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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Kinder des Todes
Eingestellt am 02. 08. 2009 13:44


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Kautschukallee
Hobbydichter
Registriert: Aug 2009

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Kinder des Todes

„Jim, komm sofort zur Blossen Lane 51. Eine Frau und zwei Kinder wurden tot aufgefunden. Ein bestialischer Mord!“
Als Jim Fargo diesen Anruf seines Vorgesetzten erhielt, war es kurz vor Mitternacht. Nur widerwillig tauschte er Jogginghose und T-Shirt gegen Jeans und Pullover und verließ seine Wohnung. Fargo war kräftig gebaut, hatte ein glatt rasiertes Gesicht und obwohl er erst Anfang vierzig war, machten sich in seinem schwarzen lockigen Haar die ersten grauen Strähnen bemerkbar. Während er in seinem Wagen zum Tatort fuhr, dachte er daran was Officer John Brush ihm am Telefon erzählt hatte. Drei tote Menschen. Eine Frau. Zwei Kinder. Bestialisch ermordet. Obwohl er die Toten noch nicht gesehen hatte, dachte er sofort an das Drogenkartell, dass sich in Manhattan seit kurzem niedergelassen hatte.
Fargo war verheiratet, lebte jedoch von Christine getrennt und hatte zwei Kinder. Die Scheidung sollte Anfang nächsten Jahres vollzogen werden und soviel stand fest: Christine würde das alleinige Sorgerecht bekommen. Er musste häufig ins Ausland, zahlreiche Verbrecher hatten ihm schon Rache geschworen. Sue und Patrick, so hießen seine Kinder, waren bei ihm einfach zu gefährdet.
Fargo wurde aus seinen Gedanken gerissen. Scheinwerfer und Blinklichter von Polizei und Notdienst blendeten ihn. Erst jetzt realisierte er, dass er am Tatort angekommen war. Der FBI- Mann stieg aus einem Wagen aus und ging auf Officer Brush zu, der routiniert Kommandos weiter gab.
„Gut das du da bist Jim! Hier herrscht das totale Chaos.“, begrüßte der Offficer seinem Mitarbeiter. „Ein Mann hat die Toten hier am Straßenrand gefunden. Alle drei wurden mit einem Genickschuss getötet. Ich verwette meinen fetten Arsch drauf, dass die Drogenmafia dahinter steckt.“ Brush führte Frago durch die Masse der Polizeibeamten hindurch, bis sie vor drei länglichen weißen Leichensäcken standen, in denen man deutlich menschliche Konturen erkennen konnte.
„Sam öffne noch einmal die Säcke“, befahl Brush einem untersetzten und eindeutig übermüdeten Polizisten, der neben den Leichen Posten bezogen hatte.
Jim Fargo traf der Schlag! Nachdem die weiße Schutzhülle des größten Körpers geöffnet wurde, blickte er in das blasse Gesicht von Christine! Fargo begann zu zittern.
„Öffnen sie die anderen Hüllen. Los schnell!“, schrie er den untersetzten Polizeibeamten an. Etwas verwirrt schaute der Beamte zu seinen Vorgesetzen hinüber und obwohl Brush sich ebenfalls über den plötzlichen emotionalen Ausbruch seines Untergebenen wunderte, drängte auch er nun die Hüllen zu öffnen. „Das sind sie nicht! Nein das sind sie nicht! Gleich alt sind sie wohl, aber Sue und Patrick sehen ganz anders aus, ganz anders!“
Fargo zitterte noch immer, doch inzwischen liefen ihm Tränen der Erleichterung über das Gesicht.
„Was hat das ganze bedeuten, Jim? Was ist los mit Ihnen?“, fragte John Brush.
Jim erwiderte: „Kommen Sie Officer. An einem ruhigen Ort will ich Ihnen alles erklären.“

Kommissar Jim Fargo und Officer John Brush saßen in einem tristen und abgedunkelten Büro, in dem sie sich ungestört unterhielten. Fargo berichtete über die Trennung von Christine und das er sie danach nicht mehr gesehen hatte.
„Feststeht, das sie Kontakte mit der Drogenmafia gehabt haben muss. Die Projektile konnten wir nicht finden, jedoch gleichen die Einschusslöcher am Genick der Toten denen der anderen Personen die auf der Abschussliste der Mafia standen.“, erklärte Brush,„vermutlich wurden sie an einem wenig bevölkerten Ort ermordet und dann am Straßenrand abgelegt. Hatte deine Frau vielleicht Familie hier in der Nähe?“
„Nein, sie kam ursprünglich aus Brüssel. Sie konnte sich hier auch nur schwer zurechtfinden. Meine Frau wollte immer wieder zurück zu Ihren Eltern. Deshalb dachte ich, Christine sei nach der Trennung wieder zu ihnen zurückgekehrt. Sie kam mir manchmal komisch vor, herzlos und kühl den Kindern gegenüber. Wissen Sie Officer, Christine hat sich um den Haushalt gekümmert. Das klingt jetzt vielleicht altmodisch, aber mir erschien es immer unsicher, wenn Fremde auf die Kinder aufpassen. Und an ihrem Geburtstag ist Christine einfach mit den Kindern verschwunden.“
Brush zündete sich eine Zigarette an. „Kanntest du die beiden toten Kinder?“
„Nein die waren mir absolut unbekannt. Wie alt waren sie?“ Fargo nahm einen Schluck des lauwarmen Kaffees.
„Wir haben natürlich keine Papiere gefunden. Beide waren wie deine Frau leicht gekleidet, also ziemlich unpassend für diesen kalten und stürmischen Novembermonat. Jedenfalls schätzen unsere Psychologen ihr Alter zwischen 5 und 11 Jahren.“
Fargo blickte überrascht auf. „Sue ist 10 und Patrick 6. Was haben diese Scheißkerle mit ihnen gemacht? Auf was hat sich Christine da nur eingelassen. Officer ich will wissen wo meine Kinder sind!“ Fargo war aufgesprungen und hatte vor Wut den Plastikbecher mit dem lauwarmen Kaffee umgestoßen. Der Kaffee verteilt sich auf dem gestreiften Hemd des Officers. „Passen Sie doch auf Sie Idiot!“
Fargo war überrascht. So hatte er seinen Chef noch nie erlebt. Brush war normalerweise die Ruhe selbst, sogar bei einem atomaren Angriff auf die USA hätte er vollkommene Ruhe bewahrt. Und jetzt das. Dieser läppische Fleck auf seinem Hemd wäre nach einem Waschgang wieder verschwunden gewesen. Ich verschwinde wohl besser, dachte Fargo und machte sich auf den Weg nach Hause.

Inzwischen war es vier Uhr morgens. Zu hause angekommen ging Fargo ins Wohnzimmer zu einer großen Schrankwand und öffnete sie. Eine Bar kam zum Vorschein. Fargo griff nach einer halbvollen Whiskeyflasche und setzte sich auf die Coach. Super, jetzt sitze ich hier wie Ozzy Osborne trinke Whiskey aus der Flasche und stinke nach Schweiß, während mit Sue und Patrick irgendetwas passiert ist. Er stellte die Flasche auf den Tisch und wollte gerade in das Badezimmer gehen, als er bemerkte, dass die rote LED am Anrufbeantworter aufleuchtete. Drei Anrufe in Abwesenheit. Fargo drückte auf den Knopf. Eine Frauenstimme meldete sich. „Hallo Christine! Hier ist Emma Tamdyke. Erinnerst du dich noch an mich? Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Wir können uns ja mal wieder treffen, weil ich muss dir wa…“ Fargo drückte auf den Weiter- Knopf „ Guten Tag, Mr. Fargo. Hier ist Leon Miller von der A+B Versicherung. Sie hatten gesagt ich solle mich noch mal melden…“ Fargo verdreht genervt die Augen und drückte erneut auf Weiter. „Mr. Fargo? Hier ist Frank Wilson. Ich kannte Ihre Frau. Sie hat für mich gearbeitet. Wenn Sie mehr Informationen haben wollen, melden Sie sich unter der Nummer…“

Nachdem sich Fargo bei Frank Wilson gemeldet hatte, und sich beide auf ein Treffen in einer kleinen Bar geeinigt hatten, hatte er sich aufs Sofa gelegt und war eingeschlafen.
Der ganze Fall wurde immer mysteriöser. Was hatte Christine ihm verheimlicht?
Fargo betrat die Bar und schaute sich um. Es war zehn Uhr morgens und somit nur wenig betrieb. Eine Gruppe Teenager lungerte um einen Billardtisch herum, während sie sich das erste Bier genehmigten. Ein schmieriger Kerl saß an der Theke und schlürfte einen Kaffee. Fargo setzte sich an einen Tisch und behielt den Eingang genau im Auge. Er wartete bereits eine halbe Stunde, als ein kleiner schmächtiger Glatzkopf im Anzug durch den Eingang trat und sich umsah. Fargo schätze ihn auf Ende vierzig. Der Mann schaute sich kurz um, bemerkte dann Fargo und winkte ihm lächelnd zu. Im zügigen Schritt kam er auf den Tisch zu und setzte sich.
„Ich nehme an Sie sind Mr. Fargo. Mein Name ist Frank Wilson. Wir haben gestern telefoniert.“, begrüßte der Mann Fargo.
„Mr. Wilson.“ Fargo reichte ihm die Hand. „Ich habe wenig Zeit. Sie sagten meine Frau hat bei Ihnen gearbeitet. Was machen Sie für Geschäfte“
„Ich leite einen Partyservice, der sich auf Kinderevents spezialisiert hat. Wissen Sie, mit Hüpfburgen und Clowns und so weiter.“ Wilson lachte.
Fargo erinnerte sich an Christines kühles Verhalten Kindern gegenüber.
„Seit wann hat meine Frau bei Ihnen gearbeitet?“, frage Fargo.
„Vor einem halben Jahr, kam eine Frau zu mir und fragte ob Sie bei mir jobben könne. Da ich gerade Inventur hatte, konnte ich jeden Helfer gebrauchen. Ich habe immer wieder gefragt wie ihr Name wäre, aber sie sagte nur, sie hieße Christine und käme aus Manhattan. Die ganze Zeit hat sie schwarz gearbeitet. Ich habe ihr mehrmals einen Arbeitsvertrag angeboten, aber sie hat sich dagegen gesträubt und wurde immer regelrecht panisch, wenn ich dieses Thema ansprach.“
Warum hatte sich Christine einem Monat vor ihrer Trennung um einen Job bei einem Partyservice bemüht? Das ganze kam ihm sehr unglaubwürdig vor.
„Und was ist dann passiert?“, fragte Fargo.
„Na ja, mir kam es auch irgendwie gelegen das sie schwarz gearbeitet hat. An einigen Tagen kam sie mir richtig eingeschüchtert vor. Einmal habe ich gesehen, wie sie einen großen Bluterguss an der Schulter hatte. Ich glaube sie wurde misshandelt.“, sagte Wilson.
„Hatte Sie denn Kontakte zu andern Personen? Wurde Sie nach Feierabend abgeholt?“, frage Fargo.
Wilson überlegte kurz. „Ja, an einigen Tagen ist sie in einen schwarzen Van eingestiegen. Die Scheiben waren abgedunkelt, so dass ich den Fahrer nicht erkennen konnte. Ich habe sie auch gefragt, wer sie denn da abhole und sie sagte mir er hieße Mr. Emmeret. Sie hat auch gesagt, dass sie mir ihm verlobt sei.“
„Wann sagte Christine das?“
„Ich habe Sie bereits einige Tage, nachdem Sie bei mir arbeitete gefragt und da erzählte sie es mir.“
Fargo sprang auf. „Mr. Wilson. Vor sechs Monaten lebten ich und meine Frau noch zusammen. Erst einen Monat später haben wir uns getrennt!“
Wilson begann nervös zu werden und stotterte: „Was wollen Sie damit behaupten?“
Fargo packte Wilson am Hemdkragen und zog ihn über den Tisch. Im eiskalten Ton flüsterte er: „Sie lügen.“
Der Barkeeper und die wenigen Besucher schauten gebannt zu den zweien hinüber. Die angetrunkenen Teenager fingen an zu grölen.
Ohne ein Wort zu sagen ließ Fargo den immer noch zitternden Mann stehen und verließ die Bar. Für Fargo stand fest: Frank Wilson wusste genau was mit seiner Frau und seinen Kinder passiert war und das galt es jetzt herauszufinden. Der schwarze Van, mit abgedunkelten Scheiben, der direkt vor der Bar parkte, fiel ihm in seiner Angespanntheit nicht auf.

Die Dämmerung setzte bereits gegen fünf Uhr Nachmittags ein. Wind und Regen peitschte gegen die Fenster. Fargo blickte hinaus. Die letzten Menschen flüchteten sich in die Häuser. Es wurde wieder ein schwerer Sturm mit Orkanböen vorhergesagt. Ein Glück, dass ich nicht an der Küste lebe, dachte Fargo. Er wendete sich vom Fenster ab und griff zum Telefon. Verdammt, ich wollte doch noch Brush anrufen, vielleicht kann der mir helfen.
Nach dem dritten Klingeln meldete sich die Stimme seines Vorgesetzten. Fargo berichtete ihm, die bisherigen Ereignisse. Dann läutete es an der Tür und Fargo beendete das Gespräch, um die Tür zu öffnen.
Vor der Tür stand ein kleines Mädchen, vielleicht acht Jahre alt, das schüchtern auf den Boden blickte. Mit leiser Stimme sagte Sie: „Ich soll Ihnen das hier geben, Mr.“ Sie hielt ihm einen großen Umschlag hin. Fargo öffnete den Umschlag, in dem sich ein Brief und eine Fotografie befanden. Er faltete den Zettel auseinander und überfolg den Brief:

AN JIM FARGO!!!!
IHR KINDER BEFINDEN SICH IN MEINER GEWALT!!!!!!!
WENN SIE NICHT WOLLEN DAS ICH SIE IHNEN ALS PAKET VERPACKT ZUSCHICKE, ZAHLEN SIE MIR INNERHALB VON 24 STUDNEN 30000 DOLLAR UND KEINE
TRICKS!!!!! KLAR????

Er nahm das Foto aus dem Umschlag und erstarrte. Auf dem Foto starrtem Sue und Patrick Ihren Vater ängstlich an. Fargo blickte auf. Das Mädchen war verschwunden. Er stürmte wie Wahnsinnig das Treppenhaus hinunter und riss das Haupteingangstor auf, das auf die Straße führte. Der Regen peitschte ihm ins Gesicht und mit dem Pfeifen des Windes vermischte sich das quietschen von Reifen. Er blickte auf die Straße. In der dicken Regenwand verschwand ein schwarzer Van.

„Ich werde ihnen jetzt eine Spritze geben, das wird ihn vorerst beruhigen“, sagt Dr. Trenthy. Brush saß in einem Sessel neben Fargo und rauchte genüsslich eine Zigarette. „Ist gut, Dr. Trenthy. Ich werde mich um ihn kümmern“, versicherte er dem Doktor.
Nachdem der Arzt gegangen war, starrte Brush den Mann an, der immer mehr ein einen ruhigen Schlaf viel. Fargo hatte sich bei Ihm gemeldet und berichtet, dass seine Kinder in der Gewalt von Erpressern seien. Als Brush ihn in seiner Wohnung aufsuchen wollte, hatte Fargo völlig abwesend immer wieder die Geschichte von der Entführung erzählt. Daraufhin hatte er Fargos Hausarzt angerufen, der einen Schock feststellte, bedingt durch den hohen psychischen Druck.
Fargo hatte einige Stunden lang tief geschlafen. Er stand auf und gähnte. Benommen schaute Fargo sich in der Wohnung um. Sie war leer. War Brush gestern Abend nicht hier gewesen? Was ist gestern passiert? Verflucht, ich kann mich an nichts erinnern. Er ging ins Badezimmer und hielt den Kopf unter den Wasserhahn. Da hörte er auf einmal eine Stimme. „Daddy, Daddy! Hilf mir! Daddy!“ Es war die Stimme von Patrick.
Schnell durchsuchte er die Wohnung, doch sie war leer. Jetzt hörte er auch die weinerliche Stimme von Sue. „Daddy! Bitte hilf mir. Ich hab Angst. Daddy!“ Beide Stimmen vermischten sich. Fargo dreht sich im Kreis, rannte in die Küche ins Schlafzimmer und vor die Tür, er kniete nieder und schaute unter das Sofa. Er riss die Küchenschränke auf. Zog sämtliche Töpfe aus den Regalen. Nichts. Außer ihm befand sich niemand in der Wohnung. Die Stimmen wurden immer tiefer, brummten in seinen Ohren. Er lief schwankend durch die Wohnung, fuhr sich mit den Händen durch die Haare und hielt sich schließlich die Ohren zu. Da viel ihm das Erpresserschreiben auf, dass vor ihm auf dem Boden lag. Jetzt wusste er wieder was am Vortag passiert war. Sämtliche Ereignisse spielten sich wieder vor seinen Augen ab. Schließlich rannte er aus der Wohnung. Im Hintergrund hallten die verzerrten Stimmen von Sue und Patrick nach.

Fargo hatte fest beschlossen, dass von dem Erpresser geforderte Geld nicht zu zahlen, denn er wusste nun wer sein Kinder festhielt. Er saß in seinem Auto vor dem Geschäft von Frank Wilson. Es war ein Uhr Nachmittags. Zeit für eine Mittagspause. Frank Wilson. Er musste der Erpresser sein. Fargo schätzte, dass Wilson die Geschichte die er ihm am Vortag in der Bar erzählt hatte, Fiktion war. Wilson hatte Christine kennengelernt und erfahren, dass sie zwei Kinder hatte. Fargo hatte inzwischen Informationen über Wilson gesammelt und heraus gefunden, dass seine Geschäfte mehr als schlecht liefen. Warum nicht die Kinder einer Bekannten entführen und 30000 Dollar dafür kassieren? Alles klang so logisch und sollte am Ende doch falsch sein.
Als sich nach einer halben Stunde in dem Geschäft immer noch nicht rührte, beschloss Fargo, sich in den Geschäft umzusehen. Die rechte Hand an der gesicherten Glock, betrat er den kleinen Laden. Eine Klingel läutete. Es rührte sich jedoch niemand. „Hallo Mr. Wilson?“, fragte er laut. Vollkommene Stille, bis auf das regelmäßige Ticken einer Uhr. „Niemand da?“, rief er jetzt. Als sich jetzt immer noch nichts rührte, zog er die Waffe aus dem Halfter und ging vorsichtig auf eine Tür zu, auf der Private stand. Langsam öffnete er sie und erschrak. Vor ihm lag Frank Wilson- auf dem Rücken. Am Genick erkannte Fargo ein Blutgerinnsel. Getötet wie Christine, dachte Fargo und wählte die Nummer der Polizei.

Er befand sich wieder in seiner Wohnung. In der Hand hielt er einen Zettel, den der im Briefkasten gefunden hatte.

FARGO!!!!
ICH HABE SIE ZUM NARREN GEHALTEN!!!! ICH BIN DER SIEGER!!! NICHT SIE!!!! SCHAUEN SIE IN DEN ANRUFBEANTWORTER!!!!

Im Anrufbeantworter hatte er eine Kassette gefunden. Auf ihr befanden sich die Hilferufe von Sue und Patrick. Fargo hatte sie nach einer gründlichen Durchsuchung seiner Wohnung gefunden. Er zermarterte sich den Kopf. Irgendetwas stimmt an der ganzen Sache nicht! Wieso erwähnte der Erpresser nicht die 30000 Dollar? Fargo blickte aus dem Fenster. Das schlechte Wetter vom Vortag hatte deutliche Spuren hinterlassen. Gerade zerlegten Straßenarbeiter einen Baum der den Gehsteig blockierte. Da viel fiel sein Blick auf einen schwarzen Van der am Straßenrand parkte. Die Worte Wilsons kamen ihm in den Sinn: „An einigen Tagen ist sie in einen schwarzen Van eingestiegen. Die Scheiben waren abgedunkelt.“ Fargo reagierte schnell. Er riss seine Waffe aus dem Halfter, das an der Wand im Flur hing und hechtete nach draußen. Die Waffe schussbereit in der Hand, näherte er sich vorsichtig dem Wagen. Im inneren der Karosserie blieb alles ruhig. Befand sich überhaupt jemand in dem Van? Als er auf dem Gehsteig stand und sich immer noch nichts bewegte, begann er zu rennen.
Blitzschnell riss er die Beifahrertür des Vans auf und sah einen maskierten Mann, der ihn erschrocken anstarrte. Dann drückte der Fahrer aufs Gaspedal. Der Wagen machte einen Sprung nach vorne, Fargo wurde zurückgeschleudert und schlug unsanft auf dem Asphalt auf.
Er fluchte und schaute sich um. Das einzige Fahrzeug was in seiner Nähe stand war ein großer LKW mit Kran, auf dem der zerlegte Baumstamm geladen wurde. So absurd Ihm die Aktion erschien, er musste es versuchen. Der stieg in das Cockpit und rief den verwunderten Arbeitern zu: „Ich bin vom FBI, ich bring Ihnen Ihr Spielzeug heile zurück. Versprochen!“
Die Verfolgungsjagd gestaltete sich als schwierig. Das Gefährt fuhr zwar schnell genug, war jedoch in den engen Straßen schwer zu manövrieren. Die ungewöhnliche Fahrt führte ihn durch die Großstadt und schließlich durch kleinere Dörfer. Der Gejagte entfernte sich immer mehr von der Zivilisation. Schließlich hielt der Van auf einem alten, verlassenen Fabrikgelände. Fargo hatte inzwischen die Scheinwerfer ausgeschaltet, damit ihn der Fahrer nicht bemerkte. Er sprang aus dem Cockpit und betrat das Gelände. Er konnte erkennen, wie die maskiere Gestalt in einem der Gebäude verschwand. Fargo beeilte sich. Er näherte sich der Tür, öffnete sie leise und huschte hinein. Dem Finger am Abzug seiner Glock. Da bemerkte er einen Lichtstrahl der aus einem Kellergewölbe leuchtete. Er schlich die Treppe hinunter und stand wenige Stufen später in einem Kellergewölbe. Eine Ratte huschte zwischen seinen Beinen hindurch. Er schaute sich in dem dunklen Raum um und stand gerade im Begriff seine Taschenlampe anzuschalten, als er eine Stimme vernahm.
„Hallo Jim.“ Fargo fuhr erschrocken zurück und leuchtete mit der Taschenlampe um sich. Vor ihm stand Officer John Brush, der sich die Hände vors Gesicht hielt. „Du blendest mich, Jim. Warte ich mache Licht.“
Der schwarze Schatten bewegte sich vor Fargo. Wenige Sekunden später leuchteten Deckenstrahler auf und beleuchteten den Raum. Fargo schaute sich um. Es war unglaublich dreckig hier unten. Der Müll der auf dem Boden lag, war von Ratten durchwühlt worden. In einer Ecke lag eine dreckige Matratze. Es tropfte von der Decke. In seiner Nase sammelten sich widerwärtige Gerüche. Er musste würgen.
„Was machen Sie hier, Officer?“, frage er überrascht.
Kurze Zeit schwieg der Mann ihm gegenüber. Der Anzug war zerzaust, genauso seine wenigen Haare. Dann hörte Fargo ein unheimliches kichern. „Du hast mich verfolgt Jim. Ich hab dich bemerkt. Mit einem LKW hast du mich verfolgt."
In Fargo sammelte sich ein schlimmer Verdacht. Ein unangenehmes Bauchgefühl stieg in ihm auf. Sollte sein Boss etwa…
Ohne genau über seine Worte die er nun ausspuckte sagte er: “Haben Sie Christine ermordet? Haben Sie meine Kinder entführt?“
Wieder dieses unheimliche Kichern. Oh mein Gott! Brush ist ein Psycho!, dachte Fargo.
„Ja ich habe deine Frau getötet, Jim. Sie war nicht mehr anständig zu mir.“
„Sie haben sie vergewaltigt?“, fragte Fargo.
„Nein, dafür hatte ich ja die Kinder!“, kicherte Brush.
Ein Schuss knallte. Brush brüllte auf. Ein starker Kontrast zum kindlichen Kichern.
Brush krümmte sich, ging in die Knie. Aus Fargos Waffe drang Rauch. „Schwein!“, hauchte der FBI-Mann, die Waffe immer noch auf seinen Boss gerichtet, der sich inzwischen auf dem Boden krümmte und fauchte: „Du verdammter Hurensohn! Du hast meine Eier zerfetzt!“ Er dreht sich stöhnend am Boden.
Fargo hob die Waffe auf, die neben dem Officer lag und schleuderte sie in eine der dreckigen Ecken.
„Jeder bekommt das was er verdient.“, sagte Fargo zynisch. „Und nun erzählen Sie mir die ganze Geschichte.“ Und Officer John Brush erzählte.
Brush wurde in seiner Kindheit selbst vergewaltigt. Seitdem litt er unter Minderwertigkeitskomplexen und Schizophrenie. Am Tag war er der erfolgreiche FBI- Boss. Nachts verwandelte er sich in einen brutalen Menschenhändler und Vergewaltiger. Die Kinder die er entführte, mussten entweder unter ihm leiden oder wurden in die verschiedensten Länder der Welt „verschickt“. Brush hatte Fargos Frau auf einer Feier kennengelernt und somit auch Sue und Patrick. Eines Morgens lauerte er Fargos Frau auf, die mit den Kindern Besorgungen für ihren Geburtstag machte. Er entführte die drei und sperrte sie in ein verlassenes Kellergewölbe. Gleichzeitig zwang er sie dazu einen Abschiedbrief zu schreiben und in dem Laden von Frank Wilson zu arbeiten um neue „Ware“ zu beschaffen. Würde sie das nicht tun, müssten Sue und Patrick sterben. Doch irgendwann sträubte sich Christine. Sie droht zur Polizei zu gehen. Das war ihr Todesurteil. Um den Fall möglichst mysteriös zu gestalten und die Mafia für die Taten verantwortlich zu machen, wählte er deren Vollstreckungsmethode. Frank Wilson spürte Brush auf und erpresst ihn um seinen Partyservice zu retten. Er würde zur Polizei gehen, wenn Brush nicht eine bestimmte Summe zahlen würde. Und so wurde auch Frank Wilson Opfer von Brushs Wahrsinn. Brush fürchtete Fargo könne ihm auf die Schliche kommen und schrieb einen fingierten Erpresserbrief. Die Kassette mit den Kinderstimmen sollten ihn schließlich psychisch Belasten und berufsuntauglich machen.

„Das ist die ganze Geschichte, Jim. Zufrieden?“, frage Brush spöttisch.
„Wo sind Sue und Patrick?“
Brush deutete auf einen Gang. „Da lang. Die letzte Tür, links.“
Fargo fand in einer Ecke einen Strick und band seinem Boss damit die Hände zusammen, dann alarmierte er Polizei und Notarzt. Nun ging er zu der besagten Tür und öffnete sie. Ihm starrten vier ängstliche Augen entgegen.
Erst als sie ihren Vater erkannten stürzten sie sich mit einem lauten „Daddy“ auf Fargo. „Jetzt wird wieder alles gut.“, versprach er erleichtert. Er führte die beiden aus der Zelle hinaus und wollte seine Kinder, so an Brush vorbeischleusen, dass sie ihn nicht sehen konnten, aber er bemerkte, das dort niemand mehr lag.
„Jim Fargo!“ hörte er stattdessen Brushs Stimme brüllen. Er drehte sich um und sah, wie Brush eine Pistole auf ihn richtete. Ein Schuss knallte. Putz bröckelte von der Wand. Die Kinder schrien. Fargo drückte Sie auf den Boden, zog seine Glock und drückte ab. Ein röcheln. Brush lag tot am Boden. Weit entfernt hörte man Sirenen.
„Ist der böse Onkel tot?“, frage Patrick seinen Vater. Fargo wusste, dass seine Kinder professionelle Hilfe benötigten um diese schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten.


Version vom 02. 08. 2009 13:44
Version vom 04. 08. 2009 14:06

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