spendete. Er w├╝rde vielleicht lange allein bleiben, denn seine Zeit war l├Ąnger bemessen als die seiner Gef├Ąhrtin von der Erde. Und doch hatte sich etwas ver├Ąndert, denn ihr Sohn war frei zu gehen wohin er wollte und nicht mehr an den Strahl des Vollmondes gebunden, wie sein Vater, der nur dann zu ihr zur├╝ckkehren konnte. Und dieser Gedanke machte sie gl├╝cklich, denn er w├╝rde tiefer den Zauber der Liebe und das Heranwachsen seines Kindes erfahren, als sie und sein Vater.



------------------ Hijo de la Luna ------------------



Viel war inzwischen auf dieser Erde geschehen. Die Menschen hatten nicht immer klug gehandelt und viel Schaden angerichtet, aber noch immer begleitete sie der Mond in dunkler Nacht und er wandelte auf seinen einsamen Pfaden auf der Suche nach einer liebenden Seele, die ihn erkennen konnte, als der, der er war.
Die St├Ądte, die er noch vor vielen hundert Jahren kannte, gab es nicht mehr. Es war stiller auf der Welt geworden und wieder so dunkel, dass man des Lichtes gewahr werden konnte, das ihn umgab, weshalb er nur noch selten unter Menschen wandelte.
Aber an diesem Abend, wo alles von wei├čem Schnee glitzerte, die Menschen lachend auf dem kleinen zugefrorenen See Schlittschuh liefen und Sp├Ą├če machten, bunte Lichter rundherum alles etwas erhellte, war er seit langer Zeit mal wieder unter ihnen und suchte nach dem einen Menschen, der mit ihm gehen wollte, aber niemand antwortete auf sein lautloses Flehn und so wandte er sich von dem fr├Âhlichen Trubel ab und ging in die Dunkelheit. Seine Schritte f├╝hrten ihn durch den Schnee hin zu einem kleinen verborgenen Weiher, der nicht zugefroren, den Mond spiegelte und auf den Wellen sich dessen Licht brach.
Er stand auf einem kleinen H├╝gel und blickte auf dieses fast unwirkliche Bild hinunter, als er ein leises Lachen durch Raum und Zeit wahrnahm, auf das eine etwas tiefere Stimme sanft antwortete. Und gleich einem Traum sah er auf den Wellen des Sees im fahlen Mondlicht gl├╝cklich seine Eltern tanzen und im Kreis sich drehend schwebten sie auf dem Silberglanz des Nebels, der wabernd vom Wasser aufstieg. Er schoss seine Augen, um dieses Bild in seinem Herzen festzuhalten. Und er sp├╝rte die Liebe zwischen ihnen, nach der er sich selbst so sehnte.
"Hijo de la Luna, was hast du?"
Eine sanfte Stimme riss ihn aus seinen Sehns├╝chten und lie├č diese zu der jungen Frau vor seinen Augen werden. Nachtschwarzes Haar, eisblaue Augen, wie der See auf dem seine Eltern tanzten und eine Haut, wie der Hauch des Mondlichtes so rein.
"Komm mit mir, ich will dir mein Reich zeigen, meine Liebe schenken und dich auf meinen fahlen Schwingen tragen.", antwortete er ihr, aber lautlos fragte sein Herz.
"Willst du mein Leben sein, hier und f├╝r alle Zeit?"
Die junge Frau antwortete mit ihrem Herzen und einem z├Ąrtlichen L├Ącheln, als sie ihre Hand in die Seine schob und zu dem tanzenden Paar auf dem See sah.
"So wie sie, will ich ewig mit dir tanzen."



------------------ Hijo de la Luna ------------------


Es war schon fortgeschrittene Nacht und der Vollmond stand hoch am Firmament, als die Menschen in ihrem Tun am gefrorenen See pl├Âtzlich alle innehielten und lauschten. Durch Raum und Zeit h├Ârten sie das Jauchzen eines Mannes und das silberhelle Lachen einer Frau, als w├╝rde es auf dem Mondlicht direkt zu ihnen getragen. Und alle blickten sie hinauf in den sternenklaren Nachthimmel. Der Vollmond erschien ihnen noch nie so nah und so leuchtend wie in dieser Wintersnacht und eine ferne Erinnerung an eine Zeit klang in den Menschen an, in der sie noch verstehend auf den Lauf des Mondes achteten und mit ihm und seinen Kindern lebten.



Ende


__________________
Es gibt keinen, der nicht in irgendetwas der Lehrer des anderen sein k├Ânnte. (Baltasar Graci├ín)


Version vom 30. 08. 2011 00:43

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